Adé, lieber Lieblingsladen!

Ich habe immer gern bei Sirplus eingekauft – vor allem Obst und Gemüse. Vor dem Wegwerfen gerettete Lebensmittel, die oft nur deshalb im normalen Handel als „Müll“ gelten, weil sie nicht die Form oder Größe haben, die sie standardmäßig haben sollten.

Nun sind die Filialen von Sirplus leider Corona zum Opfer gefallen. Ich verstehe es nicht! Ich hätte gedacht, gerade in Zeiten des knappen Geldes gehen mehr Leute dort einkaufen. Aber noch mehr wurde der Online-Handel in Anspruch genommen.

Den macht Sirplus auch, und man kann sich beliefern lassen. Aber frisches Obst und Gemüse können sie auf diese Weise nicht verkaufen, weil das ihre logistischen Möglichkeiten übersteigt.

Sehr, sehr schade! Dennoch bleibt Sirplus eine bedenkenswerte Adresse zum Einkaufen – mit und ohne Abo, vielleicht auch für einen größeren Vorratseinkauf. Ich hoffe sehr, daß sie die logistischen Schwierigenkeiten für Obst- und Gemüseversand lösen können. Und daß noch andere Wege gefunden werden, gute frische Lebensmittel vor dem Wegwerfen zu retten. (Es gibt ja schon eine Menge, aber immer noch kommt viel zu viel gutes Essen um, weil es eine Macke hat, nicht durch die Schablone passt oder nur noch bis übermorgen hält.)

Auch gibt es für gerettetes Obst und Gemüse die Möglichkeit, bei etepetete zu bestellen – da bekommt man Bioqualität, die unsortiert vom Feld in die Verpackungshalle geliefert wird, wobei etepetete krummes, zu kleines oder zu großes, irgendwie nicht normgerechtes Obst und Gemüse eben nicht aussortiert. Der Nachteil von Online-Einkäufen ist, daß ich damit auf Lieferung angewiesen bin und nicht mehr äußerst umweltschonend mit dem Fahrrad einkaufen fahre. Die Vorteile sind kurze Lieferketten und fristlos kündbare Abos. Wiederum ein Nachteil ist die Beschränkung auf Bioware, was das Vergnügen eben doch etwas teurer macht als Sirplus, wo es auch konventionelle Ware gibt. Immer noch viel günstiger als vergleichbare Ware im normalen Handel!

Auch gibt es über foodsharing die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden und Essen vor Ort vor der Vernichtung zu schützen. Leider ist es den Bahnhofsmissionen und ähnlichen Hilfestellen mittlerweile verboten, unverpackte Lebensmittel (Brot, belegte Brötchen etc.) anzunehmen, aber mit verpackter Ware, die man selbst nicht braucht, kann man immer noch nach einer Rettungsaktion dorthin fahren. Obdachlose freuen sich meist über eine Tüte belegte Brötchen oder dergleichen. Und natürlich darf man alles behalten, was man selbst brauchen kann. Das alles ist aber für mich einfach nicht mehr zu schaffen. Vielleicht komme ich mal wieder in einen Modus, wo das geht, aber derzeit ist es mir zu zeit- und kraftaufwendig.

Schließlich gibt es Ausgabestellen von Essensrettern, an denen man sich anstellen kann. Man kann dort sehr gute Sachen bekommen, Brot en masse, Obst und Gemüse (nicht mehr ganz taufrisch, aber noch gut – Ihr habt ja selbst schon Sachen mehr als einen Tag aufbewahrt und dann mit Genuss verzehrt!), Milchprodukte, zuweilen auch Wurst und Käse. Man bekommt hier nicht unbegrenzte Mengen, die Verteiler achten sehr auf Gerechtigkeit, und manchmal muss man lange anstehen – aber dafür kostet es keinen Cent.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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