Unsere moderne Stadtteilbibliothek

Schön ist sie, die Ingeborg-Drewitz-Bibliothek in Berlin-Steglitz! Kein Zweifel. Ich bin in der Regel sehr gern dort.

Man kann dort auch Ausdrucke machen. Also ging ich mit meinem Stick, darauf mehrere wichtige Dokumente, die teils abzuschicken, teils vorzuweisen sind, in die Bibliothek und dachte, es wäre alles wie immer. Das heißt: Stick einstecken, Dokument aufrufen, Druck befehlen, und dann springt der Drucker an dort, wo die Angestellten auch Ausweise verlängern, Mahngebühren entgegennehmen und Fragen beantworten, und dort werden die Ausdrucke auch bezahlt.

Ungewohnt war diesmal, daß ich eine Codenummer für meine Dokumente eingeben sollte, die ich selber zu erdenken hatte. Ich tat es und ging an den Schalter – und erfuhr dort, der Drucker stehe bei den Computern. Tatsächlich, da steht er, kopieren kann er auch. Man muss ihn mit Geld füttern, dann – ja, dann… also dann muss man erst einmal sehr lange überlegen, was er nun eigentlich noch will. Siehe da, wenn man den richtigen Knopf findet, zeigt er eine Liste mit allen derzeit laufenden Druckaufträgen, wobei jeder die Nummer eines Computers trägt. Also geschwind nachgucken: Welche Nummer hatte denn der Computer, an dem ich eben war? K1. Also aktiviere ich das Kästchen K1. Geschwind werden fast alle Seiten meines Auftrags gedruckt, ich überprüfe genau: fast alle, ein wichtiger Brief fehlt. Ich werfe Geld nach, und es passiert nichts. Ich versuche, das Kästchen K1 nochmals zu aktivieren, da verschwindet es. Vom Computer K2 (K2, so heißt auch einer der aus bergsteigerischer Sicht schwierigsten Berge, ein Filmtitel ist es auch) versuche ich noch einmal den Ausdruck dieses Briefes, aber der Drucker weigert sich, K2 anzuerkennen. Nun versucht eine andere Frau gemeinsam mit einem hilfreichen Mann, deren Druckauftrag zu aktivieren. Sie hat keine Codenummer eingegeben (irgendwie geht es also auch ohne), aber nun besteht der Drucker auf der Codenummer, die es nicht gibt. Zusammen haben wir ein halbes Theologie- und ein abgeschlossenes Kunststudium, aber das genügt nicht, ich frage noch mal eine Mitarbeiterin. Die kommt auch, und irgendwie gelingt der Frau mit dem Kunststudium ihr Ausdruck, aber keiner kann erklären, warum. Mein Druckauftrag K1 ist nun wieder da, aber als ich es aktivieren will, erscheint eine Schrift des Inhalts, daß es diesen Druckauftrag nicht gibt. Zugleich erscheint aber auch Kästchen K2, und damit gelingt der Ausdruck nun wirklich.

Ich habe für etwa zwanzig Kopien über eine halbe Stunde gebraucht. „Kennen Sie noch diese Vervielfältiger aus der Schule, mit ’ner Kurbel, und die letzten Kopien waren immer ganz blass?“ Der alte Mann nickt. „Die will ich wieder“, sage ich. Er glaubt mir nicht recht. Aber in diesem Moment will ich wieder das billige gelbliche Papier, schwarzblau und undeutlich bedruckt, aber man schaffte die Abzüge für die ganze Klasse in zehn Minuten.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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Eine Antwort zu Unsere moderne Stadtteilbibliothek

  1. akinom schreibt:

    Diesen Text habe ich auf meinen Laptop geklebt:

    Gott, Du bist mein Programmierer,
    ich kann niemals „abstürzen“.

    Du installierst Deine Software
    auf der Festplatte meines Herzens.
    Alle Deine Befehle sind benutzerfreundlich.

    Deine Gebrauchsanweisung führt mich
    auf die richtigen Seiten um Deines Namens willen.

    Selbst wenn ich durch die Probleme
    und Schwierigkeiten des Lebens „surfe“,
    muss ich keinen Virus befürchten,
    denn Du bist mein „Back-up“.

    Dein Passwort beschützt mich.
    Du wirst mir ein Menü ausarbeiten,
    wenn mich meine Feinde bedrängen.

    Deine Hilfe ist nur einen Tastendruck entfernt.
    Deine Güte und Barmherzigkeit
    werden mich jeden Tag meines Lebens begleiten.

    Am Ende vereinige bitte meine „Datei“ mit der Deinen
    und ich bin für immer gerettet!
    Amen.

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