Christus ist auferstanden!

Das ist nicht Neues – und doch jede Osternacht wieder neu und frisch und gewaltig und überwältigend und frohmachend.

In unserer Gemeinde wurden heute zwei Männer in die katholische Kirche aufgenommen und ein dritter gefirmt. Ich freue mich für die drei, und ich freue mich für mich selbst, daß ich vor 35 Jahren in der Osternacht getauft wurde. Das bedeutet, daß ich zum 36. Mal, oder ganz genau: zum 35,5. Mal, Ostern als Christin feiere, und es wird immer schöner.

Osterchoral
singbar nach „Komm, Heil’ger Geist, der Leben schafft“ (GL 342) o.ä

Christus, der wahrhaft auferstand,
streck uns entgegen Deine Hand,
und wenn die Welt uns an sich reißt,
begnade uns mit Deinem Geist.

Du Herr, der uns das Heil verspricht,
Du bist das klare Osterlicht,
das Feuer, das im Herzen glüht,
der Blitz, der einschlägt ins Gemüt.

Erleuchte flammend den Verstand
und wärme die erstarrte Hand,
daß wir mit Klugheit Gutes tun,
bis wir in Deinem Frieden ruhn.

Gib, daß wir jeden Morgen neu
den Glauben künden ohne Scheu,
und gib, daß wir ein Leben lang
Dich, Christus, preisen mit Gesang.

© Claudia Sperlich

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Gesegnete Osterspeisen

osterspeisen

Die Polen haben in Berlin schon längst die schöne Sitte der Speisensegnung eingeführt. In Heilig Kreuz, Berlin-Wilmersdorf, wird diese Sitte gepflegt. Gestern abend gekochte und bemalte Eier, einen gestern angesetzten und heute früh gebackenen Osterzopf, Wurst, Käse, Schokolade (ja: man kann auch Schokolade segnen!) hatte ich dabei. Klassisch gehört eigentlich noch Salz und Meerrettich dazu – an das Salz denke ich hoffentlich nächstes Mal. Die geschmückten Körbe mit Essen wurden auf die Stufen zum Altar gestellt. Der Pfarrer hat ein bißchen etwas erzählt über den alten Brauch der Speisensegnung – Augustinus hat übrigens das Ei schon „österlich“ interpretiert und unsere Auferstehung mit dem Schlüpfen eines Kükens verglichen! Wir haben gesungen, im Wechsel einen Psalm gebetet, der Pfarrer hat die Speisen gesegnet. Es war ein schöner, fröhlicher kleiner Gottesdienst. Zwei Frauen kamen zu spät, denen habe ich zwei Eier geschenkt, damit sie etwas Gesegnetes in ihren Körben haben.

Mit dem Meerrettich hat es folgende Bewandtnis: Traditionell wird er am Karsamstag morgens auf nüchternen Magen gegessen. Das treibt die Tränen in die Augen – ein kleiner frommer Trick, um am Morgen der Grabesruhe zu weinen.

Und heute Nacht wird gejubelt!

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Karfreitag

Ein purpurroter Mantel
Mt. 27,27-30

Ein roter Mantel, Militärbestand,
Mit einem Loch (zu langsam retiriert),
Hat früher den Zenturio geziert,
Der irgendwann ein jähes Ende fand.

Nun ist der Mantel frisch mit Blut beschmiert
Von einem, der die Geißel überstand.
Der Stoff hat auf zerfetzter Haut gebrannt
Beim Königsspiel. Man gab sich amüsiert.

Den Mantel kann man nun nicht mehr benutzen,
Und der ihn trug, stirbt keinen leichten Tod.
Der Boden an der Säule ist voll Blut.

Den Mantel weg. Ich muss den Boden putzen.
Der Imperator trägt auch so ein Rot.
Vielleicht wars falsch. Doch ich bin nur Rekrut.

© Claudia Sperlich

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Notre Dame

1984, als 22jährige Neugetaufte, zog ich für neun Monate nach Paris. Ich lernte die Kirche, in die ich gerade aufgenommen worden war, dort kennen (und sollte mich bei meiner Rückkehr sehr wundern, wie bürokratisch sie hierzulande sein kann). In Notre Dame war ich fast täglich wenigstens für ein kurzes Gebet und gelegentlich zur Beichte. Schönheit, Geheimnis, Güte, Liebe, Freude – all dies wurde mir hier in besonderer Weise näher gebracht als ich es je erwartet hatte (und dabei bin ich ja keinesfalls kunst- und kulturfern aufgewachsen).

Bald sang ich dort auch im Chor. Wir sangen immer bei der Vorabendmesse. Es war ein kleiner Chor mit Sängern aus verschiedenen Ländern und Kontinenten, trotz der großartigen Kathedrale kein besonders großartiger Chor, aber auch kein ganz schlechter.

Der Chorleiter liebte deutsche Musik und ließ uns vieles in Originaltexten singen, wobei ein Glück war, daß es noch mehrere Deutsche im Chor gab, die für richtige Aussprache sorgten. Zu meinen lustigsten Erinnerungen gehört des Chorleiters seelenvolle Ansage beim Einstudieren des Engelterzetts von Mendelssohn-Bartholdy: „C’est allemand, ça se prononce comme ça¹: Äbe deine AAugen aauf zu den Bäärgen von wälschen dier Ielfe kommt.“ (Man verzeihe mir meinen leisen Spott, der gute Mann hat mir viel über deutsche Musik aus Barock und Romantik beigebracht, und ich bin ihm dankbar dafür.)

Zu Ostern – das heißt, lange davor – probten wir das Halleluja von Händel. Das hatte zur Folge, daß ich wochenlang morgens früh aufwachte und noch aus meinem letzten Traum im Ohr hatte: Haaa-lle-luu-ja! Haaa-lle-luu-ja! Halleluja! Halleluja! Halle-e-e-lu-jaaa! Da blieb es dann den Tag lang. In der Osternacht war die riesige Kathedrale voll, und das Halleluja war der Schlußchoral.

Nun ist Karwoche, und das Halleluja wird nicht angestimmt. Dennoch kommen wir auch in der Karwoche dem Aufruf „hallelu-ja“, zu Deutsch: „Lobt Gott“, in jeder Messe nach, selbst in einem Requiem wird ja Gott gelobt dadurch, daß man sich vertrauensvoll an Ihn wendet.

Damals war Kardinal Jean-Marie Lustiger Erzbischof von Paris. Ich durfte ihn mehrmals als Zelebranten erleben. Damals war ich noch nicht besonders gefestigt und hatte ziemlich alberne Ideen von einer Kirche, die schon noch dahin gedeihen wird, Frauen zu weihen. Entsprechend fremd war mir vieles, was dieser tiefgläubige Mann sagte und schrieb. Das änderte aber nichts daran, daß er tiefen Eindruck auf mich machte als Zelebrant, und daß ich einmal, als er in einer Prozession direkt an mir vorbeiging und den Segen erteilte, vor Ehrfurcht fast im Boden versank. Ich bin heute recht sicher, daß zu meinem geistlichen Wachstum auch Kardinal Lustiger – die meiste Zeit vom Himmel aus – beigetragen hat.

Die Türme von Notre Dame waren mir Wegweiser und freundliche Mahner, die Fensterrosetten mit ihrem mystischen Blau waren mir wie das sanfte freundliche Auge Gottes, das mich sieht und bewacht und anstrahlt. Nun gibt es diese Fensterrosetten nicht mehr [edit: – so dachte ich, aber die größte Fensterrose blieb erhalten!]. Der filigrane Spitzturm ist gefallen. Auch wenn Notre Dame wieder aufgebaut wird, wird es nie mehr so sein wie früher.

Dennoch werden wir zu Ostern das Halleluja anstimmen. Ich hoffe von Herzen, auch die Sänger von Notre Dame werden das tun – wo auch immer.

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Und wieder ein Podcast

… mit dem gestern auf Radio Horeb gesendeten Wochenkommentar zur Umwelt.

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Grünes zu Palmarum

Von lieber Hand bekam ich per Post zwei überaus sorgfältig gearbeitete Palmstöcke in Kreuzform – herzlichen Dank!
Ich bin ja handwerklich minderbegabt, aber zum Pflücken einiger Buxuszweiglein reicht es. Die Kreuze in meiner Wohnung und die beiden Plaketten mit meinen Namenspatroninnen Claudia und Johanna sind nun mit geweihten Palm- oder vielmehr Buchsbaumzweigen geschmückt. Möge mein heute leider auch erlittener Ärger schneller welken und meine in der Fastenzeit doch auch erworbene Disziplin länger frisch bleiben als diese.

Allen Lesern wünsche ich eine gesegnete Karwoche!

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Programmhinweis: Wochenkommentar

Am kommenden Samstag, 13. April, werde ich im Wochenmagazin auf Radio Horeb mit einem Kommentar zu hören sein. Wie immer werde ich später auch den Podcast veröffentlichen.

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Eine Magnolie für Schiller

Sie steht auf dem Schillerplatz in Friedenau und blüht zwar nur kurz, aber dafür zweimal jährlich, wie es Magnolien eben tun: Einmal im Frühling ohne Laub, einmal im Sommer mit Laub. Die Wirkung ist ganz verschieden. Jetzt ist die Blütenpracht gegen den blauen Himmel eine rosaweiße Wolke, später werden die Blüten sich von dunkelgrünem kräftigen Laub abheben.

Soweit ich weiß, hat Schiller sie nirgendwo beschrieben. Es gab sie schon in Europa, sie war sogar schon im 17. Jh. von europäischen Botanikern erforscht worden (Charles Plumier, Paulanermönch und Botaniker, gab ihr ihren Namen zu Ehren seines Kollegen Pierre Magnol), aber wie weit sie in Europa verbreitet war, weiß ich nicht. Gefallen hätte sie auch dem Dichter ganz gewiss.

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Die Berufung der Laien

Hier kann man hören, was ich auf Radio Horeb dazu zu sagen habe.

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Programmhinweis

Morgen, am 5. April 2019, um 20.30 Uhr, geht es auf Radio Horeb um Laienberufungen.
Josef Bordat ist Referent, und gegen 20.45 Uhr bin auch ich zum Thema zu hören.

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