Seliger Liberatus Weiß

Am 3. März 1716 sterben die Patres Liberatus, Michael Pio und Samuele Marzorato im Steinhagel. Es ist ihr Geburtstag im Himmel.

Mehr dazu hier.

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Requiem für Père Alain

Die kleine Kirche St. Thomas von Aquin in Berlin-Charlottenburg zeigte gestern Abend, daß sie hunderte Menschen fassen kann – denn der ermordete Père Alain-Florent Gandoulou wurde verabschiedet.

Als Weiße war ich Teil einer kleinen Minderheit, als Katholikin Teil einer weltumspannenden Gemeinde. So traurig der Anlass war, so froh und liebevoll war die Grundstimmung (auch wenn selbstverständlich Tränen vergossen wurden). Einige trugen über ihren warmen Jacken ein weißes T-Shirt mit dem Photo des strahlend lachenden Père Alain in Priesterornat und der Aufschrift „Adieu Papa Alain“ – eine geradezu heitere Demonstration der Liebe.

Die französischsprachige Gemeinde – Diaspora in der Diaspora Berlin – hat einen sichtbar engen Zusammenhalt; die Art, wie man sich hier über mehrere Bankreihen hinweg grüßt, wie man einander wahrnimmt, ist wärmer und herzlicher als in den meisten deutschen Gemeinden. Zugleich habe ich hier eine Welle von unverstellter, rechtgläubiger (und nicht nur recht gläubiger) Frömmigkeit erlebt, die mir in meiner Heimatgemeinde oft fehlt.

Erzbischof Koch zelebrierte, und mit ihm ungefähr zwanzig Priester. Der afrikanische Chor der Gemeinde sang Lieder auf Lingala, der kongolesischen Nationalsprache. Das klang sehr mitreißend und schön, und ein bißchen gelang mir auch, die Wiederholungen mitzusingen – die Texte standen in lateinischer Schrift auf dem Liedzettel. Zelebriert wurde teils auf Deutsch, teils auf Französisch; das Vaterunser wurde nach Père Alains Gewohnheit erst auf Französisch und dann auf Deutsch gebetet. Ich merkte, daß ich aus meiner längst vergangenen Zeit in Frankreich immer noch die wichtigsten Gebete mitsprechen kann und auch sonst alles verstand (außer Lingala).

Der Erzbischof sagte, Père Alain sei trotz seines imposanten Auftretens immer äußerst bescheiden und von großer Glaubensstärke gewesen. In der in deutscher Sprache gehaltenen Predigt war davon die Rede, wie sinnlos und schmerzvoll dieser Tod scheint – und daß Jesus mit Seinen Schmerzen und Seinem Kreuz eben auch in dieser scheinbaren Sinnlosigkeit präsent ist, daß Er dem sterbenden Père Alain nah war. Allerdings war dem Prediger – der mit Père Alain gut befreundet gewesen war – auch die Fassungslosigkeit anzumerken. Auch von der Großherzigkeit des Getöteten war die Rede; der liebevolle Spitzname „Papa Alain“ kam nicht von ungefähr.

Père Alains Bruder und eine andere junge Verwandte baten nach der Messe auf deutsch und französisch um Entschuldigung, daß der Sarg geschlossen war – die Familie hatte es so beschlossen, und man solle den Toten so in Erinnerung behalten, wie man ihn gekannt hatte. Eine weise Entscheidung angesichts der furchtbaren Verletzungen. Auf dem Sarg lag eine Bibel, darauf stand der Primizkelch des Verstorbenen. (Über den Kelch berührt der Priester den Herrn täglich mit den Lippen. Er ist ein Liebeszeichen.)

Während alle anstanden, um am Sarg Abschied zu nehmen, sang der Chor wieder etwas auf Lingala – ein schönes, fröhliches Lied, in dem ich immerhin die Worte Yésu, Alleluya, Amen verstand. Halleluja, auch in der Fastenzeit – wie Père Alain in einem kurz vor seinem Tod veröffentlichten Video auf der Gitarre begleitete und wie er nun ewig singen darf!

Nach dem Requiem blieben sehr viele noch zur Nachtwache in der Kirche, zu Gespräch und Stärkung im Pfarrsaal.

Ich habe Père Alain nicht gekannt. Aber in diesem Requiem war er mir nah durch die so lebendige und freundliche Erinnerung.

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Was am Katholizismus so klasse ist: Die Litaneien!

Litanei? Ist das nicht so ein nerviger langweiliger Singsang?
Spottwort für eine jammernde Aufzählung von Klagen, „immer die gleiche Litanei“?

Eine Litanei (von gr. λιτή litḗ, Bitte, Flehen) ist ein Bittgebet, das im Wechsel von Vorbeter und Gemeinde vortragen wird – im Idealfall gesungen. Die Melodien sind einfach: eine kleine Phrase mit geringem Tonumfang wird vom Kantor oder vom Priester vorgesungen und von der Gemeinde wiederholt. Kathpedia hat einen ausführlichen Artikel zum Thema.

Und warum tut man sich das an?

Ähnlich wie der Rosenkranz, ist die Litanei ein meditatives Gebet. Zugleich ist die Litanei ihrer Natur nach ein gemeinschaftliches Gebet. (Selbstverständlich kann man eine Litanei auch alleine und im Stillen beten. Aber man merkt dabei schon, daß sie eigentlich dialogisch ist.)

Gott wird angerufen, Litaneien beginnen mit dem Ruf um Gottes Erbarmen – generell ein guter Anfang von so ziemlich allem, nicht nur dem Gebet. In vielen Litaneien werden die Heiligen um Fürsprache gebeten. Jeder, der mitbeten will, kann schnell und einfach „einsteigen“. Der meditative Charakter wirkt beruhigend, das ist auch in Not- und Angstsituationen gut, wenn man selbst keine Worte zum Gebet mehr findet. In der Litanei sagt der Beter im Grunde: „Da ist so viel, worum ich bitten und wofür ich beten will – ich kann oder will mir aber nicht sorgfältig irgendwelche Worte zurechtlegen, Gott weiß ohnehin besser, worum es geht. Ich bitte Maria und die Heiligen als meine vertrauten Freunde, die viel besser beten können als ich, um Fürbitte, und ich bitte Gott in ganz einfachen vorgegebenen Worten und vertraue, daß die schon passen.“

Ich will damit nicht sagen, daß Litaneien nur dann sinnvoll sind, wenn einem die Angst die Worte nimmt. Auch sehr große Freude kann einem ja geradezu die Sprache rauben. Tatsächlich bete ich eine Litanei auch in besonderer Weise als Teil der Gemeinschaft, also auch stellvertretend für den todunglücklichen oder auch den überglücklichen Nächsten als Bitte und Dank. Glaube hat mit Gemeinschaft zu tun – Gemeinschaft und Glaube befruchten und nähren sich gegenseitig. Das chorische Sprechen, mehr noch das chorische Singen unterstützt den gemeinsamen Glauben. Es ist wie eine ganz einfache Katechese – jede Anrufung einer Litanei sagt zugleich allen, die sich daran beteiligen: Das gehört zu unserem Glauben.

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Tausend Dank!

Gestern war so ein Tag, da stimmte einfach alles. Sogar das Wetter strahlte mich an, was Ende Februar eher selten geschieht (mein gewöhnliches Geburtstagswetter ist grauer Matsch).
Liebe Gäste waren da, und von nah und fern wurde ich überhäuft mit freundlichen Worten und guten Wünschen. Heute bekam ich überraschend noch einmal einen vielstimmigen Geburtstagsgruß beim Kaffee gleich nach der Messe. Und ich weiß, daß viele Menschen für mich beten.

Ich weiß nicht, ob ich mich bei allen gebührend bedankt habe. Sollte ich jemanden übersehen haben, bitte ich, diese Worte als vollgültigen Dank anzunehmen.

Jetzt hat mich der Alltag wieder, ich sitze an einer überfälligen Kolumne, die spätestens um 14.00 Uhr abgeschickt werden muss, und ich freue mich wie ein Kind, daß ich so eine schöne Arbeit tun darf.

Tausend Dank!

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An meinem 56. Geburtstag

Herr, Du lebst und ich darf leben
Noch auf Erden, einst im Himmel,
Kleine Zeit und dann für ewig,
Hier im Streit und dort im Frieden,
Und ich ahne schon den Himmel
Wenn ich knie, Herr, vor Dir.

Herr, Du dienst – ich darf Dir dienen.
Du gabst Dich zum Heil der Menschen,
Trugst Dein Kreuz für alle Sünder,
Gibst die Weisung, Dir zu folgen,
Hilfst auch mir, mein Kreuz zu tragen –
Nimm mich, Herr, in Deinen Dienst.

Du bist Schöpfer – ich darf schaffen!
Sprache hast Du mir gegeben,
Gibst mir Worte, Dich zu preisen,
Dich im Schreiben zu erkennen.
Dir zur Ehre will ich dichten,
Worte finden für das Wort.

Du hast Jahre mir gegeben,
Sechsundfünfzig Jahre Leben,
Hoch gefüllt mit guten Gaben,
Prüftest mich an manchen Tagen.
Jeder Tag gibt zu erkennen:
Du bist Herr und ich bin Dein.

Herr, Du liebst, und ich darf lieben
Deinen Himmel, Deine Erde,
Deine Schöpfung, Deine Menschen,
Ihre Sprachen, ihre Künste
Und die Zeit aus Deinen Händen,
Dich Dreieinen guten Herrn.

© Claudia Sperlich

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Bettelbrief

Liebe Leser,

morgen habe ich Geburtstag. Ich bitte aus diesem Anlass um Beachtung meines Wunschzettels für meine Gemeinde und für Kirche in Not.

Ergänzend: Bei der derzeitigen lausigen Kälte ist es sinnvoll, mal nachzuschauen, ob man nicht einen Bundeswehrschlafsack oder ein paar warme Pullover und Hosen übrig hat, die Obdachlosenhilfe vor Ort (oder der Obdachlose, den man gerade vor sich sieht) freut sich darüber.

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Innere Emigration

Ich halte politisches Engagement in Deutschland für sinnlos.

Das war nicht immer so. Ich glaube immer noch, Demokratie ist eine gute Staatsform, und der Bundesrepublik Deutschland ist diese Staatsform ziemlich lange Zeit recht gut gelungen. Ich glaube auch immer noch, daß Freunde und Bekannte sich in Deutschland auf sinnvolle Weise politisch einbringen wollen, d.h. ich nehme ihnen ihren ehrlichen und selbständig gebildeten Willen ab. Lange Zeit war ich der Ansicht, politische Mitwirkung sei für den Staat wichtig und gut. Die Umstände waren auch anders, ich glaube, damals stimmte das auch. Vielleicht gibt es auch immer noch Menschen, die in Deutschland auf politischem Wege etwas Sinnvolles erreichen können. Ich weiß es nicht, und ich gehöre nicht dazu.

Ich bin emigriert. Nicht physisch – ich sitze immer noch an meinem Schreibtisch in Berlin, und so wird es wohl bleiben, bis man mich von diesem Schreibtisch aus dem Haus trägt, die Füße voraus. Ich liebe dies Land mit seiner einst so hohen, immer noch halbwegs beachtlichen Kultur, als deren Teil ich mich selbstbewußt sehe. Ich hoffe immer noch, daß meine schlimmsten Dystopien sich nicht völlig erfüllen, aber AfD, Grüne, Linke und Konsorten arbeiten um die Wette daran, daß wenigstens ein Teil davon wahr wird. (Was die AfD angeht: Sie ist Schuld, daß ich schon wieder eine Dystopie ausbrüte, wüster als die vorigen – aber ich bin ihr nicht dankbar dafür.)

Ich bin emigriert, fast ohne es zu merken. Irgendwann wurde mir klar, daß ich keine Nachrichten mehr lese, weil ich davon ausgehe, sie ohnehin nicht zu verstehen – nicht weil ich zu dumm bin, ich kann ja leidlich gut lesen, sondern weil sie mir politische Bewegungen zeigen, die ich mit dem denkenden Menschsein nicht in Verbindung bringen kann und gegen die ich machtlos bin. (Ich habe gewählt. Das war, was ich tun konnte. Geführt hat es zu nichts.) Für meine Passivität habe ich mich erst geschämt, man „muss“ ja informiert sein, heißt es. Aber ob ich weiß oder nicht weiß, wie die Gestalten heißen, die im Bundestag streiten und nicht fertigbringen, ein wohlhabendes Land mittlerer Größe so zu lenken, daß Gerechtigkeit, Frieden und Kultur es prägen, und welche Funktion sie im einzelnen haben, ist unerheblich.

Es fühlt sich noch seltsam an, wenn ich beim Frühstück denke „Claudia, du solltest mal wieder Zeitung lesen, vielleicht hast du ja die Regierungsbildung verpasst“. Aber ich gewöhne mich langsam daran. Im übrigen glaube ich, die größten politischen Umbrüche werden mir durch die sozialen Medien mit einiger Sicherheit bekannt.

Was ich tun kann an Gutem, das will ich tun – tue es nicht so, wie ich sollte, weil Sünderin, aber wenigstens etwas davon. Das ist: Beten, das Foodsharing durch meine Hilfe als Träger und Verteiler unterstützen, gute Bücher schreiben, mit meinem Blog etwas zur Mission und auch zum Amüsement beitragen, meine Wohnung teilen, Almosen geben, Tauf- und Firmpatin sein, in der Kirche aktiv sein und immer wieder beten.

Was ich nicht tun kann, weil ich es nicht mehr für sinnvoll halte, ist: Meine Zeit für politische Arbeit oder auch nur für Information über politische Bewegungen in Deutschland opfern. Die einzige Ausnahme ist die Lebensrechtsbewegung, insbesondere der Marsch für das Leben, denn ich werde nicht schweigend zuschauen, wie Kinder massakriert werden.

Auch in der Emigration werde ich noch sagen, daß Lüge Lüge ist. Verlogene Weiber wie Frau Weidel und pöbelhafte Lümmel wie Herr Gauland werden von mir als solche bezeichnet, wenn sie Deutschen das Deutschsein und Journalisten das Journalistsein absprechen oder vergleichbar dummes Zeug in die sozialen Medien kotzen. Und die Angehörigen scheinbar entgegengesetzter politischer Spektren brauchen sich nicht zurückzulehnen, siehe einen Absatz vorher. Ich bin noch nicht soweit, alle Politiker in Bausch und Bogen als Lumpengesindel zu bezeichnen, dazu kann ich zu gut differenzieren und erkenne an, daß Herr Özdemir zwar alles andere als mein Gesinnungsgenosse ist, aber gegenüber der AfD kürzlich sehr passende, sehr deutliche und zugleich bundestagsgeeignete Worte gefunden hat. Ich habe Politiker und andere politisch Aktive unter meinen Freunden, die ich sehr schätze.

Aber ich selbst beteilige mich nicht mehr an diesem Zirkus. Ich kann und will das nicht. Wählen werde ich, solange das in Deutschland noch möglich ist, damit die Vernichtung von sehr kleinen, alten oder irgendwie „unbequemen“ Menschen wenigstens nicht ganz ohne Schwierigkeiten vonstatten geht. Ich glaube nicht mehr, sie mit irgendetwas in meiner Kraft stehendem grundsätzlich verhindern zu können; ich kann nur vielleicht hier und da das Nachdenken so anregen, daß ein einzelnes Unrecht unterbleibt.

Ich kann auch als Emigrant subversiv sein. Meine Taktiken sind Wort und Gebet, meine bevorzugten Waffen Schreibzeug, Rosenkranz, Stundengebet und Anbetung. Mit konventionellen politischen Kampfmitteln lasst mich in Ruhe.

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Kinder auf Deubel komm raus

Die Kinderwunsch Tage fanden 17./18. Februar 2018 in Berlin im Mercur-Hotel statt und sind für den 13./14. Oktober in Köln geplant. Gemeint ist der Kinderwunsch von Menschen, die keine Kinder zeugen oder gebären können – weil sie steril sind oder in Partnerschaften leben, die für die Weitergabe von Leben ungeeignet sind.

Zahlreiche Samenbanken werben für ihre Dienste. Der Gefahr, unzählige Halbgeschwister zu produzieren, begegnen einige Länder mit Beschränkung der Abgaben pro Spender. Die Berliner Samenbank ist großzügiger: „Sie gewinnen in der Regel einmal pro Woche eine Samenprobe innerhalb der Räumlichkeiten der Berliner Samenbank über einen Zeitraum von ca. einem Jahr.“
Eltern von Samenspenderkindern klären auf, wie wundervoll das ist. Meinem Unbehagen, Liebe, Sex und Zeugung vollständig voneinander zu entkoppeln, wird mit dem Vorwurf des Hasses auf Samenspenderkinder begegnet (der mir fernliegt); ich sei ja von der Kirche abhängig, die Frauen schon immer unterdrückt habe. Ich frage, ob die Gefahr vieler Halbgeschwister (und dadurch versehentlicher Verwandtenehen) unwichtig sei. Mein Gegenüber erklärt, das Inzesttabu sei sinnlos; wenn Geschwister sich wirklich lieben, dürfe man ihnen das nicht verbieten. (Jetzt spricht sie bereits von Geschwistern ersten Grades, die zusammen aufwachsen.)
Daß bei Samenspenden mehrere Eizellen befruchtet werden und in der Regel die Menschlein bis auf eines weggeworfen werden, bleibt unerwähnt.

Neuerdings haben Samenspenderkinder in Deutschland das Recht, ihren biologischen Vater kennenzulernen. (Spenden bleiben anonym, aber Spenderdaten werden verschlüsselt erfasst.) Und wenn das pubertierende Kind seinen Erzeuger kennenlernen will, mit den Eltern aber nicht darüber sprechen mag? Kein Thema bei dieser Veranstaltung – aber es interessiert mich schon, wie ein 14jähriger damit fertigwird, gerne in Abwesenheit seiner Eltern und ohne ihr Wissen mit seinem Erzeuger zu reden. – Kindern aus Samen- oder Eizellspenden aus dem Ausland kann die Möglichkeit, den biologischen Elternteil zu kennen, ganz vorenthalten werden.

„Hier konnte ich meine Mutterschaft auf später verschieben“ wirbt Dexeus Mujer, Spanien. „Ihre Eizelle wird bei uns verschönert“ wirbt Fertimed, Tschechien. Eizellen einfrieren oder manipulieren, sich in der Jugend als Wirtschaftsfaktor verbrauchen und im fortgeschrittenen Alter Mutter werden, als Greisin dem Kind zur bestandenen Ausbildung gratulieren – ist das Emanzipation? Ist das kinderfreundlich?

Aus Spanien, Griechenland, den USA und der Ukraine stellen sich verschiedene Leihmutteragenturen vor. Die Frage, ob Leihmütter manchmal Schwierigkeiten haben, ein fremdes Kind auszutragen, wird von allen klar verneint.
Auf die Frage, was geschieht, wenn das Baby in der Leihmutter behindert ist, erhalte ich regelmäßig die Antwort: „Das kommt auf den Vertrag an; wenn die Wunscheltern vertraglich festgelegt haben, daß sie das Kind auf jeden Fall nehmen, wird es ausgetragen.“ Darüber, daß es auch andere Verträge gibt und dann anderes geschieht, wird stets geschwiegen. Alle Anbieter stellen die Leihmutterschaft als einen wunderbar altruistischen Akt dar.

Chef der IARC Surrogacy (USA) ist ein Jurist, dessen leutselige Erklärung ich aus dem Gedächtnis und in meiner Übersetzung zitiere: „Stellen Sie sich vor, wir wären verheiratet und könnten keine Kinder haben. Nun nehmen wir eine Eizelle von Ihnen und ein Spermium von mir und befruchten die Eizelle im Labor. Das ist dann unser Kind. Und nun fragen wir herum, wer unser Kind austragen möchte. Und nun meldet sich eine Frau, die sagt: „Ich möchte euch helfen, ich stelle euch meinen Leib zur Verfügung.“ Sie gibt also den Leib her, trägt das Kind aus – dabei ist aber ganz klar, daß sie uns einen Gefallen tut und es nicht ihr Kind ist. Dann gebiert sie das Kind, gibt es uns – das ist alles.“

Es gingen bereits mehrere Fälle durch die Presse, in denen Leihmütter das Kind nicht hergeben wollten. Eine Leihmutter weigerte sich, das behinderte Kind auf Wunsch (oder eher Befehl) der Eltern abzutreiben, trug es aus und bekam das zugesagte Geld nicht. Eine andere war mit Drillingen schwanger und verweigerte die vom Vater geforderte Abtreibung eines der drei.

Spenden werden nach Phänotyp und besonderen Talenten des Spenders sortiert. Man kann Aussehen und Talente des Wunschkindes im Katalog aussuchen. Vielleicht bald auch einen Mangel an Neugier in der Pubertät, wer weiß.

Einige Anbieter gehen heutzutage zum „Single-Eizellen-Transfer“ über, damit der Embryo sich Umgebung und Versorgung im Mutterleib nicht mit anderen teilen muss (bei Mehrlingen ist Sauerstoffmangel häufig). Daß allerdings auch dann der stärkste Embryo behalten wird, seine Geschwister aus der Retorte aber weggeworfen werden, wird verschwiegen.

Eine Frau bietet Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch verschiedene Hilfsmöglichkeiten an, darunter Massagen (da, wie sie sagt, häufig innere Spannungen die Sexualorgane blockieren), Heilkräuter und Ernährungsberatung sowie Yoga. Im Stillen frage ich mich, warum man nicht einfach Massagen, Heilkräuter und Ernährungsberatung anbieten kann, Ayurveda und Yoga aber weglassen – dann wäre es richtig gut. Verglichen mit einem sich modern-wissenschaftlich gebenden Stand einer Firma, die Vitaminpräparate zur Steigerung der Fertilität für Männer und Frauen vertreibt, sind die Methoden recht glaubwürdig.

Unvermeidlich der Stand, der Aufkleber gegen Homophobie (wörtlich „Angst vor Gleichen“, die habe ich manchmal beim frühmorgendlichen Blick in den Spiegel, aber so ist es nicht gemeint) verteilt und für die Akzeptanz von Regenbogenfamilien aller Art wirbt. Hier bin ich nach sechs Stunden Fragen, Schauen und Notieren nicht mehr fähig, mich auf ein Gespräch einzulassen. Ich nehme einen Aufkleber (dann wird wenigstens einer nirgendwo hingeklebt) und gehe.

Zuletzt die wenigen Lichtblicke:

Die deutsche Firma Exeltis stellt einen Ovularring mit Minicomputer her, der die Scheidentemperatur misst. Das Ergebnis kann im heimischen PC hochgeladen werden, die Frau bekommt einen Überblick über ihre fruchtbaren Tage zur zuverlässigen Prognose des Eisprungs.

Findefux
ist ein 2006 gegründeter spendenfinanzierter Verein mit Sitz in Bochum und laut Flyer „der erste nicht-staatliche, weltanschaulich und politisch ungebundene Träger einer staatlich anerkannten Adoptionsvermittlungsstelle für Inlandsadoptionen in Deutschland“. Auch betreibt Findefux eine Beratungsstelle für ungewollt Schwangere und Mütter in Überforderungssituationen. Laut Flyer arbeitet die Beratungsstelle „ausschließlich und unmittelbar zum Wohl des Kindes mit Fokus auf die leiblichen Eltern“ und müht sich, deren „Rabeneltern-Image“ zu bekämpfen.

Die Deutsche Klinefelter-Syndrom Vereinigung e.V. stellt sich den Menschenmachern entgegen. Das Klinefelter-Syndrom ist eine Chromosomenabweichung, die nur bei Jungen vorkommt und mit Testosteronmangel einhergeht. Betroffene können Lernschwierigkeiten haben, können verträumt, dünnhäutig und scheu sein. Fast immer sind sie zeugungsunfähig.
Sie können, wie die beiden Männer an dem Stand, freundliche, gescheite und selbstbewußte Menschen sein, Verfechter absoluten Lebensrechtes, die sich nicht manipulieren lassen.
Über diesen Verein werde ich wahrscheinlich noch ausführlicher bloggen. Einstweilen nur dies:
Klinefelter-Kinder werden oft abgetrieben – weil sie nicht in die Norm passen. Und das ist wiederum alles andere als ein Lichtblick.

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Terminänderung

Es ist zwar noch ein bißchen hin bis zu meiner Buchvorstellung in der Arche Potsdam, aber wer sich den Termin schon neulich eingetragen hat, soll nicht enttäuscht werden.
Ursprünglich war der 5. Juni geplant, aber nun ist es

Dienstag, 26. Juni 2018
19.30-20.30 Uhr
Buchvorstellung: Die Befreier – Geschichten von Verwandten, Nachbarn und anderen Dämonen
Arche Potsdam
Am Bassin 2
14467 Potsdam (schräg gegenüber von St. Peter und Paul)

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Weil Fastnachtsdienstag ist

Im schönen Bistum Aachen
will man die Lehr‘ verflachen.
Der Bischof spricht: „Gott schuf uns so!“
Ein Facebook-Leser, drob nicht froh,
sagt, er sei zwar nur halber Christ,
doch dieses Bischofswort sei Mist
.
Der Referent ist sehr modern
und hilft dem halben Christen gern:
„Auch wenns kreationistisch scheint,
hat er’s so wörtlich nicht gemeint.“

Im schönen Bistum Freiburg
am Altar rasch vorbeigurk:
Mit Hexenmasken alte Tanten
umtänzeln hier den Zelebranten
bei sogenannter Narrenmesse.
(Zur Ehre Gottes. Meine Fresse.)
Zwar glaub ich, daß man Exodus
hier nicht ganz wörtlich nehmen muss
und lass die alten Hexen leben –
ich bitt sie nur, sich wegzuheben.

Im schönen Bistum Essen
hat man die Lehr‘ gefressen.
Man teilt an die Besucher aus
den Fragebogen „Gotteshaus“,
da kreuzt man an – ja, ungelogen! –
auf einem deutschen Fragebogen,
ob Predigt und Musik genehm,
der Pfarrer nett, die Bank bequem.
Doch ungefragt bleibt, wie man findet,
daß Christus sich mit uns verbindet.

Im schönen Bistum München
will man die Lehre tünchen.
Da sagt der Bischof: „Segen
kriegt jeder allerwegen

für alles Tun und Lassen –
bloß nicht die Sünde hassen!“
Was hierzu sagt der Katechismus –
für Exzellenz ists Rigorismus.

Im schönen Bistum Münster
ists auch schon ziemlich finster.
Man feiert wie die Heiden
und mag Verzicht nicht leiden:
Am Freitag in der Fastenzeit
steht für die Jugend schon bereit
ein Kochkurs, Motto: Griechengötter.
Das ist doch Futter für die Spötter!
(Doch immerhin gibts dort Romanik,
das mildert wesentlich die Panik.)

Im schönen Bistum Hamburch
ist auch schon bald der Damm durch:
Acht Schulen der Katholen
zu schließen, ward empfohlen

Sanierung kostet zu viel Geld.
Die Schüler aber sind verprellt!
Die Eltern waren zwar bereit
zu opfern Können, Geld und Zeit,
auch hat man reichlich Kirchensteuer –
doch nein: Die Bildung ist zu teuer!

In einem Bistum nur sind alle
am rechten Ort in jedem Falle!
Ob Tradi oder liberal,
hier hast du täglich reiche Wahl,
wo du zur Messe willst und wann,
und jeden Tag man beichten kann.
Dies schöne Bistum ist Berlin!
Wär ich nicht dort, ich zöge hin.

© Claudia Sperlich

***

Wer mehr will – heute ist auf Radio Horeb von 14.00 bis 15.00 Uhr eine Pannen-Serie zu hören. EDIT Voraussichtlich gibt es im Rahmen der Katechismus-Serie um 16.30 Uhr eine Reimpredigt, die von mir verdichtete Prosavorlage eines Priesters.

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