Nasse Natur

Der Regen war sehr nötig, und er war freundlicherweise fast nur, während ich in der trockenen Kirche war. Nach dem Rosenkranz war es wieder hell – und die Rosen vor der Marienkirche sehen besonders schön aus.
Rosen

Auf dem Mäuerchen eines Nachbargartens spaziert eine winzige Schnecke.
Schnecke

Dahinter ist der vertrocknete Blütenstand des Zierlauchs ins Immergrün gekippt – und sieht immer noch schön aus.
Zierlauch auf Immergrün

Und bei mir vor der Tür blühen die Staudensonnenblumen wie verrückt.
Staudensonnenblumen
Staudensonnenblumen

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Die Zeit fragt, ob ich Rassist bin.

Mit 33 Fragen will die Zeit mir Gelegenheit geben, mich mit eventuell vorhandenem eigenen Rassismus auseinanderzusetzen. Allerdings haben viele dieser Fragen nicht einmal am Rande mit Rassismus zu tun, und eine offenbart einen ganz vertrackten Rassismus des Fragestellers. Nun denn:

1. Wie oft wirst du auf einer Party gefragt: Wo kommst du wirklich her?
Ich gehe selten auf Parties, aber wenn ich „auf einer Party“ mit „gesprächsweise“ ersetze, kann ich immer noch sagen: Sehr selten – nur dann, wenn mein Gegenüber meine Mischung aus Hochdeutsch, Hamburgsch, Berlinerisch und ostpreußischem Einschlag nicht richtig einordnen kann.

2. Und wie oft fragst du selbst?
Nie.

3. Fragst du Weiße beim Smalltalk nach ihren Großeltern?
Nein. Leute mit irgendwie anderer Hautfarbe übrigens auch nicht – das habt Ihr doch glatt vergessen zu fragen.

4. Fühlst du dich jetzt schon von diesem Fragebogen angegriffen?
Nein. Nur befremdet.

5. Kannst du fluchen, Secondhand-Kleidung tragen, nicht auf Mails antworten – ohne, dass Menschen diese Entscheidung mit Sittenlosigkeit, Armut oder Faulheit verknüpfen?
Nein, kann ich nicht. Ich bin hellhäutig, Deutsche, fett und mittelalt – und die letzten beiden Eigenschaften stellen klar, daß ich hier mit „Nein“ antworten muss.

6. Denkst du, du bist nicht rassistisch, weil du einen Freund mit Migrationshintergrund hast?
Ob ich rassistisch bin oder nicht, hängt nicht von meinen Freunden ab, sondern von mir.

7. Weißt du, wie viele Muslime in Deutschland leben?
Nein. Es ist mir auch nicht besonders wichtig.

8. Wie viele enge Freunde hast du, die einen asiatischen, persischen oder nigerianischen Migrationshintergrund haben?
Ich kann nur mit kongolesisch und russisch dienen. Ist wohl nicht exotisch genug für die Fragesteller.

9. Wusstest du, dass fast jeder Vierte in Deutschland einen Migrationshintergrund hat?
Nein. Da ich das Wort „Migrationshintergrund“ sehr weit fasse, halte ich das auch für zu niedrig geschätzt.

10. Fühlst du dich fremd, wenn Leute um dich herum Arabisch oder Russisch sprechen?
Ja. Genauso fremd wie bei Spanisch, Italienisch, Dänisch, Urdu, Lingala, Mandarin und noch einer Menge anderer Sprachen (um ehrlich zu sein: den meisten) – weil ich sie nicht verstehe.

11. Fühlst du dich fremd, wenn Leute um dich herum Englisch sprechen?
Nicht ganz so wie bei Lingala, aber doch ziemlich. Mein Englisch langt einfach nicht für vielstimmige Konversation.

12. Wenn du ein Kind hättest, würdest du es in eine Kita mit mehrheitlich Kindern mit Migrationshintergrund schicken – wenn es in der Nähe eine Kita mit mehrheitlich weißen Kindern gäbe?
Zunächst einmal: Wenn ich ein Kind hätte, würde ich alles daransetzen, es in überhaupt keine Kita zu schicken. Wenn das aber sein müsste, würde ich es gerne in eine christliche Kita schicken. Da wären vermutlich neben den deutschen Kindern eher Eritreer als Chinesen zu erwarten. – Wenn ich Kita durch Schule ersetze, wird es anders: Ich würde ein Kind lieber in eine Schule schicken, in der es guten Deutschunterricht hat. Das ist in Schulen, in denen 50% oder mehr der Schüler nur wenig Deutsch können, nicht zu erwarten.
Entlarvend ist, daß der Fragesteller offenbar „Migrant“ und „Nichtweißer“ gleichsetzt. Das ist eine ganz vertrackte Art von Rassismus – einerseits gegenüber dunkelhäutigen Deutschen, andererseits gegenüber zugewanderten Polen, Tschechen, Russen, Dänen, Schweizern, Österreichern, Holländern, weißen Amerikanern, Engländern usw.

13. WISCHST DU BEI DATING-APPS TENDENZIELL WEITER, WENN DIE ANGEZEIGTE PERSON NICHT WEISS IST?
Ich habe keine Dating-App.

14. Kennst du fünf Bücher von Autorinnen, die nicht weiß sind?
Die Hautfarbe von Leuten, deren Bücher mir gefallen, ist mir wurst. Deshalb weiß ich sie auch nicht immer.

15. Wie viele hast du davon gelesen?
Wenn ihr männliche Autoren gelten lasst und eine leider nur auszugsweise Lektüre: Athanasius, Hieronymus, Ambrosius, Augustinus. Von keinem kennen wir das genaue Aussehen, aber alle waren mit Sicherheit um einige Schattierungen dunkler als ich.

16. Wie ehrlich warst du bei Frage 13?
Vollkommen.

17. STELL DIR VOR, DU SIEHST EINE RASSISTISCHE DISKUSSION IM NETZ. WÜRDEST DU DICH EINMISCHEN?
Einigemale habe ich mich schon eingemischt. Bei anderen Gelegenheiten hatte ich nicht den Eindruck, daß mein Einmischen da noch irgendwas helfen könnte. Einmal habe ich die Polizei informiert.

18. Hast du dich schon mal eingemischt – im Netz, auf der Straße, in ein Gespräch mit Freunden?
Wie gesagt. Und ja: sowohl im Netz als auch auf der Straße bzw. im Bus, und auch im Gespräch mit Freunden – wo es allerdings sehr selten nötig ist.

19. Wie oft wurdest du schon von der Polizei angehalten und kontrolliert?
Fünf mal, wenn ich mich recht erinnere. Das eine Mal in Hannover, wegen Großdemo. Das andere Mal in Berlin, wegen Großdemo. Das dritte, vierte und fünfte Mal in Paris, wegen mehrerer Bombenattentate und darauffolgender Polizeikontrollen in der Metro. In den 80ern.

20. Also in diesem Monat?
Keinmal. Was genau sagt das über meine Denkungsart? Bin ich Rassist, weil die Polizei mich in Ruhe läßt? Leute, werdet logisch.

21. Wirst du auch ohne blonde Begleitung in die meisten Clubs gelassen?
Weiß ich nicht. Ich gehe nicht in Clubs. Erinnerlich ist mir allerdings, daß ich als junge Frau einmal nicht in ein Tanzcafé gelassen wurde, weil ich keinen Rock trug, sondern eine sehr schicke seidene Hose.

22. WURDEST DU SCHON MAL DAFÜR VERPRÜGELT, DASS DU AUSSIEHST, WIE DU AUSSIEHST?
In meiner Schulzeit mehrmals, Mobbing ist keine neue Sache. Später ist mir nur mal von zwei neopaganen weißen Deutschen Mord angedroht, weil ich einen Kreuzanhänger trage. Das sagt nichts über meine Haltung zu anders aussehenden Menschen.

23. Stört es dich, wenn deine Eltern ganz anders über Migrantinnen denken als du?
Wir dachten da sehr ähnlich. Differenzen waren gering und nicht störend.

24. Haben Fremde schon mal ungefragt deine Haare angefasst?
Ja, Fremde haben mehrmals ungefragt meine Haare angefasst – weil ich nach einem Unfall als 10jährige erst kahl und dann stoppelkurzhaarig war. Das waren übrigens die gleichen Fremden, die mir nicht glauben wollten, daß ich ein Mädchen war, und es irrsinnig komisch fanden, zu sagen: Na, Höschen runter! Gesetzte ältere Damen in einem Berliner Villenviertel.

25. Gibst du dir viel Mühe, die Namen spanischer, italienischer oder französischer Fußballspieler richtig auszusprechen, die von türkischen und vielen anderen aber nicht?
Ich versuche bei allen richtige Aussprache, aber nicht übertrieben bemüht. Polnische Namen finde ich zuweilen wirklich schwierig.

26. Wie würdest du dich fühlen, wenn deine neuen Nachbarn eine afghanische Familie wären?
Das käme ganz darauf an, ob die afghanische Familie nett ist oder nicht. Meine polnischen und türkischen Nachbarn finde ich übrigens entzückend.

27. Wie würdest du dich fühlen, wenn deine neuen Nachbarn eine schwedische Familie wären?
Das käme ganz darauf an, ob die schwedische Familie nett ist oder nicht. Meine polnischen und türkischen Nachbarn finde ich übrigens entzückend.

28. Bezieht es irgendjemand auf dein Aussehen, wenn du etwas nicht so gut kannst?
Ja, es wird mit meinem Aussehen in Verbindung gebracht, wenn ich etwas nicht so gut kann. Fette Leute sind, wie männiglich weiß, doof. Oder wie war das gleich? Sarrazin ist überall.

29. WELCHES BILD KOMMT DIR IN DEN KOPF, WENN DU AN SCHWARZE MÄNNER DENKST?
Ein schlanker, hochgewachsener, feingliedriger Senegalese mit schönen Händen. Rassistisch genug? (Aber bei dem bloßen Begriff „schwarze Männer“ denke ich an sowas, ich alte Ästhetin.)

30. Welches Bild kommt dir in den Kopf, wenn du an muslimische Frauen denkst?
Die Bäckerin an der Ecke Bundesallee. Es gibt da sehr leckere Teilchen.

31. Hast du schonmal gedacht: Wenn ich könnte, würde ich nur mit Menschen zusammenarbeiten, die so sind wie ich?
Ja. Da war ich in der Pubertät. Jetzt bin ichs nicht mehr.

32. Siehst du Menschen, die dich repräsentieren, wenn du den Fernseher anschaltest oder eine Zeitung aufschlägst?
Nein. Außer vielleicht Christine Urspruch als Silke Haller.

33. Wie oft geben dir Menschen in deinem Umfeld das Gefühl, dass du nicht zu dieser Gesellschaft gehörst?
Täglich. Die meisten von ihnen sind weiß, das liegt aber nur daran, daß ich in Deutschland lebe. Lebte ich in Zentralafrika, wären die meisten, die mir dies Gefühl gäben, schwarz.

Nun denn, liebe Fragebogen-Ersteller: Ob ich von der Polizei kontrolliert werde, ob ich dumm angemacht oder angefasst werde und vieles mehr, was in diesem Fragebogen vorkommt, hat damit, ob ich rassistisch bin oder nicht, absolut nichts zu tun. Es macht einen Menschen auch nicht zum Rassisten, wenn er sich fremd fühlt, weil um ihn herum eine ihm unverständliche Sprache gesprochen wird, gleich ob das Schwäbisch oder Lingala ist. Es ist ferner nicht rassistisch, unter den nahen Freundinnen nur zwei Schwarze zu haben, von denen die eine seit ihrer Geburt Deutsche ist, die andere seit ihrer Geburt Französin. Wirklich rassistisch wäre, wenn ich jetzt zum Nachweis meiner Redlichkeit mich noch ein paar Migranten anbiedere, um sie meine Freunde nennen zu dürfen. Denn damit würde ich Menschen benutzen, um meinen Ruf zu verbessern. Das ist keine Freundschaft, versteht Ihr aber schon selber, Ihr von der Zeit, nicht wahr?

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Der Dreißigjährige Krieg ist vorbei!

Auch auf diesem Weblog.

Ich werde hier auch weiter hin und wieder versuchen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten der großen christlichen Konfessionen zu erklären. Sofern sich darunter Diskussionen ergeben, soll es mir Recht sein – solange sie nicht in einen wilden Hickhack ausarten, bei dem die eine Konfession der anderen das Christsein generell abspricht. Ich dulde hier keine Religionskriege!

Deshalb habe ich eben die Kommentarfunktion zu zwei Artikeln geschlossen und werde sie unter diesem Artikel gar nicht erst zulassen.

Liebe Katholiken, liebe Protestanten, wenn Ihr Euch schlagen wollt, tut das meinethalben um fünf Uhr früh im Tiergarten, auf Pistolen. Ich sekundiere nicht.

Wenn Ihr allerdings vorhabt, gemeinsam den Glauben zu bekennen, gemeinsam das Vaterunser zu beten, gemeinsam für das unbedingte Recht auf Leben und für den Schutz der Familie einzutreten, gemeinsam für die verfolgte Christenheit Eure Stimme zu erheben – dann sekundiere ich gern.

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Erdbeer-Vanille-Eis

Wenn man sich zwischen Erdbeer- und Vanilleeis nicht entscheiden kann, die im Laden erhältlichen Eistöpfe Familienpackungen sind, die Inhaltsangaben mir auch keine Lust machen und Oma das schließlich auch ungefähr so gemacht hat, damals im Hotel Reimers Hof, dann mach ich mein Eis eben selber.

2 Becher Schlagsahne à 200 g
4 EL Zucker
3 Eier
1 Schale Erdbeeren (ca. 250 g)
(Wer keine Erdbeeren mag oder verträgt, kann auch andere Beeren oder Aprikosen oder sehr weiche Birnen nehmen.)

Vanilleschote längs durchschneiden, auskratzen, Schote und Inhalt samt Zucker und Sahne in einen Topf geben, zum Köcheln bringen.

Eier trennen, Eigelbe mit einem Schneebesen in der köchelnden Sahne verschlagen, bis es eine dickliche Soße wird. Vom Feuer nehmen.

Erdbeeren putzen und vierteln, mit einer Gabel zerdrücken.

Eiweiß mit dem Schneebesen steif schlagen.

Fruchtmasse und Eischnee unter die Sahnemasse heben. Alles in ein kühlfachgeeignetes Gefäß füllen. Ins Gefrierfach damit – und dann nach 2, 3 und 4 und 5 Stunden mit einer Gabel durchrühren, damit die Masse gleichmäßig bleibt und nicht zu hart wird.

Nach ca. 6 Stunden ist das Eis fertig. Wenn man es erst am späten Nachmittag macht, ist es nachts fertig, steht dann eine Weile ungerührt im Kühlfach und wird sehr hart. Das ist nicht schlimm. Man kann ja wieder auftauen – so weit, bis es die richtige Konsistenz hat.

Und ich sage Euch – es ist köstlich.

Erdbeereis

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Einig, heilig, allgemein

An meinen Artikel „Abendmahl und Eucharistie“ schließt eine etwas scharfzüngige interkonfessionelle Diskussion an.

Ich durfte heute zweierlei erleben: erst die Heilige Messe in meiner Gemeinde, die schön war und tröstlich und ganz und gar katholisch. Dann einen Lobpreisgottesdienst der Katholischen Charismatischen Erneuerung, an dem außer dem katholischen Priester ein evangelischer Pastor mit seiner Frau teilnahm. Der Pastor predigte ganz ausgezeichnet darüber, was Umkehr ist und erwähnte mit Bewunderung das Sakrament der Beichte.
Wie immer beim Lobpreisgottesdienst gab es Segnungsteams. Üblich ist, daß vier Gläubige vom Priester dazu beauftragt und gesegnet werden, sie stehen dann in zwei Paaren zu beiden Seiten des Tabernakels. Jeder, der möchte, kann zu einem Team kommen und um den Segen Gottes bitten. Das Team betet dann für den Betreffenden, ihm werden die Hände aufgelegt und die Stirn mit dem Kreuz bezeichnet.
Heute stand außerdem besagter Pastor mit seiner Frau an der Seite vor dem Altarraum, auch sie waren ein Segnungsteam. Und sie wurden in Anspruch genommen, unter anderm von dem Priester.

Zum Abschluß des Gottesdienstes beteten wir das Vaterunser, und die beiden Geistlichen, katholisch und evangelisch, segneten die Gemeinde. Danach bekam der Pastor noch ein Geschenk – mit Liebe und Augenzwinkern: einen Rosenkranz, verpackt in eine Medikamentenschachtel (59 hochwirksame Kügelchen).

Wie ich bereits schrieb: Evangelische und katholische Kirche haben wunderbare Möglichkeiten ökumenischen Handelns und Feierns. Sie teilen den Glauben, daß Jesus Christus der Herr und Erlöser ist.

Ja, ich bin überzeugt, daß die katholische Kirche in sich logisch und richtig ist. Ja, ich wäre froh, wenn sämtliche Protestanten sich husch, husch zum Katholizismus bekehrten. Aber nein, ich spreche meinen protestantischen Halbgeschwistern im Glauben nicht den Glauben ab und halte mich selbst nur in ganz schwachen, ganz besonders sündhaften Stunden für besser. Denn die Richtigkeit einer Konfession ist eine Sache – die Frömmigkeit und Gottesliebe eines Individuums eine andere. Gott sei Dank gibt es Schnittmengen.

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Es summt auf dem Balkon

Die Hornveilchen gehen so langsam hinüber – wobei ich hoffe, daß aus den Unmengen von Samen nächstes Jahr wenigstens einige wieder aufwachsen. Der Salbei macht noch keine Anstalten zu blühen. Also habe ich einige Blumen gekauft – und schon kommen Hummeln und Bienen zu Gast! Zwei Hummeln konnte ich sogar ablichten, leider nicht besonders scharf.

Hier wird das Mädchenauge (Corepsis) angeflogen.

Hummel fliegt auf Mädchenauge

Auf der Scabiose sitzt es sich auch ganz gut.

Hummel auf Scabiose

Diese beiden roten Korbblütler wurden auch schon von Bienen und Hummeln angeflogen. Ich hoffe, daß sie noch lange blühen und locken.

Rote Korbblüten
Rote Korbblüten

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Vom Segen der Zerbrechlichkeit. Grundworte der Eucharistie

So heißt ein im echter verlag erschienenes Buch des Priesters Andreas Knapp.

Das Buch richtet sich an Katholiken, die die Eucharistie nicht oder nicht mehr von Herzen mitfeiern können, weil sie die alten Formeln nur noch herunterhaspeln. Knapp beleuchtet den vielschichtigen Sinn der Eucharistie in zehn Kapiteln; aufmerksam gelesen, führt er damit auch andere als Katholiken zu einem Verständnis dessen, was das Zentrum katholischen Glaubens ist.

Es geht in den Kapiteln vordergründig nicht um die Eucharistie, sondern um den Menschen – den der Autor dann aber in Beziehung zur Eucharistie setzt. Beispielsweise: Eucharistie ist ein Dankopfer – und es ist grundsätzlich richtig, dankbar zu sein; es findet eine Wandlung statt – und Wandlung ist ein grundsätzliches Geschehen im Leben.

Eingeflochten in jedes Kapitel sind kurze Gedichte, teils von Lothar Zenetti, teils vom Autor, der offenbar sehr von Zenetti beeinflusst ist. Mich nervt der Stil dieser Gedichte, an einigen Stellen finde ich sie geradezu wegführend vom Eucharistieverständnis. Ein wenig versöhnt werde ich dadurch, daß auch Matthias Claudius und Joseph von Eichendorff zitiert werden.

Zwischen allem Richtigen, was Knapp anfangs über Erinnerung, die realistische, sinnstiftende und im Gegensatz dazu die nostalgische Erinnerung schreibt, stoße ich leider auch auf diesen Satz: „In der Kirche treten Traditionalisten auf, die die alte lateinische Liturgie schönfärben und das Gemeindeleben vergangener Zeiten als das Goldene Zeitalter ausmalen.“ Das ist ein überflüssiger Seitenhieb auf die Pflege des Lateinischen Ritus. Wurde nicht gerade eben die verbindende und erhaltende Bedeutung der Erinnerung für die Gemeinschaft erläutert? Auch wenn ich mich im Novus Ordo heimisch fühle, stört mich dieser Satz.

In den folgenden Kapiteln geht es um Geschenk und Dank. Knapp beschreibt hier an einem eigenen Erlebnis die Erkenntnis, daß ein Geschenk nicht notwendig zum bleibenden Eigentum wird, über das man verfügen kann – es kann sich um eine bestimmte geschenkte Zeit und Situation handeln, die im Nachhinein nicht mehr weggenommen werden kann, aber auch nicht beliebig wiederholbar ist. (Das ist eine der stärksten Stellen im Buch.) Er ermuntert den Leser zu einer Haltung der Dankbarkeit, auch für die schwer erträglichen Momente des Lebens. Dabei stellt er klar, daß der Dank auch im Leid nicht dem Leiden an sich gilt. Er versteht Leid als Teil eines weiterführenden Prozesses. „Wer für das Schwere danken kann, das auf ihm lastet, kann leichter und erlöster mit ihm umgehen.“ Allerdings hätte ich mir in diesem Kapitel eine differenziertere Sicht auf christliche Leidensmystik gewünscht. Der Hinweis, daß man Gott nicht nur trotz Leid, sondern im Leiden finden kann, fehlt.

Unter dem Stichwort „Wandlung“ wird die im menschlichen Leben nötige Wandlung zu sehr in den Vordergrund gerückt; das Mysterium der Wandlung auf dem Altar erscheint dadurch nur noch als Zeichen dafür, daß wir uns eben alle wandeln müssen.

Das fünfte Kapitel über die Versöhnung (in dem Knapp auch den Unterschied zwischen Vergeben und Versöhnen erklärt) ist das erste Kapitel, das mir gefällt. „Wie ein roter Faden ziehen sich Bitte um Vergebung und Zusage von Versöhnung durch die Feier der Heiligen Messe.“ Hier geht es wirklich zur Sache; Knapp beschreibt die Notwendigkeit der Versöhnung und die Notwendigkeit der Messe, um überhaupt zur Versöhnung zu gelangen.

Die folgenden Kapitel über das Brotbrechen und die Gemeinschaft sind dann wieder sehr menschelnd, in der Beschreibung von Einsamkeit tendenziell kitschig. Daß die Erfahrung von Einsamkeit und Verlassenheit schlimm ist und niemandem erspart bleibt, kann man wirklich in ein bis zwei Sätzen sagen – die weitschweifige Art des Buches nervt mich hier besonders. Ärgerlich ist dieser Absatz: „Die geteilte Schokolade schmeckt nach mehr, wenn ich sie zusammen mit meinem kleinen Bruder esse. Auch das in der Eucharistie ausgeteilte Brot bekommt eine andere Qualität: Es wird Leib Christi. Das heißt: Im geteilten Brot empfange ich die Gemeinschaft der Kirche, der ich als lebendiger Teil zugehören darf.“
Hier wird der Eindruck erweckt, als werde die Hostie erst durch das Teilen konsekriert (stimmt nicht, die Konsekration findet vorher statt und ist unabhängig von der Anzahl der Gläubigen, die die Eucharistie empfangen). Ich empfange auch nicht die Gemeinschaft der Kirche, sondern den Leib des Herrn; hier die Aussage, daß die Kirche der mystische Leib Christi ist, mit der Aussage Jesu bei der Stiftung der Eucharistie „Dies ist mein Leib“ zu vermengen, ist unlauter. Und leider führt der Autor das noch über mehrere Seiten aus. „In der Eucharistie geht es darum, dass wir uns gegenseitig annehmen und empfangen – wie eine Speise.“ Nein! Daß wir dies können, ist eine Folge der Eucharistie, aber nicht „das, worum es geht“. Es geht unter vielem anderen auch darum; man könnte sagen „Zum Sinn der Eucharistie gehört, dass wir uns gegenseitig annehmen und empfangen können“ – aber mit seiner Wortwahl weckt der Autor den Eindruck, als gehe es vorrangig um das Erlebnis von Gemeinschaft.

Am Ende gewinnt das Buch noch einmal sehr: Das Kapitel über Opfer und Hingabe sagt Gutes und Richtiges über den Opferbegriff und die Wichtigkeit, das Opfer nicht als eine Art Bezahlung oder Bestechung Gottes zu verstehen. Das folgende Kapitel über die Realpräsenz beginnt mit einem Exkurs über Illusionen, um diesen dann Jesus als die eigentliche Wirklichkeit gegenüberzustellen. Brot ist einerseits einfaches Stärkungsmittel, eindrucksvoll in der Geschichte von Elias beschrieben (und hier mit einem Gedicht des Autors illustriert, das ich wirklich gut finde), andererseits als konsekrierte Hostie der Herr selbst und Antwort auf menschliche Sehnsucht. „Auch die Eucharistiefeier will nicht satt und zufrieden machen, sondern den tieferen Hunger spüren lassen: Den Hunger nach mehr; die Sehnsucht nach einem Glück, das die vielen oberflächlichen Glücksangebote der Konsumgesellschaft übertrifft; die Hoffnung auf eine Sättigung, die den vorübergehenden Gaumenkitzel übersteigt. Der Empfang eines kleinen Stückchen Brotes macht nicht satt, sondern weckt den Hunger nach einer Liebe, die größer ist als alles, was diese Welt geben kann.“

Im letzten Kapitel „Eucharistie: Speise für unterwegs und Geheimnis, in dem wir daheim sind“ ist von Auftrag und Sendung der Christen die Rede. Die Eucharistie wird hier als Wegzehrung (keineswegs nur für Sterbende) hervorgehoben, als das Mahl, das wir brauchen, um in dieser Welt Christen sein zu können. Knapp schreibt von den Emmausjüngern, die durch das von Jesus geteilte Brot gestärkt sofort wieder aufbrechen, um zu künden, und von Paulus, der auf einem untergehenden Schiff das Brot teilt – Eucharistie feiert.

Fazit: Von zehn Kapiteln finde ich vier wirklich gut. Vieles ist mir zu weitschweifig, von Knapps Gedichten gefallen mir nur zwei. Über einige Stellen habe ich mich richtig geärgert. Dennoch kann ich insgesamt sagen: Wer sich mit dem Eucharistieverständnis schwertut, kann hier eine Verständnishilfe finden, besonders im 5., 8., 9. und 10. Kapitel – sofern er bei den anderen Kapiteln die mißverständlichen und weitschweifigen Formulierungen großzügig überliest.

Andreas Knapp: Vom Segen der Zerbrechlichkeit. Grundworte der Eucharistie, ISBN 978-3-429-04451-0, Echter Verlag 2018

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Von Klöstern lernen heißt siegen lernen!

Nämlich – über sich selbst.
Aus meinem Urlaub im Kloster in Verbindung mit Lektüre der Benedikt-Option habe ich eine schöne Gewohnheit mitgenommen. Dort wird zu jeder vollen Stunde das Ave Maria gebetet. Jede Stunde wird unter Gottes und Marien Schutz und Segen gestellt.
Hier höre ich ja auch die Kirchenglocke zur vollen Stunde schlagen – und habe mir zur Gewohnheit gemacht, wenn ich zu Hause bin (in der Regel am Schreibtisch), die Arbeit auf den Glockenschlag für ein kurzes Gebet zu unterbrechen.

Im Namen des Vaters…
Gegrüßet seist du, Maria…
Ehre sei dem Vater…

Die Erfahrung zeigt, daß ich mit dieser Art Unterbrechung sogar besser arbeiten kann. Ich kann es nur empfehlen. (Meine evangelischen Leser können ja ein Vaterunser statt des Ave beten.)

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Nehmt die Jugendlichen ernst!

Viele Jugendliche kommen nach der Firmung immer seltener zum Gottesdienst. Am Sonntag wollen die Eltern mal mit der Familie zusammensein; man muss zum Handballtraining; die Freunde gehen auch nicht in die Kirche.

Hier ist die Gemeinde gefragt. Auch ich, kinderlose ältere Frau, bin in die Pflicht genommen, jungen Leuten die Kirche schmackhaft zu machen.

Der vollständige Artikel steht in der Tagespost.

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Abendmahl und Eucharistie

Das Abendmahlsverständis der evangelischen Kirchen und der katholischen Kirche ist hier von der Evangelischen Kirche in Deutschland kurz und recht klar erläutert.

Gemeinsam ist Katholiken und Protestanten, daß sie Jesu Einsetzungsworte „Dies ist mein Leib“ und „Dies ist mein Blut“ für wahr und sinnstiftend halten. Gemeinsam ist ihnen auch, daß sie Abendmahl bzw. Eucharistie als Sakramente ansehen (also von Jesus gestiftete Heilszeichen).

Im katholischen Verständnis wird durch die Wandlungsworte des Priesters Wein und Brot zu Christi Fleisch und Blut. Man nennt das Transsubstantiation. Die Gestalt (also das Aussehen und der der Geschmack) bleibt Brot und Wein, die Substanz (also das Eigentliche, das Wesentliche) ist Fleisch und Blut des Herrn. Das gilt unabhängig davon, ob der Priester ein gläubiger Mensch ist – er muss nur ordinierter Priester sein und die Wandlungsworte richtig über die geeignete Materie (also Brot und Wein, genauer: Brot aus nichts als Wasser und Weizenmehl, Wein ohne Beimengungen bis auf etwas während des Ritus zugegebenes Wasser) sprechen. Es kommt auch nicht darauf an, ob der Empfänger der Kommunion ein gläubiger Mensch ist, nicht einmal ob er getauft ist – die Wandlung hat stattgefunden. Die heilbringende Wirkung entfaltet sich allerdings nach katholischem Glauben nur in dem Empfänger, der selbst katholisch ist und dies Mysterium grundsätzlich bejaht. Es ist kein Hinderungsgrund, wenn er Probleme hat, das zu glauben, es aber gerne glauben will. Ein Hinderungsgrund ist aber, wenn er nicht grundsätzlich zur Transsubstantiation und damit auch zur gesamten Lehre der katholischen Kirche Ja sagt.

Ein Katholik, der sich einer schweren Sünde bewußt ist, darf nicht die Kommunion empfangen – er muss erst in der Beichte reinen Tisch machen und die Absolution empfangen. (Nur bei Lebensgefahr, wenn zur Beichte keine Zeit mehr ist, darf er.)

Die Eucharistie ist den Katholiken also überaus heilig – es ist der Herr selbst! Deshalb darf auch kein Krümel davon verlorengehen (wobei wir vom Noch-Sichtbaren ausgehen, nicht von Molekularebene, was ja schon beim Zerbrechen der Hostie unmöglich wäre). Deshalb werden konsekrierte Hostien, die nicht verzehrt werden, im Tabernakel aufbewahrt und fest verschlossen.

Für einen Lutheraner hängt es vom persönlichen Glauben ab, ob Brot und Wein gewandelt wird. Das heißt, wenn jemand nicht glaubt, daß eine Wandlung stattgefunden hat, dann ist das Abendmahl für ihn ganz einfach Wein und Brot und sonst nichts. Wenn er aber daran glaubt, ist es Christi Leib und Blut. Das nennt man Konsubstantiation. Das heißt, soweit ich das verstanden habe, daß ein und dasselbe Abendmahl für einen frommen Lutheraner tatsächlich Leib und Blut des Herrn ist, für seinen ungläubigen Nachbarn, der mit ihm aus demselben Kelch das Abendmahl empfängt, aber nicht.

Für andere reformierte Konfessionen ist es noch etwas anders. Gemeinsam ist den Reformierten der besondere Nachdruck auf die Gemeinschaft der Christen. Das Abendmahl ist gemeinschaftsstiftend und kann daher prinzipiell mit jedem geteilt werden.

Katholiken und Protestanten haben ein so unterschiedliches Verständnis von Eucharistie bzw. Abendmahl und von Sakramenten, daß eine gemeinsame Kommunion nur durch geistige Verbiegung möglich ist. Ein Protestant, der die Eucharistie empfängt, sagt dabei Ja und Amen zu etwas, was er nicht glaubt – zur Transsubstantiation. Ein Katholik, der das Abendmahl empfängt, sagt dabei Ja und Amen zu einer vollen Gemeinschaft mit der evangelischen Kirche, die aber – wie ausführlich erklärt – einige zentrale Glaubensinhalte eben nicht mit der katholischen Kirche teilt. In beiden Fällen muss der Betreffende sich und anderen etwas vormachen.

Evangelische und katholische Kirche haben wunderbare Möglichkeiten ökumenischen Handelns und Feierns. Sie teilen den Glauben, daß Jesus Christus der Herr und Erlöser ist. Vereint sind sie, als Kirchen der Märtyrer, heute wie vor achtzig Jahren durch die „Ökumene des Blutes“. Sie sind beide präsent auf dem Marsch für das Leben, um das unbedingte Lebensrecht jedes Menschen zu verfechten.

Aber eine Mahlgemeinschaft am Tisch des Herrn ist leider nicht möglich, wenn jede Konfession sich und die andere gleichermaßen ernst nimmt.

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