Die Sieben Schläfer von Ephesos

Wir dienten im Palast. Wir waren sieben.
Wenn andre Diener Götzenopfer brachten,
Sind wir dem Christus Jesus treu geblieben.
Doch Kaiser Decius ließ die Christen schlachten,
Daß Kaisermacht und Götzenkult sich mehre.

„Drei Tage habt ihr, um euch zu bedenken:
Dem Kaiser Weihrauch, allen Göttern Ehre!
Dann wird der Kaiser euch das Leben schenken.“
„Wir ehren einen Gott, der ihn bekehre,
Und brauchen kein Bedenken, Gott zu lieben!“

Wir sammelten drei Tage für die Armen,
Verschenkten alles, wurden frei von Sorgen.
Wir hofften nur auf Gott und Sein Erbarmen
Und glaubten an ein österliches Morgen,
Seit wir den Herrn, die Wahrheit selber, trafen.

Wir konnten uns in einer Höhle bergen.
Doch ließ der Hunger uns dort bald entschlafen.
Wir hatten keine Angst mehr vor den Schergen
Und nicht vor Kaiser Decius‘ harten Strafen.
Doch schliefen wir in Gottes guten Armen.

Wir wachten auf mit einem Hungerschauer.
Ich wollte wieder in die Stadt mich wagen.
Verwittert hob sich vor uns eine Mauer,
In die ein frisches Loch war eingeschlagen –
Ein Rätsel, keine Lösung zu Gebote.

Ich hörte Menschen Jesu Namen nennen,
Und niemand nahm sie fest, und keiner drohte.
Doch meine Münzen wollten sie nicht kennen,
Kein Händler gab für dieses Geld mir Brote.
Auf großen Häusern sah ich Kreuze ragen.

Man hat mich als Betrüger festgenommen,
Dem Bischof und dem Präses vorgestellt.
Dem Bischof, ja! Von beiden dann vernommen,
Erfuhr ich: „Längst schon prägt man andres Geld,
Kaum einer kennt, den solche Münzen ehrten.

Der da hieß Decius, herrschte, als die Heiden
Die junge Christenheit noch arg beschwerten.
Der und noch viele sind, die Tod und Leiden
Und Kronen des Martyriums bescherten,
Vor fast zweihundert Jahren umgekommen!“

© Claudia Sperlich

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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