Was am Katholizismus so klasse ist: Die Litaneien!

Litanei? Ist das nicht so ein nerviger langweiliger Singsang?
Spottwort für eine jammernde Aufzählung von Klagen, „immer die gleiche Litanei“?

Eine Litanei (von gr. λιτή litḗ, Bitte, Flehen) ist ein Bittgebet, das im Wechsel von Vorbeter und Gemeinde vortragen wird – im Idealfall gesungen. Die Melodien sind einfach: eine kleine Phrase mit geringem Tonumfang wird vom Kantor oder vom Priester vorgesungen und von der Gemeinde wiederholt. Kathpedia hat einen ausführlichen Artikel zum Thema.

Und warum tut man sich das an?

Ähnlich wie der Rosenkranz, ist die Litanei ein meditatives Gebet. Zugleich ist die Litanei ihrer Natur nach ein gemeinschaftliches Gebet. (Selbstverständlich kann man eine Litanei auch alleine und im Stillen beten. Aber man merkt dabei schon, daß sie eigentlich dialogisch ist.)

Gott wird angerufen, Litaneien beginnen mit dem Ruf um Gottes Erbarmen – generell ein guter Anfang von so ziemlich allem, nicht nur dem Gebet. In vielen Litaneien werden die Heiligen um Fürsprache gebeten. Jeder, der mitbeten will, kann schnell und einfach „einsteigen“. Der meditative Charakter wirkt beruhigend, das ist auch in Not- und Angstsituationen gut, wenn man selbst keine Worte zum Gebet mehr findet. In der Litanei sagt der Beter im Grunde: „Da ist so viel, worum ich bitten und wofür ich beten will – ich kann oder will mir aber nicht sorgfältig irgendwelche Worte zurechtlegen, Gott weiß ohnehin besser, worum es geht. Ich bitte Maria und die Heiligen als meine vertrauten Freunde, die viel besser beten können als ich, um Fürbitte, und ich bitte Gott in ganz einfachen vorgegebenen Worten und vertraue, daß die schon passen.“

Ich will damit nicht sagen, daß Litaneien nur dann sinnvoll sind, wenn einem die Angst die Worte nimmt. Auch sehr große Freude kann einem ja geradezu die Sprache rauben. Tatsächlich bete ich eine Litanei auch in besonderer Weise als Teil der Gemeinschaft, also auch stellvertretend für den todunglücklichen oder auch den überglücklichen Nächsten als Bitte und Dank. Glaube hat mit Gemeinschaft zu tun – Gemeinschaft und Glaube befruchten und nähren sich gegenseitig. Das chorische Sprechen, mehr noch das chorische Singen unterstützt den gemeinsamen Glauben. Es ist wie eine ganz einfache Katechese – jede Anrufung einer Litanei sagt zugleich allen, die sich daran beteiligen: Das gehört zu unserem Glauben.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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