Über Schutzengel

… ist neulich auf kath.net etwas von mir erschienen. Auch wenn das Schutzengelfest (2. Oktober) nun vorbei ist: Das Wirken Gottes durch Seine Schutzengel ist nicht vorbei, und also mache ich noch einmal darauf aufmerksam.

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Gerechtigkeit oder was?

Fast jeder wird bestätigen, daß Gerechtigkeit ein hohes Gut ist. Aber was genau ist eigentlich Gerechtigkeit?

Wenn alle des Gleiche bekommen? Also unabhängig von Leistung und Bedürfnissen? Und wer bestimmt, was man „braucht“?
Wenn jeder bekommt, was ihm zusteht? Aber wer bestimmt, was wem zusteht?
Wenn jeder bekommt, was er verdient – im Guten wie im Bösen?
Verdient irgendjemand zehntausend Euro im Monat? Das Finanzamt sagt: Ja. Aber kann man bei jedem Menschen, der regelmäßig viel Geld auf sein Konto bekommt, sagen, daß er das „verdient“? Viel Geld bekommt vielleicht auch ein Waffenschieber oder ein Zuhälter. Ist das „Verdienst“? Wenn er es versteuert, aus der Sicht des Finanzamtes: Ja. Aber in dem Sinne, in dem man sagt „Das hat er für seine harte Arbeit auch wirklich verdient“, wohl eher nicht.

Gerechtigkeit wird auch gerne im Zusammenhang mit Strafmaß gefordert, und zwar meist in der Hoffnung auf ein hohes Strafmaß. „Er soll eine gerechte Strafe bekommen“ – das sagt kaum einer über einen Eierdieb, für den er ein Wochenende mit sozialer Arbeit angemessen fände. Als gerecht werden oft genug Strafen empfunden, die in europäischen Demokratien längst abgeschafft sind.

Über gerechten Lohn und gerechte Strafe gibt es sehr verschiedene Auffassungen. Mir bleibt also nichts anderes übrig, als mich an die höchste Instanz zu wenden, wenn ich wissen will, was Gerechtigkeit ist. (Die höchste Instanz ist nicht der Bundesgerichtshof.)

Und da erfahre ich: Gerechtigkeit ist das Gegenteil von Sünde. Damit gibt es nur einen ganz Gerechten, nämlich Gott – weil Menschen nun einmal Sünder sind, auch wenn es ihre Aufgabe ist, so gerecht wie möglich zu leben.

Nun gehört zu Gottes Liebe eine weitere Eigenschaft, nämlich die Barmherzigkeit. Er ist der, der auch einen Mörder aufnimmt, wenn der Mörder seine Tat bereut und Ihn um Verzeihung bittet. Das bedeutet nicht, daß die Tat ungeschehen gemacht wird – die Auswirkungen jeder Tat bleiben bestehen.

Liebe und Barmherzigkeit sind auch im Spiel, sooft es nicht an Leistung gekoppelt wird, wenn jemand bekommt, was er zum Leben braucht. Jemandem die Nahrung nicht vorenthalten, wenn er keine Arbeit und keine Ersparnisse hat, ist barmherzig – und es ist gerecht, denn Gerechtigkeit bejaht das Leben.

Ich werde mit meinen Gedanken über Gerechtigkeit an kein Ende kommen, aber immerhin so weit: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sind keine Gegensätze, sondern gehören zusammen und können beide nicht bestehen ohne Liebe.

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Hörnchen hinter trüber Scheibe

Irgendwie werden die Photos nicht so besonders, wenn man keine Lust hat, die Fenster entweder zu putzen (lästig) oder zu öffnen (kalt). Aber immerhin – es ist erkennbar.

Eichhörnchen
Eichhörnchen
Eichhörnchen
Eichhörnchen
Eichhörnchen

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Zum Rosenkranzmonat Oktober

Rosenkranz

Ein Kreuz und neunundfünfzig Perlen gleiten
Durch meine Finger, stetig, ohne Hast.
Bei Jesus und Maria halt ich Rast,
Sie helfe mir, für Ihn mich zu bereiten.

In alle Tage meines Lebens passt
Zu allen stürmischen und ruhigen Zeiten
Der Reigen der Gebete, die mich leiten,
Der Kranz, der Jesu Liebeswerk umfasst.

So wie Dein Leib den Leib des Herrn umschloss,
Umschließt die Perlenschnur des Herren Leben
Und stillt die grauen Ängste, die mich plagen.

Du Erste, die für Ihn ihr Blut vergoss,
In deren Mutterhand Er sich gegeben –
Trag mein Gebet zu dem, den Du getragen.

© Claudia Sperlich

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Eine gute Veranstaltung und ein Vorzug Berlins

Gestern abend hielt ich in der Arche Potsdam einen Vortrag über den Kirchenlehrer Hieronymus – es war ein voller Erfolg, gut besucht, und offensichtlich zur Freude der Hörer.
Mit dem Veranstalter habe ich gleich den nächsten Termin ausgeheckt:

Dienstag, 5. Juni 2018
19.30-20.30 Uhr
Buchvorstellung: Die Befreier – Geschichten von Verwandten, Nachbarn und anderen Dämonen
Arche Potsdam
Am Bassin 2
14467 Potsdam (schräg gegenüber von St. Peter und Paul)

– und der übernächste Termin muss noch festgelegt werden, aber daß es um den Kirchenlehrer Augustinus gehen wird, ist schon klar.

Auf die Veranstaltungen in der Arche Potsdam folgt regelmäßig ein Lokalbesuch. Der zog sich gestern ziemlich hin – und nun komme ich zu einem großen Vorzug Berlins: Wer morgens verschläft und abends einen wichtigen Termin hat, kann trotzdem zur Messe gehen, nämlich um 13.00 Uhr in St. Clemens, mit den Öffentlichen leicht erreichbar. Ich fühle mich wirklich privilegiert.

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Namenstag des Papstes

Und natürlich auch sämtlicher Francisci, Fränze, Francesci, François, Ferenc und wie sie alle heißen mögen. Gottes Segen ihnen allen!

Francesco

Herr Bernardone stellt den Sohn zur Rede
vor einer prominenten Gaffermenge,
mit Zorn, Besitzerstolz und Vaterstrenge,
voll ungestandner Angst vor einer Fehde.

„Von mir bekamst du alles!“ „Alle Zwänge.“
Der Sohn entkleidet sich ganz ruhig, jedwede
der Gaben zieht er aus, legt eine jede
zu Boden, steht befreit von seidner Enge.

Entblößt von allem Mächtigen und Kalten,
spürt auf der Haut er sommerliches Wehen
und will durch die erstarrte Menge gehen.

Da fühlt er sich vom Bischof festgehalten –
der ihn, von Ehrfurcht und von Scham erfüllt,
in seiner Capa Purpurseide hüllt.

aus: Lass mich bekennen Deine Mandelblüte, tredition 2015

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Schutzengelfest

Der „Engelmonat“ September ist vergangen, und nun feiert die Kirche schon wieder ein engelhaftes Fest. Eine Erfahrung mit einem Schutzengel habe ich in ein Sonett gefasst.

Mein Schutzengel

Vor meinem Fahrrad flog ein Engel her,
So flink und wendig wie Artisten sind,
So sanft und streichelnd wie der Sommerwind,
Wie Möbelpacker muskulös und schwer.

Er warf sich vor mich, als der Anfall kam.
Ich habe keinen Kratzer weggesteckt,
Kein Stäubchen hat mir meinen Rock befleckt,
Obwohl der Sturz mir die Besinnung nahm.

Er machte den Asphalt zu Eiderdaunen.
Ich wachte in der Klinik auf mit Staunen,
Ein wenig wirr, doch gänzlich unverletzt.

Ich danke Gott und Seinem starken Engel,
Der mich bewahrt in dem Verkehrsgedrängel
Und einst mich heimführt – aber noch nicht jetzt.

aus: Lass mich bekennen Deine Mandelblüte, tredition 2015

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Frau Bundschuh-Schramm, die Bibel und die Armen

Das Sonntagsevangelium (Mt. 21,28-31) ist eigentlich gar nicht so schwer verständlich.

In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes:
„Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: „Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg!“
Er antwortete: „Ja, Herr!“, ging aber nicht.
Da wandte er sich an den zweiten Sohn und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: „Ich will nicht.“ Später aber reute es ihn, und er ging doch.
Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt?“ Sie antworteten: „Der zweite.“
Da sagte Jesus zu ihnen: „Amen, das sage Ich euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen, und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.“

Auf der Facebook-Seite des Bistums Rottenburg-Stuttgart gibt Frau Bundschuh-Schramm folgendes zum Besten:

„Die Dirnen und die Zöllner gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.“
Leider ist das Reich Gottes nicht gekommen. Und die Dirnen und Zöllner, die Arbeitslosen und die Ausgegrenzten, die Benachteiligten oder die, die sich benachteiligt fühlen, haben stattdessen die AfD gewählt.
Schock! Aufschrei!
Aber das Evangelium spricht gar nicht zu den Zöllnern und Dirnen, sondern zu den anderen. Zu den Privilegierten, zu den Etablierten. Zum Beispiel zu mir. Die haben, so heißt es im Evangelium, den Weg der Gerechtigkeit zu wenig beschritten. Sie haben vieles deutlich gesehen, aber zu wenig gehandelt. Und jetzt beschweren sie sich, daß sie von den anderen die Quittung kriegen. Aber das Gleichnis im Evangelium, die Geschichte vom Vater, der seine beiden Kinder um einen Gefallen bittet, diese Geschichte sagt aus: Der Sohn, der zuerst nicht handeln wollte, kann es immer noch tun. Auch nach der Wahl.“

Wäre Frau Bundschuh-Schramm Verkäuferin oder Klempnerin oder Sportlehrerin (nichts gegen diese Berufe!) und hätte das auf ihrem privaten Internetauftritt gesagt, so hätte ich ihr vielleicht in einer Privatnachricht freundlich erklärt, was daran falsch ist. Aber Christiane Bundschuh-Schramm ist Doktorin der katholischen Theologie und Pastoralreferentin sowie nach eigener Aussage „Referentin für Spirituelle Bildung“. Damit ist sie verpflichtet, zu wissen, daß ihre auf einer Diözesanseite gemachte Aussage in fast jeder Hinsicht falsch ist.

„Leider ist das Reich Gottes nicht gekommen.“
Doch, ist es. „Als Jesus von den Pharisäern gefragt wurde, wann das Reich Gottes komme, antwortete Er: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren Zeichen erkennen könnte. Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es!, oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ (Lk. 17,20-21)

Pharisäer hören das Gleichnis von den zwei Brüdern und die Antwort auf die Frage nach dem Kommen des Gottesreiches. Beide Male können wir davon ausgehen, daß Sein Wort zumindest oberflächlich verstanden wird.

„Und die Dirnen und Zöllner, die Arbeitslosen und die Ausgegrenzten, die Benachteiligten oder die, die sich benachteiligt fühlen, haben stattdessen die AfD gewählt.“
Zunächst: Dirnen waren zwar ausgegrenzt und meistens wohl auch arm (allerdings dürfte es sich bei der in Lk. 7,36-50 genannten Sünderin um eine sehr wohlhabende Prostituierte handeln). Zöllner waren gerade deshalb so unbeliebt, weil sie reich waren – reich geworden durch Kollaboration mit der Besatzungsmacht und durch Korruption. Benachteiligt waren ihnen gegenüber die Pharisäer.
Sodann behauptet Frau Bundschuh-Schramm pauschal, die Benachteiligten, die Arbeitslosen zumal, hätten die AfD gewählt.
Ich war lange Zeit arbeitslos, und ich bin jetzt als freischaffende Autorin alles andere als wohlhabend. Die gesellschaftliche Auffassung der AfD liegt mir jedoch fern. Ich wähle so etwas nicht. Viele meiner Freunde und Bekannten sind finanziell in beklemmend schwieriger Situation. Soweit ich weiß, hat keiner von ihnen AfD gewählt (die meisten von ihnen haben sich mehrmals sehr heftig gegen diese Partei ausgesprochen).

„Schock! Aufschrei!“ Ja, Frau Bundschuh-Schramm, aber aus einem anderen Grund als Sie meinen. Zum Schreien schockierend ist, daß eine Doktorin der Theologie diesen Schmarrn von sich gibt.

„Aber das Evangelium spricht gar nicht zu den Zöllnern und Dirnen, sondern zu den anderen. Zu den Privilegierten, zu den Etablierten. Zum Beispiel zu mir.“ Natürlich spricht das Evangelium an jeder Stelle zu allen, aber in der Tat wendet Jesus sich hier zuerst an die Pharisäer. Also an Leute, die gegenüber den Dirnen in der Regel privilegiert sind, gegenüber den Zöllnern aber nicht. Es geht nämlich gerade nicht um Geld, sondern um den rechten Glauben. Und den findet der Herr bei dem Zöllner im Tempel (Lk. 18,9-14) und bei der bereits erwähnten Sünderin (Lk. 7,36-50), die Ihm die Füße salbte.
Natürlich spricht das Evangelium auch zu Frau Bundschuh-Schramm, aber eben nicht, weil sie ein regelmäßiges Einkommen hat (verglichen mit dem eines spätantiken Zöllners dürfte das ihre eher mager sein), sondern weil es sich an die Selbstgerechten wendet.
Was übrigens die Bibelkenntnis angeht, fühle ich mich Frau Bundschuh-Schramm gegenüber durchaus privilegiert – und weiß, daß das Evangelium auch mich angeht.

„Die haben, so heißt es im Evangelium, den Weg der Gerechtigkeit zu wenig beschritten. Sie haben vieles deutlich gesehen, aber zu wenig gehandelt.“

Hier scheint mir Frau Bundschuh-Schramm nicht mehr ganz zu glauben, daß sie selbst gemeint ist. Ist sie aber! Fangen wir mit dem einfachsten Stückchen Gerechtigkeit an – nichts über andere behaupten, was nicht stimmt. Zum Beispiel, daß sie alle AfD wählen.

„Und jetzt beschweren sie sich, daß sie von den anderen die Quittung kriegen.“
Wenn man logisch denken kann, wird man es selten als „Quittung“ für eigenes Fehlverhalten empfinden, daß andere Menschen anders wählen als man selbst. Ich finde das Wahlergebnis sehr bedauerlich und auch beängstigend, aber als Quittung für irgendetwas, was ich getan oder gelassen habe, kann ich es nicht ansehen. Ich bin sicher an vielem schuld, aber nicht an allem.

„Aber das Gleichnis im Evangelium, die Geschichte vom Vater, der seine beiden Kinder um einen Gefallen bittet, diese Geschichte sagt aus: Der Sohn, der zuerst nicht handeln wollte, kann es immer noch tun. Auch nach der Wahl.“ Nein, das sagt es nicht. Sondern es sagt: Taten sind wichtiger als Worte. Ein böses oder unachtsames Wort kann durch eine gute Tat vollkommen wieder gutgemacht werden. Ein Versprechen geben und nicht halten ist schlimmer als eine Bitte ablehnen und am Ende doch erfüllen.

Mit der Wahl hat das nichts zu tun, gleich wie bedauerlich deren Ergebnis sein mag. Nicht einmal mit der Berufswahl hat es zu tun. Obwohl ein Gleichnis von zwei Töchtern, die beide Theologie studierten, die eine bis zum Abschluß und die andere nicht, und die eine schrieb dann häretischen Unfug und die andere stellte es richtig, – also, obwohl so ein Gleichnis auch denkbar wäre.

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Was am Katholizismus so klasse ist: Die Inkulturation!

Katholische Weite ist keineswegs beliebig. Der Rahmen der Heiligen Schrift und der kirchlichen Lehre und Tradition darf nicht verbogen oder zerbrochen werden. Aber in diesem Rahmen läßt die Kirche eine üppige Vielfalt zu.

Jeder Kulturkreis hat seinen eigenen Stil. Musik, Dichtung, bildende Kunst, Kleidung prägen die Kirche in verschiedenen Ländern auf verschiedene Weise, aber es ist doch überall die eine, heilige, katholische Kirche. Darüberhinaus sind zahlreiche Bräuche aus verschiedenen Kulturen vom Christentum wohlwollend übernommen worden. Bräuche können dann übernommen werden, wenn sie nicht unlösbar mit Aberglauben verbunden sind. In der Liturgiekonstution des Zweiten Vatikanischen Konzils heißt es:

37. In den Dingen, die den Glauben oder das Allgemeinwohl nicht betreffen, wünscht die Kirche nicht eine starre Einheitlichkeit der Form zur Pflicht zu machen, nicht einmal in ihrem Gottesdienst; im Gegenteil pflegt und fördert sie das glanzvolle geistige Erbe der verschiedenen Stämme und Völker; was im Brauchtum der Völker nicht unlöslich mit Aberglauben und Irrtum verflochten ist, das wägt sie wohlwollend ab, und wenn sie kann, sucht sie es voll und ganz zu erhalten. Ja, zuweilen gewährt sie ihm Einlaß in die Liturgie selbst, sofern es grundsätzlich mit dem wahren und echten Geist der Liturgie vereinbar ist.

38. Unter Wahrung der Einheit des römischen Ritus im wesentlichen ist berechtigter Vielfalt und Anpassung an die verschiedenen Gemeinschaften, Gegenden und Völker, besonders in den Missionen, Raum zu belassen, auch bei der Revision der liturgischen Bücher. Dieser Grundsatz soll entsprechend beachtet werden, wenn die Gestalt der Riten und ihre Rubriken festgelegt werden.

39. Innerhalb der Grenzen, die in der „editio typica“ der liturgischen Bücher bestimmt werden, wird es Sache der für ein Gebiet im Sinne von Art. 22 § 2 zuständigen kirchlichen Autorität sein, Anpassungen festzulegen, besonders hinsichtlich der Sakramentenspendung, der Sakramentalien, der Prozessionen, der liturgischen Sprache, der Kirchenmusik und der sakralen Kunst, jedoch gemäß den Grundregeln, die in dieser Konstitution enthalten sind.

40. Da jedoch an verschiedenen Orten und unter verschiedenen Verhältnissen eine tiefer greifende und deswegen schwierigere Anpassung der Liturgie dringlich ist, soll beachtet werden:

1) Die für die einzelnen Gebiete im Sinne von Art. 22 § 2 zuständige kirchliche Autorität möge sorgfältig und klug erwägen, welche Elemente aus Überlieferung und geistiger Anlage der einzelnen Völker geeignet sind, zur Liturgie zugelassen zu werden. Anpassungen, die für nützlich oder notwendig gehalten werden, sollen dem Apostolischen Stuhl vorgelegt und dann mit dessen Einverständnis eingeführt werden.

2) Damit die Anpassung aber mit der nötigen Umsicht geschehe, wird der kirchlichen Autorität des betreffenden Gebietes vom Apostolischen Stuhl die Vollmacht erteilt werden, gegebenenfalls in gewissen dazu geeigneten Gemeinschaften für bestimmte Zeit die notwendigen Vorversuche zu gestatten und zu leiten.

3) Weil vor allem in den Missionsländern die Anpassung liturgischer Gesetze besondere Schwierigkeiten mit sich zu bringen pflegt, sollen bereits bei der Abfassung der Gesetze Sachverständige aus dem betreffenden Fachgebiet herangezogen werden.

In Deutschland – unter Kampfatheisten ebenso wie unter überzeugten Katholiken –
gibt es eine Tendenz, „Kirche“ mit „alpenländische Kirche des späten 19. Jahrhunderts“ gleichzusetzen. Das verengt die Kirche auf eine einzige folkloristische Äußerlichkeit. Es handelt sich aber um die Weltkirche! Lederhosen, Dirndl und Terzenseligkeit sind lt. Liturgiekonstitution 37-40 erlaubt – nicht mehr und nicht weniger. Genau wie afrikanische und lateinamerikanische Rhythmen, indische traditionelle Gewänder.

Bei der Chinamission kam es zu Problemen: Ist der chinesische Ahnenkult nun mit dem Christentum vereinbar oder nicht? Jesuitische Missionare erforschten ihn und sahen ihn vor allem als gesellschaftliches und ethisches Phänomen; Dominikaner und Franziskaner lehnten ihn als Aberglauben ab. Afrikanische Ahnenkulte lehnte die Kirche von vornherein ab. Hier ist genaue Erforschung des Wesens von Traditionen notwendig – wie unter LitKonst 40.3 gesagt.

Das Dach der katholischen Kirche ist so groß wie die Welt. Solange man die tragenden Säulen nicht beschädigt, kann man darunter eine ganze Menge verschiedener Zimmer einrichten. Man sollte sich dabei klarmachen, daß das Zimmer für die alpenländischen Tradis sehr hübsch ist, aber auch sehr klein.

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Hieronymus

Heute feiert die Kirche einen Kirchenvater und Patron der Übersetzer.
Bald werde ich ihn mit einem Vortrag vorstellen:

Dienstag, 10. Oktober
19.30-20.30 Uhr
Kirchenlehrer Hieronymus
Arche Potsdam
Am Bassin 2
14467 Potsdam (schräg gegenüber von St. Peter und Paul)

In der Zwischenzeit bitte ich, besonders freundlich zu Löwen zu sein.

Hieronymus

Fra Filippo Lippi: Hieronymus und der Löwe

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