Gebet an wolkigen Tagen

Jesus, hilf den armen Irren,
Die Dein Wort so wüst verwirren,
Die ganz ohne Scham und Scheu
Fordern kirchliche Reformen
fern von lehramtstreuen Normen –
Du allein machst alles neu.

Jesus, hilf auch jenen Narren,
Die so fest darauf beharren,
Dich in der Natur zu sehn,
Dich im Walde aufzuspüren –
Wolle sie doch dorthin führen,
Wo die Tabernakel stehn.

Jesus, heile die Idioten,
Diese Grünen, Braunen, Roten,
Die verlangen nach der Macht.
Segne ihre Denkerstirnen
Und mach Licht in ihren Hirnen,
Treibe fort die trübe Nacht.

Jesus, meine Schritte lenke,
Wenn ich wieder mal bedenke
Nichts so sehr wie meinen Wanst.
Ist mir wieder mal nach Keifen,
Lass mich nicht das Wort ergreifen.
Jesus, hilf mir – weil Du’s kannst.

© Claudia Sperlich

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Hilft CSD gegen Trump?

Und gegen die AfD? – Ich habe diese Ansicht von mir sympathischen Nachbarn gehört. So viele Leute werden Jahr für Jahr mobilisiert, und es ist ein einfach schönes, lustiges, friedliches Straßenfest, das zeigt, wie bunt und fröhlich „wir“ sind.

Mir liegt der CSD nicht so, sagte ich, und offengestanden glaube ich auch nicht, daß er gegen Trump hilft. Oder gegen die AfD. (Wenn es mal so einfach wäre!)

Ein wesentliches Anliegen des CSD kann ich übrigens ohne Verbiegung als fromme Katholikin unterschreiben: Jede Art der unmenschlichen Behandlung (warum auch immer) ist schrecklich. Es ist dabei unerheblich, aus welchem Grund Menschen im günstigeren Falle angepöbelt und bespuckt, im ungünstigeren enthauptet werden, also ob die Begründung lautet, weil sie nicht heterosexuell sind, oder weil sie nicht Salafisten sind, oder weil sie nicht in irgendein mehrheitlich oder obrigkeitlich oder gruppenbezogen gebilligtes Raster passen. Man darf Menschen nicht mobben, nicht mißhandeln und nicht umbringen.
Die Art des CSD, schwulen Sex hochzujazzen und zu bejubeln, kann ich nicht gutheißen. Ich finde es auch albern, daß regelmäßig so getan wird, als gebe es überragend viele Menschen, die nicht heterosexuell sind. Bei einem auf geschlechtliche Vermehrung ausgelegten Lebewesen wäre das recht kontraproduktiv.

Einer der Nachbarn (gerade wirklich glücklich vom CSD kommend) wollte wissen, was ich als Katholikin zu ihnen meine. Ich wisse ja schließlich, daß sie schwul seien. Ich antwortete nach bestem Wissen und Gewissen – und so bündig, wie es die Situation zwischen Tür und Angel erforderte: „Ich finde das, was ihr da tut, ganz grundsätzlich falsch. Und ich finde, ihr seid sehr nette Nachbarn.“

Wo da das Aber sei, wenn ich schon sage, ich finde sie nett.

Das war bereits das Aber. Ihr macht, meiner Ansicht nach, etwas Grundsätzliches falsch. Ihr seid gute Nachbarn, die ich gerne mag. Das kann ich so nebeneinander aushalten.

Was ich nicht sagte: Einige CSD-Begeisterte finden sich immer auch als pöbelnde Randerscheinung neben dem Marsch für das Leben, weil sie nicht ertragen, daß Menschen gegen das vorgeburtliche Entsorgen von Menschen und für den Schutz Ungeborener, Alter, Kranker, Behinderter Laut geben. Diese Pöbler sind immer explizit christenfeindlich. Da besteht also ein Ungleichgewicht: Ich bin für den unbedingten Schutz jedes Menschenlebens. Nicht wenige, die den CSD bejubeln, sind für den Schutz von Menschenleben nur, solange sie nicht extrem lästig werden.

Was ich auch nicht sagte: Ich gehöre als Christin zur weltweit mit Abstand am meisten verfolgten Gruppe. In Deutschland kann ich zwar noch problemlos ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Ich bin katholisch. Man gönnt sich ja sonst nichts“ tragen; meine Erfahrungen damit sind bisher ausgesprochen gut (ja, auch in einem türkischen Café in Kreuzberg). Aber die Luft wird dünner; im öffentlichen Diskurs gehört es schon lange nicht mehr zum guten Ton, den christlichen Glauben zu respektieren.

Von meinen Nachbarn weiß ich mit Sicherheit, daß sie mich nicht verletzen wollen und niemals anpöbeln. Ich weiß aber auch aus Erfahrung, daß der Wunsch nach Verletzung (auch physischer) von in CSD-Manier schrill kostümierten Menschen mir auf jedem Marsch für das Leben entgegenbrandet. Auch wenn ich mir sicher bin, daß die meisten Teilnehmer am CSD grundsätzlich friedlich sind und einfach demonstrieren und auch feiern wollen, nehme ich zwischen CSD und gewaltbereiten Spinnern am Rand des MfdL eine erhebliche Schnittmenge an.

Zurück zur Ausgangsfrage. Wenn gegen eine despotische Politik irgendwas helfen soll, dann sicher nicht die Verachtung des Christentums. Um das zu begreifen, braucht man nur ein wenig Geschichte zu lernen.

Und? Würde ich zum CSD gehen, wenn dort das Christentum ganz bestimmt nicht bewusst verhöhnt würde, von niemandem? – Ich wäre dann immer noch der Meinung, daß die katholische Sexualmoral (wie alles andere, was die katholische Kirche lehrt) schlicht wahr ist. Außerdem habe ich ein ausgeprägtes Schamgefühl und mag mich dem ein oder anderen CSD-typischen Anblick nicht aussetzen. Aber wenn es einfach nur darum ginge, Schwule davor zu schützen, an Baukräne gehängt zu werden – dann wäre ich dabei. Nur geht mir dieser berechtigte Wunsch unter in dem ganzen übrigen Zinnober des CSD. Und in dem Gegröle derer, die geköpften Christen noch ein „selbst Schuld“ hinterherrufen möchten.

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Ein ganz traditionelles Marienlied

… nach der Melodie „Gott ist gegenwärtig“ (GL 387):

Tochter, Braut und Mutter Gottes, des Dreieinen,
Jesu Freunde sind die Deinen!
Trage unsre Bitten zu dem Herrn der Heere,
deinen Schutz uns nicht verwehre!
Liebe Frau, auf uns schau,
deine Sternenkrone
leuchte uns zum Sohne.

Er ist unser Bruder, du hast Ihn getragen,
Mutter, höre unser Klagen!
Du hast den geboren, den Propheten künden,
Magd und Herrin, frei von Sünden.
Liebe Frau, auf uns schau,
lehre uns vertrauen,
lass auf Ihn uns schauen.

Du bist Magd des Herren, der durch dich erschienen:
Lehre uns, dem Sohn zu dienen.
Über alle Engel hat Er dich erhoben,
mit dir wollen wir Ihn loben.
Liebe Frau, auf uns schau,
gib uns deinen Segen
auf des Heilands Wegen.

© Claudia Sperlich

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Offener Büchertreff in Tegel

Ein bißchen spät, aber mit Freude, zitiere ich eine Facebook-Ankündigung des Mittwochsklubs:

Zum mittlerweile vierten Mal lädt die AG Bücherparadies Tegel zum „Offenen Büchertreff“ in den Georgsaal des Pfarrhauses von Herz Jesu (Brunowstr. 37, 13507 Berlin) ein, und zwar

Sonntag, 28. Juli 2019, 10.30-13.30 Uhr.
Wer möchte, kann vorher, um 9.30 Uhr, in Herz Jesu zur Messe gehen.

Diesmal wird die Dichterin, Übersetzerin und Rezitatorin Claudia Sperlich einige ihrer Bücher vorstellen – darunter die historische Novelle „Archipoeta – Der Erzdichter“ über einen fahrenden Sänger des 12. Jahrhunderts sowie das „Hymnarium„, eine Sammlung neuer Übertragungen alter kirchlicher Gesänge. Diese und weitere Bücher können vor Ort erworben werden.

Daneben wird es natürlich wieder Gelegenheit zu Gespräch, Begegnung und zum Entleihen und Tauschen von Büchern geben. Außerdem erwarten Euch frischer Kaffee und ein leckeres Büffet (gegen Spende). Für Kinder im Alter von 6 Monaten bis 3 Jahren wird eine Spielecke aufgebaut.

Eingenommene Spenden gehen, sofern sie über die reine Kostendeckung hinausgehen, an das Projekt unseres Pfarrvikars Dr. Casimir Nzeh zum Aufbau einer Schule in Nigeria.

Bitte leitet diese Einladung auch an weitere potentiell Interessierte weiter. Wir freuen uns auf Euren Besuch!

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Vortrag: Warum es keine katholischen Priesterinnen gibt

Mein nächster Vortrag in der Arche Potsdam rückt näher – diesmal zu einem kontroversen Thema. Weiterlesen

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Brutaler Stil!

Liebe Zeitungsschreiber, bitte verzichtet doch einfach mal auf das Adjektiv „brutal“. Von brutalen Vergewaltigungen habe ich schon oft gelesen und immer noch keine Antwort auf meine Frage: Geht Vergewaltigung auch anders als brutal? Jetzt sehe ich gerade einen Artikel über eine brutale Messerattacke und frage: Wie hat man sich eine sanfte Messerattacke vorzustellen?

Liebe Zeitungsschreiber, ich finde es brutal gegenüber der Sprache, pro Absatz mindestens eine Redundanz oder Tautologie zu haben. Alles, was immer (x) ist – wobei (x) ein beliebiges Adjektiv ist – braucht niemals (x) genannt zu werden. Bitte kürzt eure Texte vor dem Abdrucken. Bitte kürzt brutal.

Es ist brutal nervig, neben dem Grauen der Welt immer auch noch schlechten Stil verarbeiten zu müssen. Aber ganz ohne Scherz: Wenn wir bei allem Üblen, was geschieht, noch durch Adjektive betonen, daß es so übel ist, wie diese Art Übel eben naturgemäß ist, dann verlieren wir das Gefühl für die Wortbedeutung. Dann ist ein kurz und schmerzlos vor sich gehender Mord (das gibt es ja) am Ende nicht mehr brutal.

Und wo ich schon beim Meckern bin: Humanitär heißt so viel wie menschenfreundlich. Katastrophen sind nie humanitär. Und alles, was nie (x) ist, darf niemals (x) genannt werden.

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Priester, Schriftgelehrte und Samaritaner

Der Priester kommt nach Hause. Er wirkt angespannt. Seine Frau kommt ihm entgegen.

Frau: Hallo, Liebling!
Priester: Tach.
Frau: Du siehst erschöpft aus. Komm, setz dich her, Essen ist gleich fertig.
Priester: Hmm.
Frau: Was ist denn los?
Priester: Die Banditen im Wadi Qelt werden immer dreister.
Frau: Himmel, dir ist doch hoffentlich nichts passiert?
Priester: Nein, mir nicht. Aber einen armen Kerl haben sie übel zugerichtet. Lag da wie tot, also, atmen tat er noch, das sah man.
Frau: Er hatte Glück, daß so ein guter Mensch kam. Wie geht es ihm jetzt?
Priester: Hmm. Ich, hmm… weiß nicht. Öh, hoffentlich gut.
Frau: Du hast sicher alles getan, was du konntest.
Priester: Äh… ja, hmm… vielleicht.

***

Der Schriftgelehrte kommt nach Hause. Er wirkt angespannt. Seine Frau kommt ihm entgegen.

Frau: Grüß dich, Liebling.
Schriftgelehrter: Nabend.
Frau: Du wirkst gestresst. Harten Tag gehabt?
Schriftgelehrter: Jo.
Frau: Essen ist so gut wie fertig. Magst erzählen?
Schriftgelehrter: Hmpf.
Frau: Ach sag schon. Was ist passiert?
Schriftgelehrter: Im Wadi Qelt haben sie wieder einen überfallen. Sah übel aus.
Frau: Himmel! Hast du diese Banditen gesehen?
Schriftgelehrter: Nein… nur diesen armen Kerl. Lebte noch, aber nur so geradeeben.
Frau: Gut für ihn, daß du noch rechtzeitig gekommen bist!
Schriftgelehrter: Öh… weiß nicht recht…
Frau: Du hast doch bestimmt alles getan, was man halt tun kann in so einem Fall.
Schriftgelehrter: Naja… hmmm… vielleicht.

***

Der Samaritaner kommt nach Hause. Es ist spät in der Nacht. Seine Tunika ist blutbefleckt und verstaubt. Er wirkt überdreht fröhlich.

Samaritaner: Grüß dich, Schatz! Ist noch was zu essen da?
Frau: Endlich kommst du! Wo warst du bloß die ganze Zeit? Ich hab mir Sorgen gemacht! Und wie siehst du aus… was ist denn passiert?
Samaritaner: Ich musste jemandem helfen. Keine Sorge, der wird schon wieder.
Frau: Helfen? Du siehst aus, als ob du dich geprügelt hättest! Und redest, als ob du getrunken hast!
Samaritaner: Hör mal! Der ist verprügelt worden, und ich kam nur drüber zu, als die Täter schon weg waren.
Frau: Ich hab Angst, wenn du dich immer einmischst. Irgendwann geht das schief.
Samaritaner: Kann sein. Ändert aber nichts. Man muss helfen.
Frau: Und diese Flecken gehen auch nie mehr raus.
Samaritaner: Tut mir leid. Aber ging halt nicht anders.

***

Moral der heutigen Perikope:
Was immer ihr tut oder unterlasst, irgendjemand versteht es völlig falsch.

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Woher die Sonette kommen

Sonette fallen einfach von den Bäumen,
Zumindest, wenn ich geh, wo Bäume stehen,
Sie fallen mir ins Hirn in den Alleen,
Und manche sammle ich an Weges Säumen.

Man kann sie auch in manchen Gärten sehen
Als Busch, als Hecke und in Blütenschäumen.
Ganz selten kann ich in Sonetten träumen,
Die aber gegen Morgen meist verwehen.

Sie fallen von Kastanien und Platanen,
Und manchmal sind sie härter als wir ahnen
Und bohren sich durch meine Schädeldecke.

Noch andre wachsen in den Feinkostläden
Und hinterlassen auf den Hüften Schäden.
So ein Sonett ist fast wie eine Zecke.

© Claudia Sperlich

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Auf ein Video, das ich lieber nicht gesehen hätte

… und das ich mir nicht hätte ausdenken können.
[edit: Das ist die von Tobias Klein mit anderer Musik unterlegte Version; das Originalvideo ist nicht mehr zugänglich – da hat’s wohl zu viel Spott geregnet.]

Der KfD tanzt

Zehn Frauen tänzeln um den Volksaltar,
In schwarz, auf linken Schultern rote Stolen,
Von grauen Scheiteln bis zu ihren Sohlen
Ganz überzeugt von sich als Gottes Schar.

Zwar wird auch euch wohl kaum der Teufel holen;
Ihr haltet euer Tun für gut und wahr,
Und Gott sieht auch die wirre Liebe klar –
Doch bleibt im Erdenleben mir gestohlen!

Wie mach ich ungesehen, was ich sah?
Der Priester schreite um den Tisch des Herrn!
Wo ihr seid, tut er das gerade nicht.

Für Freundschaft seid ihr Hüpfer mir zu fern,
Für Anerkennung seid ihr mir zu schlicht,
Und für die Feindesliebe doch zu nah.

© Claudia Sperlich

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Ein Sonett auf die Dummheit

Entstanden ist es neulich als Scherz nebenher, inzwischen habe ich es etwas verbessert. Nun bin ich in diesem Internet so viel von diesem Thema begegnet, daß ich mich zur Veröffentlichung entschlossen habe, auch als Selbstermahnung.

Beklage dich nur über Dummheit nicht!
Auch sie, die Dummheit, wurde zugelassen.
Du kannst ihr innres Wesen nicht erfassen,
Erfasst wird sie von keiner Weisheit Licht.

Wer vor dir hat im Schrank nicht alle Tassen,
Wen du erkennst als einen trüben Wicht,
Auf wessen Nähe nimmer du erpicht,
Mit wem du weder fasten willst noch prassen,

Der ist ja doch, auch wenn er es nicht ahnt,
Ein Gotteskind, zur Heiligkeit berufen.
Bitt du für ihn, daß er erklimmt die Stufen!

Der Herr, der allen Wesen Wege bahnt,
Ist auch dem Deppen nah, dem grausig Dummen.
(Ach Herr, und dennoch – lass den Kerl verstummen.)

© Claudia Sperlich

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