Brutaler Stil!

Liebe Zeitungsschreiber, bitte verzichtet doch einfach mal auf das Adjektiv „brutal“. Von brutalen Vergewaltigungen habe ich schon oft gelesen und immer noch keine Antwort auf meine Frage: Geht Vergewaltigung auch anders als brutal? Jetzt sehe ich gerade einen Artikel über eine brutale Messerattacke und frage: Wie hat man sich eine sanfte Messerattacke vorzustellen?

Liebe Zeitungsschreiber, ich finde es brutal gegenüber der Sprache, pro Absatz mindestens eine Redundanz oder Tautologie zu haben. Alles, was immer (x) ist – wobei (x) ein beliebiges Adjektiv ist – braucht niemals (x) genannt zu werden. Bitte kürzt eure Texte vor dem Abdrucken. Bitte kürzt brutal.

Es ist brutal nervig, neben dem Grauen der Welt immer auch noch schlechten Stil verarbeiten zu müssen. Aber ganz ohne Scherz: Wenn wir bei allem Üblen, was geschieht, noch durch Adjektive betonen, daß es so übel ist, wie diese Art Übel eben naturgemäß ist, dann verlieren wir das Gefühl für die Wortbedeutung. Dann ist ein kurz und schmerzlos vor sich gehender Mord (das gibt es ja) am Ende nicht mehr brutal.

Und wo ich schon beim Meckern bin: Humanitär heißt so viel wie menschenfreundlich. Katastrophen sind nie humanitär. Und alles, was nie (x) ist, darf niemals (x) genannt werden.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Brutaler Stil!

  1. gerd schreibt:

    Haben sie schon mal den Adjektiv „brutal“ in Bezug auf Abtreibung gehört? Nicht? Jetzt wissen wir auch wo der brutale Stil herkommt. Ideologie!

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Doch, habe ich oft gehört. Ich kenne nämlich auch christliche Journalisten und Magazine.
      Ich glaube übrigens, der brutale Stil geht der Sorglosigkeit, mit der Abtreibung als „Recht“ deklariert wird, voraus und nicht hinterher.

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