Gespräche zum Synodalen Weg

Am ersten Adventssonntag war der Auftakt mit dem Thema „Die Rolle der Frau in der katholischen Kirche heute“, und ich war eingeladen. Gastgeber war die Pfarrei Johannes Bosco.

Die Veranstaltung fand in der riesigen Aula der Johannes-Tews-Grundschule in Berlin-Nikolassee statt, unter G2-Bedingungen, mit großzügig über den Raum verteilten Stühlen, Maskenpflicht und einem dezent summenden Luftfilter. Eine erfreuliche Nebenbemerkung: zu meiner Schulzeit waren die Schulstühle nicht so bequem und die Schulklos nicht so sauber. Außerdem, vermutlich Dank Luftfilter, hat die Schule nicht mehr diesen seltsamen Schulgeruch. Es gibt Fortschritt.

Den Einführungsvortrag hielt Prof.Dr. Claudia Nothelle, Ordentliche Professorin für Fernsehjournalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal sowie Synodalin beim Synodalen Weg und Herausgeberin des Buches „Der Synodale Weg – 10 Beobachtungen einer Synodalen“.

Bei aller Skepsis war mir sympathisch, daß sie gleich zu Anfang sagte, der synodale Weg sei überhaupt nur gangbar, wenn wir auf Gott vertrauen und auf Ihn schauen. Weniger geglückt fand ich, daß ihr Vortrag von einer Powerpoint-Präsentation begleitet wurde, die aus der Auflistung von Themen bestand. Den Anfang machte:

Der Synodale Weg
- Glaubwürdigkeitsverlust
- Hoffnungslosigkeit
- Mitgliederschwund

wobei diese Punkte nicht den Synodalen Weg selbst darstellen sollten, sondern die Gründe, die zu ihm geführt haben. Weitere Punkte waren der Umgang mit Macht, Klerikalismus und Sexualität. Der Synodale Weg ist kirchenrechtlich nicht genau zu fassen, hat aber ein festes Statut, eine Geschäftsordnung. Frau Nothelle bezeichnet ihn als geistlichen Prozess. Die Synodalversammlung ist ein Spiegelbild der Kirche (Frau Nothelle betonte, daß auch Vertreterinnen von Maria 1.0 dabei sind). Bischofskonferenz und ZdK sind dort gleichberechtigt. Auch wichtig ist, daß es dort „Männer, Frauen und Diverse“ gibt, „mindestens eine, eher zwei Transpersonen“.

Ich sehe mich vom Synodalen Weg keinesfalls „gespiegelt“.

Die Zeit dränge, zugleich eignen die Themen sich nicht für schnelle Entscheidungen. Alle seien aufgerufen, ihre Fähigkeiten einzubringen.

Daß die Zeit endlich ist, haben wir zu Ende des Kirchenjahres oft genug gehört. Daß jeder Christ sich so gut einbringen soll, wie er eben kann, geht ebenfalls aus Bibel, Tradition und Kirchengeschichte hervor.

Der Synodale Weg meint die Deutsche Kirche. 

So stand es wirklich auf der Powerpoint-Präsentation. Ich verkniff mir einen Zwischenruf. Ich hätte von einer Journalistin und Germanistin erwartet, daß sie diese Peinlichkeit bemerkt. Gemeint war natürlich weder der Bund für Deutsche Kirche noch die Deutschen Christen – aber ich finde schon, man sollte noch nicht einmal die Assoziation aufkommen lassen.

Der Synodale Weg sei in einer konkreten Situation entstanden, richte sich auf konkrete Fragen in der deutschen Gesellschaft, betreffe allerdings auch die Weltkirche, insofern es vergleichbare Bewegungen auch andernorts gebe.

Bezüglich der vom Synodalen Weg aufgeworfenen Frage, ob Priester nötig seien, sagte Frau Nothelle, man habe das durchaus nicht in Zweifel ziehen wollen, sondern im Gegenteil die Priester davor bewahren wollen, sich ständig mit ihrem Amt fremden Angelegenheiten zu beschäftigen. Viele Laien seien ja in Finanzen oder Organisation versiert und könnten den Priestern diese Aufgaben abnehmen. Der Pfarrer solle in der Gemeinde selbstverständlich das Heft in der Hand haben.

In diesem Punkt bin ich ganz ihrer Meinung. Nur bezweifle ich, daß im Synodalen Weg allgemein so schlechte Deutschkenntnisse herrschen, eine grob mißverständliche Formulierung unabsichtlich zu veröffentlichen. Mit anderen Worten: Frau Nothelles Beteuerung, man wolle die Priester nicht abschaffen, sondern ihnen helfen, überzeugt mich nicht.

Als nächste sprach Nina Achminow, Inspizientin am Theater und freie Autorin. Sie war mit 33 Jahren aus der Kirche ausgetreten, weil die ihr nichts mehr sagte – später, als Mutter, wegen ihres Kindes wieder eingetreten und sprach begeistert von dem großen Schatz der Kirche, davon, daß sie immer mehr darin entdeckt, von ihrer besonderen Liebe zur ignatianischen Spiritualität. Jedoch sieht sie es als ungerecht an, daß es keine Priesterinnen gibt. Ihre Argumente sind altbekannt: Maria Magdalena, die Bedeutung der Frauen für die Kirche zu allen Zeiten, die Gottesgeschöpflichkeit aller Menschen. Sie zeigt sich begeistert von „gegen das Recht geweihten Frauen“. Mit der Beichte hat sie „gute Erfahrungen“, sieht sie als „geschützten Raum“. Sie will glauben und eintreten für die Kirche als Hüterin der Sakramente, findet aber, „Priesterinnen fehlen“. Ihr Argument: Gott hat kein Geschlecht. Das werde allerdings, sagt sie, „nur auf Anfrage“ gesagt. Und „die Hälfte der Menschheit ist vom Sprechen ausgeschlossen“.

Sie hat Argumente für verschiedene Dinge, aber eben nicht für die Möglichkeit von Priesterinnen. Mir gefiel aber an Frau Achminow die unverkrampfte Art und die Freundlichkeit. Mit ihr hätte ich gerne noch diskutiert und geplaudert.

Ich hatte gedacht, ich sollte nur einfach an der Diskussionsrunde nach einem Vortrag teilnehmen, und hatte mir Fragen zu den sieben Thesen der Zwonullerinnen überlegt. Tatsächlich sollte ich auch reden. Ich stieg also auf die Bühne. Die Moderatorin stellte mich vor mit einem Hinweis auf meine Lateinübersetzungen und Sonette, erwähnte, daß sie meinem Blog entnommen hatte, ich stamme aus einem religionsfernen Elternhaus und habe mit 21 Jahren beim Wandern in den Alpen ein Bekehrungserlebnis gehabt. Dann hatte ich das Mikro in der Hand. Ich sagte ganz kurz etwas Ergänzendes zu meiner Bekehrung. Dann sagte ich, ich sei nach meiner Taufe noch lange der Ansicht gewesen, die Kirche werde wohl irgendwann auch Priesterinnen haben, sie werde aber ohne Druck dahin kommen, wenn es so sein solle. Später sei mir die katholische Lehre immer einleuchtender geworden. Ich berichtete von meinem privaten Gelübde, das mir eine tägliche Freude ist. Ich sagte, auch ich sei der Ansicht, Laien müssten die Priester unterstützen und nicht ständig erwarten, daß der Herr Pfarrer alles macht und überall ist. Und endlich ging es hinunter in die Diskussion.

Zu meinen Fragen kam ich nicht. In der Runde saßen alle drei Rednerinnen, die Moderatorin, dann die Religionslehrerin Frau Heimsaat, die Moderatorin Gabriela Fütterer, eine weitere Frau aus dem Zwonullerinnen-Spektrum sowie aus dem Publikum ein sehr junger Mann und ein Mann vom Typ „rüstiger Rentner“.

Im Grunde ging es nur noch um die Frage, wann denn endlich Priesterinnen geweiht werden. Eine Frau argumentierte in recht aggressiver Weise, man wisse ja gar nicht, wie es damals tatsächlich gewesen sei und mit welchen Hintergedanken die Evangelien geschrieben wurden. Ich sagte, wenn Jesus Priesterinnen gewollt hätte, hätte Er doch auch Seine Mutter und Maria Magdalena angehaucht. Ein wiederkehrender Punkt war, daß Frauen, die sich für zur Priesterin berufen halten, gesagt wird, dies sei eine eingebildete Berufung. Daß es tatsächlich Einbildung sein könnte, wollte den meisten nicht einleuchten. Ich sprach von Berufung zu anderen Aufgaben – wobei ich ja aus eigener Erfahrung sprechen kann – und erwähnte, daß es keine männlichen Pendants zur Jungfrauen- und Witwenweihe gibt. Ich glaube nicht, daß mehrheitlich verstanden wurde.

Der blonde Jüngling wollte Ehe für Homosexuelle, aber darauf wurde wegen der Kürze der Zeit nicht weiter eingegangen. Der rüstige Rentner rief energisch und zornig, es sei eine Sache der Gerechtigkeit, daß Frauen endlich Priesterinnen sein könnten, und es sei unverschämt und undemokratisch, daß sie es immer noch nicht dürften. Ich hatte auf dem Hinweg intensiv um den Beistand des Heiligen Geistes gebetet, und nur darauf führe ich zurück, daß ich nicht laut wurde. Tatsächlich antwortete ich dem Mann überhaupt nicht. Aber ich ärgere mich immer wieder über die Unverschämtheit, mit der Männer mir entgegenbrüllen, welche Reformen ich bittschön zu wollen habe. Ich bin keine Freundin diktatorischer Zwangsbefreiung.

Versöhnt wurde ich durch ein wirklich schönes Abschiedsgeschenk. Wir Rednerinnen bekamen jede eine schwarze Leinentasche mit dem Logo des Erzbistums Berlin, gefüllt mit einem Regenschirm mit Kirchenlogo, einem Glas Honig aus einer nahen Imkerei (hervorragend, ich habe ihn schon gekostet) und einer CD mit Gregorianik, mehrstimigen Gesängen und Orgelimprovisationen. Auch wenn mir kurz die Redensart „jemandem Honig ums Maul schmieren“ einfiel – ich freue mich darüber.

Ich möchte die Kirche verteidigen und stärken, wo es nötig ist und so gut ich kann. Dabei weiß ich, daß es am Ende nicht auf mein Bißchen ankommt, sondern auf den Herrn, der versprochen hat, nicht einmal die Pforten der Hölle werden die Kirche überwältigen. Ich möchte die Zwonullerinnen und Synodalen und auch jenen rüstigen Rentner vorrangig als Mitmenschen betrachten, als Gottes Kinder, meine Geschwister (wobei das Wort „Geschwister“ aus meiner familiären Erfahrung nicht einfach ist). Die Lehre der Kirche aber halte ich für unübertrefflich und wahr.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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6 Antworten zu Gespräche zum Synodalen Weg

  1. Hartmut Kluge schreibt:

    In bewährt-humoristischer Weise wohl an die neunzig Prozent Zähnegeknirsch nachbetrachtend leidlich erfahrbar gemacht. Bravissimo.
    Und nicht zu vergessen ein hoch auf die deutsche…, ach lassen wir das🙄🤭

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  2. Stefan Leinenbach schreibt:

    Danke für Ihr Engagement für die wahre Lehre der Kirche. Immer wieder ein Gewinn hier zu lesen. Alles Gute!

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