Nicht linksextrem? Alles OK?

Hier schrieb ich kürzlich über Jusos und ihren Kampf gegen das Grundrecht auf Leben (und einige andere Grundrechte dazu).

Kristijan Aufiero, Vorstandsvorsitzender von Pro Femina e.V., kritisierte den Antrag der Jusos unter Hinweis auf seine sprachliche und argumentative Nähe zu Linksextremisten. Die Tagespost berichtet nun, daß der Berliner Juso-Landessekretär Arne Zillmer dem widerspricht und sagt, es bestehe eben keine Nähe zu Linksextremen.

Schauen wir mal.

Das Bekennerschreiben vom 7. Oktober 2019 nach dem Überfall auf Pro Femina lautet:

Einbruch bei Pro Femina e.V. – Für den Feminismus!

Seit Juni 2019 befindet sich der Heidelberger „Lebensschutzverein“ Pro Femina e.V.“/1000plus als dritte Niederlassung in Deutschland in der Adenauerstr. 1, 10557 Berlin.

Dieser Verein gibt vor, ergebnisoffene Beratungen für schwangere Frauen* anzubieten, die sich im Schwangerschaftskonflikt befinden. Recherchen zeigten, dass diese Beratungen manipulativ und keinesfalls ergebnisoffen sind. Starke Zweifel der Frauen* wurden ignoriert und medizinisch nicht anerkannte psychische Folgeschäden eines Schwangerschaftsabbruchs aufgeführt. Es wurde sogar Geld dafür angeboten, dass Kinder zur Welt gebracht werden.

Wir haben am Wochenende des 5./6.10 das Büro des Vereins Pro Femina am Adenauerplatz am Ku’damm besucht. Wir brachen in das Gebäude ein, zerschlugen die Scheiben im 3. Stock, hinterließen einen zugeschmierten Flur mit Farbe und Buttersäure und den Spruch „Pro Choice!“ dazu verklebten wir das Schloss.

In dem Antrag der Jusos heißt es:

Am 1. Juli 2019 hat am Kurfürstendamm 69 die Berliner “Beratungsstelle” des Vereins „Pro Femina“ eröffnet.
„Pro Femina“ bietet laut eigener Aussage Beratungen „für Frauen im Schwangerschaftskonflikt” an.
Die Verwechslung mit der staatlich anerkannten Beratungsstelle „pro familia“ ist hier allein durch die Namensgebung durchaus gewollt. „Pro Femina“ stellt dabei jedoch weder einen Beratungsschein aus, noch beraten sie ergebnisoffen oder seriös. Laut einiger Erlebnisberichte von Personen, die in einer durch „Pro Femina“ geleiteten Beratungsstelle waren, setzen diese die Schwangeren* sogar auch nach der Beratung weiter unter Druck, keinen Abbruch vornehmen zu lassen, indem sie diese u.a. mit Anrufen regelrecht terrorisieren.

Die Vorwürfe hier wie dort: „manipulativ“, „setzen unter Druck“, „terrorisieren“; „keinesfalls ergebnisoffen“, „noch beraten sie ergebnisoffen“. Stilistisch sind die Schreiben sehr ähnlich. Zeitlich sind sie nah beieinander; der Antrag wurde zwei Wochen vor dem Überfall auf Pro Femina veröffentlicht.

Zunächst einmal stellt 1000plus / Pro Femina von vornherein klar, daß nicht „ergebnisoffen“ beraten wird, daß es keinen Beratungsschein gibt. Auch, daß keine Anschriften von Beratungsstellen, die diesen Schein liefern, weitergegeben werden, wird im Erstgespräch klar. Es wird immer darauf hingewiesen, daß man diese Stellen im Internet finden kann.

Manipulativ ist es nicht, wenn eine Beratungsstelle sich bei einer Klientin per Mail oder telephonisch (letzteres ist mir nicht bekannt) erkundigt, wie es ihr geht, und ihr sagt, daß sie jederzeit weiter die Hilfe von Pro Femina in Anspruch nehmen darf. Es kann übrigens in keiner Weise illegal sein, für das Leben des Ungeborenen zu plädieren. Im Gegenteil – wer das Gesetz kennt, weiß, daß die Beratung immer das Leben des Kindes besonders im Blick haben soll. (Und wer staatlich geförderte Stellen kennt, weiß, daß es selten so ist.)

Was den Namen angeht, nun ja: Pro Familia heißt „für die Familie“, Pro Femina heißt „Für die Frau“, und klanglich kann man das schon mal verwechseln. Nur sind schwangere Frauen in der Regel nicht dumm, sondern einfach schwanger, und können sehr wohl das Internet benutzen sowie, wenn sie unbedingt einen Beratungsschein wollen, Pro Familia finden. Übrigens kann man es als Etikettenschwindel bezeichnen, wenn eine Beratungsstelle den Beratungsschein sehr leicht und schnell ausgibt und sich als „für die Familie“ bezeichnet.

Nochmals: Frauen sind in aller Regel klug genug, das Internet zu benutzen und das Wort „Beratungsschein“ bei Google einzugeben. (Doch, doch, dafür langts bei uns, liebe Jusos.) Der Antrag ist unfassbar chauvinistisch, denn er beinhaltet überdeutlich den Argwohn, daß schwangere Frauen gar nicht imstande sind, eine vernünftige, ihnen gerecht werdende Entscheidung zu treffen.

Weder Täuschung noch Verzögerung sind auf irgendeine Weise nachweisbar bei der Arbeit von Pro Femina. Aber möglicherweise kommt bei der Arbeit der Jusos zuweilen Verleumdung vor.

Es ist eine extremistische Position, dem Ungeborenen das Lebensrecht abzuerkennen. Ich tue mich selbst schwer mit den politischen Ausdrücken „rechts“ und „links“ – weil sich Rechte und Linke in Gegenrichtung so lange auf einer Kreislinie bewegt haben, bis sie mit den Nasen zusammengestoßen sind. Rechter und linker Chauvinismus mag äußerlich ein bißchen verschieden aussehen, aber elender, menschenverachtender Chauvinismus bleibts bei beiden.

Es war übrigens einer feministischen Journalistin, die sich bei Pro Femina als angeblich Ratsuchende einschlich, bei aller Mühe nicht möglich, eine einzige Frau aufzutreiben, die aus eigener Erfahrung schlecht über Pro Femina reden konnte. Da musste sie es eben selbst tun. Und konnte zwar viel Gehässiges sagen, aber im Grunde nichts anderes als: Ja, die kümmern sich um Schwangere in Not, die beraten, die geben unter Umständen finanzielle Hilfe, und die sind echt besorgt um die ratsuchenden Frauen. Wie entsetzlich – die bringen Frauen am Ende dazu, ihr Kind zu wollen!

Es ist zwar kompletter Irrsinn, Pro Femina zu verbieten, und juristisch keine Sekunde lang haltbar. Ich bin aber bezüglich deutscher Gerichte pessimistisch genug geworden, ein Verbot unabhängiger Beratung dennoch zu befürchten. Deshalb weise ich hier noch einmal auf die Petition zum Erhalt von Pro Femina hin.

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Rosenkranz-Workshop – dritter Tag

Gestern abend haben wir den Rosenkranz-Workshop abgeschlossen. Wieder gab es ein kleines Impulsreferat zum Thema „Wie schön darf ein Rosenkranz sein?“ – ein Plädoyer für schöne Dinge aus edlen Materialien (zu denen ich Holz zähle) im ganzen sakralen Bereich. Denn wir sind so gestrickt, daß wir schöne Rosenkränze lieber beten als solche aus unschönem Plastik, ebenso wie wir lieber in Kirchen gehen, die unserem künstlerischen Geschmack entsprechen, als in solche, die das nicht tun, obwohl ein Plastikrosenkranz und eine ungefällige Kirche ja nicht weniger Rosenkranz oder Kirche sind.

Schöne Holzperlen, schöne Kreuze und Medaillons!
Wieder wurde fleißig geknüpft und geredet. Eine Teilnehmerin hatte eine Photoreproduktion der Madonna vom Isenheimer Altar mitgebracht, und wir kamen überein, daß es eigentlich nicht verstehbar ist, wie man Kunst lieben und gleichzeitig nicht glauben kann. Ob Kunst der Bekehrung dienen kann? Gut möglich. Vielleicht auch die „Kleinkunst“ eines hübschen Rosenkranzes.

Zum Abschluss beteten wir wieder ein Gesätz.

Ich wurde in der Gemeinde bereits angesprochen, ob ich diesen Workshop noch einmal anbiete. Ja, gerne, und nicht nur einmal! Berliner Gemeinden, die diesen Workshop wollen, brauchen mich nur anzusprechen. In meiner Gemeinde werde ich ihn auf jeden Fall noch öfter anbieten.

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Von Figurinen, Dieben und Federn

Die Vorschriften des Dekalogs beinhalten die Absicht des Gesetzgebers selbst, nämlich Gottes. Daher lassen die Vorschriften des Dekalogs keine Dispens zu.
Thomas von Aquin, Summa theologiae, 1-2, q. 100, a. 8c

Es gibt verschiedene Motive zum Diebstahl. Die schiere Not kann zum Stehlen bewegen (und macht den Diebstahl zwar nicht in sich gut, ist aber ein stark mildernder Umstand). Habgier, Neurose und Prahlerei können zum Stehlen bringen – und, was mir neu war: irregeleitete Frömmigkeit kann das auch.

In der Kirche Santa Maria in Traspontina, nahe dem Vatikan, waren einige hölzerne Figurinen nackter Schwangerer vor einem Seitenaltar aufgestellt. Kurz vorher war bei einer Zeremonie in den Vatikanischen Gärten ein Gottesdienst gefeiert worden, bei denen zwei dieser Figurinen in einer Art „gestalteter Mitte“ eine Rolle spielten. Flugs hatten übereifrige Fromme die Holzfigürchen als Götzenbilder identifiziert und „Pachamama“ genannt. Pachamama, die südamerikanische Gottheit der Fruchtbarkeit, ist zwar traditionell nicht darstellbar – aber was kümmert das einen Zeloten! Den Hinweis des Vatikansprechers Pater Giacomo Costa, die Figur sei „weder heidnisch noch heilig“, muss man ja auch nicht lesen, oder? Mittlerweile steht hundertfach im Internet, daß es sich um „Pachamama“ handelt, um „Götzen“ – und wenn es im Internet steht, muss es ja stimmen, was? Oh halt – Pater Giacomo Costas Aussage steht auch im Internet. Aber nicht so oft. Und die Mehrheit muss ja Recht haben, weil, äh, also die Mehrheit der Guten, wobei, was gut ist, entscheiden eben die Guten, und die sind in der Mehrheit, also jedenfalls hier… alles klar?

Persönlich finde ich die Figurinen künstlerisch nicht besonders gelungen, aber das ist unwichtig. Ob man sie mag, ist nicht zuletzt Geschmackssache. Meiner Ansicht nach sollte ein katholischer Gottesdienst allerdings niemals so aufgebaut sein, daß er innerhalb der katholischen Kirche zu groben Missverständnissen führt, und Missverständnisse waren bei diesem Gottesdienst mit zwei weiblichen Aktfiguren in der gestalteten Mitte absehbar.
Auch ist die Ehrfurcht vor Müttern, vor Mütterlichkeit und Fruchtbarkeit, vor der Schöpfung zwar sehr berechtigt, darf aber nicht das Zentrum eines Gottesdienstes bilden – denn das Zentrum jedes Gottesdienstes ist Gott, und wir dürfen nicht Geber und Gabe, nicht Schöpfer und Schöpfung verwechseln.
Ich habe also an dem letzthin so hochgejazzten Gottesdienst in den Vatikanischen Gärten einiges zu bemängeln, aber nicht aus der Annahme, er sei als heidnischer Kult gemeint, sondern weil er teilweise so aussah. Das ist weit weniger schlimm als ersteres (wenn auch schlimm genug).

Die von vielen Frommen so ungnädig aufgenommenen Figurinen hatten in einer Kirche vorläufige Aufnahme gefunden, allerdings keinesfalls als Kultgegenstände. Ein Katholik hat sie vor laufender Kamera gestohlen und in den Tiber geworfen. Das war ein Verstoß gegen das 7. Gebot, außerdem durch die absehbare Bejubelung im Internet ein Akt des Hochmutes. Mit den Makkabäern wird der junge Spund verglichen, mit Bonifatius und anderen Großen. Also mit Menschen, die als analoge Bekenner einen ausgesprochen unangenehmen Tod auf sich nahmen, um Gott die Treue zu halten. Nicht mit Menschen, von denen ich im Video nicht einmal das Gesicht sehe und die im schlimmsten Fall eine Geldstrafe riskieren, wahrscheinlich nicht mal das.

Im nahen Zusammenhang mit dieser saudämlichen Aktion steht ein immer wiederkehrendes Genörgel darüber, daß bei der Amazonassynode auch Indigene in ihrem traditionellen Federschmuck erschienen. Da frage ich mich: Welchen Nörgler stört es in seinem religiösen Empfinden, wenn Frauen im Dirndl, Männer in ledernen Kniebundhosen zur Messe kommen? Und warum soll das eine berechtigt sein, das andere nicht?

Katholiken – seid keine Spießer! Seid keine Diebe! Seid einfach katholisch.
dixi.*

*für Karl-May-Fans: Hugh, ich habe gesprochen.

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Jusos gegen Grundrechte

Teile der SPD versuchen, das Grundrecht auf Leben vollständig abzuschaffen, dazu das Recht auf freie Entscheidung und das Recht auf freie Meinungsäußerung in Wort, Schrift und Bild.

Es handelt sich um den Antrag 170/II/2019 der Jusos (Landesdelegiertenkonferenz) vom 23. September 2019, über den der Landesparteitag am 26. Oktober 2019 beschließen soll. Sie fordern das Verbot der Beratungsstelle Pro Femina. Hier geht es zu einer Petition für den Erhalt von Pro Femina.

Schauen wir uns den Paragraphen mal an (Hervorhebungen von mir):
§ 219 Beratung der Schwangeren in einer Not- und Konfliktlage
(1) Die Beratung dient dem Schutz des ungeborenen Lebens. Sie hat sich von dem Bemühen leiten zu lassen, die Frau zur Fortsetzung der Schwangerschaft zu ermutigen und ihr Perspektiven für ein Leben mit dem Kind zu eröffnen; sie soll ihr helfen, eine verantwortliche und gewissenhafte Entscheidung zu treffen. Dabei muß der Frau bewußt sein, daß das Ungeborene in jedem Stadium der Schwangerschaft auch ihr gegenüber ein eigenes Recht auf Leben hat und daß deshalb nach der Rechtsordnung ein Schwangerschaftsabbruch nur in Ausnahmesituationen in Betracht kommen kann, wenn der Frau durch das Austragen des Kindes eine Belastung erwächst, die so schwer und außergewöhnlich ist, daß sie die zumutbare Opfergrenze übersteigt. Die Beratung soll durch Rat und Hilfe dazu beitragen, die in Zusammenhang mit der Schwangerschaft bestehende Konfliktlage zu bewältigen und einer Notlage abzuhelfen. Das Nähere regelt das Schwangerschaftskonfliktgesetz.
(2) Die Beratung hat nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz durch eine anerkannte Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle zu erfolgen. Die Beratungsstelle hat der Schwangeren nach Abschluß der Beratung hierüber eine mit dem Datum des letzten Beratungsgesprächs und dem Namen der Schwangeren versehene Bescheinigung nach Maßgabe des Schwangerschaftskonfliktgesetzes auszustellen. Der Arzt, der den Abbruch der Schwangerschaft vornimmt, ist als Berater ausgeschlossen.

Nun ist Pro Femina eben keine staatlich anerkannte Stelle und macht gar kein Hehl daraus. Das wird einer Frau, die sich hier beraten lässt, von vornherein klar gemacht. Pro Femina ist eine Beratungsstelle, aber nicht die einzige auf weiter Flur – und vor allem eben keine „anerkannte“. Nun darf jede Frau selbstverständlich Rat suchen, wo sie möchte. Sie darf ihre Mutter um Rat fragen, ihre beste Freundin, die Mitglieder ihres bevorzugten Fußballvereins – und auch einen eingetragenen Verein, der Pro Femina heißt, sich dem Schutz von Mutter und Kind verschrieben hat und genau wie die Vorgenannten keine Scheine ausstellt. Der Verein Pro Femina würde durch die Weigerung, Beratungsscheine auszustellen, nur dann widerrechtlich handeln, wenn er staatlich anerkannt wäre – und deshalb pfeift Pro Femina auf staatliche Anerkennung.

Die Jusos werfen Pro Femina nun vor, als Beratungsstelle keine Scheine auszustellen – aber wie gesagt: Beratungsscheine kommen von staatlich anerkannten Beratungsstellen, was Pro Femina nicht ist.
Ein weiterer Vorwurf lautet, Frauen zu täuschen und Beratungen absichtlich hinzuziehen, damit der Zeitpunkt versäumt wird, zu dem sie anderswo noch einen Schein bekommen könnten. Pro Femina stellt von vornherein klar, daß hier kein Beratungsschein zu haben ist, und keine Frau wird im Unklaren darüber gelassen, daß sie den Schein woanders vielleicht bekommt, aber nicht hier.
Pro Femina zögert die Beratung auch nicht hinaus, sondern gibt sehr schnell Termine, ist fast ständig ansprechbar für die Ratsuchenden.

Die Behauptung, Schwangere werden getäuscht, ist eine glatte Lüge. Pro Femina erklärt sehr genau, was eine Schwangerschaft ist, lässt sich auf jede ratsuchende Frau ganz persönlich ein.

In dem Antrag heißt es:

„Ratsuchenden wird finanzielle Unterstützung angeboten, wenn sie sich dafür entscheiden, die Schwangerschaft fortzuführen.“

Das könnte man durchaus auch in einem lobenden Artikel über die Arbeit von Pro Femina schreiben. Tatsächlich gibt Pro Femina Frauen in schwieriger finanzieller Situation auch finanzielle Unterstützung, um das Kind austragen und versorgen zu können. Es ist nicht ersichtlich, warum finanzielle Unterstützung für Mütter in Not ein Minuspunkt sein soll. Auch daß Kristijan Aufiero nicht nur „führendes Mitglied von „Pro Femina““ ist, sondern „ebenfalls Vorsitzender des „Birke e.V.“, welcher der Lebensschutzbewegung zuzuordnen ist“ – daß er also mehreren eingetragenen Vereinen angehört, von denen keiner andere Ziele hat als das Leben von Kindern und die Wohlfahrt von Müttern zu fördern, kann ich nicht verwerflich finden.

Also: Es gibt einen Verein, der Schwangere in Konfliktsituationen sachlich und liebevoll berät, nicht staatlich anerkannt ist, keine Scheine ausstellt, keine staatlichen Gelder bekommt, Schwangere und junge Mütter in Notsituationen auch materiell unterstützt, von dem sich übrigens zahlreiche Frauen sehr ernstgenommen fühlten, die heute glückliche Mütter sind. Über diesen Verein schwadronieren die Jusos in ihrem Antrag weiter:

Eine solche Missachtung des Rechts auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper und die bewusste Täuschung von Schwangeren* lehnen wir entschieden ab!

Pro Femina ist ganz für das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper. Nur geht es bei einer Abtreibung um die finale Bestimmung über den Körper eines anderen Menschen. Um das zu wissen, braucht man nur gerade so viel Bildung, daß man die entsprechende Stelle in einem Schulbuch für den Biologieunterricht halbwegs versteht. Statt sowas mal zu lesen, fahren die Heldenjusos fort:

Wir kämpfen für das Recht von Menschen, selbst zu entscheiden, ob sie eine Schwangerschaft fortführen möchten oder nicht!

Ich bin sicher, daß Ihr das nicht erkämpfen könnt. So ein Recht gibt es nicht und kann es nicht geben. Ein Mensch hat kein Recht, zu entscheiden, ob ein Unschuldiger weiterleben darf oder nicht. Allerdings wird man diese Argumentation bei Pro Femina nicht hören, da es den Beraterinnen vorrangig um den Schutz der Mütter geht. Um der Frauen willen soll etwas verhindert werden, was in sich nie gut sein kann – die Tötung von Kindern.

Aber so etwas verstehen die Jusos nicht und kommen zum Punkt:

Wir fordern die Schließung der selbsternannten Beratungsstellen von „Pro Femina“!
Solange die Pro Femina Filiale nicht geschlossen ist, soll die Filiale zu einer expliziten Deklarierung verpflichtet werden, aus der deutlich hervorgeht, dass der für den Abbruch benötigte Beratungsschein dort nicht ausgestellt wird.

Liebe Jusos, wie ist’s mit Eurer Lesekompetenz? Schaut mal hier. Da steht:

Um Ihnen bestmögliche und unabhängige Information, Beratung und Hilfe im Einklang mit Art. 1 Abs. 1 GG und §219 Abs. 1 StGB zur Verfügung zu stellen, ist Pro Femina NICHT Teil des staatlichen Beratungssystem und stellt keine sog. „Beratungsscheine“ aus. Die Arbeit von Pro Femina ist zu 100% Spenden-finanziert.

Die Jusos fordern also erstens etwas, was es nicht gibt (das Recht, einen unschuldigen Menschen zu töten bzw. töten zu lassen), zweitens etwas, was es bereits gibt (die explizite Aussage von Pro Femina, daß Pro Femina keine Beratungsscheine ausgibt).

Wenn diesem Antrag stattgegeben wird und in der Folge eine wirklich sinnvolle, menschenfreundliche Beratungsstelle geschlossen wird, dann wird Artikel 2 des Grundgesetzes ausgehebelt.

(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Jeder – auch der ganz Wehrlose! Und auch die Frau, die von allen Seiten bedrängt wird, abzutreiben, und selbst kaum zum Nachdenken kommt. Oder die das Kind will, aber von der ganzen Familie hört, daß es jetzt nicht passt. Übrigens ist eine Frau nach einer Abtreibung nicht körperlich unversehrt.

Interessant sind an dem Antrag der Jusos auch Zeitpunkt und Stil. Wir erinnern uns: Ein Überfall auf die Räumlichkeiten von Pro Femina fand in der Nacht zum 7. Oktober statt (Bericht hier und hier). Ein Bekennerschreiben erschien unmittelbar danach auf Indymedia.
Der Antrag wurde am 23. September 2019, also zwei Wochen vorher, veröffentlicht und ist stilistisch und argumentativ sehr ähnlich wie das Bekennerschreiben. Ich behaupte nicht, daß er von den gleichen Leuten ausgeheckt wurde, die die Beratungsstelle verwüsteten, aber seltsam ist es schon, daß junge Politiker in zeitlicher Nähe gleiche Absichten in gleichem Sprachstil kundtun wie die unbekannten Rowdies.

Hier einige Links in dieser Sache:

Petition zum Erhalt von Pro Femina
Kristijan Aufiero: BuzzFeed, Fake-News und Manipulation
Tobias Klein: Moloch Berlin – Pro Femina droht Verbot

Was geschieht, wenn dieser Irrsinnsforderung der Jubelsozen stattgegeben wird, ist absehbar. Zunächst werden mehr Frauen sich zur Abtreibung drängen lassen als zuvor; Frauen, die eine lebensbejahende Beratung suchen, werden in ihrer Not alleingelassen. Die Chancen werden besser für Männer, die ihre schwangere Partnerin erpressen. Der Schutz der Ungeborenen wird weiter abnehmen.

Wenn aber erst einmal diese Hürde geschafft ist, wird es weitergehen. Wer wehrt sich denn immer so viel und oft so erfolgreich, wenn es darum geht, Menschenrechte zu beschneiden? Klar – die Kirchen. Und wenn man schon dabei ist, das Recht auf unabhängige Beratung zu torpedieren, dann kann man ja mit der freien Religionsausübung weitermachen und sich die Kirchen vom Halse schaffen, peu à peu, durch immer weitere Beschneidung des Rechtes auf freie Meinungsäußerung.

Das ist kein Alarmismus. In dem Augenblick, in dem die durch das Christentum erst möglich gewordenen Grundfesten des GG zerstört werden, ist das Christentum selbst bedroht. In dem Augenblick, wo das Recht auf Leben, Meinungsäußerung und freie Entscheidung nicht nur bedroht sind (das sind sie ja längst), sondern nicht mehr absolut existiert, existiert es in Wirklichkeit gar nicht mehr. Es gibt keinen Grund, das Leben außerhalb der Gebärmutter zu schützen, wenn man es in der Gebärmutter nicht mehr schützt. Keinen Grund für lebensbejahende Medizin und Pflege, wenn man lebensbejahende Schwangerenberatung verbietet. Keinen Grund, die gewaltlose Meinungsäußerung irgendwo zu erlauben, wenn man sie da verbietet, wo es um den Schutz des zweiten Grundrechtes geht (das eigentlich das erste Grundrecht ist, weil es allem anderen logischerweise vorangeht).

Der Antrag 170/II/2019 der Jusos passt zur zustimmenden Diskussion um Sterbehilfe und Euthanasie, zu Bestrebungen, die Religionsfreiheit zu kappen, zu Versuchen der Sprachregulierung, zu allen Maßnahmen, die Diktaturen so ordentlich erscheinen lassen. (Ordentliche Sprache, ordentliches Denken, ordentliche Gebärmütter, ordentlicher Nachwuchs, ordentlicher Tod.) Wir gehen in Deutschland auf ordentliche Zeiten zu – so ordentlich wie ein Urnenfeld.

Allerdings haben die Jusos (und wer sonst noch bei der graduellen Beschneidung der Rechte mitmacht) mit einem nicht gerechnet: Mit dem, der gesagt hat, daß nicht einmal die Pforten der Hölle die Kirche überwältigen werden. An Ihn halte ich mich, und Er wird uns auch Wege finden lassen, Schwangeren in Not beizustehen, selbst wenn wir das nach dem Gesetz des Landes nicht „dürfen“.

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Rosenkranz-Workshop – zweiter Tag

Heute war der zweite von drei Dienstagen des Rosenkranz-Workshops. Letztes Mal waren wir zu dritt, heute zu viert. Die beiden, die letztes Mal schon dabeiwaren, knüpften nun schon ganz geschickt ihren Rosenkranz. Die neu Hinzugekommene traute es sich erst nicht recht zu, aber mit Erklärung und Hilfe von meiner Seite und nachdem sie ein Marienbild auf den Tisch gestellt hatte, ging es immer besser.

Ich selbst machte die Erfahrung, daß gleichzeitig hier helfen, da ein paar Fragen beantworten und selbst einen Rosenkranz knüpfen nicht ganz einfach ist – zweimal musste ich einen falsch geknüpften Knoten wieder auftun. Am Ende gab es bei der Freundin, die es eben erst gelernt hatte, ein unvorhersehbares Problem – die letzte Öse des Medaillons war sehr schmal, und wir haben auch mit vereinten Kräften die Schnur nicht hindurchbekommen. Das lag sicher auch daran, daß wir nun alle schon etwas müde waren. Nächstes Mal wird es klappen.

Zum Abschluss beteten wir ein Gesätz, diesmal im Gedenken für einen Verstorbenen aus unserer Gemeinde. Wieder waren am Schluß, nach zweieinhalb Stunden, alle sehr zufrieden und wollen nächsten Dienstag zum letzten Tag des Workshops wiederkommen.

Ich bin schon jetzt fest entschlossen, diesen Workshop in verschiedener Form und Länge öfter anzubieten, und hoffe, daß auch Ministranten und Firmlinge sich dafür begeistern lassen.

Rosenkränze knüpfen macht Freude und bringt Ruhe. Und wenn man nicht vorankommt, hilft es tatsächlich, die Allerseligste um Hilfe zu bitten. War letztes Mal so, war diesmal so. Ist vermutlich oft, wenn nicht immer, so.

Der letzte Termin dieses Workshops ist Dienstag, 22. Oktober 2019, 18.30 Uhr,
St. Marien, Bergheimer Platz 1, 14197 Berlin (Pfarrhaus hinter der Kirche, 1. Stock). Materialkosten betragen pro Rosenkranz 5,00 €. Es ist noch reichlich Platz im Kleinen Pfarrsaal – und, wie gesagt, der Workshop wird sicher noch mehrmals stattfinden. Interessierte Berliner Gemeinden können mich gerne ansprechen.

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Hilfe für 1000plus

Kürzlich berichtete ich über einen Anschlag auf das Büro der Beratungsstelle für Schwangere 1000plus / Pro Femina in Berlin.

Für die Renovierung braucht 1000plus Geld. Ob und wieviel die Versicherung in diesem Fall zahlt, ist noch unsicher – und jedenfalls soll so bald wie möglich ungestört weiter beraten werden. Hier ist ein Link zum Spenden. Auch Gebete für die Beraterinnen und Klientinnen von Pro Femina sind sehr willkommen.

Edit: Soeben erfuhr ich, daß die Versicherung zahlt. Das macht Spenden aber nicht überflüssig, denn 1000plus muss teure Sicherheitstechnik einbauen.

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Trauer und Verständnislosigkeit

Gestern hat ein 27Jähriger in Halle mit einer selbstgebauten Waffe versucht, die Zivilisation zu beenden. Es ist ihm nicht ansatzweise gelungen, aber sehr großes Unheil hat er angerichtet.

Ja, ich sehe auch ein „nur“ geplantes Massaker an Betern als einen Versuch, die Zivilisation zu beenden. Todesopfer in Halle sind eine Frau und ein Mann, beide wahllos erschossen. Der Mann hat den Täter nach Berichten angefleht, ihn leben zu lassen.

Der Täter hat seine Tat im Stil eines Egoshooter-Spiels gefilmt, und er hat keinen Funken Mitleid gezeigt. Er hat vollkommen böse gehandelt. Er hat Menschen, die einen Augenblick zuvor noch in großer Freude Gott gepriesen haben, in Todesangst versetzt. Er hat eine ganze Stadt vor Angst erstarren lassen. Er hat Unschuldige getötet.

Es fällt mir leicht, für die Opfer und ihre Angehörigen und Freunde zu beten. Ebenso für die Juden in Halle und in ganz Deutschland (und überall auf der Welt). Ebenso für alle Menschen, die gestern von der Evakuierung betroffen waren, die Zeugen der Bluttat wurden, die Angst und Schrecken bewältigen müssen.

Es fällt mir nicht leicht, für den Täter zu beten – obwohl ich sehr genau weiß, daß ich genau dazu aufgerufen bin. Welche Art von Wirrnis sein Grund ist, andere Menschen tot sehen zu wollen, ist mir egal. Ich will, daß die Gesellschaft vor ihm und ähnlichen Menschen geschützt wird. Ich weiß, daß keine Gesellschaft von jeder Art Irrer vollkommen geschützt werden kann. Was das Beten angeht, versuche ich es… mit einem einfachen

KYRIE ELEISON. CHRISTE ELEISON. KYRIE ELEISON.

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Hörnchen traut sich nicht

Minutenlang stand Hörnchen regungslos auf der Fensterbank. Sehnsüchtiger Blick zum Balkon, wo das wohlgefüllte Futterhäuschen steht – aber irgendetwas schien dort bedrohlich.
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Nach unten ist aber auch ganz schön tief!
hoernchen2

Da rauf? Soll ich doch?
hoernchen3

Lieber ganz klein machen! Sonst sieht ES mich.
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Ich weiß echt nicht…
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Ach was. Jetzt gleich. Ich will Nüsse!
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Was immer ES war – Hörnchen hat sich dann doch überwunden. Hunger ist halt ein starkes Motiv.

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Rosenkranz-Workshop: Erster Tag

Gestern Abend begann mein Rosenkranz-Workshop im Kleinen Pfarrsaal von St. Marien, Bergheimer Platz. Der erhoffte Andrang blieb aus – es kamen zwei Interessierte, eine aus dieser Gemeinde, einer fuhr dafür quer durch Berlin.

Kein Grund zur Enttäuschung! Die beiden sind mit dem Rosenkranz seit langem vertraut, nur einen selbstgemachten hatten sie noch nicht. Ich konnte mir also über die Hälfte der einführenden Worte sparen und sagte nur ein bißchen etwas über die Geschichte des Rosenkranzes (die spannend genug ist und in der Regel falsch dargestellt wird).

Dann zeigte ich den beiden, wie man knüpft, half hier und da ein bißchen, und wir saßen ganz gemütlich zusammen und stellten jeder einen Rosenkranz her. Dabei sprachen wir über unsere Erfahrungen mit dem Rosenkranz. Und zuletzt beteten wir ein Gesätz.

Das war so schön, daß beide sagten, sie wollen nächsten Dienstag noch einen Rosenkranz knüpfen. Also disponiere ich um. Eigentlich hatte ich mir den Ablauf so vorgestellt:

Erster Tag – Rosenkranz wird vorgestellt und geknüpft, ein Gesätz wird gebetet
Zweiter Tag – evtl. unfertige Rosenkränze fertigstellen; gemeinsames Rosenkranzgebet
Dritter Tag – Gemeinsames Rosenkranzgebet, Austausch über den Workshop

Nun sieht der Plan so aus:
Zweiter Tag – wie erster: Rosenkranz wird geknüpft; wer dazukommen mag, macht mit. Ein Gesätz wird gebetet.
Dritter Tag – Nach Absprache: Entweder ein weiterer Rosenkranz wird geknüpft und ein Gesätz gebetet, oder wir basteln nicht und beten den ganzen Rosenkranz. (Ich vermute nach der schönen Erfahrung von gestern, es wird die erste Option.)

Die Frau aus unserer Gemeinde war noch heute morgen ganz begeistert, hat bereits dem Pfarrer weitergesagt, wie schön das war – und auf jeden Fall wird dieser Workshop wiederholt. Eventuell könnte ich ihn in dieser oder ähnlicher Form einmal im Quartal machen, oder an nur einem Tag einmal monatlich, und eventuell könnte der Veranstaltungsort auch wechseln.

Ich empfehle den Rosenkranz durchaus auch Menschen unter Fünfzig. Bereits das Herstellen hat etwas Meditatives und ist zugleich ein schönes Erfolgserlebnis. Ich empfehle das ausdrücklich auch Jugendlichen. Für die Firmvorbereitung wäre es auch eine gute Idee.

Berliner Gemeinden, die Interesse daran haben, können mich gerne ansprechen.

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Überfall auf Schwangerenberatung

In der Nacht zum Montag wurde in das Berliner Büro der Beratungsstelle „Pro Femina“ eingebrochen (Bericht hier). Es wurde aus dem Motiv der Feindseligkeit erheblicher Sachschaden angerichtet.

Auf Indymedia gibt es ein anonymes Bekennerschreiben:

von: anonym am: 07.10.2019 – 09:40

Einbruch bei Pro Femina e.V. – Für den Feminismus!

Seit Juni 2019 befindet sich der Heidelberger „Lebensschutzverein“ Pro Femina e.V.“/1000plus als dritte Niederlassung in Deutschland in der Adenauerstr. 1, 10557 Berlin.

Dieser Verein gibt vor, ergebnisoffene Beratungen für schwangere Frauen* anzubieten, die sich im Schwangerschaftskonflikt befinden. Recherchen zeigten, dass diese Beratungen manipulativ und keinesfalls ergebnisoffen sind. Starke Zweifel der Frauen* wurden ignoriert und medizinisch nicht anerkannte psychische Folgeschäden eines Schwangerschaftsabbruchs aufgeführt. Es wurde sogar Geld dafür angeboten, dass Kinder zur Welt gebracht werden1.

Wir haben am Wochenende des 5./6.10 das Büro des Vereins Pro Femina am Adenauerplatz am Ku’damm besucht. Wir brachen in das Gebäude ein, zerschlugen die Scheiben im 3. Stock, hinterließen einen zugeschmierten Flur mit Farbe und Buttersäure und den Spruch „Pro Choice!“ dazu verklebten wir das Schloss.

Fangen wir mit dem Absender an: Da zeigt jemand* klares Täterwissen und ist leider zu feige, seinen* Namen zu nennen. (Mit dem Sternchen am Pronomen deute ich an, daß ich ihn* soweit ernst nehme, anzunehmen, er* könnte auch eine Frau* sein.)
Wenn der Feminismus es nötig hat, daß in seinem Namen ein Einbruch verübt wird, muss der Feminismus ja eine ziemlich schlappe Nummer sein. Als selbstbewußte Frau sage ich: Ich verwahre mich gegen sinnlose Gewalt im Namen meiner Rechte. Meinen Rechten und meiner Würde hilft es ganz und gar nicht, Rechte und Würde anderer Leute anzugreifen.

Der Ausdruck „Lebensschutz“ bzw. „Lebensschützer“ ist ursprünglich ein Spottwort gegen Lebensrechtler, das von der Lebensrechtbewegung selbst adaptiert wurde. Es ist nicht sinnvoll, ihn in Anführungszeichen zu setzen. Entweder man gibt zu, daß Lebensrechtler Leben schützen, mithin auch Lebensschützer genannt werden können, oder man gibt zu, ein Spottwort zu benutzen, dann braucht es aber auch keine Anführungszeichen.

1000plus genießt einen guten Ruf bei zahlreichen glücklichen Müttern, die mit ihren Ängsten und Zweifeln genau dorthin gegangen sind. Es sieht ganz danach aus, als ob gerade Pro Femina diesen Frauen zuhört und sie ernst nimmt – statt ihnen den Schein geradezu aufzudrängen, was leider an vielen anderen Beratungsstellen geschieht.

Daß Pro Femina Schwangere nicht mit wohlfeilen Worten abspeist, sondern dort, wo es nötig ist, auch mit Geld hilft, scheint dem* Anonymen besonders schändlich zu sein. Natürlich haftet dem Geld nicht zu Unrecht ein Odium des Ungerechten, Bösen an. Aus Erfahrung weiß ich aber, daß es auch ziemlich schlecht ist, keines zu haben. Wenn man noch dazu für ein kleines Wesen zu sorgen hat, ist Geld eine durchaus wünschenswerte Sache. Pro Femina hilft also Frauen, die diese Hilfe dringend benötigen, auch mit Geld. Neidisch, Anonymum?

Hört zu, Anonyme: Ihr habt das Gebäude nicht „besucht“, sondern heimgesucht. Ein Besuch ist eingeladen, das wart Ihr nicht. Ihr habt euch aufgeführt wie die Berserker, und nun gebt Ihr damit an, aber so mutig, Eure Namen und Adressen zu nennen, seid Ihr nicht. Und da soll ich Euch glauben, daß es Euch um irgendjemandes Rechte, Verteidigung, Freiheit oder was auch immer geht? Nein – Euch geht es um Randale und Ruhm in den Kreisen, die Euch dafür bejubeln.

Ich hoffe sehr, daß die Mitarbeiter von 1000plus/Pro Femina ihr Büro bald wieder ungestört nutzen können – und daß keine Schwangere in Not jemals einem der Täter* begegnet.

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