Es summt auf dem Balkon

Die Hornveilchen gehen so langsam hinüber – wobei ich hoffe, daß aus den Unmengen von Samen nächstes Jahr wenigstens einige wieder aufwachsen. Der Salbei macht noch keine Anstalten zu blühen. Also habe ich einige Blumen gekauft – und schon kommen Hummeln und Bienen zu Gast! Zwei Hummeln konnte ich sogar ablichten, leider nicht besonders scharf.

Hier wird das Mädchenauge (Corepsis) angeflogen.

Hummel fliegt auf Mädchenauge

Auf der Scabiose sitzt es sich auch ganz gut.

Hummel auf Scabiose

Diese beiden roten Korbblütler wurden auch schon von Bienen und Hummeln angeflogen. Ich hoffe, daß sie noch lange blühen und locken.

Rote Korbblüten
Rote Korbblüten

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Vom Segen der Zerbrechlichkeit. Grundworte der Eucharistie

So heißt ein im echter verlag erschienenes Buch des Priesters Andreas Knapp.

Das Buch richtet sich an Katholiken, die die Eucharistie nicht oder nicht mehr von Herzen mitfeiern können, weil sie die alten Formeln nur noch herunterhaspeln. Knapp beleuchtet den vielschichtigen Sinn der Eucharistie in zehn Kapiteln; aufmerksam gelesen, führt er damit auch andere als Katholiken zu einem Verständnis dessen, was das Zentrum katholischen Glaubens ist.

Es geht in den Kapiteln vordergründig nicht um die Eucharistie, sondern um den Menschen – den der Autor dann aber in Beziehung zur Eucharistie setzt. Beispielsweise: Eucharistie ist ein Dankopfer – und es ist grundsätzlich richtig, dankbar zu sein; es findet eine Wandlung statt – und Wandlung ist ein grundsätzliches Geschehen im Leben.

Eingeflochten in jedes Kapitel sind kurze Gedichte, teils von Lothar Zenetti, teils vom Autor, der offenbar sehr von Zenetti beeinflusst ist. Mich nervt der Stil dieser Gedichte, an einigen Stellen finde ich sie geradezu wegführend vom Eucharistieverständnis. Ein wenig versöhnt werde ich dadurch, daß auch Matthias Claudius und Joseph von Eichendorff zitiert werden.

Zwischen allem Richtigen, was Knapp anfangs über Erinnerung, die realistische, sinnstiftende und im Gegensatz dazu die nostalgische Erinnerung schreibt, stoße ich leider auch auf diesen Satz: „In der Kirche treten Traditionalisten auf, die die alte lateinische Liturgie schönfärben und das Gemeindeleben vergangener Zeiten als das Goldene Zeitalter ausmalen.“ Das ist ein überflüssiger Seitenhieb auf die Pflege des Lateinischen Ritus. Wurde nicht gerade eben die verbindende und erhaltende Bedeutung der Erinnerung für die Gemeinschaft erläutert? Auch wenn ich mich im Novus Ordo heimisch fühle, stört mich dieser Satz.

In den folgenden Kapiteln geht es um Geschenk und Dank. Knapp beschreibt hier an einem eigenen Erlebnis die Erkenntnis, daß ein Geschenk nicht notwendig zum bleibenden Eigentum wird, über das man verfügen kann – es kann sich um eine bestimmte geschenkte Zeit und Situation handeln, die im Nachhinein nicht mehr weggenommen werden kann, aber auch nicht beliebig wiederholbar ist. (Das ist eine der stärksten Stellen im Buch.) Er ermuntert den Leser zu einer Haltung der Dankbarkeit, auch für die schwer erträglichen Momente des Lebens. Dabei stellt er klar, daß der Dank auch im Leid nicht dem Leiden an sich gilt. Er versteht Leid als Teil eines weiterführenden Prozesses. „Wer für das Schwere danken kann, das auf ihm lastet, kann leichter und erlöster mit ihm umgehen.“ Allerdings hätte ich mir in diesem Kapitel eine differenziertere Sicht auf christliche Leidensmystik gewünscht. Der Hinweis, daß man Gott nicht nur trotz Leid, sondern im Leiden finden kann, fehlt.

Unter dem Stichwort „Wandlung“ wird die im menschlichen Leben nötige Wandlung zu sehr in den Vordergrund gerückt; das Mysterium der Wandlung auf dem Altar erscheint dadurch nur noch als Zeichen dafür, daß wir uns eben alle wandeln müssen.

Das fünfte Kapitel über die Versöhnung (in dem Knapp auch den Unterschied zwischen Vergeben und Versöhnen erklärt) ist das erste Kapitel, das mir gefällt. „Wie ein roter Faden ziehen sich Bitte um Vergebung und Zusage von Versöhnung durch die Feier der Heiligen Messe.“ Hier geht es wirklich zur Sache; Knapp beschreibt die Notwendigkeit der Versöhnung und die Notwendigkeit der Messe, um überhaupt zur Versöhnung zu gelangen.

Die folgenden Kapitel über das Brotbrechen und die Gemeinschaft sind dann wieder sehr menschelnd, in der Beschreibung von Einsamkeit tendenziell kitschig. Daß die Erfahrung von Einsamkeit und Verlassenheit schlimm ist und niemandem erspart bleibt, kann man wirklich in ein bis zwei Sätzen sagen – die weitschweifige Art des Buches nervt mich hier besonders. Ärgerlich ist dieser Absatz: „Die geteilte Schokolade schmeckt nach mehr, wenn ich sie zusammen mit meinem kleinen Bruder esse. Auch das in der Eucharistie ausgeteilte Brot bekommt eine andere Qualität: Es wird Leib Christi. Das heißt: Im geteilten Brot empfange ich die Gemeinschaft der Kirche, der ich als lebendiger Teil zugehören darf.“
Hier wird der Eindruck erweckt, als werde die Hostie erst durch das Teilen konsekriert (stimmt nicht, die Konsekration findet vorher statt und ist unabhängig von der Anzahl der Gläubigen, die die Eucharistie empfangen). Ich empfange auch nicht die Gemeinschaft der Kirche, sondern den Leib des Herrn; hier die Aussage, daß die Kirche der mystische Leib Christi ist, mit der Aussage Jesu bei der Stiftung der Eucharistie „Dies ist mein Leib“ zu vermengen, ist unlauter. Und leider führt der Autor das noch über mehrere Seiten aus. „In der Eucharistie geht es darum, dass wir uns gegenseitig annehmen und empfangen – wie eine Speise.“ Nein! Daß wir dies können, ist eine Folge der Eucharistie, aber nicht „das, worum es geht“. Es geht unter vielem anderen auch darum; man könnte sagen „Zum Sinn der Eucharistie gehört, dass wir uns gegenseitig annehmen und empfangen können“ – aber mit seiner Wortwahl weckt der Autor den Eindruck, als gehe es vorrangig um das Erlebnis von Gemeinschaft.

Am Ende gewinnt das Buch noch einmal sehr: Das Kapitel über Opfer und Hingabe sagt Gutes und Richtiges über den Opferbegriff und die Wichtigkeit, das Opfer nicht als eine Art Bezahlung oder Bestechung Gottes zu verstehen. Das folgende Kapitel über die Realpräsenz beginnt mit einem Exkurs über Illusionen, um diesen dann Jesus als die eigentliche Wirklichkeit gegenüberzustellen. Brot ist einerseits einfaches Stärkungsmittel, eindrucksvoll in der Geschichte von Elias beschrieben (und hier mit einem Gedicht des Autors illustriert, das ich wirklich gut finde), andererseits als konsekrierte Hostie der Herr selbst und Antwort auf menschliche Sehnsucht. „Auch die Eucharistiefeier will nicht satt und zufrieden machen, sondern den tieferen Hunger spüren lassen: Den Hunger nach mehr; die Sehnsucht nach einem Glück, das die vielen oberflächlichen Glücksangebote der Konsumgesellschaft übertrifft; die Hoffnung auf eine Sättigung, die den vorübergehenden Gaumenkitzel übersteigt. Der Empfang eines kleinen Stückchen Brotes macht nicht satt, sondern weckt den Hunger nach einer Liebe, die größer ist als alles, was diese Welt geben kann.“

Im letzten Kapitel „Eucharistie: Speise für unterwegs und Geheimnis, in dem wir daheim sind“ ist von Auftrag und Sendung der Christen die Rede. Die Eucharistie wird hier als Wegzehrung (keineswegs nur für Sterbende) hervorgehoben, als das Mahl, das wir brauchen, um in dieser Welt Christen sein zu können. Knapp schreibt von den Emmausjüngern, die durch das von Jesus geteilte Brot gestärkt sofort wieder aufbrechen, um zu künden, und von Paulus, der auf einem untergehenden Schiff das Brot teilt – Eucharistie feiert.

Fazit: Von zehn Kapiteln finde ich vier wirklich gut. Vieles ist mir zu weitschweifig, von Knapps Gedichten gefallen mir nur zwei. Über einige Stellen habe ich mich richtig geärgert. Dennoch kann ich insgesamt sagen: Wer sich mit dem Eucharistieverständnis schwertut, kann hier eine Verständnishilfe finden, besonders im 5., 8., 9. und 10. Kapitel – sofern er bei den anderen Kapiteln die mißverständlichen und weitschweifigen Formulierungen großzügig überliest.

Andreas Knapp: Vom Segen der Zerbrechlichkeit. Grundworte der Eucharistie, ISBN 978-3-429-04451-0, Echter Verlag 2018

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Von Klöstern lernen heißt siegen lernen!

Nämlich – über sich selbst.
Aus meinem Urlaub im Kloster in Verbindung mit Lektüre der Benedikt-Option habe ich eine schöne Gewohnheit mitgenommen. Dort wird zu jeder vollen Stunde das Ave Maria gebetet. Jede Stunde wird unter Gottes und Marien Schutz und Segen gestellt.
Hier höre ich ja auch die Kirchenglocke zur vollen Stunde schlagen – und habe mir zur Gewohnheit gemacht, wenn ich zu Hause bin (in der Regel am Schreibtisch), die Arbeit auf den Glockenschlag für ein kurzes Gebet zu unterbrechen.

Im Namen des Vaters…
Gegrüßet seist du, Maria…
Ehre sei dem Vater…

Die Erfahrung zeigt, daß ich mit dieser Art Unterbrechung sogar besser arbeiten kann. Ich kann es nur empfehlen. (Meine evangelischen Leser können ja ein Vaterunser statt des Ave beten.)

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Nehmt die Jugendlichen ernst!

Viele Jugendliche kommen nach der Firmung immer seltener zum Gottesdienst. Am Sonntag wollen die Eltern mal mit der Familie zusammensein; man muss zum Handballtraining; die Freunde gehen auch nicht in die Kirche.

Hier ist die Gemeinde gefragt. Auch ich, kinderlose ältere Frau, bin in die Pflicht genommen, jungen Leuten die Kirche schmackhaft zu machen.

Der vollständige Artikel steht in der Tagespost.

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Abendmahl und Eucharistie

Das Abendmahlsverständis der evangelischen Kirchen und der katholischen Kirche ist hier von der Evangelischen Kirche in Deutschland kurz und recht klar erläutert.

Gemeinsam ist Katholiken und Protestanten, daß sie Jesu Einsetzungsworte „Dies ist mein Leib“ und „Dies ist mein Blut“ für wahr und sinnstiftend halten. Gemeinsam ist ihnen auch, daß sie Abendmahl bzw. Eucharistie als Sakramente ansehen (also von Jesus gestiftete Heilszeichen).

Im katholischen Verständnis wird durch die Wandlungsworte des Priesters Wein und Brot zu Christi Fleisch und Blut. Man nennt das Transsubstantiation. Die Gestalt (also das Aussehen und der der Geschmack) bleibt Brot und Wein, die Substanz (also das Eigentliche, das Wesentliche) ist Fleisch und Blut des Herrn. Das gilt unabhängig davon, ob der Priester ein gläubiger Mensch ist – er muss nur ordinierter Priester sein und die Wandlungsworte richtig über die geeignete Materie (also Brot und Wein, genauer: Brot aus nichts als Wasser und Weizenmehl, Wein ohne Beimengungen bis auf etwas während des Ritus zugegebenes Wasser) sprechen. Es kommt auch nicht darauf an, ob der Empfänger der Kommunion ein gläubiger Mensch ist, nicht einmal ob er getauft ist – die Wandlung hat stattgefunden. Die heilbringende Wirkung entfaltet sich allerdings nach katholischem Glauben nur in dem Empfänger, der selbst katholisch ist und dies Mysterium grundsätzlich bejaht. Es ist kein Hinderungsgrund, wenn er Probleme hat, das zu glauben, es aber gerne glauben will. Ein Hinderungsgrund ist aber, wenn er nicht grundsätzlich zur Transsubstantiation und damit auch zur gesamten Lehre der katholischen Kirche Ja sagt.

Ein Katholik, der sich einer schweren Sünde bewußt ist, darf nicht die Kommunion empfangen – er muss erst in der Beichte reinen Tisch machen und die Absolution empfangen. (Nur bei Lebensgefahr, wenn zur Beichte keine Zeit mehr ist, darf er.)

Die Eucharistie ist den Katholiken also überaus heilig – es ist der Herr selbst! Deshalb darf auch kein Krümel davon verlorengehen (wobei wir vom Noch-Sichtbaren ausgehen, nicht von Molekularebene, was ja schon beim Zerbrechen der Hostie unmöglich wäre). Deshalb werden konsekrierte Hostien, die nicht verzehrt werden, im Tabernakel aufbewahrt und fest verschlossen.

Für einen Lutheraner hängt es vom persönlichen Glauben ab, ob Brot und Wein gewandelt wird. Das heißt, wenn jemand nicht glaubt, daß eine Wandlung stattgefunden hat, dann ist das Abendmahl für ihn ganz einfach Wein und Brot und sonst nichts. Wenn er aber daran glaubt, ist es Christi Leib und Blut. Das nennt man Konsubstantiation. Das heißt, soweit ich das verstanden habe, daß ein und dasselbe Abendmahl für einen frommen Lutheraner tatsächlich Leib und Blut des Herrn ist, für seinen ungläubigen Nachbarn, der mit ihm aus demselben Kelch das Abendmahl empfängt, aber nicht.

Für andere reformierte Konfessionen ist es noch etwas anders. Gemeinsam ist den Reformierten der besondere Nachdruck auf die Gemeinschaft der Christen. Das Abendmahl ist gemeinschaftsstiftend und kann daher prinzipiell mit jedem geteilt werden.

Katholiken und Protestanten haben ein so unterschiedliches Verständnis von Eucharistie bzw. Abendmahl und von Sakramenten, daß eine gemeinsame Kommunion nur durch geistige Verbiegung möglich ist. Ein Protestant, der die Eucharistie empfängt, sagt dabei Ja und Amen zu etwas, was er nicht glaubt – zur Transsubstantiation. Ein Katholik, der das Abendmahl empfängt, sagt dabei Ja und Amen zu einer vollen Gemeinschaft mit der evangelischen Kirche, die aber – wie ausführlich erklärt – einige zentrale Glaubensinhalte eben nicht mit der katholischen Kirche teilt. In beiden Fällen muss der Betreffende sich und anderen etwas vormachen.

Evangelische und katholische Kirche haben wunderbare Möglichkeiten ökumenischen Handelns und Feierns. Sie teilen den Glauben, daß Jesus Christus der Herr und Erlöser ist. Vereint sind sie, als Kirchen der Märtyrer, heute wie vor achtzig Jahren durch die „Ökumene des Blutes“. Sie sind beide präsent auf dem Marsch für das Leben, um das unbedingte Lebensrecht jedes Menschen zu verfechten.

Aber eine Mahlgemeinschaft am Tisch des Herrn ist leider nicht möglich, wenn jede Konfession sich und die andere gleichermaßen ernst nimmt.

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Vor zwanzig Jahren

Am 3. Juni 1998 verunglückte ein Zug bei Eschede. 101 Menschen starben, 88 wurden schwer verletzt. Es ist davon auszugehen, daß von den Schwerverletzten viele noch immer an den Folgen leiden.

Die meisten Toten waren in einem Zustand, daß man ihren Angehörigen nicht zumuten wollte, sie noch einmal zu sehen.

Fünf der Toten konnten nicht identifiziert werden. Ihre Angehörigen wissen bis heute nicht, was mit ihnen passiert ist.

Heute ist die äußere Feier des Festes Fronleichnam. Es ist ein Tag jubelnder Freude. Zugleich ist es für mich ein Tag des Gebetes für die Seelen der Toten – auch die meiner Nichte Muriel -, für die Überlebenden und die Trauernden und für alle, die von dem Unglück berührt wurden (dazu gehören auch die Sanitäter, Polizisten, Feuerwehrleute, Mitarbeiter der Identifizierungskommission und freiwilligen Helfer).

Herr Christus, erbarme Dich.

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Fronleichnam geht anders, Berliner!

Gestern nahm ich an der zentralen Feier Fronleichnam in Berlin teil.
Danach war ich wütend und traurig.

Tobias Klein hat darüber ausführlich gebloggt; ich mache es nur kurz und zitiere die Mail, die ich am späten Abend noch ans Erzbischöfliche Ordinariat geschickt habe.

Sehr geehrte Damen und Herren,

bitte erklären Sie mir, wie es zu diesem Ablauf der Prozession kommen konnte.

Der Eucharistische Herr stand auf einem schmucklosen Altar an einer Straßenecke, und das Volk wurde dort regelrecht vorbeigetrieben mit Worten wie „Schnell, schnell, weitergehen“ und „Weitergehen, keine Verehrung!“.

Ich war leider zu feige, trotzdem niederzuknien. Ich blieb dennoch kurz stehen, um mich wenigstens zu bekreuzigen – und ungelogen, mir wurde kaum dafür genug Zeit gewährt. Alles musste „schnell, schnell“ gehen. Nur vor der Kathedrale durfte man dann wieder lange, lange völlig sinnfrei herumstehen, die Lieder singen, die zur Anbetung gehört hätten, und sich dröge Sprüche anhören, bis endlich der Herr auch hierher getragen wurde. (Kleiner Hinweis: Der Satz „Wir glauben, daß der Herr in diesem Brot ist“ wird nicht wahrer davon, daß er häufig gesagt wird. Der Herr ist nicht irgendwo in der Hostie; die Hostie ist der Herr, jeder einzelne Krümel davon. Ist Thomas von Aquin dem Kirchenvolk etwa nicht mehr zuzumuten?)

Falls Derartiges nächstes Jahr wieder passiert, werde ich hoffentlich vor dem Herrn niederknien, gleich wie laut es verboten wird. Das hätte ich schon heute tun sollen. Es ist natürlich ein bizarres Dilemma, wenn man, wie ich, der Kirche gegenüber Gehorsam gelobt hat und die Kirche in Gestalt ihrer Diener einem dann die Verehrung des Eucharistischen Herrn verbietet!

Ich erwarte Ihre Antwort.

Mit bestmöglichen Grüßen
Claudia Sperlich

Ich bin froh, daß bei der äußeren Feier am Sonntag in St. Ludwig (gemeinsam mit der Großgemeinde Maria unter dem Kreuz) Würdigeres zu erwarten ist. Dennoch sagte ich vorsichtshalber schon jetzt: Ich habe bei Meditationstexten eine höhere Platitüdentoleranz als Bloggerkollege Tobias, aber wer mich vom Herrn vertreiben will, muß künftig mit Widerstand rechnen. Ich werde knien – und wer mich aus dem Weg haben will, muß mich wegheben. Zu irgendwas muß mein starkes Übergewicht ja mal gut sein!

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Mein Klosterurlaub und die Benedict Option

Die stillen Tage bei den Mägden Mariens – ich berichtete schon – gaben mir Zeit, die Benedict Option zu lesen. Rod Dreher, ein erst zum Katholizismus und dann zur Orthodoxie konvertierter US-amerikanischer Christ mit brennendem Herzen, eucharistischer Frömmigkeit und großem Respekt vor anderen Konfessionen, schreibt mit seiner Strategie für Christen in einer nachchristlichen Gesellschaft einerseits eine scharfe Beobachtung des fadenscheinig werdenden Wohlfühlchristentums, das auch in Europa um sich greift, andererseits einen energischen Aufruf, sich auf die Wahrheit und Schönheit christlicher Kultur (und nicht etwa eines Kulturchristentums) zu besinnen, sie furchtlos und fröhlich neu zu beleben.

Tobias Klein hat das so ernsthaft wie witzig geschriebene Buch hervorragend übersetzt; besonders bewundere ich seine souveräne Übertragung des Plaudertons einiger Abschnitte. Es klingt an keiner Stelle „übersetzt“.

Inspiriert vom strengen und glaubensfrohen Leben der Benediktiner in Norcia, der Heimatstadt des Heiligen Benedikt, legt Dreher den Kontrast zwischen christlichem und modernen Leben dar. Denn ein ohne Abstriche christliches Leben ist in modernen westlichen Gesellschaften nicht ohne Abgrenzung möglich. Die Abgrenzung von einer hedonistischen Gesellschaft mit einer Vielzahl schwammiger Selbsterlösungslehren darf nicht einfach darin bestehen, daß man eben sonntags in die Kirche geht und sonst so weitermacht wie alle. Denn durch diese Haltung hat in den westlichen Kirchen schon längst ein „Moralistisch-therapeutischer Deismus“ Land gewonnen, eine Ersatzreligion, die besagt, daß wir irgendwie gut sein müssen, damit es uns gut geht, und daß es irgendeinen höheren Willen gibt, der das in Ordnung findet. Das Ziel des Christentums ist aber nicht ein irdisches Wohlgefühl der Anständigen, sondern das überirdische, ewige, selige Leben in der vollkommenen Liebe des Erlösers.

Der Weg dorthin ist von Kirchenlehrern und anderen Heiligen beschrieben und begangen. Dreher wirbt für eine neue Erarbeitung des verschütteten Wissens spätantiker und mittelalterlicher Autoren, für eine Neuauflage christlicher Bildung. Aber das Buch ist keine Anleitung zum Verständnis der Patristik, sondern ein fast alle Lebensbereiche ansprechender Weckruf, sich von jeder Versuchung zum hedonistischen Laissez-Faire oder zu einem Wohlfühlchristentum abzuwenden. Phantasie und Kreativität sind gefragt, um eine von klösterlicher Frömmigkeit und Disziplin inspirierte Lebensweise in Familie und Gesellschaft zu bringen. Das ist ein schwieriger Weg; es gab bereits mehrere existenzvernichtende Urteile in den USA, wo Christen sich geweigert haben, für homosexuelle Paare „Hochzeitstorten“ zu backen und „Hochzeitssträuße“ zu binden. Auch in Deutschland ist ein vergleichbarer Gegenwind spürbar, vielleicht noch nicht ganz so stark, aber wir sind auf dem schlechtesten Wege dazu.

Zunächst ist notwendig, daß wir neu lernen, was Christentum ist und will, dann ist unsere Kreativität gefragt. Wir müssen von der Pfarrkirche nicht erwarten, daß sie mal was in der Richtung anfängt, sondern etwas in der Richtung anfangen und dazu einen Raum im Gemeindehaus der Pfarrkirche erbitten. Wir müssen uns mit anderen Christen vernetzen, auch über Konfessionsgrenzen hinweg, müssen gemeinsam beten und handeln. Auch muss man bereit sein, die eigenen Ansprüche herunterzuschrauben. Denn in naher Zukunft werden Christen gezwungen sein, entweder dem Christentum widersprechende Dinge zu tun oder eine schlechter bezahlte Arbeit zu bekommen. (Ich bin sicher, daß das auch für Europa gilt.) Fragen wir uns bei allem, was wir tun, um unser Geld zu verdienen, ob es mit unserem Glauben vereinbar ist! Ist es das nicht, so kann man zwar um des Arbeitsplatzes willen zustimmen und damit „Weihrauch für Cäsar opfern“ (wie Dreher es nennt), aber man kann dann nicht gleichzeitig überzeugend christlich sein. Zum christlichen Leben gehört in derartigen Fällen auch, sich eine neue Arbeitsstelle zu suchen – auch wenn sie schlechter bezahlt ist oder eine weitere Ausbildung erfordert.

Weder die Arbeit noch die hochtechnischen Arbeitsmittel, allen voran das Internet, darf die Herrschaft über uns haben. Arbeit ist wichtig, nicht weil wir Arbeitstiere sind, sondern weil die Arbeit über den Erhalt unseres Lebens hinaus zu Gottes Ehre geschehen soll.

Ich habe die Benedikt-Option im tiefen Frieden eines Klosters gelesen, in dem ich Urlaub machte. Drehers klare Worte über die Notwendigkeit, zu Verzicht und harter Arbeit bereit zu sein und in einer zunehmend entchristlichten Welt erkennbar christlich zu leben, und die Beispiele, die er gibt, haben mich stellenweise beschämt innehalten lassen: Was tue ich denn, um diesem Anspruch gerecht zu werden?

Zugleich habe ich zu einem sehr wichtigen Punkt bei Dreher heftig genickt: Er stellt klar, daß Gebet, Anbetung und Empfang der Sakramente nicht Dinge sind, die dazukommen, wenn man mal Zeit hat, sondern das Fundament, auf dem eine christliche Gemeinschaft gedeihen kann. Auch in diesem Sinne ist es gut, seinen Urlaub (und möglichst viel Zeit außerhalb des Urlaubs) mit Stundengebet, Anbetung und guter christlicher Lektüre zu füllen.

„Wenn wir heutigen Christen nicht fest auf dem Felsen der geheiligten Ordnung stehen, wie unsere heilige Tradition sie offenbart – eine Ordnung des Denkens, Redens und Handelns, die das Christliche in der Kultur verkörpert und von Generation zu Generation weiterträgt -, dann haben wir überhaupt keinen Boden mehr unter den Füßen. Wenn wir nicht Praktiken in unser tägliches Leben einbeziehen, die sicherstellen, daß diese geheiligte Ordnung uns, unseren Familien und Gemeinschaften stets präsent bleibt, werden wir sie verlieren. Und wenn wir sie verlieren, laufen wir Gefahr, Ihn aus den Augen zu verlieren, auf den alles in dieser geheiligten Ordnung hinweist wie eine göttliche Schatzkarte.“

Mein Fazit aus dieser Lektüre ist: Ich möchte künftig noch entschiedener tun, was ich tun kann, und ich möchte wenigstens versuchen, in meiner Heimatgemeinde etwas von der Benedikt-Option wahr werden zu lassen.

Rod Dreher, Die Benedikt-Option. Deutsch von Tobias Klein. fe-medienverlags GmbH, 398 S., ISBN 978-3-86357-205-1

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Die Maikolumne auf kath.net

Die Katholische Charismatische Erneuerung (CE) ist, wie die freikirchliche Pfingstbewegung, besonders auf den Heiligen Geist ausgerichtet. Das gibt ihren Lobpreisgottesdiensten und ihren Messen ein eigenes Gepräge.

Ich fühle mich selten wirklich „zu Hause“. Grundsätzlich ist die Kirche mir eher „zu Hause“ als meine gemütliche Wohnung – aber etwas fremd fühle ich mich fast immer. Vielleicht ist das eine gute Ausgangsposition, um die CE zu beschreiben – als wohlwollend aufgenommener Fremdling. Seit einigen Jahren gehe ich gern zu Lobpreisgottesdiensten der CE. In Berlin finden sie unter dem lustigen Namen „Praystation“ in der Kapelle des Gertrauden-Krankenhauses einmal im Monat statt.

Mehr kann man hier lesen.

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Urlaub bei den Mägden Mariens

Wilhelmshorst ist ein kleines Nest südlich von Potsdam; das älteste Haus wurde 1905 gebaut, und der Bahnhof Michendorf (immerhin zwei Gleise) passt ganz dazu. Wenn man von dort durch die Ortschaft mit viel Grün und wenigen Häusern einen knappen Kilometer geht, ist die Ortschaft schon zu Ende. Nahe einem Wald steht ein gründerzeitliches Haus – es wirkt auf den ersten Blick wie eine großbürgerliche Villa, aber während solche Villen meist prachtvolle Treppenaufgänge haben, gibt es hier nur einige bescheidene Seitentüren. Dies ist das Kloster Immaculata der Mägde Mariens von der unbefleckten Empfängnis – einer 1850 in Polen gegründeten Kongregation, die nach der franziskanischen Regel ihres Gründers, dem sel. Edmund Bojanowski, lebt und sich ganz dem Dienst an Waisen, Armen und Kranken verschrieben hat.

Der Garten ist eindrucksvoll groß und gut gepflegt. Ein kleiner See gehört schon zum Nachbargrundstück; ein fast ebenso großer Bewuchs mit gelb blühenden Schwertlilien steht noch auf Klostergrund. Man hört hier fast immer Stockenten, Teichrallen und Frösche knarren und quaken, außerdem singen Amsel und Buchfink, und der Buntspecht trommelt. Das Gästehaus ist ein etwas modernerer Bau, schlicht und funktional, mit einfachen, aber bequemen Zimmern – und ich war hier völlig allein.

Ich wollte – und mußte – ausspannen, und so nahm ich zwar mein Schreibzeug (Papier, einen Satz Stahlfedern und zwei Farben Tusche) mit, Telephon und Tablet ließ ich aber zu Hause. Ich hatte mir extra einen Reisewecker besorgt, der mich zwar zuverlässig weckte, aber nicht internetfähig ist.

Und es wirkte. Ich war schon auf dem Weg entspannter als sonst und überlege ernsthaft, mindestens einmal wöchentlich alles Internetfähige in Ruhe zu lassen. Empfangen wurde ich mit äußerster Herzlichkeit. Derzeit leben fünf Schwestern auf dem Anwesen in Michendorf. Die älteste ist demenzkrank und wird von ihren Schwestern mit Liebe und Fröhlichkeit mitgetragen.

Liebe und Fröhlichkeit sind überhaupt die Worte, die diese Schwestern beschreiben. Der Tag ist durch Gebet und Messe strukturiert (und ich nahm daran gern teil): 6.15 Laudes, 8.00 Messe, 11.40 Mittagshore, 17.40 Rosenkranz und Vesper. Komplet betet jede Schwester für sich, da die Arbeitszeiten zu unterschiedlich sind. Die Stundengebete werden ergänzt durch Gebete, die für diese Kongregation verpflichtend sind. Die demenzkranke Schwester nimmt an allen Gebeten teil – und sie nimmt wirklich teil, die Gebetstexte sind ihr in den Jahrzehnten ihres Ordenslebens so in Fleisch und Blut übergegangen, daß sie sie automatisch mitspricht. Sie ist auch für das Mittagsgebet zuständig und erfüllt diese Pflicht mit Freude und Genauigkeit. Auch besteht sie auf die Regel, daß zu jeder vollen Stunde das Ave Maria gebetet wird – jede Stunde wird hier unter den Schutz Gottes und Mariens gestellt.

Ich habe hier endlich ein Buch zu Ende gelesen, das schon lange auf meinem Schreibtisch lag: Sr. Pascalina, Ich durfte ihm dienen – eine stilistisch auf mir etwas anstrengende Weise blumige, aber dennoch sachlich sehr genaue und hochinteressante Beschreibung des Hl. Pius XII. Ein weiteres über 380 Seiten starkes Werk las ich hier von vorn bis hinten mit großer Spannung (ich werde darüber berichten). Die Pflege der Buchkultur war schon immer besonders in Klöstern zu Hause!

Außerdem versuchte ich mich wieder einmal ein bißchen in der Kalligraphie, mit leidlichem Erfolg – ein mittelalterliches Skriptorium hätte mich zwar hinausgeworfen, aber als neuzeitliche Freizeitbeschäftigung ist es in Ordnung.

Eine Woche lang beten, Messe feiern, lesen, mit Stahlfedern schreiben, den Garten genießen, mit den Schwestern plaudern, wieder beten – nicht mehr und nicht weniger! Und vom ersten Moment an war das so vollkommen schön, friedvoll, erholsam. Mit den Schwestern hatte ich wunderbare Gespräche, und es wird auch in Zukunft eine freundschaftliche Verbindung zu diesem Orden geben. Davon später mehr.

Ganz ohne Arbeit kann ein Dichter nicht leben, und es entstand auch dort wieder etwas. (Anmerkung: „Sonst keine Pflichten“ beziehe man bitte nur auf mich. Die Schwestern sind sehr tätig.)

Den Mägden Mariens in Michendorf

In frommer Schwestern stillem Haus
Ruh ich von Stadt und Arbeit aus,
Die Seele aufzurichten:
Kein Telephon! Kein Internet!
Früh auf die Beine, früh zu Bett!
Gebet – sonst keine Pflichten!

Die Tage sind so wundersam!
Viel Segen Gottes auf mich kam
In diesen heil’gen Hallen.
Ein jeder Tag hat Maß und Ziel
(Nur Schwester Köchin kocht zu viel,
Zu gut will’s mir gefallen)!

Wo jeder Tag voll Gotteslob
Mein Herz zu dem Dreieinen hob,
Muß ich nun fort mich heben!
Bleibt übers Jahr das Haus bestehn,
Will ich Euch gerne wiedersehn,
So Gott will und wir leben.

Der heilig-ruhigen Tage Glanz
Vermehrt ein blauer Rosenkranz,
Von guter Hand gespendet.
So fleh ich gerne im Gebet
Zu der, die überm Monde steht,
Auch wenn der Urlaub endet:

Maria, hilf der Schwesternschar,
Die mir so gut, so freundlich war,
Und bitt, daß dies Gebäude
Auf Gottes Ruf sich füllen mag
Mit Schwestern, die hier Tag für Tag
Ihm dienen voller Freude!

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