Der Krimi und die Religion

Eine alte Katholikin wird ermordet. Es stellt sich heraus, daß die als wohltätig bekannte Frau um den langjährigen Mißbrauch von Jungs durch einen Pfarrer gewusst und geschwiegen hat. (Warum ihr, der höchst bigotten Katholikin, das Schicksal eines evangelischen Pfarrers so sehr am Herzen lag, verschweigt der Film.)

Grenzpolizisten erreichen auf Verbrecherjagd nur noch das kürzlich verlassene Auto eines Schmugglerduos – mit Rosenkranz am Innenspiegel.

Ein mit einer spannenden Rahmenhandlung um den blinden Ermittler beginnender Krimi geht weiter mit dem Streit zweier Ganoven in einem Lieferwagen, in dem sie junge Frauen transportieren (und schon sehr bald auf sie schießen). Auf dem Armaturenbrett klebt eine Madonnenstatue, am Innenspiegel baumelt (schon wieder) ein Rosenkranz.

Der anfangs nur leise Verdacht gegen einen Familienvater erhärtet sich, als deutlich wird, daß er seine Kinder ausdrücklich nach biblischen Maßstäben erzieht. Natürlich auch gewalttätig, Bibel ist so, meint der Drehbuchautor.

Ein frommer junger Mann mit amerikanischem Akzent entpuppt sich als ein jugendlicher Rabauke, der betrunken Auto fährt und andere Autos beschädigt, wobei die Zugehörigkeit zu einer christlichen Gemeinschaft ausschlaggebend ist. Fazit: Wenn die ihr geschütztes Umfeld verlassen, sind sie so.

Ein Kleinganove trägt einen auffälligen Kreuzanhänger.

Ein liebenswürdiger Polizist spricht nach einer für ihn sehr peinlichen Situation ein unbeholfenes Gebet. Ein Kollege kommt dazu und wundert sich.

Polizisten sprechen nach einem dramatischen Einsatz über ihr Verhältnis zur Religion. (Sie haben keines.) „Irgendwas wird es da oben schon geben“ ist das „Religiöseste“, was gesagt wird. Sonst geht es nur darum, warum sie nicht religiös sind. Und daß es doch genügt, ein guter Mensch zu sein und seine Arbeit anständig zu machen.

Die Rede ist von acht Fernsehfilmen aus verschiedenen Serien. Sie stehen hier exemplarisch für unzählige andere. Wenn man von verschiedenen Pater-Brown-Adaptionen absieht, ist Christentum (besonders das katholische, aber auch das anderer Denominationen) ein Hort der Kriminalität, zumindest des Rabaukentums, und die Guten haben religiöse Anflüge nur gelegentlich als liebenswerte Schrulle.

Gerade Serien stellen oft den Anspruch, auch aufklärerisch zu wirken. Was Religion angeht, so sind sie verleumderisch. Denn natürlich gibt es Mißbrauch, Mord und Totschlag und Rabaukentum leider auch bei Christen, nicht weil, sondern obwohl sie Christen sind. Aber Fernsehkrimis erwecken den Eindruck, als müsse man bei Christen im Gegensatz zu anderen Menschen schon gleich damit rechnen, daß sie gefährlich Böses tun. Es wird so getan, als neigen Christen in besonderer Weise zu Schandtaten.

Selbstverständlich bin ich als Christin meiner atheistischen Umwelt insofern gefährlich, als ich meinen Glauben nicht verhehle. Das birgt die Gefahr, daß ein Atheist sich dafür interessiert, und tut er das erst einmal, kann ihm geschehen, daß er irgendwann kein Atheist mehr sein will. In diesem Sinne könnte man behaupten, daß ich Atheisten kille. Aber physisch will ich niemandem etwas zuleide tun – was übrigens mit meiner Religion zu tun hat.

An dieser Stelle sage ich ausdrücklich: Auch wenn ich es in einer Aufwallung der Gefühle für angemessen hielte, einem Drehbuchautor eins hinter die Löffel zu geben, wäre das keineswegs mit dem Dekalog, der Goldenen Regel und den Geboten der Kirche vereinbar. Aber daß es bei ARD und ZDF atheistische Rotzlöffel gibt, die ihr Honorar damit verdienen, Lügen über die Christenheit und das Christentum in die Welt zu setzen, das darf ich sagen.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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4 Antworten zu Der Krimi und die Religion

  1. Nepomuk schreibt:

    Nun, man könnte nun sehr freundlich sein und den Spruch herauskramen, daß das Christentum, vor allem das katholische, tatsächlich – vor allem in Konkurrenz zu mächtigen etablierten Religionen (seinerzeit dort Anglikaner, heute hier säkulare Verfassungspatrioten) dazu tendierst, daß sich ihm vor allem die Heiligen und die Sünder anschließen, die anständigen Leute eher weniger. (Oscar Wilde oder so)

    Es würde mich gar nicht wundern, wenn im Verbrechermilieu tatsächlich mehr Rosenkränze als Accessoirs, aber in kirchenfreundlicher Gesinnung, getragen – und vielleicht sogar gebetet – werden als der Tendenz nach im handelsüblichen Großraumbüro.

    Und auf das Rabaukentum (etwas ganz anderes als Kriminalität) waren wir Katholiken ja eigentlich sogar ein wenig stolz (nach dem Motto, natürlich, ist nicht ganz richtig, aber wenigstens gibt’s bei uns keine protestantische Zwangsdisziplin). Siehe etwa das, was Michael Ende, rightly or wrongly, als italienische Lebensart im Streit von Nino und Nicola in den Anfangskapiteln von „Momo“ schildert.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Nun, Oscar Wilde hat Witz, aber keine Ahnung. Nur Sünder werden Christen, ganz einfach, weil es andere nicht gibt – aber wenn sie erstmal Christen sind, können sie auch Heilige werden.

      Es ist ferner nicht sinnvoll, das Verbrechermilieu mit Großraumbüros zu vergleichen, obwohl es hie und da sicher Überschneidungen gibt. Es geht mir ganz einfach daraum, daß im modernen Krimi der Rosenkranz ausschließlich als Attribut Krimineller vorkommt. Das kotzt mich an.

      • Nepomuk schreibt:

        Wenn Dir Oscar Wilde nicht gefällt, gibt’s etwas mehr oder weniger gleiches auch vom sel. John Henry Newman, ich glaube aus der Apologia, wo er sich durchaus peinlich berührt zeigt von der Kriminalität der katholischen Gesellschaften und dann etwa so fortfährt: „Wir haben’s halt mehr mit der Halbwelt als mit der ganz legalen Boshaftigkeit.“

        Aber, doch, ich denke tatsächlich, daß Oscar Wilde eine interessante und diskutierwürdige (nicht unbedingt richtige) Aussage macht – wobei natürlich“Sünder“ so wie gemeint zu verstehen ist und nicht im Sinne der Selbstverständlichkeit“natürlich sind wir alle Sünder“.

        • Claudia Sperlich schreibt:

          Ich muß Newman lesen. Aber erst, wenn ich mit Guardini durch bin, was wiederum erst geschehen wird, wenn ich mit der Lebensgeschichte Pius‘ XII. durch bin und zwischendurch noch einiges rezensiert habe…
          Wilde hab ich früher gern gelesen, heute finde ich ihn abwechselnd kitschig und gewollt geistreich.

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