Gebet am Freitag

Morgen geht es los: Freitags um 12.00 Uhr wird in der Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin-Wilmersdorf, Hildegardstraße 3, gebetet. Die Kirche ist groß, coronagerechte Abstände sind spielend einzuhalten. Die Kirche gehört zur Großgemeinde Maria unter dem Kreuz.

Es handelt sich um eine Laieninitiative. Wir wollen erst einmal versuchen, ob Freitag 12.00 Uhr sich durchsetzen kann. Wenn die Zeit sich nicht bewährt, versuchen wir es mit einer anderen Zeit. Wir wollen gemeinsam 15-20 Minuten lang beten, ein kurzes Innehalten vor Gott. Wer mag, kann selbstverständlich früher kommen oder länger bleiben (oder beides), die Kirche ist tagsüber offen.

Herzliche Einladung!

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Die Rolle der Frau Sperlich in der katholischen Kirche heute

Die Diskussion mit den Synodalen über „Die Rolle der Frau in der katholischen Kirche heute“ am vergangenen Sonntag war ja eher ein Diskussion darüber, was die Rolle der Frau in der katholischen Kirche nun einmal nie ist. Die tatsächliche Rolle „der Frau“ ist auch nicht so leicht fassbar, weil es die „Frau an sich“ ja nicht gibt. Frauen können Dozentinnen an Priesterseminaren sein, sie können Pfarrhaushälterinnen sein, sie können Ehefrauen, Mütter, Professorinnen, Schriftstellerinnen, Ordensfrauen, geweihte Jungfrauen, geweihte Witwen, Pfarrsekretärinnen, Rendantinnen, Malerinnen, Bildhauerinnen, Organistinnen, Putzfrauen, Ärztinnen, Köchinnen oder was auch immer sein und auf unzählige Weise Gott und Seiner Kirche dienen. Manch eine hat das Charisma, um sich herum Frieden und Freude zu verbreiten, andere haben ein besonderes Organisationstalent – und so weiter. Gemeinsam ist allen Tätigkeiten für Gott und Kirche, daß sie sich als Dienst verstehen. Aber das ist nicht geschlechtsspezifisch. Der männliche Organist, Rendant, Koch, Lehrer, Mönch usw. dient ebenfalls. Die Rolle des Menschen in der katholischen Kirche heute ist die gleiche wie gestern, vorgestern, am Anfang, morgen und immer: aus Liebe dienender Gehorsam.

Jeder Mensch steht dabei vor der Aufgabe, seine Berufung zu finden und so gut wie möglich zu erfüllen. Bei dem Wort „Berufung“ ganz und gar auf „Priesterweihe“ fokussiert zu sein, ist der Klerikalismus unserer Zeit. Manche Männer sind zu Priestern berufen, manche Männer und Frauen zu Ordensleuten, viele zur Ehe, manche zu Einsiedlern, manche Frauen zu geweihten Jungfrauen, manche Frauen zu geweihten Witwen (männliche Analogien für die letzten beiden Lebensformen gibt es nicht). Wieder andere haben einen Beruf, der zugleich Berufung ist, und dienen Gott in Krankenhäusern, Künstlerateliers, Schulen, Rettungsstellen, Polizeirevieren – oder in welchem Beruf auch immer. Wir sollten nicht vergessen, daß so verantwortungsvolle und wichtige Arbeiten wie Müllentsorgung und Putzen wertvolle Dienste sind, und daß man sie durchaus als Dienst im christlichen Sinne verstehen und ausführen kann. (Wer es nicht glaubt, möge sich die Kirche seiner Heimatgemeinde in seit Monaten ungeputztem Zustand vorstellen, mit längst überquellenden Mülleimern im Pfarrgarten.)

Weil es wegen der Fülle der Möglichkeiten ausgeschlossen ist, in aller Kürze „Die Rolle der Frau“ zu beschreiben, lege ich hier meine eigene, sehr kleine Rolle dar.

Als Lektorin darf ich in der Messe die Lesungen vortragen, zuweilen auch den Psalm. Das mache ich sehr gerne und seit einiger Zeit auch für die italienische Gemeinde. Hierzu und dadurch lerne ich Italienisch. Bei den italienischen Gottesdiensten am Freitag ist kein Musiker, und also singe ich den Psalm und das Halleluja, bin also auch Kantorin – obwohl ich das nie gelernt habe, der Kantorenkurs fiel Corona zum Opfer.

Gelegentlich finde ich die Marienstatue allzu verrußt und verstaubt und greife zu Lappen. Eine Zeitlang war ich Putzfrau in den Gebäuden eines katholischen Friedhofes und habe dort meine Arbeit gut und gerne gemacht. Und es gibt keinen Grund, die Sauberkeit eines Friedhofsklos für weniger bedeutend zu halten als die Arbeit eines Priesters. Putzarbeit ist anders, und es gibt mehr Menschen, die sie tun können, aber selbst der frömmste Leser wird mir zustimmen, daß er auf den priesterlichen Dienst seltener unmittelbar angewiesen ist als auf das Sitzmöbel im Bad. Selbstverständlich ist der priesterliche Dienst mit einer langen und harten Ausbildung verbunden und ich will ihn in keiner Weise schmälern. Zudem handelt Gott unmittelbar durch den Priester bei der Wandlung und Spendung der Sakramente. Aber ich bin nicht klerikalistisch genug, das Priestertum selbst für eine übermenschlich hohe Kategorie zu halten.

Ich diene Gott als Schriftstellerin, als Übersetzerin, als Bloggerin. Außerdem diene ich durch mein Gebetsleben, seit nunmehr fünf Jahren mit dem besonderen Segen der Kirche, in meinem Gelübde. Zugleich ist das ein wundervoller, unerschöpflicher Schatz für mich. Ich diene und werde dadurch beschenkt.

In der Diskussion neulich wurde gefragt, wovor ich „Angst habe“, wenn ich Priesterinnen ablehne. Der Grund für Ablehnung von irgendetwas ist aber nicht notwendig Angst. (Ich lehne bei der Aufgabenstellung 2 · 2 = x die Lösung 5 nicht aus Angst ab, sondern weil sie falsch ist. Kategorien wie Angst und Mut haben da gar nichts zu suchen.)

Im übrigen ist die Berufung jedes Christen, so gut Christ zu sein wie er eben kann. Wie vermutlich jeder andere Christ bleibe auch ich hinter diesem Ideal weit zurück. Jesus Christus, Seine Kirche und Seine Sakramente helfen mir immer wieder auf die Beine. Ich möchte Ihm und ihr dafür nicht in den Bauch treten. Deshalb verteidige ich die kirchliche Lehre.

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Donnerstag, 1. Adventswoche

Jesaja 26,1-6 

Fest steht Gottes Stadt für ewig,
nur Gerechte ziehen ein,
die dem Treuen Treue wahren:
Er ist unser ewger Fels.
Menschenmacht erweist sich schwächer
als des Armen leichter Schritt.
Die gerecht gemacht durch Glauben,
sei er wie ein Senfkorn klein,
leben in dem Frieden Gottes,
in der goldnen Gottesstadt.

© Claudia Sperlich
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Liebe EU, geh baden.

Gerade hast Du, liebe EU (ich darf Dich doch duzen? Wir kennen uns ja schon übergenug!), erst einen kapitalen Bock geschossen und ihn dann sehr schnell und heimlich wieder verschwinden lassen. Liebe EU, wenn man etwas verbockt, dann sagt man hinterher: „Entschuldigt, das war blöd von mir.“ Man kann es auch parlamentarischer ausdrücken, aber einfach nur so tun, als hätte man nichts getan, ist falsch (und in Zeiten des Internet unsinnig).

Was war?

Die EU, besorgt um unser aller Seelenheil, gibt ein Dokument zur Vermeidung ungerechter Sprache heraus. Irgendwie soll man beim Sprechen immer alle berücksichtigen, die sich irgendwie auf Schlips, Binder, Halstuch, Kufiya oder Sarockel getreten fühlen könnten: Männer, Frauen, Diverse, Ungläubige, Irgendwiegläubige, Leute mit irgendeiner oder ganz ohne Kultur… die Liste ist schier endlos, nur auf Christen darf man zwar Rücksicht nehmen, wenn man unbedingt möchte, muss aber nicht. (Sarockel also doch?)

Das in englischer Sprache verfasste Dokument erteilt keine Ge- oder Verbote, sondern Ratschläge. Die sind aber nervig genug. Und von der EU kommend, sind Ratschläge auch von einer anderen Qualität als wenn die entfernte Verwandte das sagt, die man ohne Schwierigkeiten ignorieren darf.

Nun wird im Internet gerne alles sehr hochgekocht, „EU verbietet Weihnachten“ und so weiter. Mir liegt das Dokument leider nicht vor, aber hier ist eine englischsprachige Seite, die wörtliche Zitate bringt.

Zunächst geht es darum, auf gar keinen Fall jemanden zu beleidigen, der irgendwie zum LGTB-Spektrum gehört. Leute, es nervt! Jeder darf jederzeit ungestraft sagen, daß zölibatäres Leben geisteskrank macht (oder Geisteskrankheit zölibatär, oder was immer), jeder darf damit implizit behaupten, daß Frauen willig sein müssen, damit Männer nicht gewalttätig werden (denkt es durch: genau dieser krude Gedanke kommt dabei heraus) – aber wenn ich in meiner Sprache einmal nicht berücksichtige, daß meine Leser divers sein könnten, bin ich bäh. Das ist so nervtötend albern!

Der Hauptaufreger ist aber: Weihnachten und Vornamen.

Im Englischen kann man für „Vorname“ drei Ausdrücke gebrauchen: entweder das gängige „Christian name“ oder „first name“ oder „forename“. Natürlich ist es sinnvoll, auf Dokumenten, die von jedermann ausgefüllt werden können oder müssen, eher nach dem „first name“ zu fragen. Sonst müssten zahlreiche Menschen dort ehrlicherweise eine Lücke lassen. Hier ist der Vorschlag des Dokuments sinnvoll.

Aber dann geht es um Namen in Beispielsätzen. Da wird’s absurd. Das Dokument rät davon ab, Namen zu benutzen, „die für eine Religion typisch sind“. Also nicht „Maria und John“, sondern „Malika und Julio“, um ein Paar mit verschiedenen Nationalitäten zu beschreiben. Bitte? Maria, John (im Deutschen wäre es Hans) – diese Namen, beide mit hebräischer Wurzel, sind ohne weiteres zwei verschiedenen Religionen zuzuordnen, auch wenn sie in dieser Form wohl häufiger bei Christen und Agnostikern als bei Juden vorkommen. Malika ist möglicherweise arabischer Herkunft (weibliche Form von malik, König), wird aber auch als Koseform von Amalia geführt. Und so heißen zwei Heilige der katholischen Kirche sowie eine evangelische Wohltäterin. Julio ist die spanische Form von Julius – und so heißen ungefähr zwanzig katholische Heilige. Liebe EU, sei wenigstens konsequent und nenn das Paar „Wotan und Mirabelle“. (Wotan ist zwar auch einer Religion zuzuordnen, und Mirabelle war im englischen Mittelalter ein häufiger Name, aber das ist ja lang her.)

Und Weihnachten? „Nicht jeder feiert christliche Festtage, und nicht alle Christen feiern sie zum gleichen Datum“, weiß das Dokument. Daher solle man Sätze wie „Weihnachten kann stressig sein“ meiden und stattdessen sagen „Die Festtage können stressig sein“. Aber warum sind die Festtage denn Festtage? Weil da Weihnachten ist, ob man es feiert oder nicht. Im übrigen ist es sprachlich ungenau, Weihnachten mit „Festtage“ („Holidays“) zu ersetzen, weil es ja noch andere Festtage im Jahr gibt. Und schließlich ist „holiday“ ursprünglich „holy day“ – „heiliger Tag“. Das könnte doch den, dem dieser Tag nicht heilig ist, kränken! EU, Du musst noch viel lernen!

Daher mein obiger Rat: Geh baden, EU. Ein Bad ist wohltuend, entspannend, gesund, reinigend, und manchmal findet man dabei auch etwas Wichtiges heraus. Vor allem aber kann man beim Baden keine Dokumente verfassen, und das täte Dir mal sehr gut, liebe EU.

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Mittwoch, 1. Adventswoche

Jesaja 25,6-10a 

Der Herr gibt ein Fest für die Völker,
die Völker feiern den Herrn.
Auf Ihm ruhte all unsre Hoffnung,
Von allen wird Er dann erkannt.
Das Unrecht wird völlig vernichtet,
die Freude wird ewig bestehn.

© Claudia Sperlich
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Gespräche zum Synodalen Weg

Am ersten Adventssonntag war der Auftakt mit dem Thema „Die Rolle der Frau in der katholischen Kirche heute“, und ich war eingeladen. Gastgeber war die Pfarrei Johannes Bosco.

Die Veranstaltung fand in der riesigen Aula der Johannes-Tews-Grundschule in Berlin-Nikolassee statt, unter G2-Bedingungen, mit großzügig über den Raum verteilten Stühlen, Maskenpflicht und einem dezent summenden Luftfilter. Eine erfreuliche Nebenbemerkung: zu meiner Schulzeit waren die Schulstühle nicht so bequem und die Schulklos nicht so sauber. Außerdem, vermutlich Dank Luftfilter, hat die Schule nicht mehr diesen seltsamen Schulgeruch. Es gibt Fortschritt.

Den Einführungsvortrag hielt Prof.Dr. Claudia Nothelle, Ordentliche Professorin für Fernsehjournalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal sowie Synodalin beim Synodalen Weg und Herausgeberin des Buches „Der Synodale Weg – 10 Beobachtungen einer Synodalen“.

Bei aller Skepsis war mir sympathisch, daß sie gleich zu Anfang sagte, der synodale Weg sei überhaupt nur gangbar, wenn wir auf Gott vertrauen und auf Ihn schauen. Weniger geglückt fand ich, daß ihr Vortrag von einer Powerpoint-Präsentation begleitet wurde, die aus der Auflistung von Themen bestand. Den Anfang machte:

Der Synodale Weg
- Glaubwürdigkeitsverlust
- Hoffnungslosigkeit
- Mitgliederschwund

wobei diese Punkte nicht den Synodalen Weg selbst darstellen sollten, sondern die Gründe, die zu ihm geführt haben. Weitere Punkte waren der Umgang mit Macht, Klerikalismus und Sexualität. Der Synodale Weg ist kirchenrechtlich nicht genau zu fassen, hat aber ein festes Statut, eine Geschäftsordnung. Frau Nothelle bezeichnet ihn als geistlichen Prozess. Die Synodalversammlung ist ein Spiegelbild der Kirche (Frau Nothelle betonte, daß auch Vertreterinnen von Maria 1.0 dabei sind). Bischofskonferenz und ZdK sind dort gleichberechtigt. Auch wichtig ist, daß es dort „Männer, Frauen und Diverse“ gibt, „mindestens eine, eher zwei Transpersonen“.

Ich sehe mich vom Synodalen Weg keinesfalls „gespiegelt“.

Die Zeit dränge, zugleich eignen die Themen sich nicht für schnelle Entscheidungen. Alle seien aufgerufen, ihre Fähigkeiten einzubringen.

Daß die Zeit endlich ist, haben wir zu Ende des Kirchenjahres oft genug gehört. Daß jeder Christ sich so gut einbringen soll, wie er eben kann, geht ebenfalls aus Bibel, Tradition und Kirchengeschichte hervor.

Der Synodale Weg meint die Deutsche Kirche. 

So stand es wirklich auf der Powerpoint-Präsentation. Ich verkniff mir einen Zwischenruf. Ich hätte von einer Journalistin und Germanistin erwartet, daß sie diese Peinlichkeit bemerkt. Gemeint war natürlich weder der Bund für Deutsche Kirche noch die Deutschen Christen – aber ich finde schon, man sollte noch nicht einmal die Assoziation aufkommen lassen.

Der Synodale Weg sei in einer konkreten Situation entstanden, richte sich auf konkrete Fragen in der deutschen Gesellschaft, betreffe allerdings auch die Weltkirche, insofern es vergleichbare Bewegungen auch andernorts gebe.

Bezüglich der vom Synodalen Weg aufgeworfenen Frage, ob Priester nötig seien, sagte Frau Nothelle, man habe das durchaus nicht in Zweifel ziehen wollen, sondern im Gegenteil die Priester davor bewahren wollen, sich ständig mit ihrem Amt fremden Angelegenheiten zu beschäftigen. Viele Laien seien ja in Finanzen oder Organisation versiert und könnten den Priestern diese Aufgaben abnehmen. Der Pfarrer solle in der Gemeinde selbstverständlich das Heft in der Hand haben.

In diesem Punkt bin ich ganz ihrer Meinung. Nur bezweifle ich, daß im Synodalen Weg allgemein so schlechte Deutschkenntnisse herrschen, eine grob mißverständliche Formulierung unabsichtlich zu veröffentlichen. Mit anderen Worten: Frau Nothelles Beteuerung, man wolle die Priester nicht abschaffen, sondern ihnen helfen, überzeugt mich nicht.

Als nächste sprach Nina Achminow, Inspizientin am Theater und freie Autorin. Sie war mit 33 Jahren aus der Kirche ausgetreten, weil die ihr nichts mehr sagte – später, als Mutter, wegen ihres Kindes wieder eingetreten und sprach begeistert von dem großen Schatz der Kirche, davon, daß sie immer mehr darin entdeckt, von ihrer besonderen Liebe zur ignatianischen Spiritualität. Jedoch sieht sie es als ungerecht an, daß es keine Priesterinnen gibt. Ihre Argumente sind altbekannt: Maria Magdalena, die Bedeutung der Frauen für die Kirche zu allen Zeiten, die Gottesgeschöpflichkeit aller Menschen. Sie zeigt sich begeistert von „gegen das Recht geweihten Frauen“. Mit der Beichte hat sie „gute Erfahrungen“, sieht sie als „geschützten Raum“. Sie will glauben und eintreten für die Kirche als Hüterin der Sakramente, findet aber, „Priesterinnen fehlen“. Ihr Argument: Gott hat kein Geschlecht. Das werde allerdings, sagt sie, „nur auf Anfrage“ gesagt. Und „die Hälfte der Menschheit ist vom Sprechen ausgeschlossen“.

Sie hat Argumente für verschiedene Dinge, aber eben nicht für die Möglichkeit von Priesterinnen. Mir gefiel aber an Frau Achminow die unverkrampfte Art und die Freundlichkeit. Mit ihr hätte ich gerne noch diskutiert und geplaudert.

Ich hatte gedacht, ich sollte nur einfach an der Diskussionsrunde nach einem Vortrag teilnehmen, und hatte mir Fragen zu den sieben Thesen der Zwonullerinnen überlegt. Tatsächlich sollte ich auch reden. Ich stieg also auf die Bühne. Die Moderatorin stellte mich vor mit einem Hinweis auf meine Lateinübersetzungen und Sonette, erwähnte, daß sie meinem Blog entnommen hatte, ich stamme aus einem religionsfernen Elternhaus und habe mit 21 Jahren beim Wandern in den Alpen ein Bekehrungserlebnis gehabt. Dann hatte ich das Mikro in der Hand. Ich sagte ganz kurz etwas Ergänzendes zu meiner Bekehrung. Dann sagte ich, ich sei nach meiner Taufe noch lange der Ansicht gewesen, die Kirche werde wohl irgendwann auch Priesterinnen haben, sie werde aber ohne Druck dahin kommen, wenn es so sein solle. Später sei mir die katholische Lehre immer einleuchtender geworden. Ich berichtete von meinem privaten Gelübde, das mir eine tägliche Freude ist. Ich sagte, auch ich sei der Ansicht, Laien müssten die Priester unterstützen und nicht ständig erwarten, daß der Herr Pfarrer alles macht und überall ist. Und endlich ging es hinunter in die Diskussion.

Zu meinen Fragen kam ich nicht. In der Runde saßen alle drei Rednerinnen, die Moderatorin, dann die Religionslehrerin Frau Heimsaat, die Moderatorin Gabriela Fütterer, eine weitere Frau aus dem Zwonullerinnen-Spektrum sowie aus dem Publikum ein sehr junger Mann und ein Mann vom Typ „rüstiger Rentner“.

Im Grunde ging es nur noch um die Frage, wann denn endlich Priesterinnen geweiht werden. Eine Frau argumentierte in recht aggressiver Weise, man wisse ja gar nicht, wie es damals tatsächlich gewesen sei und mit welchen Hintergedanken die Evangelien geschrieben wurden. Ich sagte, wenn Jesus Priesterinnen gewollt hätte, hätte Er doch auch Seine Mutter und Maria Magdalena angehaucht. Ein wiederkehrender Punkt war, daß Frauen, die sich für zur Priesterin berufen halten, gesagt wird, dies sei eine eingebildete Berufung. Daß es tatsächlich Einbildung sein könnte, wollte den meisten nicht einleuchten. Ich sprach von Berufung zu anderen Aufgaben – wobei ich ja aus eigener Erfahrung sprechen kann – und erwähnte, daß es keine männlichen Pendants zur Jungfrauen- und Witwenweihe gibt. Ich glaube nicht, daß mehrheitlich verstanden wurde.

Der blonde Jüngling wollte Ehe für Homosexuelle, aber darauf wurde wegen der Kürze der Zeit nicht weiter eingegangen. Der rüstige Rentner rief energisch und zornig, es sei eine Sache der Gerechtigkeit, daß Frauen endlich Priesterinnen sein könnten, und es sei unverschämt und undemokratisch, daß sie es immer noch nicht dürften. Ich hatte auf dem Hinweg intensiv um den Beistand des Heiligen Geistes gebetet, und nur darauf führe ich zurück, daß ich nicht laut wurde. Tatsächlich antwortete ich dem Mann überhaupt nicht. Aber ich ärgere mich immer wieder über die Unverschämtheit, mit der Männer mir entgegenbrüllen, welche Reformen ich bittschön zu wollen habe. Ich bin keine Freundin diktatorischer Zwangsbefreiung.

Versöhnt wurde ich durch ein wirklich schönes Abschiedsgeschenk. Wir Rednerinnen bekamen jede eine schwarze Leinentasche mit dem Logo des Erzbistums Berlin, gefüllt mit einem Regenschirm mit Kirchenlogo, einem Glas Honig aus einer nahen Imkerei (hervorragend, ich habe ihn schon gekostet) und einer CD mit Gregorianik, mehrstimigen Gesängen und Orgelimprovisationen. Auch wenn mir kurz die Redensart „jemandem Honig ums Maul schmieren“ einfiel – ich freue mich darüber.

Ich möchte die Kirche verteidigen und stärken, wo es nötig ist und so gut ich kann. Dabei weiß ich, daß es am Ende nicht auf mein Bißchen ankommt, sondern auf den Herrn, der versprochen hat, nicht einmal die Pforten der Hölle werden die Kirche überwältigen. Ich möchte die Zwonullerinnen und Synodalen und auch jenen rüstigen Rentner vorrangig als Mitmenschen betrachten, als Gottes Kinder, meine Geschwister (wobei das Wort „Geschwister“ aus meiner familiären Erfahrung nicht einfach ist). Die Lehre der Kirche aber halte ich für unübertrefflich und wahr.

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Dienstag, 1. Adventswoche

Römer 10,9-18

Jesus Christus, auferstandner Herr!
Wer Ihn glaubt in seinem Herzen,
Ihn bekennt in seinen Worten,
wird gerettet, wird erhoben –
unerschöpflich reich ist unser Gott. 

© Claudia Sperlich

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Montag, 1. Adventswoche

Jesaja 2,1-5 

Alle werden gehn zu Gottes Haus,
Er spricht Recht, und Sünder werden rein.
Keiner droht und keinen lacht man aus,
alle werden eines Sinnes sein.
Er befreit die Welt durch Sein Gericht.
Alle werden gehn in Gottes Licht.

© Claudia Sperlich
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1. Adventssonntag

Jeremia 33,14–16

Gib die Hoffnung nicht auf! Denn es kommen die Tage –
doch wer weiß, wann -,
da Gerechtigkeit Gottes das Recht wird schaffen.
Vielleicht schon bald!
Denn der Herr ist gerecht, und so heißt Seine Stätte
am Ziel der Zeit.
Gib die Hoffnung nicht auf. Gib nicht auf Gottes Liebe.
Der Herr kommt bald.

© Claudia Sperlich
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Heilige, die den Teufel verhauen – Teil III

In diesem schwierigen Jahr ist das besonders nötig.

Allen voran die Allerseligste Gottesmutter wird des öfteren so dargestellt: Als Verteidigerin eines Kindes, dem ein Dämon nachstellt, und dessen händeringender Mutter, schwingt Maria einen Knüppel gegen den höllischen Feind. Wie man weiß, erfolgreich.

Auch diese gekrönte Heilige bedient sich eines Knüppels gegen den Widersacher. Ob es Maria ist oder eine der zahlreichen heiligen Adligen, weiß ich nicht.

Die Heilige Juliana von Nikomedien (um 285-304) weigerte sich als Christin, einen heidnischen Sohn der gehobenen Gesellschaft zu ehelichen. Sie wurde gefoltert und eingesperrt. Der Teufel erschien ihr in Gestalt eines Engels, aber sie durchschaute ihn. Auf ihr Gebet fielen die Ketten von ihr ab, und sie fesselte damit den Teufel. Auf dem Weg zur Hinrichtung zog sie ihn an der Kette hinter sich her und warf ihn in eine öffentliche Latrine. Ein wirklicher Engel stand ihr in der Todesstunde bei.

„St. Juliana of Nicomedia binding the devil,“ Germany, 12th century, from the Passionary of Weissenau, Codex Bodmer 127, fol. 44v, Fondation Martin Bodmer, Cologny, Switzerland. „This copy of the Lives of the Saints, produced during the 12th century, possibly in the German Cloister of Weissenau, is decorated with ornately detailed and illustrated initial capitals.“ https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Codex_Bodmer_127_044v_Detail_1.jpg; http://www.e-codices.unifr.ch/en/list/one/fmb/cb-0127; see full page: https://www.e-codices.unifr.ch/en/fmb/cb-0127/44v/0/. Tags: Weißenauer Passionale

Hier ist Teil I und hier Teil II dieser Serie.

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