King Edward ist eine Kartoffel!

Das ist keine Majestätsbeleidigung und auch nicht ein abfälliger Hinweis auf die deutschen Vorfahren King Edwards VII, sondern die schlichte Wahrheit. Denn diese Kartoffelsorte (vorwiegend festkochend, gelbfleischig mit rosa Maserung auf der Schale, leicht nussiger Geschmack) kam 1902 auf den Markt. Ein namentlich unbekannter Gärtner hatte sie gezüchtet und dem Kaufmann und Landwirt John Butler unter dem Namen „Fellside Hero“ (Held des Abhangs) übergeben. John Butler fand diese Kartoffel so gut, dass er sie nach dem kürzlich gekrönten König Edward VII umnannte, nachdem er vom König die Erlaubnis dazu eingeholt hatte.

John Butler (1850-1930) war ein Methodist, der in seiner Heimat Lincolnshire einen hervorragenden Ruf vorbildlicher Frömmigkeit genoss. Er handelte mit Stoffen und Lebensmitteln und war zeitweise auch Bauer, wobei die neue Kartoffelsorte ihm zu großem Erfolg verhalf. Mit seiner Frau Annie Buttrick hatte er elf Kinder. Nach seinem Tod stiegen seine Söhne John und Fred in das Kartoffelgeschäft ein.

Ich baue derzeit King Edward auf dem Balkon an.

Am Mittwoch der Karwoche kam King Edward an. Nach Anleitung habe ich die Knollen zunächst bei Zimmertemperatur aufbewahrt, um sie in Keimstimmung zu versetzen (das ist tatsächlich der Fachausdruck). Hier sieht man, wie sie sich wohlig räkeln und überlegen,  ob man jetzt nicht mal könnte.

Am Karsamstag kamen sie an den kühlsten Ort der Wohnung zum Vorkeimen – sie sahen noch genau so aus und blieben in demselben Pappkarton.

So sehen sie jetzt aus:

Gestern habe ich mir aus dem zerlegten Ikea-Schrank im Keller eine passende Platte geschnitten und auf die beiden Hocker auf dem Balkon gelegt. Jetzt ist da noch mehr Platz.

Eine Schicht Erde kam noch darauf!

Nun habe ich die Kartoffeln in einen Kartoffeltopf und drei Pflanzsäcke auf dem Balkon gepflanzt und die Erde mit ökologischem Spezialdünger für Kartoffeln vermischt. Etwa ab 20. Juli werde ich hoffentlich ernten können. Kartoffeln und Tipps zum Anbau stammen vom Hof Jeebel, einem Biogartenversand mit zahlreichen alten Kartoffelsorten und vielem mehr.

Dann noch den Balkon fegen und die Nägel schrubben,  und nun gibt es Tee aus marokkanischer Minze vom Balkon,  selbstgemachtes Kichererbsenbrot und ein Vogelkonzert als Tafelmusik.

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About Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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