Heute denkt die katholische Kirche an die Schmerzen, die Maria um ihren Sohn erleiden musste.
Simeon hatte ihr Schmerzen vorausgesagt, als Jesus noch ein Baby war.
Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Siehe, dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele zu Fall kommen und aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird, und deine Seele wird ein Schwert durchdringen. So sollen die Gedanken vieler Herzen offenbar werden.
Lukas 2,34-35
Maria kann mit allen Müttern mitfühlen, deren Kinder vor ihnen sterben, allzuoft gewaltsam. Sie kennt die Schmerzen beim Anblick eines ermordeten Kindes (und „Kind“ ist jeder Mensch gegenüber seiner Mutter, unabhängig von seinem Alter).
Auch wenn Maria nun über allem Leid steht, fühlt sie immer noch mit. Maria, bitte für alle verwaisten Mütter!
Jesus ist für uns gegangen durch die Folter, Hohn und Spott. Einsam litt in Todesbangen der Lebendige, der Gott. Den Gerechten zu ermorden, ragt das Kreuz in Weltennacht. Da ist Lebensbaum geworden, was zur Todesqual erdacht.
Alle Todesschatten schwanden, Gott erweckte seinen Sohn. Unser Herr ist auferstanden, und das Kreuz ist Jesu Thron. Alte Schulden sind vergeben, jeden reißt Er aus dem Tod! Als ein Zeichen für das Leben ragt das Kreuz im Morgenrot.
Jesu Kreuz stellt tausend Fragen, gibt die Antwort gleich darauf. Jesu Liebe will uns tragen, Jesus trägt uns Liebe auf. Nur die Liebe kann erreichen allen Lebens Ziel und Sinn. Als das größte Liebeszeichen weist das Kreuz auf Jesus hin.
Frau Wagenknecht ruft auf, den Genozid in Palästina zu stoppen. Sie meint, Israel soll endlich aufhören, sich gegen Terroristen zu wehren, und still hinnehmen, dass die Hamas abschlachtet, wer immer eventuell ein Jude sein könnte oder Israel nicht schlecht findet.
Ein Genozid war tatsächlich geplant, und die Durchführung hat begonnen. Allerdings ein anderer. Denn die Hamas hat bereits lange vor dem 7. Oktober 2023 kundgetan, dass sie die Vernichtung aller Juden will, und jener schreckliche Oktobertag war nicht der erste Tag, an dem Juden von islamistischen Terroristen massakriert wurden. Also ja, es gibt da einen Genozid, aber nicht an Palästinensern, sondern durch sie.
Kurz vor dem offiziellen Beginn der Demonstration rief eine Ordnerin dazu auf, sich an der Aktion „Eine Million Unterschriften für den Frieden“ zu beteiligen. Es gab dann von mehreren Stimmen viel höchst pathetisches Gerede über Frauen, Kinder, Greise, Mitmenschlichkeit, Gefühl von Verbundenheit usw. Jemand sagte, 90% der Bewohner von Gaza seien vertrieben, die Infrastruktur zerstört – allerdings fehlte jeder Hinweis auf die Gründe hierfür. Der 7. Oktober 2023 wurde ebensowenig erwähnt wie die ständigen Raketen auf Israel in den Jahren davor. – „Mensch ist Mensch“, rief der Redner aus. Die Geiseln, ebenfalls Menschen, blieben unerwähnt.
Durch ein Video auf Großleinwand kam Moshe Zuckermann zu Wort. Leider verstand ich wegen des Stimmgewirrs nicht, was er sagte, aber offengestanden ist mir der Wikipedia-Artikel auch schon genug. Man darf in der Demokratie Israel eben auch hanebüchenes Zeug verzapfen. Israel einen „Apartheidsstaat“ nennen gehört in diese Kategorie.
Ich wollte als stille, neutrale Beobachterin ein wenig abseits stehen, photographieren und Notizen machen. Das ging aus verschiedenen Gründen nicht so ganz. Erstens war die einzige Stelle, von der aus ich einen Überblick hatte, unmittelbar hinter einer Absperrung der Polizei, also gewissermaßen als Zaungast, jedenfall nicht „abseits“. Das war nicht schlimm, da dort schon zwei junge Frauen mit Israelflaggen und einer IDF-Flagge standen, auch sie als Beobachterinnen. Ich konnte also nicht mit Wagenknechts Getreuen verwechselt werden.
Die Demonstranten waren sehr verschieden, Palästinaflaggen neben Regenbogenflaggen und solchen mit Friedenstauben, Flaggen von Bündnis Wagenknecht und anderen Parteien (auch die MLPD), einige sektiererisch wirkende Christen (bei mindestens einem war nicht ganz klar, ob er Wagenknecht zustimmen oder sie bekehren wollte), Omas und Opas gegen Krieg e.V., eine Frau mittleren Alters, deren Sendungsbewusstsein (genauer: die Parole „From the River to the Sea“ auf ihrem Schild) schließlich zur Folge hatte, dass sie höflich, aber bestimmt von der Polizei abgeführt wurde.
Die beiden Frauen mit den Israelflaggen boten mir an, auch eine zu nehmen, was ich zunächst ablehnte wegen der Neutralität. Als die beiden dann, von anderen Demonstranten unwidersprochen, von einem jungen Deutschen angepöbelt wurden (Israel sei ja der totale Loser-Staat, der Iron Dome Schrott, sie können ja alle gar nichts), platzte mir der Kragen, und ich fragte den jungen Flegel: „Und was können Sie?“ Die Frage verstand er zunächst nicht, ich wiederholte sie und bekam keine Antwort. Daraufhin wandte ich mich an die beiden mit der Bitte, jetzt hätte ich doch gerne eine Israelflagge. Neutralität ist gut und schön, aber man kann sie auch übertreiben.
Ein Palästinenser stellte sich in Heldenpose hin mit einem Schild „They will never kill us all“. Nun ja, die Israelis haben gar nicht vor, alle Palästinenser umzubringen. Umgekehrt sieht es anders aus – wird aber auch nicht gelingen, trotz aller Mühe von Seiten der Palästinenser. Heldenpose konnte auch ein jüngerer Palästinenser schon recht gut, während die dazugehörige Gruppe Frauen sich auf schrilles Hohngelächter beschränkte.
Eine Rednerin forderte auf, „positive Energie“ zu geben, was immer damit gemeint sein mochte. Esoteriker für Gaza – das fände ich nicht einmal das Schlimmste.
Leider musste ich nach etwa anderthalb Stunden aufgeben; meine Knie sind nicht für das lange Stehen gemacht. Aber im Grunde hatte ich genug gesehen. Es bestätigt sich, dass in Deutschland eine neue Form des Antisemitismus sehr viele Freunde hat, und dass diese Freunde alle ein gravierendes Problem mit der Logik haben und die meisten, wenn nicht alle, sich friedfertig finden und äußerst aggressiv sind. Schade um so viele Seelen!
Ich bete, dass die 48 Geiseln, die noch immer in der Gewalt der Hamas sind, befreit werden können. Leider gibt es nur noch sehr wenig Hoffnung, dass sie leben. Die Hoffnung, dass die Hamas zur Vernunft kommt, ist allerdings noch geringer.
Es gibt zum Glück noch zivilisierte Menschen darin, aber die Barbaren haben die Oberhand.
Ich entnehme das den unzähligen Beifallsäußerungen zur Ermordung von Charlie Kirk. Zu den milderen gehören Sätze wie „Ich bin eigentlich gegen Mord, aber hier…“ oder ähnlich. Nein, Bester, du bist nicht gegen Mord, sondern ganz dafür, aber nur, wenn’s jemanden trifft, den du nicht magst.
„Man darf diesen Menschen nicht betrauern“ oder ähnlich. Doch, darf man. Man darf nämlich trauern, um wen man will. Auch um Menschen, mit denen man nicht einig ist.
„Er war ja auch [beliebiger unflätiger Ausdruck].“ Das ist gerade völlig egal.
„Er war Antisemit“ – ja, das wird ihm tatsächlich vorgeworfen in bizarren Kommentaren, die einem jüdischen Restaurant in Berlin die Trauerkundgebung zu Kirks Tod verübeln. Er war alles mögliche, aber ganz sicher kein Antisemit. (Ich finde es allerdings hochgradig antisemitisch, wenn jetzt seine Gegner einem jüdischen Restaurant vorschreiben, um wen Juden trauern dürfen und um wen nicht.)
Kirk war Ehemann und Vater, er war für den unbedingten Schutz von Kindern in jedem Entwicklungsstadium. Er war begeisterter Christ. Er liebte gewaltlose Debatten.
In vielem bleibt er mir unverständlich, so in seinem angeblichen Rassismus (wie weit der tatsächlich ging, weiß ich nicht) und seiner liberalen Haltung zum Waffenbesitz sowie seiner Nähe zu Trump. Aber nichts davon rechtfertigt einen Mord.
Ganz und gar übersehen wird von Relativierern und nicht besonders heimlichen Jublern, dass der Schütze sein eigenes Leben damit wahrscheinlich völlig zerstört hat. Im Hass auf Kirk wird sein mutmaßlicher Mörder instrumentalisiert; für Mitleid auch mit ihm ist da kein Platz mehr.
Ich bete für Kirks Seele, für seine Frau und seine Kinder, aber auch für den Täter. Ich hoffe, dass ihm die Todesstrafe erspart bleibt und dass er zu Einsicht und Umkehr gelangt.
Und ich hoffe und bete, dass in Deutschland doch irgendwann in absehbarer Zeit die Zivilisation von neuem Einzug hält.
Mein Smartphone und zwei nahe Sirenen machten befehlsgemäß Krach, wie viele andere in ganz Deutschland.
Das ist schon gut, aber wer ist eigentlich auf einen Notfall vorbereitet?
Ich habe einen Spirituskocher, fünf Flaschen Spiritus, zwanzig Literflaschen Trinkwasser, ebenso viele gebrauchte Flaschen mit Wasser zum Waschen und immer für mindestens zwei Wochen genug Essen, das kalt oder nach Zubereitung auf dem Spirituskocher genossen werden kann. Ich sorge in der Regel so vor, dass ich im Notfall auch einem weniger gut ausgestatteten Nachbarn helfen kann.
Keine Sorge, es wird nichts schlecht. Ich kann nur allen raten, sich nach Möglichkeit so auszustatten, dass man wenigstens eine Woche lang versorgt ist.
Und natürlich hoffen und beten, dass es so schlimm nicht kommt. Man kann ja auch ohne Not auf dem Campingkocher Fondue zubereiten, auch ohne Not ist es praktisch, wenn man gut ausgestattet ist.
… und zweifellos ein Wunderwerk, in dem unzählige Teile aufeinander abgestimmt sind. Und er hält viel aus, kommt mit schweren Krankheiten und Verletzungen oft erstaunlich gut zurecht, erträgt schlechte und achtlose Behandlung lange und kann unter Umständen über hundert Jahre halten.
Aber er hat auch seine Tücken. Da ist zum Beispiel die Wirbelsäule, im Idealfall sehr biegsam, aber doch aufrecht, mit dem Nervensystem im Innern, das das Hirn mit dem ganzen Rest verbindet.
Nun kann die auch schief stehen, wie bei mir, nur ein kleines bisschen, von außen kaum merkbar. Und dann kann es passieren, dass ein Lendenwirbel auf den Teil des Nervenstranges drückt, der für den rechten Unterschenkel verantwortlich zeichnet. Dieser rechte Unterschenkel tut dann höllisch weh, während die Region, in der sich der verantwortliche Wirbel befindet, sich wohlfühlt und schweigt.
Also sagt ein Arzt, es liegt an fehlender Muskelmasse im Unterschenkel. Man versucht, das zu trainieren (AUA!), es hilft aber nicht.
Eine Ärztin sagt, man habe vermutlich ein Lipödem (hat man mit Sicherheit nicht, und es täte auch nicht so weh).
Endlich vermutet ein Arzt den wahren Grund, das Röntgenbild bestätigt das, und Krankengymnastik soll Rücken- und Bauchmuskulatur aufbauen und so den Wirbel unterstützen, damit er nicht mehr so blöd herumhängt. Und schon nach dem ersten Mal ist es viel besser!
Für die Zukunft: Morgengymnastik! (Ja, da muss ich mich dran gewöhnen.)
Und wenn etwas über längere Zeit weh tut: Am besten nicht erst nach einem knappen Jahr zum Arzt gehen, und Geduld mit der Ärzteschaft haben, die ist nämlich auch fehlbar.
Und tausend Dank den Ärzten, die richtige Diagnosen stellen, und all jenen, die Krankengymnastik und Physiotherapie gelernt haben und das so richtig gut können.
Maria, die vor aller Zeit zur Gottesmagd erkoren, vom Herrn im Voraus schon befreit, in Heiligkeit geboren, du Menschenkind, von Gott erwählt, du Braut, dem Heilgen Geist vermählt, von Herzen sei willkommen!
Maria, ohne Seelenpein und ohne Dunkelheiten trittst du ins Erdenleben ein, lässt ganz von Gott dich leiten, du bist der Kirche hohes Bild, der Christen Mutter, Schutz und Schild voll Reinheit und voll Liebe.
Maria, in der Not der Zeit hör, wie zu dir wir flehen, steh du uns bei in allem Leid, hilf uns zu Christus gehen. Maria, in der Zeit der Not steh du uns bei zu gutem Tod, zu Seligkeit und Leben.
Morgen werden Carlo Acutis und Pier Giorgio Frassati heiliggesprochen. Längst ist das Internet voll mit teils besorgten, teils aggressiven Hinweisen aus dem protestantischen Spektrum: Kein Mensch, auch der Papst nicht, kann einen anderen heilig machen / zum Heiligen ordinieren / heiligen / zum Heiligen ernennen! Nur Gott kann das!
Liebe evangelische und freikirchliche Geschwister im Herrn, da stimme ich Euch vollkommen zu. Da stimmt auch jeder Papst Euch zu. Carlo und Pier Giorgio werden aber heiliggesprochen.
Ja und wo soll da ein Unterschied sein?
Heilig machen oder heiligen bedeutet, bewirken, dass ein bestimmter Mensch ein heiliges Leben führt, also vor allem Gott erkennt und liebt, soweit das menschenmöglich ist. Das ist, was Gott tut – wobei er jedem die Freiheit lässt, eigenmächtig anders als heilig zu sein.
Ordinieren (ich las es wirklich schon in diesem Zusammenhang) heißt, mit einem geistlichen Amt beauftragen, also zum Diakon, Priester oder Bischof weihen. Im übertragenen Sinne (allerdings ungebräuchlich) könnte man sagen, dass jeder Christ durch die Taufe zum Allgemeinen Priestertum „ordiniert“ ist. Natürlich gehört dazu auch der Ruf zur Heiligkeit, dem jeder Christ nach Kräften zu folgen hat. Es ist aber keine Heiligsprechung, da es ja auch Getaufte gibt, die (so sagt man), diesem Ruf ganz und gar nicht folgen.
Auch ernennen kann der Papst keine Heiligen. Denn das hieße ja, er bestimmt eigenmächtig, wer aber sofort heilig ist. Das wäre absurd.
Was der Papst kann und gerne tut, ist heiligsprechen, das heißt, öffentlich anerkennen und verkünden, dass ein bestimmter verstorbener Mensch mit Sicherheit in Gottes Herrlichkeit lebt. Das heißt eben nicht, dass der Papst an diesem Menschen irgendetwas ändert, was vorher nicht war, sondern dass vor dem Gottesvolk offenliegt, was vor Gott längst klar ist: Dieser Mensch ist in Gottes Herrlichkeit. Und weil er in diesem wunderbaren Zustand ist und bleibt, ist es auch sinnvoll, mit ihm zu kommunizieren, ihn um Hilfe oder Fürbitte zu bitten. (Man kann ja lebende Menschen ansprechen und bitten.)
Es ist auch sinnvoll, ihn zu verehren, so wie man z.B. seine Eltern ehrt oder einen Menschen, der sich um das Wohl anderer Menschen verdient gemacht hat. Ich kenne zahlreiche Bilder und Denkmäler von Männern und Frauen aus dem protestantischen Spektrum, die lebende Protestanten völlig in Ordnung finden. Auch Grabpflege ist unter Protestanten ebenso üblich wie unter Katholiken. Beides ist, wenn man nicht von einer persönlichen Auferstehung ausgeht, sondern ausschließlich von einer Auferstehung am Ende der Zeiten, eine Ehrung der Toten. Und genau die wird Katholiken gern mit säuerlicher Miene vorgeworfen, wenn sie die Heiligen verehren!
Nein, wir beten die Heiligen nicht an, auch Maria nicht. Wir sagen nur – und auch nur nach reiflicher Überlegung, Prüfung und Gebet -, dass diese Menschen bei Gott leben, ihm näher sind als wir noch im irdischen Leben sein können und das sie für uns beten können.
Liebe Protestanten Evangelische, Evangelikale usw., wenn man etwas kritisieren will, muss man wissen, was dies Etwas ist. Das gilt auch für Heiligsprechungen.
… ist, wenn erst eine junge Frau sich zu einer Horde gesellt, die eine ungenehmigte pro-palästinensische Demonstration veranstaltet, und dort Polizisten lauthals die Unterstützung eines Genozids vorwirft.
Und wenn dann ein Polizist ihr mit der Faust die Nase blutig schlägt sowie ihren Arm extrem grob packt (angeblich soll er gebrochen sein.
Das ist mehrfach auf Handyvideos dokumentiert.
Ich habe für keinen dieser beiden Menschen Sympathie. Für Frauen, die eine frauenfeindliche Mörderbande unterstützen, fehlt mir jedes Verständnis. (Bei Männern, die das gleiche tun, ebenso, aber da kann ich wenigstens noch sagen „gleich und gleich gesellt sich gern“. Bei Frauen, die sich wer weiß wie emanzipiert vorkommen, kann ich mein Hirn nicht genug verrenken, um das irgendwie zu erklären.)
Für Polizisten, die derartig dumm, unprofessionell und grobschlächtig auf eine zu erwartende Provokation reagieren, bringe ich auch nicht die Achtung auf, die ich gewöhnlich diesem Berufsstand zolle.
Ich hoffe, dass beide, die Demonstrantin und der Polizist, vor recht unwirschen Richtern landen. Ich habe die Schnauze voll von Ungerechtigkeit, und wenn sich hier zwei Ungerechte von ihrer miesesten Seite als Gegner zeigen, habe ich sie doppelt voll.
Mir tut die blutige Nase der jungen Frau bei weitem nicht so leid wie die unzähligen Opfer der Hamas.
Und ebensowenig leid wird mir tun, wenn jener Polizist suspendiert oder bis zur Rente zum langweiligsten Innendienst verdonnert wird.
Die Schmerzensgelder für Beleidigung und Körperverletzung kann man ja gegeneinander aufrechnen.
Vor 144 Jahren wurde AlfredHauptmann geboren. Er wurde Neurologe und Psychiater (damals noch keine scharf getrennnten Berufe) und habilitierte 1912 In Freiburg. Er entdeckte, dass Epilepsie mit dem damals als Schlafmittel genutzten Luminal (= Phenobarbitural) behandelbar ist – bis dahin gab es kaum Mittel, um epileptische Krämpfe zu hemmen. (Die krampfhemmende Wirkung von Veronal war zwar bekannt, aber hatte sich wegen der erheblichen Nebenwirkungen nicht durchgesetzt.) Wer einmal gesehen hat, wie jemand urplötzlich umkippt und minutenlang zuckend, bewusstlos und speichelnd am Boden liegt, dann desorientiert aufwacht, kann ermessen, was das für Epileptiker bedeutet!
Wer, wie ich, ohne Medikamente oder bei Übermüdung genau solche Anfälle bekommt und schon mehrmals unter den besorgten Augen von Sanitätern aufgewacht ist – und danach noch mindestens einen Tag lang wie zerschlagen war – ermisst es erst recht.
Im Ersten Weltkrieg diente Hauptmann erst als Truppenarzt, dann, nach einer Verwundung, als Leiter einer Beobachtungsstation für Nervenkranke. Besonders die kriegsbedingten Nervenleiden von Soldaten weckten sein Interesse. Er wurde mit mehreren militärischen Orden ausgezeichnet.
Sein Spezialgebiet Epilepsie galt damals noch als psychische Krankheit. Daraus erklärt sich, dass er Direktor einer psychiatrischen Klinik wurde.
1923 heiratete er die Bankierstochter Selma Mayer. Einige Jahre später wurde er Vater einer Tochter.
1935 wurde ihm wegen seiner jüdischen Eltern (er selbst war evangelisch; Zeit und Grund seiner Konversion kenne ich nicht) die Arbeit als Arzt von einer Horde Barbaren verboten. Was aus seinen Patienten wurde, weiß ich nicht; wahrscheinlich haben viele die Nazis nicht überlebt. Aber erst nach der Reichspogromnacht und der darauf folgenden als „Schutzhaft“ bezeichneten Inhaftierung im KZ Dachau bis zum Dezember 1938 entschloss er sich mit seiner kleinen Familie zur Emigration in die Schweiz. Der Psychiater Oscar Forel gab ihm Unterschlupf in seiner Klinik und wollte ihn einstellen, aber die Schweiz gab Hauptmann keine Arbeitserlaubnis. 1939 konnte er nach London ausreisen und im selben Jahr in die USA. (Die Absurdität der nationalsozialistischen Bürokratie zeigt sich in einem Dokument vom 2. Juli 1940, als Hauptmann schon in der Schweiz war, das seine Übersiedlung über Schweiz und England in die USA genehmigt.)
In Boston arbeitete er als Arzt und Forscher in einer Nervenklinik, konnte aber nicht an seine früheren Erfolge anknüpfen.
Er starb am 5. April 1948, erst 66jährig, wie seine Frau schrieb, an gebrochenem Herzen. Ich vermute, da kam vieles zusammen: Berufsverbot und KZ-Erfahrung, der Gram über das Schicksal seiner Patienten in Deutschland, das Exil und schließlich der Kummer über die Missachtung seines Lebenswerkes hatten ihn wohl zermürbt. Erst nach seinem Tod wurden Selma von den Nazis geraubte Gegenstände aus seiner Kunstsammlung rückerstattet (Quelle).
Seit 1979 wird der Alfred-Hauptmann-Preis für Epilepsieforschung verliehen.
Phenobarbitural wird noch heute als Antiepileptikum verwendet (allerdings zunehmend durch verträglichere Mittel ersetzt); als Schlafmittel, was ja sein ursprünglicher Sinn war, schon lange nicht mehr. Ich bin froh, dass ich mit dem Zeug nie in Berührung gekommen bin, denn es hat viele Nebenwirkungen – unter anderem macht es müde, was ja sein ursprünglicher Sinn war. Aber ich bin Alfred Hauptmann dankbar für seine Arbeit. Er hat erkannt, dass man epileptische Krämpfe medikamentös hemmen kann, und die Epilepsieforschung angestoßen. Ohne seine Erkenntnisse könnte ich nur mit erheblichem Risiko auf eine Leiter steigen, eine Treppe benutzen oder Radfahren.