Nehmt die Jugendlichen ernst!

Viele Jugendliche kommen nach der Firmung immer seltener zum Gottesdienst. Am Sonntag wollen die Eltern mal mit der Familie zusammensein; man muss zum Handballtraining; die Freunde gehen auch nicht in die Kirche.

Hier ist die Gemeinde gefragt. Auch ich, kinderlose ältere Frau, bin in die Pflicht genommen, jungen Leuten die Kirche schmackhaft zu machen.

Der vollständige Artikel steht in der Tagespost.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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13 Antworten zu Nehmt die Jugendlichen ernst!

  1. Nepomuk schreibt:

    Tja,

    >>Nehmt Kindern und Jugendlichen die Angst vor uns Alten.

    Das ist natürlich völlig richtig, nur scheint mir, daß dazu bei den meisten jungen Leuten *noch* mehr Zurückhaltung seitens der älteren – und let’s face it: insbesondere seitens der älteren Frauen – hilfreich ist.

    Ihnen sagen, daß der Altardienst fehlerhaft war? Mag grade sein, wenn es sich eindeutig weder um ein bloßes Versehen noch um Böswilligkeit gehandelt hat. („Du, die Hostienschalen langt man von außen an, weil das Innere zum einen den Leib Christi berührt und man zum anderen jeden Tapperer sieht.“) Wenn es aber einigermaßen gut läuft, spricht so etwas ohnehin der Pfarrer oder der Oberministrant (oder beide) an.

    Ihnen sagen, daß man ihre Ansichten (ich zitiere:) unreif findet? Das, mit Verlaub, muß meines Erachtens völlig ausfallen, egal wie freundlich. Das kann man sich *denken*, sofern man das Kunststück beherrscht, den Gedanken im hinteren Teil des Gehirnkästchens zu versperren und nicht auf dem Gesicht zu tragen – aber beim Reden darf allenfalls herüberkommen, daß ihre Ansichten fehlerhaft sind (wenn es unbedingt sein muß). Ein „ihr seid ja noch jung und habt keine Ahnung“ aber nicht, selbst wenn’s stimmt. „Nehmt die Jugendlichen ernst“; die Überschrift stimmt, dann kann man sie aber nicht als Unreife behandeln.

    Und auch beim Rosenkranzgebet – hier bin ich mir ein wenig unsicherer, aber – würde ich instinktiv sagen: *einmal* einladen gewiß, dann aber erst wieder, wenn man ernsthaft davon ausgeht, daß sie die erste Einladung vergessen haben. Wir wissen doch alle, wie Jugendliche so drauf sind und sich von Stimmungen beeinflussen lassen. Wenn sie den Eindruck wegtragen, daß die Kirche der Ort ist, wo ältere Frauen so lange an einem herumbenzen, bis man endlich mal zum Rosenkranz kommt, dann ist das – vermute ich – eher kontraproduktiv.

    Zumal man nicht vergessen sollte, was ein solches Rosenkranzgebet für einen solchen Jugendlichen heißt. Den Rosenkranz kennt er noch nicht; selbst wenn er sich guten Willens darauf einläßt, so ist er erstmal mit dem Abzählen der Avemarias beschäftigt und muß sich ins Meditieren der Geheimnisse noch einüben. „Rosenkranzbeten lernt man nur durch Rosenkranzbeten“, heißt der Spruch, und den Rosenkranz lieben lernt man auch nur durch Rosenkranzbeten, vermutlich.

    Auch ist doch so eine (klassische Pfarrei-)Rosenkranzgruppe, let’s face it, typischerweise ungefähr so aufgebaut: je ein Mann und einer Frau um die zweiunddreißig (für einen jugendlichen auch schon alt?), etwa vier Personen zwischen fünfzig und siebzig und, acht Frauen vom Frauen- und Mütterverein der Pfarrei über siebzig und vielleicht noch drei Männer ebenfalls über siebzig. Nun kann man natürlich sagen, daß der Christ altersunabhängig allen Menschen Nächstenliebe erweisen muß, aber das ist halt schon wieder ein „muß“; man muß den Jugendlichen nehmen, wie er ist, und in Rechnung stellen, daß das immerhin ein Opfer bedeutet (und ein noch größeres bedeutete, wenn er dazu dann auch noch öffentlich stehen müßte). Wenn er in dem Zusammenhang den Eindruck wegträgt, daß die älteren Frauen, die das Rückgrat der Pfarrgemeinschaft bilden, mit ihm nicht zufrieden sind, wenn er bei so etwas nicht mitmacht (und das *wird* er bei hartnäckiger Nachfrage), dann ist auch das nicht hilfreich.

    Generell, ohne zu viel zu unken, möchte ich auf das Sprichwort „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ und die Medizinerredewendung „Primum nil nocere“ verweisen.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ich halte den Rat, so zu tun, als glaube man, Jugendliche seien gegenüber älteren Menschen grundsätzlich intolerante Rotzlöffel, für sehr schlecht. Auch glaube ich, Menschen sind im Alter von 12 bis 17 Jahren sehr stark lern- und begeisterungsfähig.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Und noch eins…
      der inkriminierte Absatz lautet:
      „Nehmt Kindern und Jugendlichen die Angst vor uns Alten. Zeigt ihnen, dass Ihr keine Besserwisser seid. Sagt ihnen, wenn Ihr ihren Altardienst fehlerhaft und ihre Ansichten unreif findet, aber bleibt dabei freundlich. Ernstgemeinte und menschlich vorgebrachte Kritik finden die meisten in Ordnung. Lasst Euch auf Diskussionen ein! Vielleicht habt Ihr gerade nicht Recht. Vielleicht doch – hört dennoch die Gegenseite.“
      Vollständig gelesen, oder bei „… unreif findet“ aufgehört?

      Ich wende mich genau an Leute, die … ach, ich will es eigentlich gar nicht sagen, steht ja in dem Artikel.
      Nur so viel: Die meisten jungen Leute wollen nicht pausenlos überkandidelt gelobt und bestätigt werden. Die merken, wenn man heuchelt. Und die meisten haben auch nichts gegen Diskussionen – vorausgesetzt, man hört auch ihnen zu, wozu ich ja gerade aufrufe.

      Und der Rosenkranz? Man kann aufgeben, wie viele in unserer Gemeinde. Man kann sagen „Die jungen Leute kommen ja doch nicht, fragen Sie nicht weiter“. Oder man kann mal nach „jugend rosenkranz“ googeln und solche Sachen finden wie die katholischen Pfadfinder und die katholische missionarische Jugendbewegung KIM (Österreich). Vor allem kann man Jugendliche einfach hier und da mal fragen, ob sie mal zum Rosenkranzgebet mitkommen möchten, Samstags vor der Vorabendmesse – und kann sie auch darum bitten. Was man nicht sollte (und ich hielt es nicht für nötig, das extra zu betonen): Sie dazu drängen und zwingen.

      • Nepomuk schreibt:

        „inkriminiert“ habe ich ebenfalls nicht gesagt, ich habe höchstens widersprochen.

        Nach „unreif findet“ habe ich sehr wohl weitergelesen, aber all die ganze Freundlichkeit nimmt eben das Unreif-Finden nicht hinweg, unterstreicht sie noch eher. Ich gebe zu, daß „ihr seid ja noch jung und habt keine Ahnung“, wie ich vereinfachend geschrieben habe, auch nicht „freundlich“ ist (sorry, darauf hätte ich hinweisen müssen, daß du *das* so nicht gemeint hast); aber wird das, wenn man das gleiche mit drei Haupt- und fünf Nebensätzen und Eigentlichs und Vielleichts und Tutmirleids ausdrückt, um das gleiche in freundlich zu sagen, denn besser? Mein Punkt war, daß das noch so freundlich ausgedrückt bei den Jugendlichen nicht gut ankommt.

        Bei den Diskussionen stimme ich Dir durchaus *sonst* ja durchaus zu.

        Beim Rosenkranz stimme ich Dir ebenfalls ganz zu, nur das „ladet sie zum Rosenkranz ein, gern auch mehrmals“ klang eben für mich nach „sie dazu drängen“ (nicht zwingen), zumal ich mir ungefähr vorstellen kann, wie es im Zweifelsfall sich dann meistens anhört, wenn ältere Laien Leute *mehrmals* zum Rosenkranz einladen.

        Ich bin auch davon ausgegangen, daß „der Rosenkranz“ (einer Pfarrei), zu dem ältere Leute einladen, kein Jugendrosenkranz ist. Sowas ist selbstverständlich eine super Sache, da braucht man gar nicht erst reden.

        —–

        Was das mit dem „gelobt werden wollen“ angeht, so ist es eine interessante Frage, was insbesondere auch heißt, daß ich nicht so schnell eine Antwort weiß 😀

        (Stimmen tut jedenfalls, daß sie nicht einfach etwas vorgeheuchelt bekommen wollen. Aber die Alternative ist ja nicht nur zwischen „Tadeln“ und „Heucheln“ sondern auch „etwas Lobenswertes mit der Lupe suchen und herausstellen“ ist z. B. eine Alternative. Interessantes Thema.)

    • Nepomuk schreibt:

      „Intolerant“ hab ich nicht gesagt, und „Rotzlöffel“ wäre jedenfalls für mich eher ein liebevoller Ausdruck 😉

      Aber gerade Leute, die tolerant, liebevoll, begeisterungsfähig sind (da stimme ich ja durchaus zu), sollte man nicht dazu reizen, etwas anderes zu werden, indem man diese Eigenschaften allzusehr ausreizt; das, ja, das würde ich tatsächlich sagen, auch wenn wir da anderer Meinung sind.

      (Ich hatte allerdings einen normalen Firmling oder auch Ministranten vor Augen und nicht unbedingt den, der regelmäßig vor der Schule die tägliche Frühmesse besucht, wenn Du verstehst, was ich meine.)

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Hmm… mir war nicht klar, daß das so ankam. Ich hoffe sehr, bei den Jugendlichen unserer Gemeinde genau nicht so oberlehrerinnenhaft anzukommen… und weiß zumindest von einigen, daß sie finden, mit mir kann man reden.
        Mir gehts auch um die „normalen“ (was immer das ist) Jugendlichen. Deshalb echauffiere ich mich immer so, wenn ich von etwas älteren Leuten in der Gemeinde höre, in ihrer Zeit seien die Ministranten fleißiger, besser, regelmäßiger, frömmer oder was auch immer gewesen. Denn in der Tat sind unsere Ministranten hervorragend ausgebildet und wissen, was sie tun und warum – und daß sie außerdem auch noch ein mordsmäßiges Schulpensum zu bewältigen haben, muß man nicht immer wieder mit „hatten wir doch auch“ kommentieren.
        Dennoch finde ich, wenn ein Ministrant etwas definitiv falsch macht, kann und soll man ihn freundlich (!) darauf hinweisen. Aber nur, wenn man außerdem bereit ist, ihn zu loben. Denn die Lütten machen ihre Arbeit wirklich in aller Regel sehr gut.
        Was ich eigentlich meine, ist: Seid normal. Behandelt die Jugendlichen wie vernünftige Menschen, denn in der Regel sind sie das.

  2. Gerd schreibt:

    Hat die „Jugend“ denn wirklich Angst? Bin ich ein alter katholischer schwarzer Mann, vor dem man sich fürchten müsste, weil er Jugendliche nicht ernst nimmt? Bevor wir uns der Jugend annehmen, sollten wir einen Blick auf die Eltern werfen. Wenn Eltern ihre Kinder zur Taufe bringen werden sie gefragt ob sie dieselben im Glauben erziehen wollen, wenn sie schon von der Kirche die Taufe erbitten. Alle, beantworten das mit Ja und tun dann was genau? Richtig: Nichts. (Ausnahmen bestätigen die Regel) Die Schwierigkeit Jugendliche in der Gemeinde ernst zu nehmen beginnt schon beim Fehlen der Jugendlichen und deren Eltern in der Gemeinde. Ich rede jetzt von meiner(!) Gemeinde: Hier sind die Ministranten grottenschlecht ausgebildet. Kein Grund sie nicht ernst zu nehmen, allerdings ein Grund um die Ausbildung zu hinterfragen. Das kann man, (wieder unsere Gemeinde) allerdings nicht, wenn man in Verdacht steht, u.a. den Rosenkranz zu beten, oder (was meist viel schlimmer ist) Mundkommunion zu praktizieren oder beichten zu gehen, sozusagen im Ruf steht erzkatholisch zu sein. Ich darf (noch) die Nischenplätze in unserer Gemeinde besetzen. (momentan ist dieser nämlich noch frei) Rosenkranz, Maiandachten, Prozessionen und Wallfahrten. Die Gefahr, dass ich dort keinen ernst nehme und jemand Angst vor mir haben könnte ist durchaus gering und tendiert gegen Null. Aber nur wenn folgende Kriterien erfüllt werden: Solange ich keine Jugendliche und Erwachsene mit meiner komisch konservativen Art zu nahe komme, ist alles in Ordnung. Aber wehe mir, wenn ich Fragen stelle. Oder mich z.B. darüber beschwere, dass unsere Messdienerinnen in kurzer Hose und Sonnentop sich ihrer liturgischen Kleidung entledigen und mal so bei der Fronleichnamsprozession vor dem Allerheiligsten herschlendern. (Wobei wir wieder bei der Ausbildung sind) Dann ist, in meiner Gemeinde, Schluss mit lustig. Wobei Lustigsein nun wirklich kein Merkmal des Christen sein kann. Wenn es Zeiten gab wo z.B. Ministranten „besser“ ausgebildet waren, dann doch nur in den Zeiten, wo mir meine Eltern Beine gemacht haben morgens das Bett zu verlassen um unseren Dienst am Altar pünktlich anzutreten und natürlich selber in der Gemeinde anwesend waren, wenn die Messe begann. Da war es mir vollkommen schnuppe, ob mich andere alte oder jüngere Gemeindemitglieder ernst genommen haben. Angst hatte ich sowieso nicht. Meine Eltern waren ja auch nicht ängstlich.

  3. Gerd schreibt:

    „nur das „ladet sie zum Rosenkranz ein, gern auch mehrmals“ klang eben für mich nach „sie dazu drängen“

    @Nepomuk

    Am Drängen ist nichts verwerfliches, wenn man ein gutes Vorbild ist. Von alleine wird keiner Christ.

  4. Herr S. schreibt:

    Ich bin dankbar und froh, wenn man mich in meinem kirchlichen „Glaubensbiotop“ ungestört lässt und mich und meine Art zu glauben und zu praktizieren toleriert.
    Da bin ich ziemlich bei dem, was Gerd hier schrieb, wie er selbst in seiner Kirchengemeinde wahrgenommen wird und leben darf.

    Bzgl. unserer Kontakte zu Kindern oder Jugendlichen der Kirchgemeinde:
    Ich verstehe zwar die wohlmeinenden Absichten von Frau Sperlich, aber nachdem wir selbst als Paten bzw. Großeltern bzgl. Glaubensweitergabe selbst in der eigenen Familie nur grandios gescheitert sind, halte ich völlig ernüchtert nur noch das persönliche Gebet für die anderen für die zielführendste Methode – nicht zuletzt schont das auch die eigenen Nerven.
    Es braucht allerdings viel Geduld und Beharrlichkeit gem Röm12,12.

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