In jeder Messfeier geschieht durch das Gebet des Priesters die Wandlung von Brot und Wein zu Fleisch und Blut Christi. Das bedeutet keine Veränderung der chemischen Zusammensetzung oder des Aussehens oder des Geschmacks. Es ist ein Mysterium, und es ist Glaubensinhalt der Kirche. Christus ist anwesend, nicht irgendwo in der Hostie oder dem Wein, sondern als gewandelte Hostie, als gewandelter Wein.
Jesus feierte mit den Aposteln den Sederabend. Bei Markus 14,22-24 heißt es:
Während des Mahls nahm Er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach Er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist Mein Leib. Dann nahm Er den Kelch, sprach das Dankgebet, gab ihn den Jüngern und sie tranken alle daraus. Und Er sagte zu ihnen: Das ist Mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.
Auch Matthäus und Lukas beschreiben diese Szene. Die Kirche lehrt die wesenhafte Wandlung von Brot und Wein zu Fleisch und Blut Jesu durch die Einsetzungsworte im Hochgebet des Priesters. Deshalb kann man nicht zu viel (und kaum genug) Ehrfurcht gegenüber der Eucharistie haben.
Das II. Vatikanische Konzil hat den Empfang der Kommunion auf der Hand erlaubt. Ich habe die Eucharistie fast immer so empfangen. Tatsächlich habe ich mit dem Empfang auf der Zunge meine Probleme, die sind aber nicht unüberwindlich. Einige Erlebnisse der letzten Zeit lassen mich überlegen, vermehrt zur Mundkommunion überzugehen – nicht weil ich sie „richtiger“ finde, sondern weil sie gegenüber anderen Gläubigen „unmissverständlich“ ist.
Freitags gibt es in meiner Heimatgemeinde die Kommunion unter beiderlei Gestalt. Man steht erst für die Hostie an und dann für einen Schluck aus dem Kelch. Ich finde, das ist ein schönes Zeichen, es macht die Kommunion zwar nicht wertvoller. (Jeder Krümel und jeder Tropfen ist der ganze Herr, der sich hier einverleiben lässt, sich uns ausliefert als Nahrung.) Aber wir können die Eucharistie besser als ein himmlisches Fest begreifen, wenn wir auch das Blut Christi bekommen. (Es sieht aus und schmeckt wie Wein. Aber es ist nicht Wein.) Deshalb bin ich froh, wenn die Kommunion unter beiderlei Gestalt gereicht wird. Aber da gibt es einen Haken.
Das Eintauchen der Hostie in den Wein ist nur Priestern und Diakonen erlaubt. Laien dürfen das nicht. Und wenn ich (immer mal wieder) sehe, wie Gläubige die Hostie eintunken und dann ein bißchen abschütteln, verstehe ich gut, warum. Selbst wenn meistens hoffentlich kein Tropfen auf dem Boden landet, sondern jeder Tropfen wieder im Kelch, ist die bloße Gefahr viel zu groß, Christi Blut zu verschütten. Sollte der Gläubige Angst vor Infektion haben, muss er auf das Blut Christi eben verzichten. Er hat ja mit dem Leib Christi die vollgültige Kommunion empfangen.
Kürzlich stand ich zur Kommunion an und eine Frau kam von derselben – mit dem Leib des Herrn in der Hand. Mit der anderen Hand klopfte sie mir auf die Schulter und wollte einen Plausch anfangen, während ich noch mitten in der Kirche stand. Ich war so entsetzt, daß ich leider nicht besonders freundlich reagierte. Ich zeigte auf den Leib des Herrn und zischte „Sumieren! Los!“ – normalerweise nicht mein Tonfall, aber es wirkte, sie steckte sich die Hostie in den Mund und ging auf ihren Platz. Ich wollte sie nach der Messe noch ansprechen und um Entschuldigung für meinen harten Tonfall bitten – und ihr gleichzeitig erklären, warum ich so schockiert war. Aber ich sah sie leider nicht mehr.
Nur etwa eine Woche später sah ich, als ich in die leere Kirche zur stillen Anbetung kam, auf einer der hinteren Bänke eine Hostie liegen. Sie hatte wohl schon auf dem Boden gelegen, jedenfalls war sie nicht völlig sauber. Ich kniete mich dorthin und überlegte betend eine Weile, was zu tun sei. Natürlich konnte ich nicht wissen, ob es eine geweihte Hostie – also der Herr – war, oder eine ungeweihte Oblate, die man leicht hätte entsorgen können. Weil ich es nicht wissen konnte, weil es eben möglich war, daß ich den Herrn vor mir hatte, aß ich die Hostie.
Ich schildere hier, was ich innerhalb der letzten drei Wochen in einer keineswegs durch besondere Frevelhaftigkeit auffallenden Gemeinde erlebt habe. Das lässt mich vermuten, daß solche Dinge in vielen Gemeinden wöchentlich geschehen. Und das lässt mich schaudern.
Ich vermute in keinem Fall bösen Willen. Ich schließe vielmehr darauf, daß viele Menschen zur Kommunion gehen, die nicht wissen, was die Kommunion ist. Sie haben vielleicht mal Latein gelernt und wissen, daß communio Gemeinschaft bedeutet. Sie wissen, daß der gemeinsame Empfang von Brot (und eventuell auch Wein) irgendwie schön und sinnstiftend ist. Aber sie wissen nicht, oder sie wollen nicht wissen, daß sie gar nicht Brot und Wein empfangen, sondern den Herrn. Oder vielleicht wissen sie es sogar und meinen, Er wird das so eng nicht sehen. Das fände ich noch schlimmer.


