Drei Emmaus-Gedichte

Emmausgang

Wo immer Menschen miteinander sprechen
von Angst und Trauer und von tiefem Sehnen
und dabei doch das Brot mit Fremden brechen –

Wo immer Menschen Trauer, Not und Sorgen
und selbst die Hoffnungslosigkeiten teilen
und doch den Fremden bitten: Bleib bis morgen –

Wo immer Menschen noch im Leid gedenken
des Nächsten und ihm Mahl und Dach gewähren,
da bist Du, Gott, und wirst Dich ihnen schenken.

© Claudia Sperlich

***

Der Wirt von Emmaus

Drei Männer kommen, staubig von der Reise.
Sehr jung scheint einer mit vernarbten Händen.
Zwei ältre, die sich fragend an Ihn wenden –
Sie scheinen fasziniert von Seiner Weise.

Sie setzen sich zu Tisch. Die Worte enden.
Zwei sinnen nach. Ich bring die simple Speise.
Der Junge betet drüber, Gott zum Preise –
Er scheint von sich den Segen auszusenden.

Sie schauen hoch, sie rufen einen Namen.
Und plötzlich ist der Dritte nicht zu sehen!
Und sie, ganz ohne Angst: „Wir müssen gehen.”

Sie gehen auf den Weg, auf dem sie kamen.
Sie tanzen fast! Ihr Schritt ist jung und schnell.
Du Fremder – mach auch meine Augen hell.

© Claudia Sperlich

***

Caravaggio: Emmaus

Gleiche ich jenem Jünger, der ganz plötzlich
an wohlvertrauter segnender Gebärde,
den sanften Fremden kennt, die Arme breitet –
halb lachend und halb weinend, unentschieden,
ob er umarmen, ob er knien solle?

Gleiche ich jenem, der die Lehnen klammert,
sich vorbeugt und mit aufgerissnen Augen
das junge Antlitz absucht nach Vertrautem –
kann dieses Haupt ganz ohne Blut und Wunden
der Freund sein, den zu Tode man gefoltert?

Gleiche ich jenem Wirt, der leicht verlegen
und schwankend zwischen Sorge und Bewundrung
und Wißbegier – was ist mit diesen Fremden? –
die Kanne hält, doch ohne einzuschenken –
die dienende Gewohnheit weicht Verblüffung?

Nur eines weiß ich wohl: Nicht gleich ich jenem,
der völlig sicher, ruhig und ohne Bangen
dankt für das Brot in liebender Vertrautheit,
der oft nur karg gelebt und doch nicht sorgte,
ob morgen Brot und Leben noch zu haben.

aus: Lass mich bekennen Deine Mandelblüte

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Die beiden Soldaten

Gaius 

Der Stein ist schwer. Wem konnte das gelingen?
Los, komm. Wir müssen diesen Vorfall melden.
Wird Ärger geben für uns beide Helden!
Am besten, gleich es hinter uns zu bringen.

Und der Zenturio wird uns bestrafen.
Ich könnte über meine Blödheit flennen!
Auf Wache sein und wie ein Baby pennen!
Was wird's uns kosten, so im Dienst zu schlafen?

Hat uns der Wirt was Falsches aufgetischt?
Hat jemand in die Posca was gemischt?
Wie kann man diesen Tiefschlaf sonst erklären?

Ich möchte Mithras jedes Opfer bringen,
Lässt er den Freispruch irgendwie gelingen,
Gibt er mir nur die Chance,  mich zu bewähren!

Lucius

Und wenn ein Gott hat weggerollt den Stein,
Und uns davor in diesen Schlaf versetzt?
Man sagt, der Mann, so auf den Tod verletzt,
Behauptete, ein Göttersohn zu sein.

Man sagt auch, viele habe er geheilt,
Nicht nur bei Juden. Er war populär.
So wie Asklepios. Vielleicht noch mehr,
Angeblich ging das leicht und unverweilt.

Vielleicht ist's Unsinn.  Weiß es nicht zu sagen,
Man denkt so viel in diesen wilden Tagen,
In diesem viel zu heißen Land voll Staub.

Es könnt doch sein, ein Gott hat ihn befreit
Und uns betäubt für eine kurze Zeit.
Ich find's wahrscheinlicher als einen Raub.

(c) Claudia Sperlich
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Christus ist auferstanden,  Halleluja!

Allen meinen Lesern wünsche ich von Herzen ein frohes, gesegnetes, gnadenreiches Osterfest!

Und dran denken: Wir feiern eine Woche lang – die Osteroktav – und eigentlich in jeder Messe Ostern. Christen sind ständig am Feiern, weil der Herr einfach gerne mit uns feiert!

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Mein Fastenprojekt: Kein Essen kaufen. Das mach ich mal wieder!

Ich hatte mir vorgenommen,  in der Fastenzeit nichts Überflüssiges einzukaufen und gar keine Lebensmittel. (Zu dem nicht Überflüssigen zählten dann zwei Bücher, eines für mich und eines für mein Patenkind.  Darüber mögen Asketen streiten.)

Am Fastnachtsdienstag kaufte ich ein letztes Mal groß ein. Ich hatte nun reichlich Nudeln,  Reis,  Mehl, Grieß,  Bohnen, Couscous… sowie die selbstgemachten Marmeladen und Suppenkonserven, dazu eine Menge Thunfisch in Dosen und selbst eingelegte süßsaure Eier, außerdem Zwiebeln und Äpfel, passierte Tomaten,  Tomatenmark und Gewürze und wenig Süßigkeiten.

Die Äpfel langten bis zum Freitag der dritten Fastenwoche. Dann gibt es halt eine Weile Obst nur in Form von Marmelade und Kompott! Mehl hätte ich etwas mehr kaufen sollen,  in der dritten Woche zeichnete sich ab, daß es für die gewünschte Menge Brot nicht reichen würde. Ich buk ab jetzt Reisbrot, d.h. ich machte Brotteig  aus einem Teil gekochtem Reis und fünf bis sechs Teilen Mehl  und stellte fest, daß diese Brote besonders köstlich sind. Auch eine Packung Knäckebrot musste dran glauben. Und dann langte es ganz knapp – die letzten beiden Tage der Fastenzeit gab es Reis statt Brot.  Auch gut!

Allerdings ging auch der Kaffee zur Neige. Das konnte ich nicht ertragen (und wäre dann auch unerträglich geworden), und so bestellte ich Kaffee bei einer seit kurzem in Deutschland ansässigen kleinen Rösterei, für die ich hier werbe.

Montags bis freitags gab es einfaches rein pflanzliches Essen,  wenig Fett und wenig Zucker  – wie ich es mir schon einmal an- und leider wieder abgewöhnt hatte. Samstags wurde ich wie sonst auch nach der Messe zum Frühstück beim Bäcker eingeladen, und die beiden Male,  wo das nicht klappte, gönnte ich mir zwei eingelegte Eier.  Sonntags gab es u.a. Eier,  Thunfisch und etwas Süßes.

Ich habe jede Mahlzeit genossen. Man kann aus sehr einfachen Zutaten sehr wohlschmeckendes Essen zubereiten,  und man kann sich dabei gesund und abwechslungsreich ernähren.

In der zweiten Halbzeit merkte ich, daß einige Dinge knapp wurden und stärker rationiert werden mussten.  Aber hungern musste ich keinmal. (Tatsächlich bin ich immer noch viel zu fett; eine wunyerbare Speckverminderung fand nicht statt.) Die letzte Woche war allerdings die schwerste, einfach weil ich mich nun sehr nach Obst und Gemüse, Käse und Schinken sehnte. Ein Asket wie die Wüstenväter wird aus mir definitiv nicht  – muss ja auch nicht.

Einen Sonntag wurde mir ein riesiger und köstlicher Kuchen geschenkt,  von dem ich den größten Teil an eine kleine Suppenküche weitergab. Ich hatte trotzdem wirklich viel Kuchen genossen.

Mir hat das Sparen und Rationieren gut getan. Einerseits konnte ich Zeit und Geld für meine Nächsten und für mehr Bibellektüre (leider weniger als geplant) und Gebet aufwenden. Auch den lange vernachlässigten Rosenkranz habe ich neu entdeckt.  Andererseits tat es mir gut, mir den Wert alltäglicher Nahrung auf diese Weise sehr bewusst zu machen. Und schließlich hoffe ich,  die eingeübte Disziplin noch ein Weilchen zu behalten.

Ich habe lange nicht mehr so viel gelesen und Musik gehört wie in dieser Fastenzeit.  Dabei bin ich nicht ausgegangen,  auch Kino hatte ich für diese Zeit gestrichen. In der Kirche war ich aktiv als Lektorin, Kantorin und Sakristanin, besonders in der Heiligen Woche hatte ich naturgemäß viel zu tun. Ich liebe diese Dienste und war nun auch schon mehrmals mit der Leitung des Wortgottesdienstes betraut, wenn kein Priester da war. 

Die Küche ist nun ziemlich geplündert, nur eingelegte Eier habe ich noch viele (davon mache ich gern ab und zu große Mengen). Am Gründonnerstag habe ich das meiste für Ostern eingekauft, das wird vorher nicht angebrochen. Das Osterbrot habe ich eben gebacken. Gleich folgt der letzte kleine Einkauf vor Ostern, dann geht’s zur Speisensegnung. Und heute Abend in die Kirche zum höchsten Fest! Danach gibt’s wieder Erlesenes zu essen. Ich freue mich darauf.

Eine Frucht dieser Fastenzeit ist ein Zuwachs an Energie,  Freude und Gelassenheit. Mir ist klar, dass das ein Geschenk ist, nicht etwas durch tapferes Fasten Verdientes! Allerdings merke ich nicht zum ersten Mal, dass Fasten Raum schafft für die Gnade Gottes.

Dank sei Gott! Denn die Hauptsache ist und bleibt Er.

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Karfreitag

Melodie: Herr, Dir ist nichts verborgen (GL 428)

Das Kreuz hast Du getragen
zum Heil der ganzen Welt.
Ans Kreuz bist Du geschlagen
als unser Lösegeld.
Hast Angst und Hohn und Qual,
den Foltertod erlitten.
Für uns, die so zerstritten,
starbst Du aus freier Wahl.

Zwei andre Kreuze tragen
zwei Räuber, die voll Hohn
Dir noch im Sterben sagen:
„Nun hilf uns, Gottessohn!”
Da sieht der eine Dich
als Weg zu neuem Leben:
„Wird Dir das Reich gegeben,
Herr Jesus, denk an mich!”

Ihm sagst Du zu: „Noch heute
wirst du mit Mir dort sein!”
Wer seine Schuld bereute,
geht in das Leben ein.
Vor Deinem Kreuz will ich
die Sünden eingestehen,
zu Dir um Heilung flehen
und ganz vertrau’n auf Dich.

© Claudia Sperlich

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Gründonnerstag

Melodie: Wohin soll ich mich wenden (GL 145)

Beim letzten Paschamahle saß Jesus mit den Seinen,
und Seine Worte scheinen in unsre Welt als Licht,
Vermächtnis, Trost und Mahnung: So ist der Herr zugegen
auf allen Erdenwegen, das Wort verlässt uns nicht.

Er mahnte Seine Jünger: Wohl besser nie geboren,
als ganz und gar verloren und niemals mehr Ihm nah!
Doch wer bei Ihm will bleiben, wer Ihn noch liebt im Sterben,
der wird Sein Reich auch erben, dem sagt Er: Ich bin da.

Er machte sich zum Diener, daß wir einander dienen,
Er ist als Licht erschienen, daß jeder leuchten kann.
Er gab uns Seine Weisung als Prüfstein für das Handeln.
Wer so sich lässt verwandeln, wird frei von finstrem Bann.

Dann sprach Er Seinen Segen, den Dank für Gottes Güte,
für dieser Erde Blüte, und Dank für Brot und Wein.
„Mein Leib, für euch gegeben! Mein Blut, für euch vergossen!”
Wer dieses Mahl genossen, den lädt Er zu sich ein.

In Ihm ist Gott verherrlicht! Wir singen Seine Ehre,
doch wären wir wie Meere voll stetem Jubelklang,
und leuchteten wie Sonnen, und wie die Adler flögen,
genug wär kein Vermögen zu würdigem Gesang.

© Claudia Sperlich

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Männer, die mir erzählen,  dass die Pille nicht schadet

… sind kaum bereit, sich selbst durch Hormongaben eine Zeitlang steril zu machen. (Nicht, dass ich das befürworten würde. Ich stelle nur fest.)

Sie könnten das. Tatsächlich wurde in meiner Jugend eine „Pille für den Mann“ entwickelt. Sie setzte sich nicht durch,  weil die gesundheitlichen Risiken zu hoch waren.

Die Pille für die Frau hingegen hat sich aufgrund der felsenfesten Meinung zahlreicher Männer, sie sei unschädlich,  weithin durchgesetzt.

Risiken und Nebenwirkungen: Thrombosen, Herzinfarkt,  Abnahme der Knochendichte, Durchblutungsstörungen, Gewichtszunahme, Eierstockzysten, Störungen der Regelblutung (bis hin zum vollständigen Ausbleiben nach Absetzen der Pille), Übelkeit, Depression, Brustspannungen, Kopfschmerzen,  Akne,  verminderte Libido, Trockenheit der Scheide (dadurch Störung der Scheidenflora).

Es geht ja nur um Frauen,  nicht wahr,  und die können solche Risiken ja ruhig auf sich nehmen!

Männer hingegen sind einerseits zu kostbar,  ihre grandiosen Körper durch Hormongaben zu schädigen,  andererseits immer gern bereit, uns armen Weiblein zu erklären,  warum eine schleichende Vergiftung für uns besser ist als Fruchtbarkeit.

Auch die Spirale hat, entgegen der Meinung einiger Männer,  Nebenwirkungen, z.B. Bauchschmerzen und Eileiterzysten bei der Kupferspirale, Depressionen, Angstzustände und Kopfschmerzen bei der hormonellen Spirale.  Würden Männer Verhütungsmittel benutzen,  von denen sie Schmerzen, Depressionen und Geschwüre bekommen können?

Ich finde es richtig,  dass die katholische Kirche die permanente Gefährdung der Gesundheit durch therapeutisch sinnlose Maßnahmen untersagt. Auch, aber nicht nur, bei Männern.

Ich bin froh und dankbar, einige gute und gescheite Männer zu kennen.  Und immer wieder muss ich mir diese in Erinnerung rufen,  wenn andere Mannsbilder mir erklären wollen,  dass hormonelle Kinderverhinderung ganz harmlos ist.

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Palmarum

Melodie: GL499 (Gott, der nach Seinem Bilde / Wir weih'n, wie Du geboten)

Lasst uns mit frischen Zweigen
dem Herrn entgegengeh'n,
in Ehrfurcht uns verneigen,
voll Liebe auf Ihn seh'n.
Der Gutes tat und lehrte,
der Wasser macht zu Wein,
der selbst dem Satan wehrte,
zieht nun als König ein!

Verdorrt sind bald die Zweige
in dieser Leidenszeit.
Doch niemals geht zur Neige,
was uns im Herzen schreit:
Bleib in den dunklen Stunden
bei uns mit Deinem Licht,
die Sünder lass gesunden,
sei gnädig im Gericht!

Durch Nöte und Beschwerden
lass Du uns sicher geh'n.
Im Himmel und auf Erden
Dein Wille soll geschehn.
Wenn wir einst vor Dir stehen,
ob jung, ob lebenssatt,
dann lass mit Dir uns gehen
in Deine goldne Stadt.

Nun wollen wir Dir singen:
Hosanna Davidssohn!
Du endest unser Ringen,
Du bist der höchste Lohn,
Nur Du kannst Liebe geben
in Zeit und Ewigkeit!
Ich leg vor Dich mein Leben,
mein Herr, ich bin bereit.

© Claudia Sperlich

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Ein Artikel,  ein kritischer Frager und einige Antworten

Auf der katholischen Seite „Neuer Anfang“ erschien dieser Artikel. Auf Facebook kommentierte jemand ausführlich. Ich zitiere die von ihm zitierten Stellen und seine Fragen dazu und beantworte sie einzeln.

„Seit dieser Sex am Ende dieser langen Zeit auch Personen „befällt“, nicht nur periodisch wie in Rauschzeiten das Schwarzwild und in der Brunft das Rotwild, sondern homo sapiens ganzjährig, gibt es Sexualität in immer komplizierteren Formen, und die sind nicht alle wünschenswert und schon gar nicht gottgewollt.“

Wer sagt mit welchem Recht, was wünschenswert ist?
Und nicht gottgewollt?
Woher weiß er das? Hat er Gott gefragt? Was eine Person will, dazu forscht die Psychologie. Wer ist so überheblich, eine Gottespsychologie zu entwickeln? Sollte Gott tatsächlich fromme Zombies gewollt haben?

Daß es Formen von Sexualität gibt, die Gott für den Menschen nicht will, steht in der Bibel.  Vorrangig in den Zehn Geboten. Hier wird Ehebruch verboten, aber auch jede Form von „Vergötterung“ des Partners  oder der Sexualität selbst und jede Begehrlichkeit nach der Partnerin eines anderen (oder dem Partner einer anderen).

Im Buch Genesis wird deutlich,  daß eine Ehe zwischen genau einem Mann und einer Frau das gottgewollte Modell der Partnerschaft ist. Erst einige Zeit nach dem Sündenfall (der Abwendung des Menschen von Gott) kommt die Polygamie auf, und zwar zuerst bei einem rachsüchtigen und gewalttätigen Protz (Gen 4,23-24).  Alle in der Bibel beschriebenen polygamen Verhältnisse sind belastet und schaden besonders den Frauen,  und zwar auch da, wo die Männer keine schlechten Kerle sind.

Homosexualität kommt in der Bibel ausschließlich im Zusammenhang mit Gewalt vor, sie wird als etwas in sich Ungutes dargestellt.

Gott will keine frommen Zombies,  sondern Menschen,  die sich aufgrund ihrer Einsicht und Liebe für Ihn entscheiden.  Deshalb hat Er uns Gebote gegeben und die Autoren der Bibel inspiriert.

Gott will, dass es den Menschen gut geht (steht in der Bibel an mehr Stellen,  als ich hier anführen kann). Deshalb gehört Sexualität (in der der Mensch ohnehin verletzlich ist, weil sie mit Hingabe zu tun hat) in den besonders geschützten,  geheiligten Raum der Ehe mit der Offenheit für Kinder. Ich finde es richtig,  daß die Kirche Verhütung untersagt, außer durch die Natürliche Familienplanung,  bei der zudem die Frau ihren Zyklus genau beobachtet und dadurch ein besonderes Gespür für ihren Leib bekommt. Hormonelle Beeinflussung oder Einführung eines Fremdkörpers findet die Kirche falsch, und das entspricht dem Gebot,  niemandem vermeidbaren Schaden zuzufügen. (So die strenge Auslegung des Tötungsverbotes.) Es geht also auch um unbeeinträchtigten, fröhlichen Sex,  um Partner,  zwischen deren Liebe nicht nur kein Blatt Papier,  sondern nicht einmal ein Hauch Latex passt! Und es geht um Verantwortung.

„Soweit es an uns liegt, wird Umkehr gefordert.“ Dazu müsste man ja die eigene Richtung kennen, um zu wissen, von welcher Richtung man in welche neue Richtung man umkehren muss. Weiß das wirklich jeder Mensch? Umkehr wohin? Die Antwort lautet stereotyp: „Der Glaube an das Evangelium, die Botschaft dieses Mensch gewordenen Gottes und die Nachfolge in dieser Botschaft ist angesagt.“ Niemand sagt, was diese Sprechblasen ganz konkret im Tagesablauf bedeuten sollen.

Natürlich weiß nicht jeder Mensch zu jeder Zeit,  ob seine Richtung stimmt. Der einschränkende Halbsatz „Soweit es an uns liegt“ weist genau darauf hin. Dennoch ist der Aufruf zur Umkehr immer richtig. Jeder Mensch hat ein Gewissen.  Das Gewissen kann missachtet werden, und es kann irren. (Beides kommt in Diktaturen oder despotischen zwischenmenschlichen Verhältnissen häufig vor.) Jedoch bleibt das eigene Gewissen die höchste Instanz, die wir direkt befragen können und von der wir eine ebenso direkte Antwort erwarten dürfen (auch wenn die Antwort im Fall eines moralischen Dilemmas „Ich weiß nicht, aber ich würde jetzt eher zu …. raten“ sein kann). Deshalb kann die ehrliche Befolgung dessen, was das eigene Gewissen rät, zwar unter Umständen falsch oder dumm sein, nicht aber moralisch verkehrt. Denn auch dem irrenden Gewissen ist Folge zu leisten.

Man ist also durch das Gewissen,  sofern man es benutzt, vor einer Menge falschen Entscheidungen geschützt. Aber das Gewissen benutzen muss beinhalten,  es zu schulen. Dazu gibt es keine bessere Hilfe als die Botschaft Jesu  – und zwar die ganze Botschaft,  nicht nur die gefälligeren Teile daraus. Jesus spricht viel von Barmherzigkeit und Liebe, aber Er erwähnt auch die Konsequenzen gewissenloser Handlungen.

Dass „niemand sagt, was diese Sprechblasen ganz konkret im Tagesablauf bedeuten sollen“, stimmt nicht.  Der erwähnte Jesus sagt es. Er gibt uns eine sehr klare Richtschnur für das tägliche Leben: Gott vertrauen, Ihm treu sein, nach Kräften Gutes tun, Böses nicht gutheißen,  aber verzeihungsbereit sein, wenn es einem selbst widerfährt. Sehr deutlich ist das in der Bergpredigt, aber auch an zahlreichen anderen Stellen. 

Jesus fasste Sympathie zu einem Jüngling, der von sich offenbar für Jesus glaubhaft alle Gebote hielt (Paulus hätte ihm das nicht abgenommen). Jesus stellte eine offensichtlich dysfunktionale Forderung an ihn, was er sicher selbst wusste, nur um ihm seine Achillesferse vor Augen zu führen. Denn er stellte eine solche Forderung nicht an seine Jünger und Jüngerinnen, die ihn ja unterhielten. Petrus durfte sein Haus behalten, und er verschmähte nicht die Teilnahme an einer kostspieligen Hochzeit. Die Erfüllung der Forderung an den Jüngling hätte kaum einen Armen über Wasser gehalten, stattdessen anschließend einen weiteren hinzugefügt.
Zachäus war ein reicher Zöllner. Jesus kehrt bei ihm ein. Er verlangt keineswegs, dass dieser sein ganzes Vermögen spendet sondern begnügt sich mit der vierfachen Rückgabe von unrechtmäßig erworbenem Gewinn.

Jesus verlangt vom Einzelnen,  was gut und möglich für ihn ist. Seine Jünger schickt Er eine Zeitlang paarweise aus, um zu missionieren und zu heilen.  Dabei besteht Er darauf,  dass sie auf allen Besitz verzichten und sich vollständig von ihrer Umwelt abhängig machen.  Dies verlangt Er für die Zeit dieser besonderen Mission,  nicht aber darüber hinaus. Es geht also darum, dass die Jünger lehren und zugleich lernen sollen;  dass sie Ansprüche und Eitelkeiten aufgeben,  Mitgefühl mit den Ärmsten lernen und begreifen,  dass sie ganz in Gottes Hand sind.

Bei der Hochzeit in Kana offenbart Er sich als der, der das Leben in Fülle bringt. Das ist Sein erstes öffentliches Auftreten als Erwachsener und eine ganz und gar messianische Tat. Diese Perikope ist sehr vielschichtig; auch die ungeheure Menge des Weines, die Zahl der Krüge,  die besondere Gelegenheit (Hochzeit) haben eine messianische Bedeutung.  Dazu vielleicht mal ein besonderer Artikel.

Dem reichen Jüngling empfiehlt Er, seinen Reichtum loszulassen. Bei Zachäus lädt Er sich ein und bewirkt allein dadurch,  dass dieser Kollaborateur und Betrüger sich bekehrt und von sich aus eine Wiedergutmachung vorschlägt.

Jesus fordert von verschiedenen Menschen verschiedene Taten  – weil sie eben verschieden sind. Er fordert stets, was dem Angesprochenen möglich und nützlich ist und was zu diesem Zeitpunkt und an diesem Ort richtig ist. Und immer fordert Er die Nachfolge. Genau das ist ja Nachfolge: Im Vertrauen auf Gott tun und riskieren, was mir jetzt hier möglich ist und gut ist.

Wie gesagt, stereotype Sprechblasen (Aufkleber auf dem Auto: „Jesus liebt Dich“) sind nicht hilfreich.

Hier stimme ich zu.  Allerdings verstehe ich den zitierten Artikel keineswegs als stereotype Sprechblase.

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Johannes 8,1-11

Wir hören von einer Ehebrecherin, die in flagranti ertappt wurde. Der beteiligte Mann kommt nicht vor, die Gesellschaft scheint ihm gegenüber recht nachsichtig zu sein (da hat sich in den letzten zweitausend Jahren nicht übermäßig viel geändert).
Jesus äußert sich zunächst nicht, sondern schreibt etwas in den Sand.
Bei Jeremias 17,13 lesen wir: „Du Hoffnung Israels, HERR! / Alle, die Dich verlassen, werden zuschanden. Die sich von Mir abwenden, / werden in den Staub geschrieben, denn sie haben den HERRN verlassen, / den Quell lebendigen Wassers.“
Wir können davon ausgehen,  daß die Frommen,  die die Ehebrecherin nach dem Gesetz  steinigen wollten, diese Worte kannten und sie auf diese Frau münzten. Sie hatte ja gegen das Gebot verstoßen und sich damit von Gott abgewandt!
Aber als Jesus spricht, redet Er von der Abwendung der anderen. Nur wer selber nie gesündigt hat, hat das Recht, einen Stein zu werfen! Nur wessen Name bestimmt niemals in den Sand geschrieben wurde!
Die Älteren verstehen das sofort. Sie wissen, wie oft Gott ihnen schon verziehen hat. Die Jüngeren begreifen es auch.
Ganz zuletzt wendet Er sich an die Frau.  Er, der einzige,  der sie nach Seinen eigenen Worten verurteilen könnte,  tut es nicht. Ja, Er sagt: Sündige nicht mehr. Er verurteilt damit die Tat  – aber nicht die Frau.
Die Sünde hassen,  den Sünder lieben  – das ist ein guter katholischer Grundsatz.

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