Der Heiligenschein dient zur Notbeleuchtung

Das sagte mir eine Frau in einer Diskussion, in der es um ein ganz anderes Thema ging und in der ich begründet eine andere Meinung geäußert hatte als ihre. Es ging ihr offensichtlich darum, mich zu verunglimpfen oder wenigstens zu ärgern. 

Ich ärgere mich aber gar nicht,  und die Meinung Glaubensferner über meinen Glauben ist mir nicht so wichtig. Aber die Formulierung „der Heiligenschein dient zur Notbeleuchtung“ gefällt mir richtig gut,  auch wenn das von jener Frau nicht erwünscht ist.

Wir sind zweifellos in Not. Auch wo gerade kein Krieg herrscht, ist prinzipiell jeder Mensch jeden Tag bedroht von zahlreichen Gefahren.  Art und Höhe sind individuell verschieden.  So ist bei mir ein Verkehrsunfall oder ein Herzinfarkt weit wahrscheinlicher als ein Bergunfall; bei einem durchtrainierten Alpinisten mit Häuschen im Bergdorf wäre es umgekehrt.  Aber unser Leben,  Gesundheit,  Wohlstand und Glück ist immer gefährdet.

Das sollte uns nicht um die Nachtruhe bringen; Gelassenheit ist eine gute Grundhaltung. Aber es sollte uns bewusst sein. Memento mori, gedenke, dass du sterben musst, ist ein sinnvoller Rat  und will uns das Leben nicht vermiesen,  sondern es achten lehren und darauf hinweisen,  dass wir es nicht vergeuden sollen.

In der Not,  der eigenen und fremden,  umgebenden und fernen, brauchen wir Orientierung. Der heilige Gott und seine Heiligen sind probate Leuchten, die uns zeigen,  wie wir auf schwierige Situationen  am besten reagieren,  und die auch ein tröstendes Licht geben,  wo wir machtlos sind.

In einer Notsituation den Heiligsten anrufen und die Heiligen um Hilfe bitten (und sich um Heiligkeit mühen, so gut es geht), lässt das Notlicht angehen. Und das funktioniert bekanntlich unabhängig von der übrigen Stromversorgung.

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Johannes 7,14-53

Wir hörten von einer Ablehnung,  die aus Mangel an Information entstand. Dieser Jesus kommt aus Galiläa,  mithin kann Er nicht der Messias sein, denn die Schrift sagt, der Messias wird aus Bethlehem kommen. – So die Meinung vieler, und diese Meinung gründet sich sogar auf die Bibel! Die fehlende Information ist: Jesus wurde in Bethlehem geboren.
Statt nun nachzufragen,  wo Jesus denn eigentlich herkommt und ob es irgendwelche biblisch begründbaren Indizien gibt, daß Er der Messias ist, sagen viele: Er kommt aus Galiläa, wir mögen Ihn nicht,  also ist Er nicht der Messias.
Nikodemus ist klüger. Auch er bezieht sich auf die Bibel,  die eine Verurteilung ohne Verhör nicht zulässt.  Und er hat einen Wissensvorsprung: Er hat Jesus bereits gehört, hat Ihn aus eigenem Antrieb getroffen,  Ihm Fragen gestellt und Ihm zugehört.
Daß Jesus in Bethlehem geboren ist, weiß Nikodemus wohl auch nicht,  sonst hätte er es doch gesagt. Aber er erkennt an, daß er eben nicht alle notwendigen Informationen hat. Er weiß,  daß sein Wissen über Jesus unvollkommen ist, und benutzt diese Unvollkommenheit nicht als Argument. Für ihn steht fest: So wie Jesus spricht, ist es zumindest möglich,  daß Er der Ersehnte ist. Und ohne Ihn gründlich anzuhören,  darf man Ihn nicht verurteilen,  ja nicht einmal vollständig beurteilen.
Nehmen wir uns vor, nicht zu urteilen,  ehe wir zugehört, hingeschaut und Informationen gesammelt haben.

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Benjamin Coleman – Die Festung

Der 6. Band der Benjamin-Coleman-Reihe von Veronika Grohsebner führt den Leser in eine Unterwelt der grausigsten Art.  Der junge Lieutenant Ben Coleman ist Gefangener einer riesigen mafiösen Organisation,  die unter dem Deckmantel der Medizin Menschen als Organspender, Leihmütter und Versuchskaninchen missbraucht.  Um seine Mitgefangenen zu schützen,  lässt er sich auf einen Deal ein, der ihn fast das Leben kostet.

Nicht nur seine Kollegen von den Special Troops und die Polizei suchen nach dem Entführten.  Auch Gangmitglieder, die ihm zu Dank verpflichtet sind, beteiligen sich an der langwierigen und aufreibenden Suche. 

In seiner Gefangenschaft gelingt es ihm, den einen das Leben zu erhalten und den anderen in ihren letzten Momenten Trost zu spenden. Möglich ist ihm das durch seinen Glauben,  der in dieser Prüfung allerdings auch an seine Grenzen kommt.

Der Leser wird in diesem Band mit abgründiger Bosheit konfrontiert. Dabei werden weniger Gewaltexzesse selbst beschrieben,  mehr ihre körperlichen und seelischen Folgen. Die Autorin nimmt den Leser einerseits mitten ins Geschehen (das Buch ist nichts für allzu Zartbesaitete), andererseits ist sie nie aufdringlich in ihren Schilderungen.

Die Täter werden nicht alle ausschließlich böse dargestellt. Psychologisch glaubhaft schildert Grohsebner,  daß einer der Hauptschurken außerhalb dieser Mafia  wirklich hilfreich wirkt und manch anderer auch barmherzig handeln kann.

Es geht wie in den anderen Bänden immer wieder um religiöse Themen aus katholischer Sicht: Um Opferbereitschaft, Liebe (auch Feindesliebe), Vergebung, Gebet und Vertrauen,  und mehr als in den vorhergehenden Bänden um die Theodizeefrage. Der gekreuzigte Heiland ist die Schlüsselfigur, ohne daß das Buch jemals ins traktätchenhafte abgleitet.

Man sollte das Buch allerdings nicht zur Hand nehmen,  wenn eine unaufschiebbare Arbeit zu erledigen ist. Ich habe es vom Erhalt bis zur letzten Seite kaum aus der Hand legen können.

Veronika Grohsebner: Die Festung.  Benjamin Coleman 6, ISBN 978-3-200-09524-3, 408 S.

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Unsinn in der Fastenzeit

Mir fallen eben nicht nur seröse Sachen ein.

Gefährliche Tiere 

Es lebt die große Zumpfe
Im Sumpfe.
Sie frisst die kleinen Schwerne
Recht gerne.
Nicht Schwernenschicksal teile!
Verweile!
Hast nichts in Sumpf und Mooren
Verloren!

Dann gibt es noch die Knehre
Am Meere,
Die Meeresstrand und Küsten
Verwüsten,
Die See mit ihren Schwärmen
Erwärmen -
Auch diese gilt's, bescheiden
Zu meiden!

Und schließlich lebt die Querge
Am Berge.
Sie weidet ab die Kiefern,
Nagt Schiefern,
Sie spuckt wie ein Gewölle
Gerölle.
Wer sie nicht kann verderben,
Muss sterben!

(c) Claudia Sperlich
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Zum Frauentag bekommen

Eine Nelke habe ich weitergeschenkt an eine Frau mit drei kleinen Kindern,  die aus dem Bus ausstieg, was mir Gelegenheit gab, mit dem Fahrrad kurz innezuhalten. 

Ein Medaillon mit der Heiligen Teresa von Avila bekam ich von einer lieben Freundin.  Die betende Teresa mit Büchern,  Schreibzeug,  durchbohrtem Herzen und der Taube des Heiligen Geistes  – die gehört wohl über meinen Schreibtisch!

Allen Lesern wünsche ich einen gesegneten Tag Unserer Lieben Frau vom Grundrecht!

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KI-Sonett

KI kann viel, was Menschen gar nicht können:
Sie rechnet Schwierigstes schnell wie der Wind,
Stellt Diagnosen treffend und geschwind –
Ja, solch ein Superhirn soll man sich gönnen!

Sie malt auch Bilder wie von Künstlerhänden
Und schreibt Gedichte,  wenn man das befiehlt,
Wobei sie von den echten Künstlern stiehlt,
Denn eignen Geist hat sie nicht zu verschwenden.

Sie kann sogar des Pfarrers Predigt schreiben!
Doch ehrlich ließe sie es besser bleiben.
Sie weiß ja nichts. Sie übernimmt nur Daten.

Moral und Liebe kann sie nicht empfinden,
Und kein Geschmack wohnt in den Drahtgewinden.
Sonette kann sie nicht, und nicht Sonaten.

(c) Claudia Sperlich

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750 Jahre Thomas von Aquin

Heute jährt sich seine Heimkehr zum 750. Male, und es lohnt, sich immer wieder auf ihn einzulassen. Daß er schwer verständlich ist, haben Menschen in die Welt gesetzt, die ihn nicht verstehen wollten. Sein Hauptwerk, die Summa Theologica, ist hier im lateinischen Original und hier  auf Deutsch zu finden.

Sein Gedenktag wurde durch das II. Vatikanische Konzil verschoben,  weil dieses bedeutenden Heiligen nicht ausgerechnet in der Fastenzeit gedacht werden sollte. Man wählte den 28. Januar,  denn an diesem Tag wurden im Jahre 1369 seine Gebeine in die Dominikanerkirche in Toulouse übertragen.

Über den heiligsten unter den Gelehrten,  den Gelehrtesten unter den Heiligen habe ich schon vor längerer Zeit auf Radio Horeb gesprochen (Link). Hier geht es zu sämtlichen Vorträgen auf Radio Horeb zum Doctor Angelicus, wie er von seinen Zeitgenossen genannt wurde.

Daß wegen seiner Leibesfülle eine Aussparung in den Tisch im Refektorium gesägt wurde, wie Luther behauptete,  ist nicht nachweisbar. Daß er nicht zu den Magersten gehörte, dürfte historisch sein und inspirierte mich zu folgenden Versen:

Beim Blick in den Spiegel 

Du lieber Thomas von Aquin,
Gesegnet sei dein Doppelkinn!
Der du bekennst, was gut und wahr,
Und der du schreibst so klug und klar,
Dir folgend, seh ich leider nur
Die Ähnlichkeit in der Figur.

Heute wird es aber endlich Zeit für einen Choral zu Gottes und Thomae Aquinatis Ehren.

Thomas von Aquin 
Melodie: GL 387 - Gott ist gegenwärtig

Thomas war gefangen in des Turmes Enge,
beugte sich doch keiner Strenge,
hielt dem Herrn die Treue, ließ sich nicht verleiten,
bis die Brüder ihn befreiten.
Altes geht, Neues steht:
Herzen, Stimmen,  Werke,
allem gibt Gott Stärke.

Schüler eines Großen, lernt er zu verbinden,
wie die Völker Wahrheit finden.
Engelgleicher Lehrer,  will er alle lehren,
Gottes Wahrheit zu begehren.
Was er lehrt, ist bewährt
auch in unsern Zeiten,
frommen Sinn zu leiten.

Thomas preist den Herren: Sichtbare Gestalten,
die wir in den Händen halten.
Lösegeld für viele, gibt sich Gott zur Speise,
endlich auch zum Ehrenpreise.
Thomas singt, und es klingt
noch in Glanz und Frische
an des Herren Tische.

Preise den Erlöser! Was du kannst, das wage!
Preis Ihn, Zion, alle Tage!
Wo Verstand zu klein ist, um das Herz zu rühren,
muss allein der Glaube führen.
Was wir sehn und verstehn,
soll zu dem uns bringen,
dessen Lob wir singen.

"Gut hast du geschrieben", hört er's in sich klingen,
"welchen Lohn soll Ich dir bringen?"
"Jesus,  Du Verborgner, lass es einst geschehen,
Deine Herrlichkeit zu sehen!"
Thomas schweigt, Thomas neigt
sich vorm Herrn der Zeiten,
lässt von Ihm sich leiten.

(c) Claudia Sperlich
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Pays de la Raison? Naja…

In Frankreich ist es jetzt laut Verfassung erlaubt, ungeborene Menschen zu töten,  gleich aus welchem Motiv.

Das hat Jubelchöre bei jungen Französinnen ausgelöst. Der Eiffelturm trug Festbeleuchtung. Macron darf als Befreier der geknechteten Frauen auf zahlreiche Wählerinnen hoffen.

Allerdings ist Abtreibung in Frankreich seit 1975 keine Straftat mehr. Seit 2001 gilt sie in Frankreich als Menschenrecht, ist also längst verfassungsmäßig garantiert, da die französische Verfassung auf der Déclaration des Droits de l’Homme fußt. Selbst einige Befürworter eines „Rechtes auf Abtreibung“ sehen diese Novelle deshalb als überflüssige Kosmetik an, eindeutig zum Stimmenfang unternommen.

Und massenhaft Französinnen und Franzosen fallen darauf herein und jubeln,  daß endlich sein darf, was seit Jahrzehnten als „Recht“ garantiert ist.

Das in einem Land,  das für sein ausgezeichnetes Bildungssystem bekannt ist (zu dem es zwar auch noch allerhand zu sagen gäbe, aber das sprengt diesen Artikel).

Seit 49 Jahren erlaubt,  seit 23 Jahren als Menschenrecht verankert, jetzt noch zusätzlich in die Verfassung aufgenommen: Die Beseitigung ungeborener Kinder.

Zugleich wird die pränatale Medizin immer besser. Ein Kind, das als extremes Frühchen zur Welt kommt, hat bessere Überlebenschancen als ein gleichaltriges oder älteres Kind,  dessen Geburt unerwünscht ist. Der Inkubator ist ein sichererer Ort als der Mutterleib.

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Geschwister und andere Schwierige

Lk 15,1-3.11-32

Der große Bruder ist beleidigt. Da kommt der kleine Taugenichts wieder angekrochen, und der Vater beschenkt ihn und richtet ihm eine Party aus.
Der Vater erklärt.  Aber wie der große Bruder reagiert, wissen wir nicht.

Mir fallen drei Möglichkeiten ein.
Vielleicht macht der Große gute Miene zum bösen Spiel,  wie er es nennt.  Er feiert mit, gibt seinem Bruder etwas hölzern die Hand,  aber innerlich grummelt er weiter. Er lässt den Jüngeren noch eine ganze Weile spüren,  was er von seinem unmöglichen Verhalten hält. Mit der Zeit glätten sich die Wogen,  aber eine herzliche Geschwisterliebe wird nicht mehr daraus.
Oder er setzt sich später,  vielleicht lange nach dem Fest,  mit seinem Bruder zusammen, schüttet ihm sein Herz aus, sagt ihm, wie verletzt er sich fühlt. Das wäre eine Chance zur Versöhnung, auch wenn sie vielleicht noch Zeit braucht.
Oder er begreift sofort, was sein Vater erklärt hat, läuft auf seinen Bruder zu, gibt ihm vielleicht einen wohlmeinenden Klaps, umarmt ihn – und dann erzählen die beiden einander, was sie erlebt haben,  und hören einander zu.

Wir haben immer mehrere Möglichkeiten,  auf Gottes Ruf und auf den schwierigen Nächsten zu reagieren.  Es kann nicht immer zwischen allen zur innigen Freundschaft kommen, das zu erwarten wäre naiv. Aber sich mitfreuen, wenn ein Mensch mit Gott versöhnt ist, und die eigene Vortrefflichkeit nicht ganz so ernst nehmen,  das ist schon ein guter Anfang für den Umgang mit Menschen.  Auch, aber nicht nur, in der Familie.

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Erfreuliche Mitteilung

Endlich mal wieder ist dieser Blog werbefrei!

Je nachdem,  wie es mit dem leidigen Gelde steht, kann ich das machen oder nicht.  Nun also für mindestens ein Jahr ohne doofe Konsumanreize!

Werben werde ich natürlich für meine Bücher und  Vorträge und was ich sonst noch der Werbung wert finde. Aber von außen gibt’s erst einmal keine Werbung mehr.

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