Dichterbitte

Mein Herr, ich will Dir neue Lieder singen
Und bin doch alt. Doch Du bist ewig jung!
Gib Geist und Schreibhand Deinen neuen Schwung,
Lass neue Verse quellen, fließen, klingen!

Du hast den Schatz der Sprache mir gegeben,
Du bist das Wort und schenktest mir die Worte,
Dein großes Buch weist mir die Himmelspforte.
Lass mich zum Dank Dir meine Lieder weben.

Ich will Dir Preis und Liebeslieder schreiben!
Herr, Du allein kannst mich zum Guten treiben,
Mit Deinem Geist erfüllen den Verstand.

Mit Deinem Geist kannst Du mein Herz begeistern.
Durch Dich allein kann ich mein Leben meistern.
Du hast mich zu Gebet und Lied gesandt.

© Claudia Sperlich
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Spätsommer

Am Ende eines wundervollen Spätsommersonntags hier einige Bilder. Mir scheint, die Hagebutten und die Beeren des Feuerdorn sind heuer etwas kleiner als sonst – der trockene Sommer dürfte ein Grund dafür sein. Aber wunderschön ist es doch, was die Natur auch in einem schwierigen Jahr vorbringt!

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Unfallfolgen

Der Tag, an dem mein linkes Wadenbein  
Ganz plötzlich aus geringem Grund zerbrach,  
Wirkt noch zwei Monde später deutlich nach: 
Mein Gang wirkt fast wie voll von süßem Wein. 

Mein Pegasus,  der mich nur selten linkt,  
Fand nötig, mich acht Wochen lang zu meiden. 
Die Muse ließ sich beinah von mir scheiden.  
(Die eine untreu, und der andre hinkt!) 

Von Ärzten und von Physiotherapeuten  
Und jeder Menge andern guten Leuten
Und von dem Herrn,  der all das in sich schloss, 

Hab Hilfe,  Trost und Heilung ich empfangen,  
Und heute sah ich neu zu mir gelangen  
Das Musentrampel und das lahme Ross. 

© Claudia Sperlich
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Verehrung, Gebet, Anbetung: Eine notwendige Begriffserklärung.

Besonders im Zusammenhang mit Maria und den Heiligen hören Katholiken immer wieder den Vorwurf, andere als Gott anzubeten. In jüngster Zeit stelle ich fest, daß dieser Vorwurf besonders mit einer Vermengung der Begriffe einhergeht.

Verehrung

Fast jeder Mensch, gläubig oder nicht, verehrt irgendjemanden. Man erweist jemandem Ehre, den man hochschätzt und von dem man annimmt, daß er für einen selbst ein Vorbild sein kann. Legitime Formen der Verehrung Verstorbener sind Grabmale, überhaupt Bestattungs- und Friedhofskultur, sowie Denkmäler und Gedenkstätten. Der Begriff „Denkmal“ kann dabei sehr weit gefasst werden; auch die Benennung einer Straße, einer Schule, einer Klinik, sogar einer Gaststätte oder eines Sterns, kann ein Denkmal sein und eine besondere Form der Verehrung. Ich glaube kaum, daß die Evangelikalen, die mir gelegentlich sehr wortreich und resistent gegen jede Argumentation unbiblischen Totenkult vorwerfen, Denkmäler von Calvin oder Luther schleifen und die Paul-Gerhardt-Schule umbenennen wollen. Oder daß sie sich selbst verbieten, die Gräber ihrer Lieben zu besuchen.

Katholiken verehren Lebende – allen voran den lebendigen Gott, aber auch Menschen, Freunde, zu denen sie aufblicken, in aller Regel Eltern, Paten und den Ehepartner („lieben, achten und ehren“ gehört zum Eheversprechen). Dabei machen sie einen graduellen, aber nicht prinzipiellen Unterschied, ob diese Menschen noch auf der Erde leben oder schon bei Gott. Soweit ich weiß, hören auch Verwaiste und Verwitwete anderer Konfessionen oder Religionen nicht auf, Eltern und Ehepartner zu lieben (und das beinhaltet im Regelfall: zu ehren).

Gott ist ein Gott der Lebenden, nicht der Toten. Die Verstorbenen sind, sofern sie sich nicht bewusst und schuldfähig von Ihm losgesagt haben, in Ihm geborgen. Bei einigen ist die Kirche darüber so sicher, daß sie Selige oder Heilige genannt werden.

Es ist vollkommen normal, ein Grab mit Blumen zu schmücken, dem Verstorbenen ein ehrendes Gedenken zu bewahren. Nicht weniger normal ist es, an einem Denkmal zu verweilen, an den zu denken, dem es gilt – und sofern man ihn als Vorbild sieht, dies mit freundlichen und ehrerbietigen Gedanken zu tun. Ich habe selbst kein Problem damit, so zu handeln, wenn das Denkmal einen Heiligen darstellt und in einer Kirche steht. Und da ich weiß, daß der Mensch, dem dies Denkmal gilt, bei Gott lebt, kann ich auch anderswo und jederzeit zu ihm sprechen, ihn um Hilfe und Fürbitte angehen. Damit wären wir beim

Gebet.

Es gibt viele Formen von Gebet: Meditation, Lobpreis, Bitte, Dank. Und jedes Gebet hat als Adressaten Gott.

Halt… was ist denn mit den Gebeten zu Maria und den Heiligen? – Auch in ihnen richtet der Beter sich an Gott. Es ist unmöglich, etwas von einem Heiligen zu erbitten, was Gottes Willen widerspricht. Im Gebet zu Maria und den Heiligen bittet man einen Freund, eine Freundin, die vom gekreuzigten Heiland selbst geschenkte Mutter um Schutz oder Hilfe, oder man bedankt sich für erhaltene Hilfe, oder man sagt einfach mal: Ich freue mich, daß es dich gibt. Nicht viel anders als gegenüber auf Erden lebenden Freunden. Kein Mensch wird es als unfromm oder götzendienerisch ansehen, wenn ich einen Freund, der größer und stärker ist als ich, um Begleitung auf dem spätabendlichen Heimweg bitte. Oder wenn ich eine Freundin um Rat frage, um Hilfe bitte. Und schon gar nicht, wenn ich Freunden einfach mal Danke sage und etwas Schönes schenke.

Gott ist ein Gott der Lebenden, nicht der Toten. Wer mit Gott versöhnt stirbt, lebt bei Ihm. Und wer so lebt, an den kann man sich wenden. Das ist möglich, weil Gott groß ist und weil Er will, daß wir einander lieben und helfen und füreinander einstehen.

Anbetung

gebührt Gott allein. Anbeten heißt: Dankbar anerkennen, daß Gott der Ich-bin-da ist. Anbetung gelingt nicht so sehr durch Worte (die ja eine intellektuelle Leistung sind), sondern durch „Versenkung“, durch das Loslassen der Gedanken, so gut man es vermag, das bloße innere Betrachten und Bestaunen der Größe und Liebe Gottes. Der Anbetung vergleichbar – nicht gleichzusetzen! – ist die Haltung eines verliebten Menschen, der seinen Liebsten, seine Liebste anschaut und dabei nicht mehr denkt als „Du bist so schön – ich liebe dich so – du liebst mich“. Zugleich ist Anbetung ganz anders, weil sie sich auf den ganz Anderen, auf Gott, richtet und nur auf ihn richten darf. (Zwischenmenschliche Beziehungen, in denen ein Partner vergöttert wird, gehen schief.) Anbetung erkennt an, daß ihr „Objekt“ unerreichbar groß, gut und allmächtig ist. Deshalb ist es aberwitzig, irgendjemanden außer Gott anzubeten.

Verehren, beten, anbeten – drei verschiedene Tätigkeiten, die es zu unterscheiden gilt. Drei sinnvolle Tätigkeiten, sofern sie sich auf sinnvolle Adressaten richten.

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Peter Esser zum 60. Geburtstag

Peter Esser spitzt die Stifte!
Seine Bilder: Gegengifte
Gegen trübe Ketzerei.
Wenn die stolzen Feinde schnauben,
Tritt er ein für wahren Glauben,
Sachlich, ohne Wutgeschrei.

Peter Esser mit dem Hunde
Feiert heut, so geht die Kunde,
Sechzigstes Geburtstagsfest!
Gott begieße ihn mit Segen,
Dass sich Herz und Finger regen
Und er nie das Zeichnen lässt.

© Claudia Sperlich
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Unbeflecktes Herz Mariä

Melodie: Das Jahr steht auf der Höhe (GL 465)

Maria voller Gnaden, dein Herz in Gottes Licht
ist ohne jeden Schaden, die Sünde trübt es nicht.
Dein Herz ist voller Güte und ohne Dunkelheit,
wie eine Rosenblüte bewahrt in Ewigkeit.

Du hast dem Herrn gesungen als herzenstreue Magd.
Vom Leidensschwert durchdrungen blieb dein Herz unverzagt.
Als du den Sohn gefunden, hat dich Sein Wort berührt.
Sein Leid und Seine Wunden hat dein Herz auch gespürt.

Dein Herz voll Gottesliebe schlägt für die Christenheit.
Du bist wie Blütentriebe in kalter, dunkler Zeit,
du führst auf Blumenwegen uns ins gelobte Land:
Du Mutter voller Segen, zeig uns des Sohnes Hand.

© Claudia Sperlich
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Herz Jesu

Melodie: Ich bete an die Macht der Liebe

Du Herz, zerbrochen und zerschlagen,
Du Herz, durchbohrt vom Lanzenstich,
all unsre Sünden fortzutragen,
gabst Du für alle Menschen Dich.
Zieh an Dich alle Menschenherzen,
lass keines je sein Heil verscherzen.

Von Dir geht aus der Strom des Lebens,
der Deine Kirche blühen lässt!
Zu Dir kommt niemand je vergebens,
Du bist die Liebe treu und fest.
Du bist des Glaubens Ziel und Mitte,
der Geist lenkt zu Dir unsre Schritte.

Herz Jesu, lass mein Herz gesunden,
steh mir in Seelenängsten bei.
Ich habe mich an Dich gebunden,
Herz Jesu, in Dir bin ich frei.
Befiehl dem Feind, von mir zu weichen!
Herz Jesu, lass mein Herz Dir gleichen.

© Claudia Sperlich
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Der Kopf kann nicht zu den Füßen sagen: Ich brauche euch nicht.

So steht es im 1. Brief an die Korinther, Kapitel 12, Vers 21. Wie wahr das ist, erfahre ich gerade: ich habe mir gestern den linken Fuß gebrochen. (Grund, kurz und bündig: Auf dem Radweg stand etwas im Weg, was ich mit dem Fuß streifte – der mit schmerzhaftem Verdrehen reagierte. Morgens dachte ich noch, ich leg den Fuß einfach hoch und morgen ist es wieder gut. Abends konnte ich das nicht mehr denken und ließ mich von Freunden ins Krankenhaus bringen.) Bleiben musste ich dort nicht – aber viele Stunden verbringen, da es gleichzeitig zwei Notfälle gab.

Nun trage ich einen riesigen Kunststoffstiefel (Wert: etwa 1000,– Euro), bewege mich mit Krücken vorwärts bzw. tue das so wenig wie möglich. Nächste Woche muss ich zum Orthopäden. Alles sehr, sehr blöd und überflüssig! Aber ich merke auch wieder einmal, wie viele gute und hilfsbereite Menschen ich kenne. Wie auch in einer Krisenzeit ein Krankenhaus funktioniert, wie freundlich und kompetent ich dort versorgt werde. Ich muss nun sechs Wochen lang auf einiges verzichten. Aber es wird wieder gut werden.

Zeit, um Dank zu sagen. Dank dafür, daß es nicht so schlimm ist, einfacher Bruch, keine Operation nötig. Dank auch für hervorragende medizinische Technik – in meiner Kindheit hätte man den Fuß noch eingegipst, was sehr viel beschwerlicher ist als diese ultraleichte Schiene. Dank für die vielen Menschen, die gestern im Krankenhaus für mich gearbeitet haben und die alle freundlich und geduldig waren, obwohl sie alle einen ziemlich harten Tag hatten. Dank für den Taxifahrer, der darauf bestand, mich bis zur Wohnungstür im ersten Stock zu begleiten, Tasche und Beinschienenkoffer zu tragen, und der mich immer wieder ermahnte: Langsam, vorsichtig! Dank für wirkungsvolles Schmerzmittel, das mich nicht müde macht.

Ich werde versuchen, die erzwungene Ruhezeit auf gute Weise auszufüllen. Dank sei Gott.

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Riesenmalve und Biene

Die Häuserfront wirkt etwas heruntergekommen, aber der Balkon gehört jemandem mit grünem Daumen (das zeigen die zahlreichen Blumentöpfe, die ich aus Gründen der Diskretion nicht abgelichtet habe), und die Malve davor ist ein außergewöhnliches Prachtstück! Die Biene fühlt sich offenbar auch wohl darin, sie ließ sich von mir nicht stören.

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Gottes Zorn

Kürzlich wurde mir zum drölfzigsten Male nahegelegt, Gott könne nicht zürnen, Er sei immer nur lieb und gut und gnädig. Auf meine Frage, ob Gott auch nicht zornig sei über die Vergewaltiger der Frauen von Butscha und Mariupol, bekam ich wörtlich diese Antwort:

Wenn diese Frauen erleben wovor sie Angst haben, ist es ihre Sache. Wer unter dem Schutz des Höchsten steht, erfährt kein Unheil. Menschen die nicht mit Gott leben, haben sich für ein Leben ohne seinen Schutz entschieden. Auch diese Menschen leben ihren freien Willen ob es mir gefällt oder nicht.

Die Person, die dies sagte, findet sich gut und weise (und entnimmt das der Bibel). Mir wird von diesem Zynismus schlecht.

Wenn Gott nicht zornig sein kann, wäre zunächst mal eine Menge in der Bibel (AT und NT) falsch. Darüber hinaus müsste man dann von einem Gott ausgehen, den Verbrechen nicht stören, dem es nichts bedeutet, wenn Menschen ungerecht handeln oder behandelt werden. Ein Gott, der am Ende sagt „Ihr seid alle wundervoll, kommt her, und falls euch Frauen die Vergewaltigung weh getan hat, hattet ihr eben nicht genug Glauben.“ Ein solcher Himmel wäre die Hölle.

Ich glaube, daß am Ende Jesus – also Gott – wiederkommen wird „zu richten die Lebenden und die Toten“. Sollte jemand in Herrlichkeit kommen, der sagt „Ist schon alles in Ordnung“, dann wüsste ich, daß er nicht Gott ist, und würde mich hüten, mit ihm zu gehen. (Der hätte mit Sicherheit keine Wundmale.)

Ein Gott, der nicht zornig sein kann, der nicht auch strafen kann, der ist in Wahrheit gar nicht gütig, sondern wurstig. Dem sind die Opfer egal und die Täter schon recht. Den braucht keiner – und dessen Reich ist auch nicht die himmlische Herrlichkeit, sondern ein Zustand ewiger, trostloser Einsamkeit. Ein solcher Gott ist kein Gott, sondern Satan in seinem schicksten Anzug.

Liebe und Gnade und Güte – diese wundervollen Eigenschaften Gottes – sind nicht möglich ohne den Geist der Unterscheidung. Gleichgültigkeit ist keine Eigenschaft Gottes.

Wer den Opfern unmenschlicher Verbrechen sagt, sie hätten sich gegen Gottes Schutz entschieden, ist nicht fromm, nicht liebevoll und nicht weise, sondern im günstigsten Fall furchtbar dumm, im ungünstigsten boshaft.

Natürlich ist obiges Zitat eine besonders auffällige und abstoßende Form der Ablehnung eines richtenden Gottes. Aber man hört ja allenthalben und auch von vielen Priestern, die Idee eines richtenden, zornigen Gottes sei „veraltet“. Und da frage ich schon mal: Glauben die Priester denn, daß es in Ewigkeit keine Gerechtigkeit geben soll? Man kann doch nicht gleichzeitig sagen „Gott steht auf der Seite der Armen“ und „Gott ist nie zornig über Ausbeutung und Ungerechtigkeit“.

Ich bin sicher, daß Gott sehr langmütig ist und sehr vieles mit nachsichtigem Lächeln (vielleicht auch mit Augenverdrehen) übergeht. Auch, daß Er ehrliche Reue, selbst wenn sie unvollkommen ist, liebevoll annimmt. Aber daß Er den Opfern niederträchtigster Untaten zumutet, zusammen mit den reuelosen Tätern an Seinem Tisch zu sitzen, glaube ich nicht und will ich nicht glauben.

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