Mariä Heimsuchung

Melodie: Send Deinen Geist, Herr Jesu Christ (GL Berliner Anhang GL 773)

Da, noch den Menschen unsichtbar
von deinem keuschen Leibe war
der Herr der Welt umgeben,
da gingst du fort aus Nazareth
ins Bergland, zu Elisabeth,
in ihr auch wuchs ein Leben.

Du grüßtest sie, und da gewahrt
ihr Kind das Deine, noch so zart,
und hüpft in frohem Ahnen.
Der Wegbereiter und Prophet
erkennt den Herrn, eh er versteht,
dass er den Weg soll bahnen.

Elisabeth, voll Gottes Geist,
erkennt, dass Gott dich selig preist,
und staunt, wer ihr begegnet.
Da stimmst du an ein neues Lied
vom Herrn, der Seine Magd ansieht
und der die Armen segnet.

Ein Ungeborner kannte schon
den ungebornen Gottessohn
in dir, du Himmelsschöne.
Ihr beiden Mütter, alt und jung,
bleibt ewig in Erinnerung
durch eure beiden Söhne.

Maria, du warst Jesu Hort,
da Gottes Geist hat Gottes Wort
in deinem Schoß gewoben.
In des Johannes Jüngerschar
Elisabeth die erste war,
den, der da kommt, zu loben.

© Claudia Sperlich

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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7 Antworten zu Mariä Heimsuchung

  1. akinom schreibt:

    Nach der heiligen Messe am Hochfest Segensgrüße zur Bloggerin!

    Immer wieder bin ich tief beeindruckt von der Kommunikation der noch ungeborenen heiligen Cousins. Wie kann da Abtreibung als „Menschenrecht“ eingefordert werden? Für Maria war der Besuch bei der Cousine vielleicht die schönste Zeit ihres Lebens. Möge sie Hebamme aller Ungeborenen sein, so wie sie es offenbar bei der Geburt des heiligen Johannes gewesen ist.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ich glaube auch, das war eine sehr schöne Zeit für beide Frauen. Beide auf wunderbare Weise schwanger, darüber konnten sie vermutlich kaum mit anderen reden, aber miteinander sehr wohl. Und man darf sich auch vorstellen, daß die frohe Stimmung des noch ungeborenen Johannes ebenfalls anhielt, daß auch Jesus sich wohlfühlte, sobald Er in Seiner Menschennatur überhaupt Gefühl entwickelte (was ein Kind im 3. Monat auf jeden Fall tut).

  2. Herr S. schreibt:

    Ein sehr anrührend-schöner Text ist dieses Sonett.

    Aber, Entschuldigung, ist „Mariä Heimsuchung“ nicht eigentlich der Rückweg bzw. die Rückkehr Mariens ins eigene Heim nach der Niederkunft Elisabets und der Geburt Johannes des Täufers?

    So ist es ja auch biblisch bezeugt und so macht die Bezeichnung dieses Festes auch Sinn.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Dank für das Lob.
      Und nein – als Mariä Heimsuchung wird eben diese Begegnung mit Elisabeth bezeichnet. Sie „sucht Elisabeth heim“ – in der ursprünglichen Bedeutung hat „heimsuchen“ nichts Bedrohliches, sondern heißt einfach, zu Hause aufsuchen (gleich ob in freundlicher oder feindlicher Absicht).

      • Herr S. schreibt:

        Sie haben recht – ich hab’s auch noch einmal nachgelesen.

        Allerdings ist das liturgische Datum nicht ganz glücklich und logisch im liturgischen Kalender plaziert.

        Im NT heißt es ja, dass Maria sich nach der Verkündigung durch den Engel Gabriel auf den Weg zu ihrer Verwandten Elisabet machte, deren wundersame späte Schwangerschaft ihr ja der Engel u.a. verkündet hatte.

        Irgendwie logisch, dass sich Maria nun selbst davon überzeugen will und zwar alsbald, und sich deshalb auf den Weg zu Elisabet begibt, mit der sie ja dann auch auf so bemerkenswerte Weise zusammentrifft. Das also ist dann der Besuch bei Elisabet – genannt: Heimsuchung.

        Liturgischen müsste es aber eigentlich im Kalender zwischen Verkündigung des Herrn und der Geburt Johannes des Täufers stehen und nicht danach.

        • Claudia Sperlich schreibt:

          Das ist allerdings wahr.

        • akinom schreibt:

          In ihrem Herzen konnte Maria fast alles bewahren. Das aber nicht! Josef, der im Traum und nicht im Dialog mit dem Engel von dem unfassbaren Ereignis erfuhr, brauchte offenbar noch Zeit, um mit Maria darüber reden zu können. Maria, die in Nazareth gewiss keinen Gesprächspartner gefunden hat, ließ Josef die Zeit und reiste zu Elisabeth. Auch wir brauchen eine „Elisabeth“, um über Dinge zu reden, die uns am Herzen liegen. Um Tratsch und Klatsch zu vermeiden, sollten unsere „Elisabeths“ nicht zu zahlreich sein. Ich habe einmal einem evangelischen Pastor einen Brief geschrieben mit der Anrede: „Meine liebe Elisabeth….“

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