Korrespondenz mit den Fuzzis vom Rundfunk

Ich an die, 18.11.2016:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich schreibe Ihnen, weil die Webseite rundfunkbeitrag.de, die das eigentlich angeht, nur 10stellige Vorgangsnummern annimmt, ich jedoch vom ARD ein Schreiben mit 15stelliger Vorgangsnummer erhalten habe. Praktisch, nicht?
Eigentlich habe auch nicht ich, sondern meine Untermieterin das Schreiben erhalten, die aber nicht gut Deutsch kann, so daß ich es beantworte. Genau geht es um Frau xxxxx, Vorgangsnummer xxxxx. Ich, Claudia Sperlich, bin Eigentümerin und Bewohnerin der genannten Wohnung, Frau xxxxx wohnt bei mir zur Untermiete. Es geht um den Antrag auf Befreiung von der Rundfunkbeitragspflicht.
In der Antwort des Beitragsservice heißt es: „Wir gehen davon aus, dass es sich in Ihrem Fall um eine Unterbringung in einer Gemeinschaftsunterkunft oder um eine vorübergehende Unterbringung in einer Wohnung handelt. Deshalb betrachten wir den Antrag auf Befreiung als gegenstandslos.“
Meine Wohnung ist gewiß keine Gemeinschaftsunterkunft, und Frau xxxxx wohnt hier auch nicht nur „vorübergehend“, sondern voraussichtlich auf Dauer – weil sie das will und ich das will. Es wäre schön, wenn es Ihnen gelingt, dies an die zuständige Stelle weiterzuleiten. Vielleicht können Sie in diesem Zusammenhang auch klären, warum ein Kontaktformular auf weniger Stellen eingerichtet ist, als die Vorgangsnummer im Anschreiben enthält.

Beste Grüße
Claudia Sperlich

Die an mich, 14.12.2016:

Sehr geehrte Frau Sperlich,

vielen Dank für Ihre Nachricht.
Bitte verzeihen Sie die späte Rückmeldung. Zur Zeit erreichen uns ungewöhnlich viele Zuschriften von Nutzerinnen und Nutzern, die wir leider nicht alle umgehend beantworten können.
Da wir von ARD Online, wie Sie vermutlich wissen, nicht für den Rundfunkbeitrag verantwortlich sind, können wir Ihnen bedauerlicherweise nicht weiterhelfen.
Daher muss ich Sie wieder an den Beitragsservice verweisen. Da Ihnen das Kontaktformular (https://www.rundfunkbeitrag.de/kontakt/) offensichtlich nicht weiterhelfen konnte, empfehle ich die Kolleginnen und Kollegen auf telefonischem Wege zu kontaktieren.
Service-Telefon des Beitragsservice: 666 [von Bloggerin geändert]
Wir wünschen Ihnen eine schöne Adventszeit!

Mit freundlichen Grüßen,
Team ARD.de

Ich übersetze das Antwortschreiben:

Vielen Dank für Ihre Nachricht.
Bitte verzeihen Sie die späte Rückmeldung. Wie gewöhnlich sind wir träge in der Beantwortung von Zuschriften von Nutzerinnen und Nutzern, was Sie nicht erstaunen wird.
Da wir von ARD Online, wie Sie vermutlich wissen, nicht für den Rundfunkbeitrag verantwortlich sind, haben wir keinen Bock, Ihnen weiterzuhelfen – da sind wir ganz wie die Zuständigen.
Rufen Sie doch einfach an. Das wird Sie viel Zeit kosten und nichts bringen, aber wir sind bereit, Ihnen trotzdem die sogenannte Service-Nummer zu verraten: …

Schlagen Sie die Adventszeit tot mit dem Versuch, etwas auszurichten!

Das animiert doch zu einem neuen blumigen Tag.

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Unbeantwortete Hilferufe

Aus Aleppo kommen über die sozialen Medien erschütternde Hilferufe – Zeugnisse von Menschen, die wissen, daß sie mit großer Sicherheit in kurzer Zeit auf furchtbare Weise sterben werden.
Diese Zeugnisse werden vielfach geteilt. Kommentiert werden sie gern mit der Forderung, „endlich etwas zu tun“ – gerichtet an die UN, an große und kleine Politiker, aber auch an die anonyme Masse der Mitbürger.

Die Journalistin Heike Pohl hat die Diskrepanz zwischen fröhlichem Alltagsleben im Advent und der Trauer und Sorge um die Bürger von Aleppo in einem facebook-Posting zusammengefasst und fragt mit Recht, wie wir gestrickt sein müssen, um das Leben angesichts solcher Greuel noch zu ertragen.

Was die Forderungen, „etwas zu tun“, angeht: Ich kann nichts tun außer beten, und ich kenne niemanden, der etwas im guten Sinne Wirksames tun kann. Was Politiker in dieser Weltgegend bislang getan haben, kann man kaum als „im guten Sinne wirksam“ bezeichnen. Wie irgendeine Organisation jetzt noch die Menschen aus dieser Hölle herausholen könnte, weiß ich nicht. Die so oft mit „Wir müssen endlich etwas tun“ angesprochene Masse der mehr oder weniger behaglich lebenden mitteleuropäischen Bürger kann vielleicht Bilder auf facebook teilen und sagen, daß etwas geschehen muss – aber sonst kann sie nichts. Oder glaubt jemand, wenn wir jetzt alle unser Geld zusammenlegen und nach Aleppo gehen, würde irgendetwas besser? Es würden nur bald noch mehr Leichen dort herumliegen. Und Geld schicken? Ja wohin denn?

Aleppo berührt uns deshalb, weil jetzt die Medien berichten und weil uns durch das Internet die Aussagen der gerade eben noch Lebenden erreichen. Andere Schrecken der Welt berühren uns nicht in dem Maße, obwohl wir um sie wissen. Nordkorea ist seit Jahrzehnten ein Komplex riesiger Konzentrationslager, aber die Leute senden von dort keine Handyvideos.

Ich will damit das Leid der Bürger von Aleppo nicht relativieren. Es ist schrecklich, und daß wir es zumindest wahrnehmen in unseren hübschen Wohnungen, kann als ein winziger Akt der Solidarität verstanden werden. Was mich aber wirklich stört (bei mir nicht weniger als bei anderen) ist dies: Wir lassen uns von Leid verstören, wenn wir Bilder sehen. Sehen wir sie nicht oder nur ganz selten, läßt es uns ziemlich unverstört.

Aber wären wir anders gestrickt, wären wir wohl längst alle vollständig durchgedreht und lebensunfähig. (Ich zumindest wäre es.) Ich kann nicht anders als mich in dieser Welt voll Grauen und Ekel und Gemeinheit, mit einem Haufen eigener Probleme, die mich egozentrischerweise noch stärker belasten als die Schrecken von Aleppo, trotz allem zu freuen an den Eichhörnchen, an Musik, an der wunder- und hoffnungsvollen Adventszeit, an der Freundschaft, die ich erfahre und die ich geben darf, und vor allem an und in meinem Heiland. Er wird kommen – auch nach Aleppo und nach Nordkorea.

Ich bete. Mehr kann ich nicht, weniger will ich nicht.

Zwar blüht der Feigenbaum nicht, an den Reben ist nichts zu ernten, der Ölbaum bringt keinen Ertrag, die Kornfelder tragen keine Frucht; im Pferch sind keine Schafe, im Stall steht kein Rind mehr.
Dennoch will ich jubeln über den Herrn und mich freuen über Gott, meinen Retter.
Gott, der Herr, ist meine Kraft. Er macht meine Füße schnell wie die Füße der Hirsche und lässt mich schreiten auf den Höhen.
Habakuk 3,17-19

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Experten

Jemand hat nach eigener Aussage keine Ahnung von und kein Interesse an Physik. Dieser Mensch beginnt nun, Ihnen wortreich zu erklären, warum die die modernen Erkenntnisse der Astrophysik irrig sind. Würden Sie ihn ernst nehmen?

Ich vermute: Nein, das würden Sie nicht, und zwar unabhängig davon, ob Sie etwas von Physik verstehen oder nicht.

Jemand anders hat nach eigener Aussage keine Ahnung von und kein Interesse an Religion. Dieser Mensch erklärt nun nicht nur im Trunke und nicht nur einmal, sondern ständig ganz nüchtern jedem, der nicht rechtzeitig weglaufen kann, was das Christentum, besonders das katholischer Prägung, eigentlich ist (wobei dies von ihm postulierte Eigentliche des Christentums an keinem Tag der Geschichte stattfand), und warum es unbedingt schädlich ist und verboten werden müsste. Und daß alle, die dieser oder irgendeiner Religion anhängen, gaga sind, er selbst aber ein höflicher, gesitteter, gebildeter Logiker ist. Ein wesentliches Argument ist für ihn die Existenz christlichen Kitsches. Den gibts, das weiß er, also muss alles andere, was er über das Christentum zu wissen meint, auch stimmen.

Die Welt glaubt ihm. Das vermute ich nicht nur, das sehe ich.

Was sagt das über den Geisteszutand der Welt? Ich frag ja bloß.

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Gaudete

„Freut euch“ heißt der dritte Adventssonntag.

An diesem Sonntag warfen Terroristen einen Sprengsatz in die koptische Kirche St. Peter und Paul in Kairo. Es gab mindestens 25 Tote und zahlreiche Verletzte.
Christ sein ist in Kairo dem Vernehmen nach weit weniger gefährlich als z.B. in Aleppo oder Nordkorea. Obwohl ab und zu Christen ermordet werden, weil sie Christen sind. Aber eben nicht so oft. Deshalb sagt der Spiegel:

Das Zusammenleben mit der muslimischen Mehrheit im Land ist größtenteils friedlich, immer wieder aber sieht sich die Minderheit gewaltsamen Übergriffen ausgesetzt. Dschihadisten-Gruppen werfen den Kopten in Ägypten vor, den Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi Mitte 2013 unterstützt zu haben.

Größtenteils friedlich, immer wieder gewaltsame Übergriffe gegen Christen. Glasklar, Spiegel.

In Uyo, einer Großstadt im Südosten Nigerias, stürzte heute das Dach der noch im Bau befindlichen evangelikalen Reigners‘ Bible Church ein. Die Behörden sprechen von 160 Toten.
Zu möglichen Gründen schreibt die Süddeutsche:

in Nigeria stürzen immer wieder Bauwerke ein. Im Baugewerbe herrscht Korruption. Bei der Abnahme von Gebäuden werden Gutachter bestochen oder beim Material wird gepfuscht.

Am Sonntag Gaudete sind mindestens 185 Menschen umgekommen, nur weil sie Gott ehren wollten. Ich stehe davor und frage: Wie kann das sein? Warum lässt der Ewige das geschehen?

Als einzige Antwort finde ich die Freiheit des Menschen. Freiheit, die auch mißbraucht werden kann, um andere Menschen zu ermorden oder um auf Kosten der Sicherheit Geld zu raffen und zu pfuschen. Mißbrauchte Freiheit, die von anderen mit dem Leben oder mit der Gesundheit oder mit schrecklicher Trauer bezahlt wird.

Herr, nimm die Toten auf in Dein Reich, lass sie Dich schauen in Ewigkeit. In vollkommener Freiheit, ohne Leid, ohne Angst. Amen.

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Wenn Weihnacht nicht wäre

Natürlich wissen wir nie, was gewesen wäre, wenn es anders gewesen wäre.
Aber Gedankenspiele können ganz aufschlussreich sein. Zum Beispiel – was wäre, wenn damals, vor rund zweitausend Jahren, jene Geburt im Stall nicht stattgefunden hätte?

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Geburtenregelung könnte dann Folgendes bedeuten:

Es müssen ja nach dem Zugegebenen die besten Männer den besten Weibern möglichst oft beiwohnen, und die schlechtesten Männer den schlechtesten Weibern möglichst selten, und die Kinder der einen muss man aufziehen, die der andern aber nicht, wenn die Herde möglichst vorzüglich sein soll, und alles dies muss geschehen, ohne dass es jemand außer den Regierenden selbst bemerkt, wenn andererseits die Herde der Wächter möglichst frei von innerem Zwist sein soll.

Die Zahl der Vermählungen aber werden wir die Regierenden bestimmen lassen, damit sie möglichst die gleiche Zahl von Männern erhalten, indem sie auf Kriege und Krankheiten und alles Derartige Rücksicht nehmen, so dass uns der Staat womöglich weder zu groß noch zu klein werde.

Und denjenigen unter den jungen Männern, die im Kriege oder sonst wo sich tüchtig erweisen, muss man unter andern Auszeichnungen und Preisen wohl auch die häufigere Erlaubnis, bei Weibern zu schlafen, erteilen, damit zugleich auch unter diesem Vorwand möglichst viele Kinder von solchen gezeugt werden.

Die von den Tüchtigen dann werden sie, denke ich, nehmen und sie in eine bestimmte Anstalt bringen zu Wärterinnen, die in einem gewissen Teile der Stadt abgesondert wohnen, die von den Schlechteren aber, und wenn etwa von den andern eines gebrechlich zur Welt kommt, werden sie an einem geheimen und unbekannten Orte verbergen [d.h. aussetzen und sterben lassen], wie sich’s geziemt.
Politeia 5

Platons Staatsmodell, die Politeia, hatte sich zwar über dreihundert Jahre nach seinem Tod noch keineswegs vollkommen durchgesetzt. Es wurde aber in Ansätzen verwirklicht. Es war in Griechenland und dem Römischen Reich üblich, kranke und behinderte Menschen ab Geburt zu entsorgen. Abtreibung war ebenfalls bekannt.

Heute ist die Umsetzung der Politeia hinsichtlich der Nachwuchsregelung z.B. in Nordkorea weitgehend verwirklicht. In unseren Breiten gilt Platon als einer der größten Philosophen, und die staatliche Besserwisserei besonders in Bezug auf Kindererziehung und Sexualität nähert sich dem Wächterstaat.

Und die Christen?

Sie bewohnen Städte von Griechen und Nichtgriechen, wie es einem jeden das Schicksal beschieden hat, und fügen sich der Landessitte in Kleidung, Nahrung und in der sonstigen Lebensart, legen aber dabei einen wunderbaren und anerkanntermassen überraschenden Wandel in ihrem bürgerlichen Leben an den Tag. Sie bewohnen jeder sein Vaterland, aber nur wie Beisassen; sie beteiligen sich an allem wie Bürger und lassen sich alles gefallen wie Fremde; jede Fremde ist ihnen Vaterland und jedes Vaterland eine Fremde. Sie heiraten wie alle andern und zeugen Kinder, setzen aber die geborenen nicht aus. Sie haben gemeinsamen Tisch, aber kein gemeinsames Lager. Sie sind im Fleische, leben aber nicht nach dem Fleische. Sie weilen auf Erden, aber ihr Wandel ist im Himmel.
Brief an Diognet, 2. Jh.

Und sie treiben sie auch nicht ab. Sie tun es deshalb nicht, weil sie Christen sind. Sie sind Christen, weil vor über zweitausend Jahren Weihnachten war. Sie lassen die Menschen um Gottes Willen leben, weil Gott Mensch wurde als Jesus Christus, weil Er starb und auferstand.

Denn christliche Ethik ist das genaue Gegenteil von Platons Politeia. Christen wollen keine unbarmherzige Gleichmacherei und Entfernung alles Störenden – sondern sie wollen in den Grenzen göttlicher Gebote die Weite des jubelnden, großherzigen, umarmenden Glaubens, daß alle Menschen von Gott geliebt sind.

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Statuenputz in Heilig Kreuz

Ich finde ja, es gehört sich nicht, daß die Gottesmutter Spinnweben an der Krone hat. Also lieh ich mir vom Hausmeister eine Leiter, nahm einen Staubpinsel, ein Mikrofasertuch und etwas Weihwasser (weil ich zu faul war, über den Flur zum Wasserhahn zu gehen), und nun strahlt sie wieder.
Maria mit dem Kind

Ebenso verfuhr ich mit dem heiligen Antonius, dessen Heiligenschein auch schon nicht mehr so glänzte.
St. Antonius

Die Josefsstatue ist noch recht neu und mußte nur abgestaubt werden. Aber da kam auch einiges zusammen.
St. Joseph

Staubpinsel und Lappen fanden auch sonst noch Betätigung. Jetzt kann der dritte Adventssonntag kommen!

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Ein Gelübde. Eine erste Bilanz.

Mein Beitrag zum Adventskalender der Blogoezese.
Gestern war Susanne Klein dran, morgen schreibt Andreas auf Pro Spe Salutis.

Vor zwei Wochen, am Sonntag Ad Te levavi, habe ich in St. Lambertus nach der Heiligen Messe vor dem Herrn und vor dem Priester ein Gelübde abgelegt.

Heute gibt es (endlich) Bilder und eine erste Bilanz – wie ist es nun? Was ist anders?

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Gelübde
Gelübde
Gelübde
Gelübde
Gelübde

Aus Liebe habe ich das Gelübde öffentlich und feierlich abgelegt und mich damit in besonderer Weise gebunden – an Jesus Christus, meinen Herrn.

… keusch zu leben, dem Herrn und der Kirche gehorsam, in evangelischer Armut so besitzend, als besäße ich nicht…

Keuschheit heißt Verzicht auf Ehe (auf außereheliche Sexualität ohnehin) – das klingt in meinem Alter vielleicht ein wenig albern. Ich betone ganz einfach, daß ich Jesus allein gehöre. Und wenn nun der Mann Ihrer Träume käme? fragte mich vor dem Gelübde ein Priester. Wenn der Mann meiner Träume käme, der nebenbei auch der Mann der ganzen Realität ist, fiele ich Ihm zu Füßen. Es wäre nämlich die Parusie.

Armut heißt für mich, Geld und Gut nicht so wichtig zu nehmen, so zu besitzen, als besäße ich nicht, mich nicht an Dinge zu binden. Das ist sicher eine lebenslange Aufgabe, aber ich habe keine Angst davor.

Gehorsam habe ich Gott und der Kirche gelobt. Hierzu bin ich zwar als Christin ohnehin verpflichtet, nun aber habe ich Gehorsam versprochen nicht aus Pflichtbewußtsein, sondern aus Liebe.

… täglich an der Heiligen Messe teilzunehmen, täglich wenigstens eine halbe Stunde lang in Anbetung zu verharren, entweder vor dem Tabernakel oder bei der Eucharistischen Anbetung…

Es gibt nichts Größeres, Schöneres als die Nähe zu Gott. Durch mein Gelübde bin ich getragen und gehalten von Gott und der Kirche. Ich diene Ihm aus Liebe – und empfange dabei viel mehr, als ich geben kann. Die Vorfreude auf Messe und Anbetung ist jeden Tag wie junges Verliebtsein. Die Freude bei Wandlung und Eucharistie und Anbetung übersteigt alles. Eucharistiefeier und Anbetung bedeuten tägliche körperliche Nähe Jesu. Ihn spüre ich im Herzen wie Licht und Feuer.

… häufig, das heißt mindestens einmal im Monat, das Sakrament der Versöhnung zu empfangen.

Obwohl das Eingestehen und Bekennen Überwindung kostet, freue ich mich darauf! Es ist die häufige Beseitigung von Hindernissen zwischen mir und dem Herrn. Immer wieder darf ich Jesus Christus zumuten, den Schutt wegzuräumen, den ich selbst aufgehäuft habe und der mir zu schwer ist – und Er wartet nur darauf, daß ich Ihn darum bitte, und wird nicht müde, mir zu vergeben. Befreiung von dem innewohnenden Übel ist ein Grund zur Freude.

Möglich ist die Einhaltung in Berlin ohne Schwierigkeiten, gleich wie der Tagesplan sonst ist. In St. Clemens ist ewige Anbetung, die Kirche ist immer, rund um die Uhr, geöffnet – eine Möglichkeit, wenn ich etwa spätnachmittags in Potsdam feststelle, daß die Kirche, in die ich vor einer Veranstaltung wollte, geschlossen ist. Tagsüber gibt es in meiner Nähe mehrere offene Kirchen, und die Heilige Messe wird morgens und abends in vielen Kirchen gefeiert sowie wochentags um 13.00 Uhr in St. Clemens.

Unterstützt weiß ich mich durch zahlreiche Gebete. Dafür sei allen Betern Dank.

Ich habe vor dem feierlichen Gelübde schon einige Monate lang so gelebt, und danach ist nun nichts abgekühlt, nichts ist banalisiert – Gott kann niemals banal werden – sondern die Freude wächst wie ein schöner Baum. Jesus Christus ist der Weg, dem ich den Weg bereiten möchte. Er ist mein Herr, und mein häufiges Stoßgebet ist: Sei mein Herr – nicht weil ich das in Zweifel ziehe, sondern weil ich hoffe, daß Er alles wegnimmt, was mich jetzt noch davon trennt, Seine Herrschaft völlig anzuerkennen.

Ihm will ich ganz und gar gehören. Das bedeutet, daß ich anderen ausschließlich dann gehorche, wenn ich überzeugt bin, damit auch Seinen Willen zu tun. Ich hoffe, in drei Jahren das zunächst befristete Gelübde wiederholen zu können – mit gleicher Überzeugung, auf immer.

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Jesidische Legende

Die folgende Geschichte erzählte mir meine jesidische Freundin:

An einem Donnerstag vor langer Zeit sah ein Jeside, wie ein anderer seine Axt schliff. „Was hast du vor?“ fragte er, und der andere sagte: „Morgen will ich einen Baum fällen.“ „Aber morgen ist doch Freitag, also ein Feiertag. Warum willst du da nicht mit deiner Familie zusammensitzen und essen?“ „Ach, lass, ich will einfach diesen Baum fällen, ich hab es mir vorgenommen.“

Nachts träumte der Jeside. Er stand unter einem großen Baum und blickte hinauf in die Krone. Da flossen aus der Krone große Tränen und liefen den Stamm hinunter. „Warum weinst du, Baum?“ fragte der Jeside. Der Baum antwortete: „Dein Nachbar will mich heute fällen, aber es ist doch Freitag. Und am Freitag haben wir Bäume Gefühle und Gedanken wie Ihr Menschen. Ich habe Angst, und es wird sicher wehtun.“

Der Jeside erwachte und wollte dem Baum gerne helfen. Er lief zum Nachbarhaus, aber der Nachbar war schon aufgebrochen. So rannte er ihm hinterher, um ihn aufzuhalten. Aber er holte ihn erst ein, als der Nachbar schon die Axt erhoben hatte. „Halt“, rief er, aber die Axt sauste schon herunter und verletzte den Baum. Der Träumer versuchte noch, den Nachbarn aufzuhalten und den Baum zu retten, aber der Nachbar lachte ihn aus: „Du redest dummes Zeug, hast doch bloß geträumt!“

So musste der Baum furchtbar leiden, bis er ganz gefällt war. Aber der Träumer fand am Ende bei anderen Jesiden Gehör. Ich weiß nicht, was aus dem Holzfäller geworden ist, aber sicher ist, daß die Jesiden freitags keine Bäume fällen.

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Eine Begründung des Dogmas

Die Bewahrte

Allmacht hätte Christus, den Herrn,
Gott den Gott in Person des Sohnes,
unversehrt können wachsen lassen
in einer Frau mit verwüsteter Seele.

Er tat es nicht. Er bewahrte Maria
vielleicht nicht so sehr um des Sohnes willen
als um der Mutter des Heiligen willen.

Welche in noch so geringe Schuld
verstrickte Frau hätte tragen können
dies Kind, das von aller Sünde blieb frei,
göttlich und menschlich, verheißner Messias?

Welche Mutter, mit Erbschuld belastet,
hätte den Gruß des Engels ertragen,
hätte das Kind ohne Grauen gesehen,
Grauen vor ihrer eigenen Seele?

Nur die Bewahrte konnte bewahren
in ihrem Herzen, unter dem Herzen,
an ihrem Herzen, dem schon durchbohrten,
diesen göttlichen Sohn und Heiland.

© Claudia Sperlich

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Gut Nacht – das Buch ist auf dem Markt

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Ihr könnt es kaufen – als Weihnachtsgeschenk, als Neujahrsgruß, als Weihnachtsgeschenk (schon wieder, aber orthodox), als österliche oder pfingstliche Gabe (geht schneller, als Ihr ahnt), zum Geburtstag (irgendwer hat immer) oder einfach so.

Natürlich auch für den eigenen Bücherschrank oder Nachttisch.

Gut Nacht. Variationen über ein Abendlied. tredition 2016

Gut Nacht, ich leg mich nieder,
Und morgen komm ich wieder
Zur facebook-Vanitas.
In Gottes Hand geborgen
Schlaft ihr auch sanft bis morgen.
Auf Ihn allein ist ja Verlass.

Und selbstverständlich kann man auch meine anderen Bücher kaufen – und empfehlen!

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