Sie pries Gott und sprach über das Kind

Heute feiert die Kirche Darstellung des Herrn.

Mit welchen Worten die greise Hanna Gott gepriesen und über das Kind gesprochen hat, als sie den kleinen Jesus sah, ist nicht überliefert. Aber ich kann mir vorstellen, daß es etwa so gewesen ist:

Hannas Lied
Melodie: Den Herren will ich loben (GL 395)

Der Ewge sei gepriesen,
Der Israel erhält!
Den die Propheten wiesen,
Als Kind kam Er zur Welt!
Er wird den Feind bezwingen,
Er baut den Tempel neu,
Er wird uns Frieden bringen,
Und Heiden werden treu.

Er wird wie David walten
Als einzig guter Hirt,
Das Land auf ewig halten,
Uns nähren wie ein Wirt.
Und ewig wird bestehen
Des Herren Heiligtum!
Die Völker werden sehen:
Dies Land ist Gottes Ruhm.

Er wird die Welt bekehren,
Damit sie Gott erkennt,
Er wird die Liebe lehren,
Die Gott den Vater nennt,
Wird alle Schulden zahlen
Und heilen, was versehrt.
Dann wird die Welt erstrahlen,
Dann wird der Herr verehrt.

© Claudia Sperlich

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Ein Sonett für katholisch.de und ZdK

Motto:
Katholisch-dé und ZettDeKa:
Mir spinnefeind, einander nah!
Die einen überbieten gern die andern
Darin, den Glauben flott zu unterwandern;
Dazu wird eins vom andern unterboten,
Den letzten Tunnel gründlich auszuloten.

*

Vertreten wollt Ihr mich und meinen Glauben?
Behauptet gar, Ihr sprecht in meinem Namen?
Ich hab Euch nicht bestellt, Ihr Herrn und Damen,
Und lass von Euch mir nicht die Sprache rauben.

Ich will nicht Euer weichgespültes Amen,
Das sucht die Weisheit auswärts abzustauben.
Ihr Füchse stehlt dem Gottesvolk die Trauben
Und streut im Weinberg aus den bösen Samen!

Katholisch-dé und ZdK erfrechen
Sich viel, doch ich kann selber für mich sprechen
Und lasse mich vom Komitee in Rom vertreten.

Für jene Ketzertempel kann ich beten,
Doch werde ich nicht meinen Herrn verraten.
Gebt Ruh, Ihr beiden – oder lasst Euch braten.

© Claudia Sperlich

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Unsere moderne Stadtteilbibliothek

Schön ist sie, die Ingeborg-Drewitz-Bibliothek in Berlin-Steglitz! Kein Zweifel. Ich bin in der Regel sehr gern dort.

Man kann dort auch Ausdrucke machen. Also ging ich mit meinem Stick, darauf mehrere wichtige Dokumente, die teils abzuschicken, teils vorzuweisen sind, in die Bibliothek und dachte, es wäre alles wie immer. Das heißt: Stick einstecken, Dokument aufrufen, Druck befehlen, und dann springt der Drucker an dort, wo die Angestellten auch Ausweise verlängern, Mahngebühren entgegennehmen und Fragen beantworten, und dort werden die Ausdrucke auch bezahlt.

Ungewohnt war diesmal, daß ich eine Codenummer für meine Dokumente eingeben sollte, die ich selber zu erdenken hatte. Ich tat es und ging an den Schalter – und erfuhr dort, der Drucker stehe bei den Computern. Tatsächlich, da steht er, kopieren kann er auch. Man muss ihn mit Geld füttern, dann – ja, dann… also dann muss man erst einmal sehr lange überlegen, was er nun eigentlich noch will. Siehe da, wenn man den richtigen Knopf findet, zeigt er eine Liste mit allen derzeit laufenden Druckaufträgen, wobei jeder die Nummer eines Computers trägt. Also geschwind nachgucken: Welche Nummer hatte denn der Computer, an dem ich eben war? K1. Also aktiviere ich das Kästchen K1. Geschwind werden fast alle Seiten meines Auftrags gedruckt, ich überprüfe genau: fast alle, ein wichtiger Brief fehlt. Ich werfe Geld nach, und es passiert nichts. Ich versuche, das Kästchen K1 nochmals zu aktivieren, da verschwindet es. Vom Computer K2 (K2, so heißt auch einer der aus bergsteigerischer Sicht schwierigsten Berge, ein Filmtitel ist es auch) versuche ich noch einmal den Ausdruck dieses Briefes, aber der Drucker weigert sich, K2 anzuerkennen. Nun versucht eine andere Frau gemeinsam mit einem hilfreichen Mann, deren Druckauftrag zu aktivieren. Sie hat keine Codenummer eingegeben (irgendwie geht es also auch ohne), aber nun besteht der Drucker auf der Codenummer, die es nicht gibt. Zusammen haben wir ein halbes Theologie- und ein abgeschlossenes Kunststudium, aber das genügt nicht, ich frage noch mal eine Mitarbeiterin. Die kommt auch, und irgendwie gelingt der Frau mit dem Kunststudium ihr Ausdruck, aber keiner kann erklären, warum. Mein Druckauftrag K1 ist nun wieder da, aber als ich es aktivieren will, erscheint eine Schrift des Inhalts, daß es diesen Druckauftrag nicht gibt. Zugleich erscheint aber auch Kästchen K2, und damit gelingt der Ausdruck nun wirklich.

Ich habe für etwa zwanzig Kopien über eine halbe Stunde gebraucht. „Kennen Sie noch diese Vervielfältiger aus der Schule, mit ’ner Kurbel, und die letzten Kopien waren immer ganz blass?“ Der alte Mann nickt. „Die will ich wieder“, sage ich. Er glaubt mir nicht recht. Aber in diesem Moment will ich wieder das billige gelbliche Papier, schwarzblau und undeutlich bedruckt, aber man schaffte die Abzüge für die ganze Klasse in zehn Minuten.

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Ehrenamt und Ehrung der Ehrenamtlichen – Gloria in terrenis laico?

Heute fand in unserer Gemeinde der Neujahrsempfang für die Ehrenamtlichen statt. Der Pfarrer hielt eine kurze, erfrischende Rede, es gab Wein, Wasser und Brezeln, und der Pfarrsaal war voll – eine gute Voraussetzung für ein nettes Beisammensein. Es gab, wie üblich, für jeden Ehrenamtlichen ein Geschenk: Ein Lichtbogen-Feuerzeug, das ohne offene Flamme funktioniert und über USB-Kabel aufgeladen werden kann – das ganze mit Logo und Schriftzug der Gemeinde. (Es ist wirklich praktisch, ich habe es zu Hause gleich ausprobiert.)

feueranzünder

Das ist alles sehr schön. Daß ich große Menschenmengen nicht gut ertrage und mich nach einer knappen Stunde davonmachte, ist ja niemandes Schuld.

Aber was ist eigentlich ein „Ehrenamt“?

Wir hörten in der Messe heute eine sehr passende zweite Lesung. Paulus schreibt in 1 Kor. 12,12-31a:

Wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: so ist es auch mit Christus. Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt. Auch der Leib besteht nicht nur aus einem Glied, sondern aus vielen Gliedern. Wenn der Fuß sagt: Ich bin keine Hand, ich gehöre nicht zum Leib!, so gehört er doch zum Leib. Und wenn das Ohr sagt: Ich bin kein Auge, ich gehöre nicht zum Leib!, so gehört es doch zum Leib. Wenn der ganze Leib nur Auge wäre, wo bliebe dann das Gehör? Wenn er nur Gehör wäre, wo bliebe dann der Geruchssinn?
Nun aber hat Gott jedes einzelne Glied so in den Leib eingefügt, wie es seiner Absicht entsprach.
Wären alle zusammen nur ein Glied, wo bliebe dann der Leib? So aber gibt es viele Glieder und doch nur einen Leib. Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich bin nicht auf dich angewiesen. Der Kopf kann nicht zu den Füßen sagen: Ich brauche euch nicht. Im Gegenteil, gerade die schwächer scheinenden Glieder des Leibes sind unentbehrlich. Denen, die wir für weniger edel ansehen, erweisen wir umso mehr Ehre, und unseren weniger anständigen Gliedern begegnen wir mit mehr Anstand, während die anständigen das nicht nötig haben. Gott aber hat den Leib so zusammengefügt, dass er dem geringsten Glied mehr Ehre zukommen ließ, damit im Leib kein Zwiespalt entstehe, sondern alle Glieder einträchtig füreinander sorgen. Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle anderen mit ihm. Ihr aber seid der Leib Christi, und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm.
So hat Gott in der Kirche die einen als Apostel eingesetzt, die andern als Propheten, die Dritten als Lehrer; ferner verlieh er die Kraft, Wunder zu tun, sodann die Gaben, Krankheiten zu heilen, zu helfen, zu leiten, endlich die verschiedenen Arten von Zungenrede. Sind etwa alle Apostel, alle Propheten, alle Lehrer? Haben alle die Kraft, Wunder zu tun? Besitzen alle die Gabe, Krankheiten zu heilen? Reden alle in Zungen? Können alle solches Reden auslegen?
Strebt aber nach den höheren Gnadengaben!

Auch damals in Korinth scheint es eitle Zwistigkeiten gegeben zu haben in der Art „Mein Ehrenamt ist besser als deines“. Das war damals so falsch wie heute, und ich stelle mir vor, Paulus hat genervt überlegt, wie er es diesem Kirchenvölkchen wirklich ganz, ganz klar machen kann.

Das Wort „Ehrenamt“ bedeutet, daß es dem Ausübenden zur Ehre gereicht. Das ist aus christlicher Sicht nicht völlig falsch. Die Leute in der Suppenküche geben den Hungrigen Essen, und da wir angehalten sind, Jesus im leidenden Nächsten zu sehen, geben sie Ihm zu essen. Die Lektoren verkünden das Wort Gottes, sie leihen also Ihm ihre Stimme. Wer die Kirche putzt und mit Blumen schmückt, putzt und schmückt gewissermaßen das Wohnzimmer Jesu. Das alles kann man als hohe Ehre verstehen für den, der es tut. Aber mir gefällt der Gedanke viel besser, daß ich eine Aufgabe habe, um zu ehren – um Gott zu ehren, nicht um selbst geehrt zu werden. Zu leicht verstehen wir sonst den Begriff als „Ehre dem Kirchenvolk auf Erden“.

Mehr noch stört mich am Begriff „Ehrenamt“, daß dadurch bestimmte Aufgaben herausgehoben und institutionalisiert werden. Menschen mit anderen, nicht weniger wichtigen Aufgaben und Charismen – vorzugsweise solchen, die sich der Institutionalisierung entziehen und zugleich lebenswichtig für die Kirche sind – haben keine Ehrenämter, werden nicht eingeladen und gefeiert und bekommen kein Geschenk. Als ich ging, traf ich vor der Tür, am Schaukasten der Kirche, eine alte Frau, die gar kein Ehrenamt hat. Sie kommt zu fast jeder Messe in St. Marien, und fast immer zum gemeinsamen Rosenkranz am Samstagabend. Als Vorbeterin des Rosenkranzes weiß ich, wie wichtig das ist, gerade weil so wenige kommen. Die Frau ist einfach da, sie macht mit, sie hat nichts als sich selbst und ihren Glauben, aber den bringt sie mit großer Regelmäßigkeit ein. Sie betet. Wie viele Leute in unserer Großgemeinde regelmäßig da sind und beten, sonst aber kein Amt haben, weiß ich nicht – es muss aber eine ganze Menge sein. Sicher ist, daß die Gemeinde ohne diese fleißigen Beter nicht bestünde.

Jeder sollte einfach für die Kirche tun, was er kann – dann wäre Ehrenamt nicht so etwas Besonderes. Mein Traum von Kirche beinhaltet, daß alle irgendwie beitragen, jeder mit seinen Gaben, daß dies gemeinsame Tun nicht Ehrenamt heißt, sondern einfach getan wird, und daß die ganze Gemeinde sich einmal im Jahr trifft, um Gott und einander zu danken und zu feiern – im Prinzip so, wie jetzt, nur eben ohne diesen Nimbus des Ehrenamtlichen. Wenn jeder – vom stillen regelmäßigen Beter bis hinab zum Diplomtheologen – das Seine gibt, kann die christliche Gemeinde bestehen. Sonst droht sie zum Verein zu werden, in dem neben allen möglichen Aktivitäten eben auch mal gebetet wird.

Angenommen, es hieße an einem Sonntag im Januar: Nach der Messe laden wir zu einem Empfang ein, um für die Charismen der Gemeinde zu danken und einander zu begegnen. Alle Gemeindemitglieder sind herzlich eingeladen!

Vielleicht würde der Pfarrsaal dann sehr voll. Vielleicht müssten wir mit einer geringeren Pro-Kopf-Menge Wein und Brezeln auskommen. Vielleicht würde die Gemeindekasse als Geschenk für jeden nur ein Blümchen hergeben. Wäre das schlimm? Ich meine nicht!

Aber bestimmt müsste man noch oft erklären, daß wirklich alle eingeladen sind, und daß die Treue zur Kirche, die Freude an Andachten, Rosenkranzgebet und so weiter eben auch ein Charisma ist, nicht weniger als Kuchen backen oder Lieder dichten.

Christus ist Licht für alle, nicht Spotlight für die Umtriebigen. Alle Christen sind aufgefordert, selbst Licht zu sein und Licht weiterzutragen. Uns anerkannten und gefeierten „Ehrenamtlichen“ täte es gut, unsere Arbeit als Normalfall anzusehen – jeder macht halt Licht, so gut er kann. Und sollte jemand glauben, die Frau, die durch nichts anderes auffällt als dadurch, daß sie seit einem halben Jahrhundert regelmäßig den Rosenkranz betet, sei im paulinischen Bild höchstens ein kleiner Finger, so möge er bedenken: Ein gebrochener kleiner Finger tut dem ganzen Menschen sehr weh. Ein amputierter kleiner Finger fehlt dem ganzen Menschen. Und vielleicht ist die Alte ja auch kein Kleinfinger, sondern eine Herzklappe, zuständig dafür, daß die ganze Gemeinde mit solider Frömmigkeit grundversorgt bleibt. Hätte sie nicht auch eine Brezel und ein Glas Wein verdient?

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New York und die Kinder

Gov. Andrew Cuomo hat in New York einen Gesetzesentwurf beschlossen, nach dem Abtreibung bis zur 24. Woche ohne Weiteres möglich ist und danach bis zum Geburtstermin in Fällen, in denen das Kind als nicht lebensfähig erachtet wird oder das Leben der Mutter durch die Schwangerschaft in Gefahr ist. Er hofft, daß schon im nächsten Jahr darüber abgestimmt wird. Auch will er, daß Abtreibung künftig nicht mehr Sache des Strafgesetzes ist, sondern der Gesundheitsfürsorge.

Ein in der 24. Woche geborenes Kind hat eine Überlebenschance. Das bedeutet: Wenn ein Fortbestehen der Schwangerschaft für die Mutter nach ärztlicher Maßgabe eine eindeutige Lebensgefahr darstellt, könnte man das Kind holen und wenigstens versuchen, es im Brutkasten aufzupäppeln. Man würde natürlich zuerst alles tun, das Kind so lange wie möglich im Mutterleib zu lassen und der Mutter alle erdenkliche medizinische und seelische Hilfe zu geben.

Wenn das Kind nach ärztlichem Ermessen nicht lebensfähig ist, darf man es dennoch nicht töten. Menschen töten, weil sie eh bald sterben werden, ist erkennbar falsch. Abgesehen davon hat es schon mehr als einen Fall gegeben, in dem ein nach ärztlicher Maßgabe nicht lebensfähiges Kind sehr wohl überlebte. Es ist aber auch bei eindeutigen Diagnosen (wie Mikrozephalie) ein schweres Unrecht, Menschen zu töten. Warum soll man einem Kind, von dem sicher ist, daß es kurz nach der Geburt sterben wird, nicht die volle Zeit im Mutterleib gönnen?

Ja, aber die Mutter! Die arme Frau, die ihr Kind austrägt, nur um es dann zu verlieren! Es sei doch grausam, das von ihr zu verlangen!

Nein, ist es nicht. Grausam, unmenschlich, wirklich frauenfeindlich ist es, daß Frauen, die ein krankes oder behindertes, vielleicht gar nicht lebensfähiges Kind austragen, sich Sätze anhören müssen wie „Sowas muss doch heutzutage nicht sein“. Daß Frauen, die mit einem Schwerbehinderten (oder gar mit Todgeweihten) schwanger sind, mehr Ratschläge für die Abtreibung als Hilfsangebote für die Zeit nach der Geburt bekommen, das ist böse. Und so ist es, obwohl es für viele Schwerbehinderte, auch wenn sie voraussichtlich nur ein kurzes Leben haben werden, sehr gute Hilfsmittel gibt, und obwohl der Blick auf Schwerbehinderte heute sehr viel freundlicher und gelassener ist als noch in meiner Kindheit. (Daß es hier immer noch sehr viel Gemeinheit gibt, weiß ich auch. Aber die Wahrnehmung Behinderter, wenn sie denn erst einmal geboren sind, hat sich seit den 60er Jahren eindeutig verbessert.)

Es ist schrecklich, ein Kind zu verlieren. Aber dies Schrecknis wird nicht gelindert, wenn man das Kind stückweise aus dem Uterus zerren lässt.

Cuomos gräßliche Idee ist bislang nicht mehr als ein Gesetzesentwurf. Aber auch nicht weniger. Beten wir, daß sie abgeschmettert wird.

Ich finde übrigens die Abtreibung eines Menschen in der 24. Schwangerschaftswoche oder später nicht schlimmer als in der ersten Woche. Sondern ich finde beides genau gleich schlimm. In beiden Fällen wird einem unschuldigen Menschen das Leben genommen. Das ist gräßlich. Die Begleitumstände mögen bei einer Spätabtreibung noch besonder scheußlich sein; das Kind ist schmerzempfindlich, und für die Mutter ist es etwa so beschwerlich wie eine normale Geburt. Aber die Tatsache „Mensch wird von anderem Menschen getötet, weil er nicht in das Leben eines dritten Menschen passt“ ist in jedem Falle gleich.

Dennoch zeigt dieser Gesetzesentwurf eine besonders krasse Lebensfeindlichkeit. Denn bei einer Spätabtreibung kann man sich auf keine Weise mehr vormachen, dies sei ja „noch kein richtiger Mensch“. Es ist sichtbar ein Kind – in der 24. Woche bereits mit allen Merkmalen, die so herzbewegend an unseren Schutzinstinkt appellieren. Einen denkenden Menschen, der Frühabtreibungen unter Umständen als notwendiges Übel sieht, kann man noch vom Gegenteil überzeugen (bei mir ist das jedenfalls vor vielen Jahren gelungen). Bei einem Menschen, der bereits niedlich aussehende Kinder zum Abschuss freigibt, wenn sie nicht in die Norm passen, habe ich wenig Hoffnung, daß er noch etwas Gutes lernt. Denn der hat seine gesündesten Instinkte schon kaputtgewirtschaftet.

EDIT: KNA sagt, das Gesetz sei bereits verabschiedet. Ob der Artikel, auf den ich mich beziehe, fehlerhaft ist oder ich ihn falsch verstanden habe oder ob KNA irrt, bringe ich jetzt nicht heraus, dazu ist meine Zeit zu knapp und mein Englisch zu schlecht. Die moralische Einschätzung des Gesetzes, ob es noch Entwurf ist oder schon verabschiedet, bleibt gleich – nämlich sehr, sehr schlecht.

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Weil Ersticken kein schöner Tod ist

… und nicht bloß weil es ab 1.1.2020 – das ist bälder als man ahnt – gesetzlich vorgeschrieben ist, soll man einen Rauchmelder haben. Ein lieber Freund, der weiß, daß ich einen kaufen wollte, ganz bestimmt bald, hat mir einen mit der Post geschickt. Herzlichen Dank!

Ich bin handwerklich nicht sonderlich geschickt, aber zwei Löcher in die Decke bohren schaffe ich schon… dachte ich. Nun hatte ich aber wieder mal vergessen, daß eine Leiter mit sechs Sprossen für eine Berliner Altbauwohnung eigentlich eine Sprosse zu klein ist. Löcher bohren geht, da ersetzt die Bohrmaschine, was mir an Größe fehlt. Aber für alles Weitere bin ich zu klein.

Wie gut, daß ich eine liebenswürdige Untermieterin habe! Sie ist zwar nicht oder unwesentlich größer als ich, aber jünger und sportlicher – und traut sich noch auf der Leiter den Ballenstand zu. Und nun, mit vereinten Kräften, sitzt das gute Stück an der Decke, blinkt von Zeit zu Zeit mit seinem roten Auge, um zu sagen: „Ich habe alles unter Kontrolle!“ und wird, wenn mal was anbrennt, schrill pfeifen.

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Ein bißchen Süßkram war auch dabei, den wir geschwistlich geteilt haben. Ich werde mit Süßkram dafür belohnt, daß ich zusammen mit meiner Hausgenossin imstande bin, etwas Überfälliges „eigentlich ganz Einfaches“ in weniger als einer halben Stunde geschafft zu haben. Aber hinterher „viribus unitis“ sagen, das kann ich. Bin ich jetzt „typisch Frau“ oder „typisch Gelehrter“?

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Eucharistie: Das ist der Herr!

In jeder Messfeier geschieht durch das Gebet des Priesters die Wandlung von Brot und Wein zu Fleisch und Blut Christi. Das bedeutet keine Veränderung der chemischen Zusammensetzung oder des Aussehens oder des Geschmacks. Es ist ein Mysterium, und es ist Glaubensinhalt der Kirche. Christus ist anwesend, nicht irgendwo in der Hostie oder dem Wein, sondern als gewandelte Hostie, als gewandelter Wein.

Jesus feierte mit den Aposteln den Sederabend. Bei Markus 14,22-24 heißt es:

Während des Mahls nahm Er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach Er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist Mein Leib. Dann nahm Er den Kelch, sprach das Dankgebet, gab ihn den Jüngern und sie tranken alle daraus. Und Er sagte zu ihnen: Das ist Mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.

Auch Matthäus und Lukas beschreiben diese Szene. Die Kirche lehrt die wesenhafte Wandlung von Brot und Wein zu Fleisch und Blut Jesu durch die Einsetzungsworte im Hochgebet des Priesters. Deshalb kann man nicht zu viel (und kaum genug) Ehrfurcht gegenüber der Eucharistie haben.

Das II. Vatikanische Konzil hat den Empfang der Kommunion auf der Hand erlaubt. Ich habe die Eucharistie fast immer so empfangen. Tatsächlich habe ich mit dem Empfang auf der Zunge meine Probleme, die sind aber nicht unüberwindlich. Einige Erlebnisse der letzten Zeit lassen mich überlegen, vermehrt zur Mundkommunion überzugehen – nicht weil ich sie „richtiger“ finde, sondern weil sie gegenüber anderen Gläubigen „unmissverständlich“ ist.

Freitags gibt es in meiner Heimatgemeinde die Kommunion unter beiderlei Gestalt. Man steht erst für die Hostie an und dann für einen Schluck aus dem Kelch. Ich finde, das ist ein schönes Zeichen, es macht die Kommunion zwar nicht wertvoller. (Jeder Krümel und jeder Tropfen ist der ganze Herr, der sich hier einverleiben lässt, sich uns ausliefert als Nahrung.) Aber wir können die Eucharistie besser als ein himmlisches Fest begreifen, wenn wir auch das Blut Christi bekommen. (Es sieht aus und schmeckt wie Wein. Aber es ist nicht Wein.) Deshalb bin ich froh, wenn die Kommunion unter beiderlei Gestalt gereicht wird. Aber da gibt es einen Haken.

Das Eintauchen der Hostie in den Wein ist nur Priestern und Diakonen erlaubt. Laien dürfen das nicht. Und wenn ich (immer mal wieder) sehe, wie Gläubige die Hostie eintunken und dann ein bißchen abschütteln, verstehe ich gut, warum. Selbst wenn meistens hoffentlich kein Tropfen auf dem Boden landet, sondern jeder Tropfen wieder im Kelch, ist die bloße Gefahr viel zu groß, Christi Blut zu verschütten. Sollte der Gläubige Angst vor Infektion haben, muss er auf das Blut Christi eben verzichten. Er hat ja mit dem Leib Christi die vollgültige Kommunion empfangen.

Kürzlich stand ich zur Kommunion an und eine Frau kam von derselben – mit dem Leib des Herrn in der Hand. Mit der anderen Hand klopfte sie mir auf die Schulter und wollte einen Plausch anfangen, während ich noch mitten in der Kirche stand. Ich war so entsetzt, daß ich leider nicht besonders freundlich reagierte. Ich zeigte auf den Leib des Herrn und zischte „Sumieren! Los!“ – normalerweise nicht mein Tonfall, aber es wirkte, sie steckte sich die Hostie in den Mund und ging auf ihren Platz. Ich wollte sie nach der Messe noch ansprechen und um Entschuldigung für meinen harten Tonfall bitten – und ihr gleichzeitig erklären, warum ich so schockiert war. Aber ich sah sie leider nicht mehr.

Nur etwa eine Woche später sah ich, als ich in die leere Kirche zur stillen Anbetung kam, auf einer der hinteren Bänke eine Hostie liegen. Sie hatte wohl schon auf dem Boden gelegen, jedenfalls war sie nicht völlig sauber. Ich kniete mich dorthin und überlegte betend eine Weile, was zu tun sei. Natürlich konnte ich nicht wissen, ob es eine geweihte Hostie – also der Herr – war, oder eine ungeweihte Oblate, die man leicht hätte entsorgen können. Weil ich es nicht wissen konnte, weil es eben möglich war, daß ich den Herrn vor mir hatte, aß ich die Hostie.

Ich schildere hier, was ich innerhalb der letzten drei Wochen in einer keineswegs durch besondere Frevelhaftigkeit auffallenden Gemeinde erlebt habe. Das lässt mich vermuten, daß solche Dinge in vielen Gemeinden wöchentlich geschehen. Und das lässt mich schaudern.

Ich vermute in keinem Fall bösen Willen. Ich schließe vielmehr darauf, daß viele Menschen zur Kommunion gehen, die nicht wissen, was die Kommunion ist. Sie haben vielleicht mal Latein gelernt und wissen, daß communio Gemeinschaft bedeutet. Sie wissen, daß der gemeinsame Empfang von Brot (und eventuell auch Wein) irgendwie schön und sinnstiftend ist. Aber sie wissen nicht, oder sie wollen nicht wissen, daß sie gar nicht Brot und Wein empfangen, sondern den Herrn. Oder vielleicht wissen sie es sogar und meinen, Er wird das so eng nicht sehen. Das fände ich noch schlimmer.

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Zum Feierabend gedichtet

Bei der Arbeit an einem Sonettzyklus

Ich muss, um diesen Zyklus zu vollenden,
Noch elf Sonette aus den Fingern saugen,
Die müssen klingen, reimen, beten, taugen,
Und sich an fromme Lyrikleser wenden.

Es langt, um Dichterhirne auszulaugen!
Auch ist noch reichlich Schmierpapier zu schänden.
Doch endlich werd ich sie dem Drucker senden,
Und dann erblicken sie auch Eure Augen.

Dann müsst Ihr in die Büchertempel laufen
Und wieder eins von meinen Büchern kaufen,
Auf daß mit neuer Kraft ich weiter dichte.

Und einst bestückt man damit Büchereien
Und müssen Germanisten mich entleihen!
Ich bin im Himmel – und für Euch Geschichte.

© Claudia Sperlich

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Die Bibel ist Gottes Wort

… und nicht bloß schöne Literatur, schreibe ich in meiner Monatskolumne auf kath.net.

Veröffentlicht wurde das zwar schon vor drei Tagen, gemerkt habe ich es erst heute – manchmal lässt mich selbst meine Autoreneitelkeit im Stich.

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Mein Vater, die Nashörner und das Schloss

Gestern, am 9. Januar 2019, war der 100. Geburtstag meines Vaters Martin Sperlich. Die Pückler-Gesellschaft, zu deren Gründern er gehörte und deren Vorstand er eine Zeitlang innehatte, lud zu einer Feierstunde in der Eosander-Kapelle im Schloss Charlottenburg und anschließendem Empfang im Theaterbau daselbst.

In der Kapelle wurden Reden gehalten, und ich hatte ein wenig Sorge (ich war in der ersten Reihe plaziert und musste unbedingt wach aussehen). Und dann waren die vier Reden alle hervorragend und keine zu lang, mein Vater wurde in so liebenswürdiger Weise und ganz ohne Banalitäten und Wiederholungen dargestellt als der besondere Mensch, Freund und Wissenschaftler, der er war. Der einzige Minuspunkt war die Temperatur der Eosanderkapelle, die noch empfindlich kalt ist, wenn sie gesteckt voll Menschen in warmen Sachen ist.

Martin Sperlich war fünfzehn Jahre lang Direktor der Berliner Schlösserverwaltung gewesen und hatte mit Energie, Fleiß und immer wachsendem Wissen die Schlösser und Gärten West-Berlins behütet und gepflegt. Mit seinem Kollegen Heinz Schönemann aus Potsdam hatte er in den Zeiten des Kalten Krieges und der Trennung Deutschlands diktatorische Hürden überwunden und ihm bei den wenigen bewilligten Besuchen des Westteils (denn die DDR erlaubte Gelehrten nicht oft den Austausch mit Kollegen und das Ansehen relevanter Werke) mit Wagen und genau ausgeklügeltem Zeitplan geholfen, so viel wie möglich zu sehen. Mir war besonders Schönemanns warmherzige Rede wichtig, nachdem ich nicht zum ersten Mal eine Diskussion im Internet erlebt hatte, in der immer noch „Ossis“ und „Wessis“ einander gegenüberstanden und von „wir“ und „ihr“ sprachen, als seien sie homogene Massen.

Durch Spenden hat die Pückler-Gesellschaft einen Gedenkraum im Theaterbau im Schloss Charlottenburg eingerichtet, in dem Martin Sperlichs legendäre Nashornsammlung ausgestellt ist. Der Raum befindet sich im linken Flügel und ist der Öffentlichkeit zugänglich, allerdings wird um telephonische Anmeldung gebeten, da dort auch wissenschaftliche Veranstaltungen stattfinden. Nach den Reden in der Kapelle ging es hierher. Die von Joachim Dunkel geschaffenen Büsten von Martin Sperlich und seiner Vorgängerin im Amt, Margarete Kühn, sind dort ebenfalls ausgestellt. Margarete Kühn haben wir zu verdanken, daß das im Krieg schwer beschädigte Schloss Charlottenburg nicht abgerissen und durch einen Behördenbau ersetzt wurde.

Die Nashornbilder sind sehr gut gehängt, und ich freue mich, daß sie nun auch der Allgemeinheit zugänglich sind. Das ist auch im Sinne meines Vaters, der immer wollte, daß Kunst allen sichtbar gemacht wird, und dessen Haus auch Interessierten immer wieder offenstand.

Die Pückler-Gesellschaft hatte mich gebeten, aus den Gedichten meines Vaters zu lesen. Das tat ich gern und schloss mit einem eigenen Gedicht ab; hier das erste und das letzte Gedicht der Lesung:

Königsberg-Ponarth 1930

Im Treppendunst von Küchen und Aborten
ging unser kleines Leben halberwacht
mit frühem Aufstehn und der Niedertracht
der Nachbarinnen mit den spitzen Worten;

doch sind das auch Genossen und Konsorten,
der Kranken wird in ihre Fiebernacht
das Hausgemachte an das Bett gebracht,
als die Geranien ihr fast verdorrten.

Wir hatten unsern Stolz und Mut und Glauben,
der Leiermann dankte zum dritten Stock,
und einer züchtete im Dachstuhl Tauben.

Am Straßenacker zerrt ein Ziegenbock
und einer brummt ein Lied in seinen Bart
vom roten Stadtteil Königsberg-Ponarth.

Martin Sperlich

***

Vater

Wir gingen abends oft zum Automaten.
Laternen warfen ihre gelben Scheiben
aufs Pflaster, und mein Schatten wollt nicht bleiben –
ich staunte, daß wir niemals auf ihn traten.

In deiner Hand war sehr viel Raum für meine.
Im Wechsel schwer und leicht erklang dein Gehen,
und wenn ich rannte, bliebst du manchmal stehen –
dein Hinken wartete auf kurze Beine.

Du gabst mir Antwort auf die schwersten Fragen
und zeigtest mir den Großen Himmelswagen,
und manchmal rezitiertest du Gedichte.

Dann stecktest du die Schachtel Filterlose
bedächtig in die Tasche deiner Hose –
dann gings nach Haus zur Gutenachtgeschichte.

© Claudia Sperlich

Ich bin sehr dankbar für diesen schönen Abend, diese gute Art des Gedenkens und dafür, daß jeder, der mag, die Nashornsammlung sehen kann. (Nochmals: Bitte anmelden! Hier die Kontaktdaten des Schlosses Charlottenburg.)

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