Am 15. August wird Erzbischof Heiner Koch das Erzbistum Berlin dem Herzen Jesu und dem Herzen Mariä weihen. (Hoffen und beten wir, daß der Erzbischof, der zur Zeit ausgerechnet wegen eines angeschlagenen Herzens etwas kürzer treten muss, dann wieder bei guter Gesundheit ist und noch lange bleibt.)
Weihe bedeutet Hingabe. Wer sich weiht bzw. weihen lässt, will sich vollkommen auf den ausrichten, dem er geweiht ist. Wer sich als Christ Gott weiht, will sich an dem liebenden und barmherzigen, verzeihenden Gott ausrichten, der als Menschgewordener den Tod überwunden hat. Er sagt damit: Ich gehöre Ihm, ich will tun, was Er sagt. Nach katholischem Verständnis ist eine Ordens- oder eine Priesterweihe sakramental. Die Weihe von Gegenständen (Kommunionkelch, Osterwasser, Kirchengebäude etc.) ist nicht sakramental, aber sie ändert die Bedeutung des Gegenstandes. Der Kelch ist zunächst mal einfach ein Kelch, also ein Trinkgefäß (wenn auch in der Regel ein besonders schönes und wertvolles). Das Haus ist zunächst einfach ein Haus, selbst wenn es die Form einer Kirche hat oder mit dem Zweck der Unterbringung von Pfarrer und Pfarrbüro gebaut wurde. Das Wasser ist zunächst einfach Wasser. Durch die Weihe wird das Gebäude ausdrücklich Pfarrhaus oder Kirche, zu genau diesem Zweck dient es nun unter Gottes Segen. Der Kelch ist durch die Weihe dem ausschließlichen Gebrauch für die Kommunion vorbehalten. Das Wasser ist durch die Weihe Weihwasser und darf nicht mehr zum Kaffeekochen oder Putzen gebraucht werden.
Wer oder was in katholischem Ritus geweiht ist, gehört der Kirche, der Braut Christi.
Eine Weihe ist damit etwas anderes als ein bloßer Segen: Segnung bedeutet, den Schutz und Segen Gottes für eine Person oder Sache erbitten. Anders als bei der Weihe wird dadurch keine Wesensänderung bewirkt; ein gesegnetes Brot bleibt ein gewöhnliches Lebensmittel, ein gesegnetes Haus muss nicht kirchlichen Zwecken dienen, ein gesegneter Mensch ist nicht plötzlich Ordensbruder oder -schwester, Diakon oder Priester.
Das Erzbistum wird geweiht, nicht die politische oder geographische Einheit „Stadt und Land Berlin“ bzw. „Großstadt im Flachland“. Auch wenn diese Begriffe raumzeitlich zusammenfallen – wer dem Erzbistum aus religiösen oder weltanschaulichen Gründen nicht verbunden ist, obwohl er im gleichen Gebiet lebt, braucht sich nicht pikiert zu fühlen. Daß das Erzbistum und nicht die Stadt als soziales Gefüge in ihren politischen Grenzen geweiht wird, macht die Weihe zu einer Sache, die aus weltlicher Sicht ausschließlich die Kirche angeht, aus kirchlicher Sicht aber auch der Welt heilsam ist. Übrigens sind neben den Städten Aleppo und Detroit zahlreiche Länder (seit dem 4. September 1954 auch Deutschland) dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht, und ein Atheist müsste schon sehr weit Richtung Esoterik abdriften, um zu behaupten, das hätte geschadet.
Eine solche Weihe geschieht auch in Berlin nicht zum ersten Mal; 1934, 1944 und 1948 wurde das Bistum Berlin dem Herzen Jesu geweiht. Man könnte nun sagen: das war doch schon ein für alle Mal, braucht es eine neue Weihe? – Vor Gott sicher nicht. Aber vor den vergesslichen Menschen und in der veränderten Zeit schon.
Am 13. August dieses Jahres begeht das Erzbistum Berlin seinen 90. Geburtstag. Die Weihe wird am 15. August – dem Festtag des Unbefleckten Herzens Mariä – begangen. In einer Zeit, in der viele in mehr oder weniger durchgedrehter und schädlicher Manier auf die Pandemie reagieren, ist die Hinwendung zum realistischen und unendlich liebevollen Gottessohn und Seiner Mutter die sinnvollste Haltung. Ich möchte mir Maria zum Vorbild nehmen, die in Liebe und Demut aushielt unterm Kreuz und die seit dem Pfingstereignis Mutter der Kirche ist. Ich möchte mein Herz nicht schonen, wenn es darum geht, zu lieben und zu helfen, so gut ich kann, und möchte dabei immer wieder von Jesus lernen, dessen Herz für mich verwundet wurde.





































