Was am Katholizismus so Klasse ist: Das Stundengebet!

In der Mitte der Nacht stehe ich auf, dir zu danken wegen der Entscheide deiner Gerechtigkeit… Siebenmal am Tag singe ich dein Lob wegen der Entscheide deiner Gerechtigkeit. (Ps. 119,62.164)
Betet ohne Unterlass. (1 Thess. 5,17)

Im Stundengebet strukturiert die Kirche den Tag zu einer Abfolge von Zeiteinheiten, die alle unter Gottes Segen und zu Gottes Ehre gelebt werden. Die tägliche Routine wird ebenso unterbrochen wie die außergewöhnliche Belastung, die feiertägliche Behaglichkeit ebenso wie die aufmerksame Tätigkeit, und selbst die Nachtruhe wird unterbrochen, um Gott zu preisen. Jede einzelne Hore ist wie ein großes Atemholen.

Priester, Diakone, die geweihten Jungfrauen, die Eremiten und die Ordensleute verpflichtet; sie stützen und tragen damit die Gemeinschaft der Gläubigen und dienen der ganzen Welt mit ihren Fürbitten. Eingeladen (nicht verpflichtet) sind alle Gläubigen zum Stundengebet, soweit ihre Lebensumstände das erlauben.

Mein Tag beginnt mit den Laudes, dem Morgenlob. Das heißt, ich danke zunächst einmal Gott für den neuen Tag, bitte Ihn um Seinen Segen, bitte auch für andere, stelle mich neu in Seinen Dienst.
Die mittägliche Sext und die Vesper am frühen Abend sind mir wichtig geworden und passen meistens in meinen Tageslauf.
Die Komplet bildet den Abschluss des Tages. Hier folge ich der ignatianischen Spiritualität und beginne mit einem dankenden Rückblick auf den Tag – und, vor dem Schuldbekenntnis, einem Vorsatz für den morgigen Tag. (Kein großer Vorsatz, nur einer, den ich mit sehr wenig Gnade ausführen könnte.)

Die Erfahrung zeigt mir, daß ein Tag, der von Laudes und Vesper umarmt wird, bessere Chancen hat zu gelingen. Die Kirche weiß das schon längst und nimmt gerade diese beiden Horen besonders wichtig. Es ist zwar keine Tragödie, wenn ich es mal nicht schaffe – denn die Priester und Ordensgemeinschaften tragen mich mit durch ihr Gebet. Andererseits glaube ich, je mehr das Stundengebet gepflegt wird, desto besser.

Die Komplet erfahre ich immer wieder als besonders tröstlich; ich kann mir auch keine schöneren Verse denken. Der abschließende Segenswunsch „Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende gewähre uns der allmächtige Herr“ legt in Gottes Hand, was der Beter selbst nicht in der Hand haben kann.

Das Stundengebet ist eine ganz sanfte Erziehung zu Frieden und Ordnung.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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Eine Antwort zu Was am Katholizismus so Klasse ist: Das Stundengebet!

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