Siebte Tür

Gustav Schüler
Wirf deine Nöte auf den Herrn

Und wäre all dein Glück verdorben
Und wäre alle Hoffnung fern,
Dein Herze ganz vor Leid gestorben:
Wirf deine Nöte auf den Herrn!

Wär‘ dir die ganze Welt entrissen,
Und bliebe dir kein einziger Stern
In allen deinen Finsternissen:
Wirf deine Nöte auf den Herrn!

Wärst du zum Sinken überladen,
Sei ohne Furcht, er hilft dir gern.
Was können Feinde dir noch schaden:
Wirf deine Nöte auf den Herrn!

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Populus Sion

Der zweite Adventsonntag heißt Populus Sion – das sind die Anfangsworte von Jes. 30,19.30: Populus Sion, ecce Dominus veniet ad salvandas gentes – zu Deutsch: Volk von Zion, siehe, der Herr wird kommen, zu retten die Völker.

Zur Feier des Tages gibt es Photos von meiner immer prächtiger werdenden Amaryllis.

Amaryllis
Amaryllis
Amaryllis

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Sechste Tür

Nikolaus berichtet aus Nicäa

Zwölf Jahre war es her, daß Christi Weg
vom Kaiser war gestattet – Dank dem Herren!
Das Blut der Märtyrer ist aufgegangen
als Saat der Christen – Ernte mag noch fern sein.

Nun kam die Drohung aus den eignen Reihen.
Arius lehrte, Jesus sei nicht göttlich,
geschöpflich nur, nicht wirklich Sohn des Vaters.
Schon folgten viele diesem Irrtum nach.

Wir waren nah beim goldenen Byzanz,
dreihundert Bischöfe im Dienst des Herren.
Wir wollten Christi Wesen, Seine Lehre,
das Wort des Vaters lehren und verstehn.

Christus ist Gott, ist eins mit Gott dem Vater,
und mit dem Heilgen Geist, den beide atmen.
Wenn das nur alle wüßten! Alle stritten.
Sogar mein Freund Theognis war gespalten.

Mit ihm hab ich gesprochen und gebetet,
gestritten und erklärt, die Schrift geprüft
und unsern Glauben, bis uns beiden klar war,
daß Gott dreifaltig ist und Christus Gott.

Arius aber war verstockt, beharrte
mit Trotz und Stolz auf seiner falschen Lehre.
Er ließ durch keine Milde, keine Strenge
zur Wahrheit und zum Leben sich bekehren.

Da ist mir endlich die Geduld gerissen.
Er setzte an zu neuer Wiederholung –
da schlug ich zu. Auf seiner Wange blieb,
geschwollen, rot, der Abdruck meiner Hand.

Es war ganz plötzlich still. Die Brüder starrten,
Arius hielt die Hand auf seine Wange,
ich selbst erschrak vor mir und war zugleich
voll böser Freude über diesen Schlag.

Dann riefen alle durcheinander. Einer
nahm mich beim Arm und führte mich beiseite,
und wenig später hörte ich mein Urteil:
Ich war gefangen und war ausgeschlossen.

Ich hatte Zeit, mich meiner Tat zu schämen
und bat den Herrn um Gnade und Vergebung
für mich und für Arius: Sei barmherzig!
Am Ende wurde mir die Tür geöffnet.

Das christliche Bekenntnis ist besiegelt,
gezeichnet auch von mir und von Theognis,
nicht von Arius. Doch der Herr wird richten,
Er ist barmherziger als ich es war.

Wir werden für den Glauben streiten müssen
und um ihn ringen. Doch bewahr uns Christus
vor ungerechtem Wüten! Lassen wir
nicht über unserm Zorn die Sonne sinken!

© Claudia Sperlich

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Fünfte Tür

Gustav Schüler
Gebet

Weil ich dich nicht, du mein ewiger Hort,
Mit dem trüben Sturm der Sinne fasse,
Gib mir ein entschleiernd Liebeswort,
Lockend durch die staubverdeckte Gasse,
Wo die armen Menschenkinder rennen,
Die dich nur mit dunkler Sehnsucht nennen.

Locke mich mit süßem Menschenlaut,
Drin es blüht von unerhörten Liedern,
Und ich will wie eine treuste Braut
Deiner Liebe heiligen Ruf erwidern,
Bis ich, den die Erdenangst umkrallte,
Dich wie Frühling in den Armen halte.

Gib dich mir, daß ich an dich geben kann!
Jubelnd will ich deinen Namen nennen.
Lichtverarmten – Brüder, kommt heran! –
Soll mein Wort von deiner Gnade brennen.
Die die taube Daseinsschuld gebunden,
Haben sich befreit in dir gefunden.

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Demnächst: Ein bißchen Dogmengeschichte

Am Dienstag, 8. Dezember, um 19.30 Uhr halte ich einen Vortrag in der Arche Potsdam, Am Bassin 2, 14467 Potsdam: Mariä Empfängnis – Geschichte eines Dogmas.

Es geht um ein spannendes Kapitel Kirchengeschichte – und, wie bei mir nicht anders zu erwarten, auch um etwas Dichtung und Nachdichtung zum Thema, Latein und Deutsch. Es kommt sogar ein Lutheraner vor! Mehr verrate ich aber erst am Festtag selbst.

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Vierte Tür

Gustav Schüler
Mach uns rein

Mach uns rein, die wir im Staube sind!
Blind und arm und hilflos, hilf uns allen!
Weil wir jeder Angst zum Raube sind,
Weil wir immer wieder niederfallen.

Mach uns rein, dann sind wir klar und kühn,
Können allem Blendwerk fest begegnen,
Können, wenn die Seelen hocherglühn,
Andre ärmere Menschenseelen segnen.

Mach uns rein! Du bist ein Meer von Licht!
Ach, wir schreien ja vor Finsternissen!
Sieh uns an, sieh an, verwirf uns nicht,
Also dir zu Füßen hingerissen!

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Dritte Tür

Gustav Schüler
Du Wurzel aller Wesen

Ach, du Wurzel aller Wesen,
Ach, du Quelle aller Kraft,
Hort der Huld, laß mich genesen
Von dem Fluch der Leidenschaft!

Ungemessen Meer der Güte,
Nimm mich auf in deine Flut,
Mache meines Lebens Blüte,
Die versengte, wieder gut.

Rüste meine tauben Nächte
Mit der Frühe heiligem Licht,
Retter, recke deine Rechte,
In der Finsternis Gericht!

Ach, du Wurzel aller Wesen,
Ach, du Quelle aller Kraft,
Hort der Huld, laß mich genesen
Von dem Fluch der Leidenschaft!

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Zweite Tür

Gustav Schüler
Zu Gott

All unsere Zeit ist ein Geschrei nach Gott.
Wer Ohren hat, der muss das Tosen hören.
Ein Rufen, unvermischt mit gellem Spott,
Ein Sturm von Stimmen, Welten zu empören.

Wie rast der Schrei und stößt durch unsere Zeit!
Ihr Geister auf! – Die Nacht ist nicht zu tragen! –
In Not und Zorn und tiefbestürztem Streit
Die schweren Finsternisse zu zerschlagen!

Die Angst um Gott schlägt schütternd auf uns ein
Und jeder Schritt weint auf nach seinen Wegen,
Fast fleht am Menschheitswege jeder Stein:
„Kommt denn den Suchern noch kein Licht entgegen?“

Vorausgestürmt! Es ist wie eine Schlacht!
Was heut nicht wurde, daß es morgen werde!
Wir reißen doch aus sturmergrimmter Nacht
Ein wegerhellend Schimmern auf die Erde!

Die Menschheit fiebert. Geister glühn empor,
Mit Schwung getränkt, mit Kräften, stürmisch großen.
Schon stehn sie hin bis an der Himmel Tor,
Mit Lustgeschrei die Pforten einzustoßen.

Zu Gott hinauf! Und wenn uns gleich sein Licht
Jäh in die Augen fällt wie rote Kohlen,
Wir schreien auf, doch lassen wir ihn nicht,
Wir müssen ihn zu uns herniederholen!

Laßt alles fallen! Lust und Leid sei tot,
Verloschen aller Hoffnung bunte Gaben –
Gott, höre uns und unsers Schreiens Not:
Wir müssen dich für unsere Kinder haben!

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Der Dezember beginnt sehr schön

… mit einem Kirchenbild auf der Straße und zwei Blumen in der Vase.

Marienkirche in der Pfütze
Amaryllis

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Erste Tür

Gustav Schüler
Advent

Komm zu uns, wir warten dein!
Himmelskönig, komm hernieder!
Schon entbrennt der Lichter Schein,
Und schon rüsten sich die Lieder.
Und die arme, dunkle Welt
Sehnt sich weinend dir entgegen –
Unser Herz, du Himmelsheld,
Wartet schon an deinen Wegen.

Gastlich wird jedwedes Haus,
Die Erkorenen zu empfangen,
In die Lande weit hinaus
Schlägt ein sehnendes Verlangen.
Du, der innerlichste Schuld
Leicht macht gleich den Flocken Schnees –
O du Bringer aller Huld,
Du Bezwinger allen Wehes!

Du, den wir so heiß erfleht,
Komm, die Zeit will sich erfüllen,
Daß des Lebens König geht
Niedrig in den niedern Hüllen –
Komm, wir warten! Tausend sind
Die zu dir die Augen heben.
Wolltest, lichtes Himmelskind,
Ihrer Sehnsucht Heilung geben!

Komm, die Welt ist leidenswund,
Hat an Not so viel zu tragen.
Komm herbei, daß uns dein Mund
Wieder wolle Wahrheit sagen!
Freude, Licht und Liebesmacht
Sollen leuchtend wieder werden –
O du heilige Freudennacht,
Friede, Friede sei auf Erden!

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