Einig, heilig, allgemein

An meinen Artikel „Abendmahl und Eucharistie“ schließt eine etwas scharfzüngige interkonfessionelle Diskussion an.

Ich durfte heute zweierlei erleben: erst die Heilige Messe in meiner Gemeinde, die schön war und tröstlich und ganz und gar katholisch. Dann einen Lobpreisgottesdienst der Katholischen Charismatischen Erneuerung, an dem außer dem katholischen Priester ein evangelischer Pastor mit seiner Frau teilnahm. Der Pastor predigte ganz ausgezeichnet darüber, was Umkehr ist und erwähnte mit Bewunderung das Sakrament der Beichte.
Wie immer beim Lobpreisgottesdienst gab es Segnungsteams. Üblich ist, daß vier Gläubige vom Priester dazu beauftragt und gesegnet werden, sie stehen dann in zwei Paaren zu beiden Seiten des Tabernakels. Jeder, der möchte, kann zu einem Team kommen und um den Segen Gottes bitten. Das Team betet dann für den Betreffenden, ihm werden die Hände aufgelegt und die Stirn mit dem Kreuz bezeichnet.
Heute stand außerdem besagter Pastor mit seiner Frau an der Seite vor dem Altarraum, auch sie waren ein Segnungsteam. Und sie wurden in Anspruch genommen, unter anderm von dem Priester.

Zum Abschluß des Gottesdienstes beteten wir das Vaterunser, und die beiden Geistlichen, katholisch und evangelisch, segneten die Gemeinde. Danach bekam der Pastor noch ein Geschenk – mit Liebe und Augenzwinkern: einen Rosenkranz, verpackt in eine Medikamentenschachtel (59 hochwirksame Kügelchen).

Wie ich bereits schrieb: Evangelische und katholische Kirche haben wunderbare Möglichkeiten ökumenischen Handelns und Feierns. Sie teilen den Glauben, daß Jesus Christus der Herr und Erlöser ist.

Ja, ich bin überzeugt, daß die katholische Kirche in sich logisch und richtig ist. Ja, ich wäre froh, wenn sämtliche Protestanten sich husch, husch zum Katholizismus bekehrten. Aber nein, ich spreche meinen protestantischen Halbgeschwistern im Glauben nicht den Glauben ab und halte mich selbst nur in ganz schwachen, ganz besonders sündhaften Stunden für besser. Denn die Richtigkeit einer Konfession ist eine Sache – die Frömmigkeit und Gottesliebe eines Individuums eine andere. Gott sei Dank gibt es Schnittmengen.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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20 Antworten zu Einig, heilig, allgemein

  1. Nepomuk schreibt:

    Ich muß leider sagen, daß ich sowohl mit dem Gedanken von „Segnungsteams“, die nicht nur aus Bischöfen, Priestern, Diakonen und den Eltern und Ehepartnern des zu Segnenden bestehen*, als auch mit einer gemeinsamen Segnung durch Priester und Pastor am Ende so meine Probleme habe.

    Gewiß haben die protestantischen Halbgeschwister (schöner Ausdruck) einen Glauben und sind in dem, wie angenommen werden darf, guten Willens. Das heißt aber nicht, daß nicht die itio in partes und das Gebet füreinander ohneeinander eventuell eine sehr sinnvolle oder die sinnvollste ökumenische Aktion sein könnte.

    • Nepomuk schreibt:

      [* Natürlich sind *Fürbittteams*, die nur fürbitten, das Handauflegen und Mit-dem-Kreuz-bezeichnen unterlassen und statt „Es segne Dich Gott“ „lieber Gott, segne Deinen Diener N. N.“ sagen, eine gute Sache.]

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Der Gestus des Handauflegens und des Bekreuzigens ist aber durchaus kein Privileg von Geistlichen. Eltern und Paten tun das auch. Jeder mündige Christ kann das, sofern er guten Willens ist.

  2. piri ulbrich schreibt:

    Ich, als Christin des ev/luth. Glaubens kann jeden segnen, sofern aus vollem Glauben geschieht. Und ganz blasphemisch könnte ich auch so den Papst segnen. Einen Segen aussprechen ist doch kein Privileg eines Geistlichen.

  3. Gerd schreibt:

    „Evangelische und katholische Kirche haben wunderbare Möglichkeiten ökumenischen Handelns und Feierns. Sie teilen den Glauben, daß Jesus Christus der Herr und Erlöser ist.“

    Dieser geteilte(?) Glaube geht mittlerweile so weit, dass Marx und Bedform ihre Kreuze ablegten, als sie den Tempelberg besuchten. Was da vom Glauben noch übrig ist, darüber kann sich jeder Gedanken machen. Meinetwegen auch scharfzüngig. 😉

    • Herr S. schreibt:

      @Gerd
      Mt7,3!

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Pardon, aber das ist nun wirklich ein blöder Kommentar.

      • Gerd schreibt:

        Ich war noch nie in der Gelegenheit auf dem Tempelberg mein Kreuz abzulegen. Deswegen bin ich der falsche Adressat für diese Bibelstelle. Allerdings trifft er auf viele Alltagsünden meinerseits zu. Ich gelobe Besserung.

        • Herr S. schreibt:

          @Gerd
          Doch, doch – genau Sie, Gerd, sind schon der richtige Adressat für die genannte Mahnung des Herrn (Mt7,3).

          Sie urteilen höchst erhaben nicht nur über Kardinal Marx‘ und Heinrich Bedford-Strohms Auftreten am Jerusalemer Tempelberg sondern auch über Mitchristen anderer Konfession, die Sie abschätzig als glaubensmäßige „Halbgeschwister“ titulieren und in Ihrem jüngsten Post versteckt in die Nähe vom hl. Apostel Paulus im Galaterbrief allerdings scharf verurteilten Irrlehrern(!) rücken.

          Ich kann Sie vor solchem an geistigen Hochmut grenzendem Gedankengut nur warnen, denn die Protestanten beherzigen die Briefe des Völkerapostels genauso wie wir Katholiken.

          Abschließend gebe ich Ihnen noch 2 weitere Bibelstellen als Warnung des Herrn vor dem [unbarmherzigen öffentlichen] Richten anderer zum persönlichen Reflektieren mit auf den weiteren Glaubensweg: Lk6,37 u. Mt7,1.

        • Claudia Sperlich schreibt:

          Lieber Herr S., die Bezeichnung „Halbgeschwister“ stammt von mir und ist keinesfalls abschätzig gemeint, wie aus dieser Diskussion hoffentlich hervorgeht. Im übrigen ödet die Diskussion nun langsam an, weshalb ich sie schließe.

  4. Gerd schreibt:

    „Ja, ich bin überzeugt, daß die katholische Kirche in sich logisch und richtig ist…. aber nein, ich spreche meinen protestantischen Halbgeschwistern im Glauben nicht den Glauben ab“

    Das sind, mit Verlaub gesagt, zwei paar Schuhe. Ich will es nochmal versuchen und auf mögliche Scharfzüngigkeit verzichten. Paulus verflucht die Irrlehrer und bemüht sogar das Beispiel von einem Engel, der eine andere Botschaft bringt, als er selbst, um den Fluch zu bekräftigen. Er tut das im Galater Brief mit eindrücklichen Worten: „Ich bin erstaunt, dass ihr euch so schnell von dem abwendet, der euch durch die Gnade Christi berufen hat, und dass ihr euch einem anderen Evangelium zuwendet. Jedoch, auch wenn wir selbst oder ein Engel vom Himmel euch ein anderes Evangelium verkündeten als das, das wir verkündet haben – er sei verflucht.“
    DAS ist scharfzüngig. Paulus betont in seinem Brief, dass er allein(!) derjenige gewesen ist der die Empfänger seines Briefes durch die Gnade zu Christus berufen hat. Damit unterstreicht er den Alleinanspruch auf die rechte Verkündigung des Evangeliums, die er sich vom Kephas geholt hat. Auch das ist ziemlich scharf und passt so gar nicht in das Ökumene-Allerlei der Gegenwart. Natürlich ist es schön Schnittmengen zu haben. Im Kern allerdings sind diese Schnittmengen nicht vorhanden. Da nützt es nichts, wenn bei einem katholischen Gottesdienst auch mal ein evangelischer Pastor dabei ist und sogar predigt und bewundernde Worte über die Beichte spricht. Das Sakrament (!) der Buße existiert bei den evangelischen Christen nicht. Sie können etwas bewundern, müssten allerdings konvertieren um ihrer Bewunderung auch Leben einzuhauchen. Das ist allerdings nur ein Beispiel für eine Schnittmenge, die dem Menschen nichts bringt.
    Wir können doch in Zeiten, wo selbst die Beichtpraxis bei den Katholiken gen Null tendiert, sie sich also der protestantischen Praxis annähern, diese Sorge nicht mit dem Satz abtun, den Halbgeschwistern ihren Glauben nicht absprechen zu wollen. (was sie Frau Sperlich natürlich nicht tun) Aber genau DAS müssen wir tun! Vielleicht nicht mit den Worten des Völkerapostels, aber doch mit Bestimmtheit und in der liebenden Form ohne überheblich zu sein. Wenn mir nun unterstellt wird, ich könnte mich nicht in die evangelischen Christen einfühlen und würde scharfzüngig argumentieren, dann kann das nur eine subjektive Ansicht sein, die zumindest auf den Galater-Brief genauso zutreffen könnte. Ohne Paulus allerdings, wüssten wir wohl kaum, was es heißt katholisch zu sein.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ich schließe hiermit die Kommentarfunktion für diesen und ähnliche Beiträge. Ich verbitte mir zugleich eindeutig jede Insinuation, ich sei nicht rechtgläubig. Falls es dazu noch Fragen gibt, kann man die meinethalben offenlassen.

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