Weil Fastnachtsdienstag ist

Im schönen Bistum Aachen
will man die Lehr‘ verflachen.
Der Bischof spricht: „Gott schuf uns so!“
Ein Facebook-Leser, drob nicht froh,
sagt, er sei zwar nur halber Christ,
doch dieses Bischofswort sei Mist
.
Der Referent ist sehr modern
und hilft dem halben Christen gern:
„Auch wenns kreationistisch scheint,
hat er’s so wörtlich nicht gemeint.“

Im schönen Bistum Freiburg
am Altar rasch vorbeigurk:
Mit Hexenmasken alte Tanten
umtänzeln hier den Zelebranten
bei sogenannter Narrenmesse.
(Zur Ehre Gottes. Meine Fresse.)
Zwar glaub ich, daß man Exodus
hier nicht ganz wörtlich nehmen muss
und lass die alten Hexen leben –
ich bitt sie nur, sich wegzuheben.

Im schönen Bistum Essen
hat man die Lehr‘ gefressen.
Man teilt an die Besucher aus
den Fragebogen „Gotteshaus“,
da kreuzt man an – ja, ungelogen! –
auf einem deutschen Fragebogen,
ob Predigt und Musik genehm,
der Pfarrer nett, die Bank bequem.
Doch ungefragt bleibt, wie man findet,
daß Christus sich mit uns verbindet.

Im schönen Bistum München
will man die Lehre tünchen.
Da sagt der Bischof: „Segen
kriegt jeder allerwegen

für alles Tun und Lassen –
bloß nicht die Sünde hassen!“
Was hierzu sagt der Katechismus –
für Exzellenz ists Rigorismus.

Im schönen Bistum Münster
ists auch schon ziemlich finster.
Man feiert wie die Heiden
und mag Verzicht nicht leiden:
Am Freitag in der Fastenzeit
steht für die Jugend schon bereit
ein Kochkurs, Motto: Griechengötter.
Das ist doch Futter für die Spötter!
(Doch immerhin gibts dort Romanik,
das mildert wesentlich die Panik.)

Im schönen Bistum Hamburch
ist auch schon bald der Damm durch:
Acht Schulen der Katholen
zu schließen, ward empfohlen

Sanierung kostet zu viel Geld.
Die Schüler aber sind verprellt!
Die Eltern waren zwar bereit
zu opfern Können, Geld und Zeit,
auch hat man reichlich Kirchensteuer –
doch nein: Die Bildung ist zu teuer!

In einem Bistum nur sind alle
am rechten Ort in jedem Falle!
Ob Tradi oder liberal,
hier hast du täglich reiche Wahl,
wo du zur Messe willst und wann,
und jeden Tag man beichten kann.
Dies schöne Bistum ist Berlin!
Wär ich nicht dort, ich zöge hin.

© Claudia Sperlich

***

Wer mehr will – heute ist auf Radio Horeb von 14.00 bis 15.00 Uhr eine Pannen-Serie zu hören. EDIT Voraussichtlich gibt es im Rahmen der Katechismus-Serie um 16.30 Uhr eine Reimpredigt, die von mir verdichtete Prosavorlage eines Priesters.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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3 Antworten zu Weil Fastnachtsdienstag ist

  1. jobo72 schreibt:

    Darauf dreimal „Berlin – Hejo!“. Und Helau. Und Alaaf natürlich auch.

  2. Gerd schreibt:

    Berlin das Mekka der Frommen. Zum Glück wohne ich keine dreißig Kilometer von Kevelaer weg. Nicht alles in Münster ist finster 😉

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