Mir selbst zum 60. Geburtstag

Kein Unheil überwältigt heut mein Denken:
Ich schau voll Dank und Liebe auf die Jahre,
Gott kennt mich ganz, Er zählt auch meine Haare.
Der mir das Leben gibt, der wirds auch lenken.

Die harte Zeit und auch die wunderbare,
Mit Not und Freude, Schulden und Geschenken,
Ist so voll Gnade! Heut kann nichts mich kränken,
Auch wenn ich keine Freunde um mich schare.

Der Herr kennt jede Not, hört jedes Flehen,
Er ist ganz Liebe und ist ganz Erbarmen.
Er lässt uns sicher bessre Tage sehen.
  
Die Zeit ist, wie sie ist. Er wird sie wenden.
Wir werden wieder lachend uns umarmen,
Und werden füreinander Zeit verschwenden.

© Claudia Sperlich
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Hilflos

Ich fühle mich oft hilflos. Wenn ich einem Bettler etwas gebe und denke „Wenn ich könnte, würde ich deine Situation ändern“. Wenn ich vor einem Berg Papier sitze und denke „Wenn ich damit durch bin, kommt der nächste Berg“. Wenn ein Freund verschwindet und ich keine Möglichkeit habe, ihn zu erreichen.

Zur Zeit ist das alles Kleinkram vor einem Krieg in Europa, dem ich hilflos von ferne zuschaue und dabei fürchte, er könnte näher kommen. Ich habe Angst, daß ich mit Gasheizung und Gasherd (mir bis vor kurzem so lieb) Putins Kriegskasse fülle – aber frieren ist ja keine Lösung. Ich kann das einzige, was ich aus Russland bekomme – das Gas – nicht boykottieren. Es liegt an anderen, mir Gas von anderswo in die Heizungsrohre und den Herd zu schicken.

Putin kommt mir vor wie ein kleines Kind, das etwas haben will und, wenn Papa sagt „Nein, das ist nichts für dich“, das Objekt der Begierde kaputtmacht. Nur daß ein Kind im Regelfall keine Möglichkeit hat, Raketen auf Atommülldeponien oder in Wohnhäuser zu schießen. Auch ist Putin nicht niedlich oder „eigentlich ein guter Junge“. Er ist, so ungern ich das über andere Menschen sage, böse.

Was ich tun kann, ist beten. Für die Ukraine, ihre Nachbarstaaten und ganz Europa um Frieden, für die ukrainischen Flüchtlinge um gute Aufnahme, für die Soldaten um Sicherheit, für die Gefallenen um das ewige Leben, für die Trauernden um Trost – und für Putin um Vernunft und Bekehrung.

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Kunst im Wedding

Der Wedding (mit bestimmtem Artikel, im Gegensatz zu allen anderen Bezirken) hat schon lange nicht mehr das besondere Gepräge des alten Arbeiterbezirks. Hier zeigt er sich – zumindest an einem Laternenpfahl – auch als Künstlerviertel – was andererseits durchaus kein Gegensatz sein muss!

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Hier spricht Matthias Claudius

Kriegslied
1778

’s ist Krieg! ’s ist Krieg! O Gottes Engel wehre,
Und rede Du darein!
’s ist leider Krieg – und ich begehre,
Nicht schuld daran zu sein!

Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen
Und blutig, bleich und blaß,
Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen,
Und vor mir weinten, was?

Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
Verstümmelt und halb tot
Im Staub sich vor mir wälzten und mir fluchten
In ihrer Todesnot?

Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute,
So glücklich vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute,
Wehklagten über mich?

Wenn Hunger, böse Seuch und ihre Nöten
Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammelten, und mir zu Ehren krähten
Von einer Leich herab?

Was hülf mir Kron und Land und Gold und Ehre?
Die könnten mich nicht freun!
’s ist leider Krieg – und ich begehre,
Nicht schuld daran zu sein!

Es ist nicht das erste Mal, daß dies Gedicht mir aus aktuellem Anlass durch den Kopf geht. Möge es das letzte Mal sein.

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Der Frühling naht!

Hier die Beweisphotos aus dem Vorgarten: Krokus, Märzbecher, Schneeglöckchen, Szilla.

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Henri de Lubac SJ

Vor 126 Jahren wurde Henri de Lubac in Nordfrankreich geboren. 17jährig trat er der Gesellschaft Jesu bei. Im Ersten Weltkrieg wurde er eingezogen und erlitt eine schwere Kopfverletzung, die ihm lebenslang zu schaffen machte. Das hinderte ihn nicht daran, ein umfangreiches theologisches Werk zu hinterlassen.

Unter dem Verdacht des Modernismus wurde ihm von seinem Orden eine Zeitlang die Lehrtätigkeit untersagt. Das hinderte ihn nicht am Schreiben – und hinderte Johannes XXIII nicht daran, ihn 1960 zum Berater der theologischen Kommission des Zweiten Vatikanischen Konzils zu ernennen. Eine glanzvollere Rehabilitation war kaum möglich – kam aber doch: 1983 machte Johannes Paul II. ihn zum Kardinaldiakon.

In einer Meditation über die Kirche schrieb er:

„Die Kirche, die ganze Kirche, die einzige Kirche, die von heute ebenso wie von gestern und morgen, ist das Sakrament Jesu Christi. Sie ist tatsächlich nichts anderes, oder was darüber hinausgeht, ist nur Zusatz.

Die einzige Mission der Kirche ist, den Menschen Jesus Christus zu vergegenwärtigen. Sie muss Ihn künden, Ihn zeigen, Ihn allen geben. Nochmals, was darüber hinausgeht, ist nur Zusatz. Wir alle wissen, daß sie in dieser Mission nicht versagen kann. Sie ist in Wahrheit de Kirche Christi und wird es immer bleiben: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt (Mt. 28,20). Aber was sie in sich ist, das muss sie auch in ihren Gliedern sein. Was sie für uns ist, das muss sie auch durch uns sein. Jesus Christus muss von uns weiter verkündet werden, nur durch uns bleibt Er sichtbar. Das ist mehr als eine Verpflichtung, man kann sagen, es ist eine natürliche Notwendigkeit.“

Méditation sur l’Église, 1954 (Übersetzung von mir)

Kardinal de Lubac starb 1991 in Paris.

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Nikolaus Kopernikus: Katholik, Astronom, Arzt und Ökonom

Niklas Koppernigk wurde vor 549 Jahren in einem wohlhabenden, frommen Elternhaus geboren. Die ganze Familie wurde in den Dritten Orden der Dominikaner aufgenommen. Der Vater starb, als Niklas erst zehn Jahre alt war; sein Onkel mütterlicherseits, Domherr und ab 1489 Fürstbischof von Ermland, sorgte für ihn und seine drei Geschwister.

Sehr ausführlich und aufschlussreich ist der Artikel bei Wikipedia. Hier nur in aller Kürze, was ich besonders bemerkenswert finde:

Nikolaus Kopernikus – wie er sich als Gelehrter nannte – studierte an verschiedenen Universitäten und fing mit seiner bedeutenden Forschungsarbeit wohl bereits an, ehe er irgendeinen Abschluss hatte. Als 22Jähriger wurde er zum Kanoniker ernannt. Er wurde Arzt, obwohl er nie einen Abschluss in Medizin gemacht hatte (das war zu seiner Zeit noch nicht juristisch geregelt). Als Wirtschaftswissenschaftler leistete er Herausragendes zur Geldtheorie und organisierte die Neubesiedlung brachliegender Bauernhöfe. Astronomie trieb er mit Mitteln, die auch zu seiner Zeit recht primitiv waren, und bei dem oft diesigen Wetter in Weichselnähe, was Beobachtungen erschwerte. Dennoch stellte er eine bahnbrechende Theorie auf, die er mehr durch aristotelische Logik als durch Messungen und Beobachtungen untermauerte – die Erde dreht sich um die Sonne, überhaupt drehen sich die Gestirne ganz anders als das mittelalterliche Weltbild annahm.

Spätestens hier werden viele Leser denken: „Was, und das, obwohl er Katholik war? Und dann wurde das doch bestimmt verboten!“ – Kopernikus selbst wollte sein Werk über die Bewegung der Gestirne zunächst gar nicht veröffentlichen, sondern nur einem kleinen Kreis Gebildeter zugänglich machen. Aber gerade die Gebildetsten unter diesen – Johannes Dantiscus, Bischof von Kulm und Ermland, Tiedemann Giese, sein Amtsnachfolger, und Nikolaus Kardinal von Schönberg, der die Finanzierung anbot, drangen auf Veröffentlichung. Auch Papst Clemens VII. zeigte sich äußerst interessiert. Kopernikus ließ sich aber erst nach dem Tod von Nikolaus Kardinal von Schönberg überzeugen; bei der Finanzierung half sein Schüler Georg Joachim Rheticus. Die endgültige Fassung widmete er Papst Paul III.

Wer dem auch nach den katholischen Maßstäben seiner Zeit ganz und gar rechtgläubigen Kopernikus einen Ketzerprozess anhängen will, hat ganz einfach in Kirchengeschichte nicht aufgepasst. Allerdings wurde die astronomische Forschung des Kopernikus von vielen seiner Zeitgenossen – Katholiken wie Protestanten – ignoriert und wenige Jahre nach seinem Tod von dem sonst so klugen reformatorischen Humanisten Philipp Melanchthon aufgrund des heliozentrischen Weltbildes zunächst verworfen, dann immerhin als Denkmodell akzeptiert.

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Ein Mann wie ein Eber

Heute gedenkt die Kirche des Heiligen Evermod von Ratzeburg. Sein Name bedeutet „der Ebergleiche“, vielleicht hatte den Eltern eine Art Kriegsheld vorgeschwebt, als sie ihr Baby um 1100 so nannten. In dieser Hinsicht sollte ihr Sohn sie enttäuschen: 1120 hörte er im nordfranzösischen Cambrai eine Predigt des Norbert von Xanten und war so beeindruckt, daß er ihm folgte, zu seinem engen Mitarbeiter wurde. Norbert gründete im folgenden Jahr den Prämonstratenserorden, dem Evermod beitrat.

Evermod war dabei, als Norbert 1129/30 die Benediktinerabtei in Pöhlde in ein Prämonstratenserstift umwandelte. 1131 war er an der Gründung des Stiftsklosters Gratia Dei beteiligt und war dort Propst, begleitete Norbert aber weiter auf dessen Reisen. 1138, vier Jahre nach Norberts Tod, wurde er Propst des Prämonstratenserklosters in Magdeburg. Weitere Prämonstratenserklöster entstanden, wohl unter seiner Mitwirkung, in Havelberg und Jerichow. 1154 wird er Bischof von Ratzeburg und legt 1160 den Grundstein zum Ratzeburger Dom.

Evermod war eifrig in der Wendenmission, setzte dabei aber eher auf Überzeugung durch Predigt als auf gewaltsame Kolonisation. Jedenfalls lassen das zwei Legenden vermuten, in denen es zwar nicht um Wenden geht, in denen aber Evermod als ebenso energisch wie grundsätzlich friedfertig dargestellt wird.

Heinrich von Badewide, Graf von Ratzeburg, hatte zwei Friesen gefangengenommen, die er grausam behandelte. Bischof Evermod – mit dem er auf sehr gutem Fuß stand – versuchte vergeblich, ihre Freilassung zu erwirken. Immerhin durften sie zu Ostern, gefesselt und unter schwerer Bewachung, am Gottesdienst teilnehmen. Der Bischof besprengte die Gemeinde mit Weihwasser. Als er zu den beiden kam, sagte er: „Der Herr richtet die Gebeugten auf, der Herr löst die Gebundenen“ – und das Weihwasser sprengte ihre Fesseln.

Als Evermod in Diethmarschen zu einer Besprechung mit dem dortigen Erzbischof Hartwig von Hamburg war, wurde dort ein Adliger ermordet. Während der Messe versuchte Evermod, den rachsüchtigen Verwandten des Ermordeten zur Versöhnung zu bewegen. Er erinnerte ihn an die Worte des Vaterunsers: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Der Mann tat so, als hörte er nichts. Evermod stand vom Priestersitz auf und fiel vor dem Mann nieder. Der aber schwur, er werde nie verzeihen. Darauf stand der Bischof auf und gab dem Mann eine schallende Ohrfeige. Das half – der Rachsüchtige versöhnte sich mit dem Mörder.

Eine wunderbare Befreiung und eine Tat, die man überschreiben könnte mit „Vertragt euch, sonst setzt’s was!“ – da zeigt sich durchaus die Stärke und Sturheit eines Ebers. Charaktere wie Sankt Evermod waren für die Mission der kaum weniger starken und sturen Wenden vonnöten – und sind es heute, bei der wieder heidnisch gewordenen Bevölkerung der gleichen Gegenden, sicher auch.

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Synodalität, Deutschtümelei und Misogynie

Ich wollte nicht mehr über den Synodalen Irrweg schreiben. Aber ich fürchte, es ist wichtig genug. Ich zitiere zwar im Wesentlichen nur eine Facebook-Diskussion, nur wenige Menschen, aber nach allem, was ich in den Diskussionen des Synodalen Weges, in den zahlreichen Erfahrungsberichten um ihn und mit ihm, von Gegnern und Befürwortern gehört und gelesen habe, halte ich die hier wahrgenommene Auffassung und Redeweise für typisch.

Ein am Synodalen Weg beteiligter Priester veröffentlichte auf Facebook diesen Auszug hier aus dem Dokument des Synodalforums I: Macht und Gewaltenteilung in der Kirche. Einleitend schrieb er:

„Das ist also seit Donnerstag [d.h. seit dem 3. Februar 2022] die offizielle Lehre der römisch-katholischen Kirche in Deutschland (beschlossen von der III. Synodalversammmlung mit einer satten 2/3-Mehrheit der Synodalen und der Bischöfe):“

Es scheint in dem Dokument zunächst darum zu gehen, Gerechtigkeit zu mehren und vor allem jenen Gerechtigkeit zu verschaffen, die Opfer von Mißbrauch durch katholische Geistliche wurden. Dazu sollen bestehende Machtstrukturen auf den Prüfstand. Soweit löblich! Wenn es darum wirklich ginge. Aber es bleibt bei einem vagen Aufruf, die Strukturen zu ändern und alles besser zu untersuchen – viel besser und genauer ist das z.B. in unserer Gemeinde und vielen anderen bereits durchgesetzt. Das Dokument tut so, als sei hinsichtlich der Mißbrauchsfälle nichts geschehen – dabei hat Benedikt XVI. hunderte von schuldigen Priestern laisiert und gibt es in Kirchen zahlreiche Anlaufstellen für Menschen, die Mißbrauch erlitten haben. Da muss zwar noch viel getan werden, aber daß ohne den Synodalen Weg gar nichts geschähe, ist unwahr. Vom Synodalen Weg wird als Lösung angeboten, jeden zu weihen, der nicht schnell genug auf dem Baum ist. Man soll künftig nicht stärker auf sexuelle Reife achten, sondern gar nicht mehr. Das soll nützen?

Die immer wieder geforderte Priesterinnenweihe löst weder dies noch irgendein anderes Problem. Erstens sind Frauen keine besseren Menschen, zweitens ist die Unmöglichkeit der Priesterinnenweihe nun so ausdrücklich und ausführlich klargestellt, daß man einfach auch mal schweigen könnte. Was am Ende des Dokuments herauskommt, hat gar nichts mehr mit den Fällen von Mißbrauch zu tun, sondern mit dem Wunsch nach einer ihrer Natur nach unmöglichen Änderung des Kirchenrechts.

Ich mischte mich in die Facebook-Diskussion ein:

„Nur daß, Dank sei Gott, keine Regionalkirche mit Sonderbefugnissen existiert innerhalb der einen römisch-katholischen Kirche. Der Synodale Weg ist eine oligarchische Häresie und hat mir gar nichts zu sagen.“

Priester: „Niemand hat den Anspruch erhoben, Ihnen irgendetwas sagen zu wollen. Dass eine 80%ige Mehrheit der Synodalen und der Bischöfe und die überwältigende Mehrheit der Gläubigen in Deutschland hinter uns steht, reicht uns vollkommen.“

Ich halte fest: Der Priester, der ein Dokument des Synodalen Weges als „offizielle Lehre der römisch -katholischen Kirche in Deutschland“ bezeichnet, sagt, daß „niemand“ (also auch nicht die römisch-katholische Kirche in Deutschland) „den Anspruch erhoben“ hat, mir „irgendetwas sagen zu wollen“. Mit anderen Worten: Die Kirche in Deutschland darf eine Änderung von Lehre und Recht beschließen, andererseits will sie mir gar nichts sagen (zu deutsch: es liegt ihr fern, zu missionieren, was nach Jesu Worten zu den Hauptaufgaben der Weltkirche gehört). Und daß „eine 80%ige Mehrheit der Synodalen und der Bischöfe und die überwältigende Mehrheit der Gläubigen in Deutschland hinter uns steht“, wobei nicht ganz klar ist, wen er mit „uns“ meint. Er ist ja nicht der personifizierte Synodale Weg oder auch nur sein Vorsitzender.

Ein anderer kirchentreuer Laie nennt den Synodalen Weg schismatisch. Ich stimme zu. Darauf antwortet mir wieder ein anderer, im folgenden Wissender Laie genannt:

„Kurz und knapp: Die „eine römisch-katholische Kirche“ hat auf derart vielen Gebieten versagt und bewiesen, dass ihr insbesondere die Einzelschicksale misshandelter Opfer herzlich egal sind, dass es nun an der Zeit ist, die deutsche Katholische Kirche zu positionieren. Das hat der synodale Weg eindrucksvoll getan und niemand verbietet es den zurückbleibenden, ihren Glauben nach wie vor zu leben, wie sie es gewohnt sind. Die Zukunft ist jedoch synodal, finden Sie sich einfach damit ab – die Kirche wird sich radikal verändern. Und dafür ist es höchste Zeit, wenn nicht sogar fünf nach 12.“

ich: Das, was hier gefordert wird – Alle Ämter für alle, alles, was nicht wegläuft, wird gesegnet, und Jesu Worte sind im Prinzip beliebig – ist genau dies: schismatisch.

Ich war selbstverständlich davon ausgegangen, daß Jesu Wahl der Apostel (und Nicht-Wahl irgendwelcher Frauen zum Hirtenamt), die Segnung von Menschen, aber nicht die Segnung jeglicher Taten und Vorhaben, einem theologisch gebildeten Menschen nicht weiter erklärt werden müsste. Da mag ich leichtsinnig gewesen sein.

Wissender Laie: Annähernd 80% der deutschen Bischöfe sehen Jesu Worte also als beliebig an? Sie sind ja goldig 😂 Bleiben Sie ruhig stehen, wir gehen dann mal vor.

Also: da Bischöfe nicht irren dürfen, die Mehrheit nicht irren kann und 80% der deutschen Bischöfe den Synodalen Weg unterstützen, ist ein Weib, das anderes behauptet, Spottes würdig und unbeweglich. Ja, so geht man gegen den schlimmen Klerikalismus vor! Und gegen die Frauenverachtung, die ja in der Kirche so verbreitet ist… oder so ähnlich.

Und, wieder an mich gerichtet, weil ich gewagt hatte, seine Einstellung heftig zu kritisieren (zugegeben, ich hatte ihn als „deutschnationalen Wicht“ bezeichnet, woraufhin der Priester meinen Kommentar löschte, nicht ohne zu bemerken, daß „diese Fraktion“ nun „ihr wahres Gesicht“ zeige):

Wissender Laie: „Der synodale Weg ist zumindest aktuell ein deutscher – was das mit dem Zusatz „national“ zu tun hat, bleibt Ihr Geheimnis. Wer auf die von Ihnen beschworene Weltkirche wartet, der hat Pech gehabt, denn die wird von der Zentrale aus dem Vatikan gesteuert – und von dort kam in den letzten Jahren nur heiße Luft. Jesu folgen heißt, in Bewegung zu bleiben. Die Weltkirche hat keine Antworten auf den Missbrauch von Menschen und Macht. Also bewegen wir uns. Das passt nicht in Ihre Schubladen, ist aber die Zukunft. Und selbstverständlich nicht nur unsere, aber einen afrikanischen, polnischen oder gar italienischen synodalen Weg gibt es (noch) nicht. Also gehen wir schon mal los.“

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: „einen afrikanischen, polnischen oder gar italienischen synodalen Weg gibt es (noch) nicht. Also gehen wir schon mal los.“ Heißt: Die Afrikaner (alle gleich, da müssen wir nicht zwischen den 56 in Frage kommenden Ländern unterscheiden) peilen es nicht, die Polen nicht und die Italiener schon gar nicht. Wir aber, wir Deutschen, wir sind die mit dem Synodalen Weg und gehen voran! Daß Katholiken in afrikanischen Ländern, in Polen und Italien eventuell ganz Recht tun, keinen Synodalen Weg zu beschreiten, darf man nicht denken. Schon gar nicht als Frau. Wenn doch, ist man „goldig“, bleibt stehen, und ja, es verbietet einem ja niemand, in seiner Überzeugung zu verharren (wie mir auch noch bedeutet wurde). Aber „Wir“, der Wissende Laie, der betreffende Priester und alle, die ihrer Meinung sind, „gehen voran“.

Vorwärts! Jawoll! Die Schwarzen und die Gastarbeiter werden schon nachziehen, wenn wir es ihnen nur richtig zeigen! Soviel Mission muss sein! Und die Frauen! Denn Frauen werden vom Synodalen Weg beklatscht, wenn sie ihn abnicken. Sonst sind sie bestenfalls „goldig“. Auch einen guten Rat gibt es noch für mich und vermutlich alle, Frauen und Männer, die die demokratische Seite des Synodalen Weges anzweifeln.

Wissender Laie: „Ach, und wer hier von“angeblicher“ Mehrheit schreibt, sollte mal generell in Ruhe über sein Verhältnis zur Demokratie nachdenken. Die Abstimmungsergebnisse des synodalen Wegs sind jedenfalls über jeden Zweifel erhaben – auch die der Bischöfe.“

Bekam ich eine Wahlbenachrichtigung? Hatte ich die Möglichkeit, anzukreuzen „Nein, ich will vom Synodalen Weg nicht vertreten werden“? Wurde ich zum Synodalen Weg eingeladen, bekam ich dort Stimmrecht? Alles Nein. Aber abnicken soll ich ihn aus Gründen der Demokratie? Da mögen sich ganz andere mal nach ihrem Demokratieverständnis fragen. Ganz abgesehen davon, sind die Möglichkeiten zu demokratischen Strukturen in der Kirche aufgrund ihres übernatürlichen Wesens nur in sehr geringem Umfang gegeben. Wenn ein Priester und ein sehr engagierter, mit Theologie vertrauter Laie das beide nicht wissen wollen, ist das deren Problem – und leider auch eines der Kirche. Ich vermute folgende Gründe: Schlampige Katechese, schlechte Priesterausbildung, großer Hochmut.

Interessant ist aber, wie Johannes Norpoth vom Betroffenenbeirat (Video 29:40 bis 42:21) sich ausdrückt: Die DBK (Trägerin des Synodalen Weges) habe dem Betroffenenbeirat „bestenfalls einen Platz am Katzentisch“ zugewiesen.

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Zwei Valentins

Ein Valentin wurde im 3. Jahrhundert als noch recht junger Mann Bischof von Interamna, dem heutigen Terni (Umbrien). Er bekehrte viele Menschen und wirkte mehrere Wunder. Er wurde nach Rom gerufen, um einen kranken Jungen zu heilen. Das Heilungswunder hatte wiederum zahlreiche Bekehrungen zur Folge, darunter die Verwandtschaft des Stadtpräfekten. Der ließ ihn deshalb 268 enthaupten. Er ist Schutzpatron bei Krankheiten, besonders bei Epilepsie (wie übrigens noch ein dritter Valentin, auf den ich heute nicht weiter eingehe).

Der andere Valentin, der von Rom, war ein einfacher Priester, der einen Blumengarten besaß. Er war bekannt als ein freundlicher und hilfreicher Seelsorger, der Ratsuchenden neben Trost und Hilfe gern auch eine Blume mitgab. Er traute christliche Brautpaare (die natürlich auch Blumen bekamen), darunter angeblich auch Legionäre, denen die Ehe von der heidnischen Regierung untersagt war, und wurde deshalb ein oder zwei Jahre nach Valentin von Terni ebenfalls enthauptet. Er ist der Schutzpatron der Brautpaare.

Die Legenden um diese beiden Valentins vermischten sich. Beide waren sehr beliebte Geistliche, beide wurden – im Abstand von ein oder zwei Jahren – in Rom enthauptet, beide starben als Heilige, beider gedenkt die Kirche heute. Beide starben den Märtyrertod in einer Zeit, in der Christen „eigentlich“ nicht verfolgt, aber hie und da auch ohne Prozess umgebracht wurden. Jedenfalls war das Christentum noch illegal.

Daß die Sache mit den Blumen eigentlich auf die römischen Lupercalien am 15. Februar zurückgeht, glaube ich nicht. Das klingt, auch wenn es vom Ökumenischen Heiligenlexikon rezipiert wird, viel zu sehr nach der Kopfgeburt eines Gelehrten des 19. Jahrhunderts. Die geneigten Leser wissen, was ich davon halte.

Valentin von Rom war als Priester darauf bedacht, junge Christen zu trauen, damit ihre Liebe unter Gottes Segen stand. Das war ihm mehr wert als sein Leben.

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