Vorschlag zum Einstellungskriterium

Mal angenommen, eine Frauenärztin bewirbt sich in einem Krankenhaus und wird gefragt:

Wenn eine Schwangere ihr Kind aus irgendwelchen Gründen nicht austragen will, was ist dann Ihre Reaktion?

Und mal angenommen, sie antwortet:

Dann werde ich die Frau erst einmal fragen, ob sie das ganz alleine entschieden hat. Wie ihr Partner dazu steht, ihre Familie. Wenn sie durchblicken lässt, daß sie auf Druck des Partners, der Eltern oder sonst jemandem handelt, werde ich ihr erklären, daß sie selbst – und absolut kein anderer – entscheiden soll. Außerdem werde ich ihr sagen und zeigen, wie ihr Kind in dem Moment des Gespräches aussieht, wie es mit vier, mit sechs, mit zwölf Wochen aussieht. Wenn bei dem Kind eine Krankheit oder Behinderung sicher oder auch wahrscheinlich ist, werde ich sie über Therapiemöglichkeiten informieren und ihr die Chancen eines Menschen mit dieser Behinderung oder Krankheit erklären. Und ich werde ihr sowohl die Rechtslage in Deutschland erklären – also daß Abtreibung immer eine Straftat darstellt, die nur unter bestimmten Umständen nicht geahndet wird – als auch alle möglichen Wege zeigen, das Kind am Leben zu lassen. Ich werde sie über Babyklappen, Pflege- und Adoptionsmöglichkeiten informieren, aber vorher werde ich versuchen, sie für ihr eigenes Kind zu begeistern. Ich werde ihr zeigen, was es für Hilfsmöglichkeiten für Mütter in Schwierigkeiten gibt.

Und angenommen, sie bekommt dann die Antwort:

Gut! Ich habe den Eindruck, Sie passen hervorragend in unser Team. Kommen Sie bitte am Montag zur Frühschicht und finden Sie sich dann um 9.00 Uhr noch einmal hier ein, um den Papierkram zu erledigen.

Wäre das so schlimm?

Bei den Grünen läuft gerade eine Debatte, ob man Einstellungen von Ärzten in Krankenhäusern von der genau gegenteiligen Haltung abhängig machen sollte. Mit anderen Worten: Ob es für die Einstellung eines Arztes relevant sein soll, daß er zur Mitwirkung an Abtreibungen bereit ist. Bis jetzt ist das nicht so, bis jetzt darf ein Arzt sein Gewissen auch im Beruf nutzen, und wenn es ihm sagt, daß er keinen Menschen töten darf, auch keinen ungeborenen, dann darf er auch bei der Arbeit darauf hören.

Dafür, daß Abtreibungswilligkeit in Baden-Württembergs Krankenhäusern zum Einstellungskriterium wird, sprechen sich aus:
Kirsten Kappert-Gonther, Sprecherin der Grünen für Gesundheitsförderung
Ulle Schauws, frauenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Grünen
Ricarda Lang, stellvertretende Bundesvorsitzende der Grünen und frauenpolitische Sprecherin

Für die Beibehaltung der Gewissensfreiheit auch für Ärzte sprechen sich folgende Grünen aus:
Theresia Bauer, Wirtschaftsministerium
Bärbl Mielich, Sozial-Staatssekretärin
Winfried Kretschmann, Ministerpräsident

In der Debatte wird für die „ausreichende Versorgung“ mit abtreibungswilligen Ärzten auch der Sicherstellungsauftrag bemüht. Nun bin ich keine Juristin, aber ich glaube nicht, daß ein Straftatbestand vom Sicherstellungsauftrag gedeckt werden kann. Allerdings ist nicht nur bei zahlreichen Grünen schon lange „unter gewissen Umständen straffrei“ gedanklich zu „unter allen Umständen erlaubt“ geworden. Daß es sich bei einer Abtreibung regelmäßig um die Tötung eines unschuldigen Menschen handelt, ist in der Diskussion meist nicht mehr relevant.

Die Grünen reden viel von Toleranz. Ich sehe an „Abtreibungswillig oder arbeitslos“ nichts Tolerantes, weder dem arbeitsuchenden Arzt gegenüber noch dem Kind gegenüber, das bei einer Abtreibung stirbt. Echte Toleranz gegenüber der Schwangeren, die im Handumdrehen einen Schein bekommen hat (es geht wirklich extrem leicht, viel schneller als Erstausstattung beantragen, wie ich von Betroffenen weiß), ist das auch nicht. Die bestünde, wenn man sagen könnte: „Ich ertrage deine ablehnende Haltung zu deinem Kind, teile sie aber nicht.“

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
Dieser Beitrag wurde unter HÖLLISCHES, KATHOLONIEN, WELTLICHES abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

11 Antworten zu Vorschlag zum Einstellungskriterium

  1. akinom schreibt:

    Die Grünen, die sicher viel Zustimmung nicht nur von der eigenen Klientel erhalten, widersprechen mit dieser Forderung hier fundamental dem Eid des Hippokrates . Abreibung wird global auch immer lauter als „Menschenrecht“ eingefordert. Der „Rosenkranz der Ungeborenen“ mit den Tränen der Gottesmutter, die jeweils einen Embryo enthalten, ist meine täglich benutzte Waffe gegen die Verbrechen der Abtreibung und alle Gesetze, die den 10 Geboten widersprechen. Wo bleibt der unüberhörbare Aufschrei von Seiten der Bischöfe, Priester und Katholiken?

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Bei aller sehr berechtigten Kritik an den Grünen bitte ich auch zu beachten, daß es innerhalb dieser Partei sehr prominente Stimmen gegen ein solches Gesetz gibt, ich habe sie ja genannt. Dennoch stimmt es leider, daß die Grünen als Partei offensiv gegen das Lebensrecht vorgehen, und leider schon lange und mit einigem Erfolg.
      Zur Frage nach dem Aufschrei: Mach ihn hörbar. Das ist nicht so einfach. Ich jedenfalls sehe um mich zahlreiche Katholiken, die Sturm laufen – nicht zuletzt die Tagespost, die sachliche Information und zugleich engagierte Kritik liefert.

  2. akinom schreibt:

    Ergänzen möchte ich KATHNET.

  3. Gerd schreibt:

    Eine Schwangerschaft ist erst mal kein Gebiet wo ein Arzt tätig werden könnte. Soviel ich weiß sind Frauen nicht automatisch krank, wenn sie schwanger werden. Nur Kranke bedürfen des Arztes. Die politische Lage in unserem Land macht es erst überhaupt möglich, dass solche Gesetzesentwürfe wie o.g. überhaupt auf der Agenda stehen. Ideologisch durchseucht und knallhart durchgesetzt. Das ist ja mittlerweile kein Spezialgebiet der grünen oder linken Fraktion, sondern auch von Politikern der C-Parteien. Homo-Ehe, Gendersprech, alles abgesegnet auch von sog. „christlichen“ Politikern. Wenn wir aufschreien, dann stehen wir auf dünnem Eis und nicht selten fallen uns sogar die eigenen Bischöfe ins Kreuz. Was natürlich nicht heißt zu verstummen. Eher noch lauter zu schreien.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Das klingt ein wenig, als wollten Sie Müttern mit problematischen Schwangerschaften und von Anfang an schwachen oder kranken oder behinderten Kindern und Frühchen nicht jede erdenkliche Hilfe gönnen. Auch Erstgebärende und deren Kinder sind oft (nicht immer) in einem Krankenhaus besser aufgehoben als zu Hause.
      Eine Schwangerschaft ist erst mal sehr wohl ein Gebiet, wo ein Arzt oft genug Leben retten und bewahren kann.

      • Gerd schreibt:

        Ich habe ja nicht von „problematischen“ Schwangerschaften gesprochen. Schade, dass Sie gleich hineinlesen ich würde irgendjemanden der krank ist, keine Hilfe gönnen. Das geht aus meinem Kommentar mitnichten hervor.

        • Claudia Sperlich schreibt:

          Nun ja… ich meine ganz einfach: Ärztliche Hilfe ist sehr wohl in sehr vielen Fällen sinnvoll bis notwendig. Auch ist es gut, wenn für alle Fälle ein Arzt wenigstens in der Nähe ist. Also, meiner Ansicht nach ist eine Schwangerschaft und Geburt durchaus etwas, was einen Arzt angeht.
          Und gerade das macht diesen grünen Vorschlag so schrecklich. Da wird der potentielle Lebensretter gezwungen, unter Umständen auch Killerdienste zu übernehmen.
          Hoffen wir, daß dieser Vorschlag nie durchkommt.

  4. Gerd schreibt:

    Ein sehr wichtiger Aspekt, der uns Lebensschützern Mut machen sollte: Immer mehr Ärzte wollen keine Abtreibungen mehr durchführen. Deswegen sehen so manche Grünen ihre ideologischen Felle wegschwimmen. Dass es selbst in dieser Partei nachdenkliche Menschen gibt, dürfte auch ein wesentlicher Erfolg der Lebensschützer sein, die Jahr für Jahr in Berlin eindrucksvoll für das ungeborene Leben eintreten.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Da stimme ich vollkommen zu! (Wir sind uns ja überhaupt meiner Einschätzung nach in den wesentlichen Punkten einig.)

      • Gerd schreibt:

        Ja, wir sind uns einig. Als meine Mutter mit meiner Schwester in „guter Hoffnung“ war, sagte ihr Hausarzt, selber katholisch, als es zu Problemen in der Schwangerschaft gekommen war: „Die Sorge um dein Kind, fängt mit der Schwangerschaft an und hört mit deinem Tod auf.“
        Ich wollte nur deutlich machen, dass Schwangerschaft keine Krankheit ist. Es ist vielmehr krank, sich darüber Gedanken zu machen, welche Zustimmung die Frau braucht um ihr Kind zu töten. Das ist natürlich keine Aufgabe eines Mediziners. Wenn Ärzte Kinder töten müssen um eine Stelle in einer Heilanstalt zu bekommen ist das pervers und extrem böse. Das dämmert nun selbst eingefleischte Grüne.

Kommentare sind geschlossen.