Wasser im Badezimmer

Der Klempner ist abgezogen. Waschbecken und Dusche in meinem Badezimmer dürfen wieder benutzt werden. Nach zweieinhalb Wochen!

Passiert war, daß am 20. Dezember ein von mir unbemerkter Rohrbruch die frisch renovierte Wohnung unter mir unter Wasser setzte. Diagnostiziert wurde der Schaden gleich am nächsten Tag von einem Klempner, und ich durfte einerseits aufatmen (Versicherungsschaden) und musste andererseit für eine Weile mit der Spüle in der Küche vorlieb nehmen.

Man verdreckt nicht, wenn man keine Dusche hat. Man kann sich behelfen mit der Spüle. Viele mir bekannte Menschen haben lange Zeit ihres Lebens gar nichts anderes gehabt und waren auch immer reinlich.

Sehr viele Menschen können sich nicht so einfach behelfen, sondern haben keinen Zugang zu sauberem Wasser oder müssen weite Wege zum Brunnen auf sich nehmen. Das ist mir alles bekannt – ich weiß, daß „zweieinhalb Wochen keine Dusche haben“ ein Luxusproblem ist. Aber ich merke auch, daß dies Luxusproblem für mich wirklich, wirklich unangenehm war. Ich bin es gewohnt, in meiner Wohnung fließendes Wasser zu haben, und zwar genau da und genau dann, wo und wann ich es will.

Nun war diese luxuriöse Gewohnheit zweieinhalb Wochen gestört, und rückblickend bin ich dankbar dafür. Natürlich bin ich überhaupt nicht dankbar dafür, daß eine umständliche Renovierung auf meine Nachbarin zukommt! Das tut mir wirklich Leid, auch wenn es nicht meine Schuld ist. Aber daß ich einfach mal erleben durfte, wie es ist, sich eine Weile in einer hierzulande „normalen“ Sache einschränken zu müssen – das ist gut.

Dennoch, lieber Gott – nochmal muss das nicht sein.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
Dieser Beitrag wurde unter WELTLICHES abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.