Ukraine – wo die Künstler noch Engel und Heilige malen

Es ist zwar nicht wahr, daß Westeuropa schier gar keine christliche Kunst mehr hat. Es gibt und gab in den letzten Jahrzehnten so großartige religiöse Künstler wie Triegel, Meistermann, Gerresheim, van der Grinten… Aber Künstler mit deutlichem christlichem Profil bilden in der großen Schar der Künstler nur eine kleine Minderheit. Jedenfalls in Westeuropa.

Anders in der Ukraine. Seit langem poste ich auf Facebook abendliche Grüße mit Bildern von Engeln. Das waren zunächst in der Regel Gemälde vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert, sehr selten modernere. Seit dem Krieg gegen die Ukraine poste ich vorzugsweise Engel von ukrainischen Künstlern – und da tut sich eine Welt jetzt lebender Künstler auf, die vor religiösen Themen keine Angst haben.

Engel gibt es da von Kinderbuchillustratoren ebenso wie von Künstlern, die katholische und orthodoxe Kirchen ausmalen, in Stilrichtungen, die sich z.B. an Ikonenmalerei oder Renaissance orientieren, mit Anleihen an die ukrainische Sagenwelt und Folklore, schlicht und üppig… Engel über Engel, dazu Heilige, Madonnen, Stilleben mit religiösen Motiven, Darstellungen weihnachtlicher und österlicher Festbräuche… Religion ist in der vielfältigen modernen ukrainischen Kunst äußerst präsent.

Ukrainische Kunst gibt es nicht nur in der Ukraine. Lebhafte ukrainische Auswanderer-Gemeinden gibt es z.B. auch in Kanada und Amerika. Und auch dort ist sie religiös geprägt.

Alexander Anufriev (*1940) liebt Engel. Seine Engelbilder sind klar, fast streng in ihren Umrissen, und oft mit einem leicht erstaunten Blick, als ob sie sich ununterbrochen über Gottes Größe wundern. In einem Interview sagte Anufriev: „Wenn ich male, stehe ich zwischen Himmel und Erde und versuche, das Unsichtbare sichtbar zu machen.“

Alexandra Laskina (*1976) ist besonders für Stilleben und Landschaftsbilder bekannt. In diesem Jahr hat sie einen Schutzengel der Ukraine gemalt, einen still betenden Engel, weiß bekränzt und gewandet, mit angedeuteten Flügeln in den ukrainischen Farben Blau und Gelb – und trotz seiner konzentrierten Stille zugleich in einer dynamischen Haltung, als ob er gleich losfliegen will.

Vasily Martinyuk (*1959) behandelt in spielerischen, heiteren und doch tiefgründigen Bildern klassische mythologische Themen und die ukrainische Sagenwelt – und die Bibel. Seine neutestamentlichen Bilder sind weniger verspielt, aber selbst bei der durchaus ernst und dramatisch dargestellten Flucht nach Ägypten gibt es zwei lustige Fische, die sich offenbar über das Kommen der Heiligen Familie freuen.

Olesya Hudyma (*1980) malt abstrakt und figürlich. Viele ihrer Bilder sind von der ukrainischen Volkskunst und Volkstracht beeinflusst, andere zeigen Phantasiewelten. Ihr religiöses Werk umfasst besonders Madonnen und Engel, auch betende Frauen.

Alexandr Ochapkin (von dem ich keine Daten gefunden habe) ist ein Ikonenmaler, von dem es auf einer russischen Pinterest-Seite heißt, er male, als sei die Gottesmutter eine Ukrainerin. Seine Ikonen wirken besonders lebendig und haben einen ganz eigenen Stil.

Feodosiy Humeniuk (*1941) malt in gedeckten Farben und großflächig. Biblische Szenen und Christliche Symbolik sind bei ihm eingebettet in die ukrainische Welt. Da kämpft ein Kossak mit einem Engel. Stilistisch merkt man ihm an, daß er in Russland studiert hat, aber ohne daß er Authentizität vermissen lässt. Besonders schön finde ich seine „Ukrainischen Kossaken„, die andächtig um einen zelebrierenden Popen stehen, behütet von zwei Engeln, bewacht von der Gottesmutter.

Vladimir Kornev malt religiöse Bilder ebenso wie Darstellungen bäuerlichen und familiären Lebens und andere Themen. Aber auch die nicht ausdrücklich religiösen Bilder haben einen Hintergrund christlicher Spiritualität.

Das ist nur ein winziger Einblick in die religiöse Kunst der Ukraine. Religiöse Themen begegnen uns auch immer wieder bei ukrainischen Künstlern, deren Gesamtwerk gar nicht explizit religiös ist, so bei Vasili Rybachenko (*1954) mit Susanna im Bade.

Einen Überblick über ukrainische Malerei unserer Zeit bekommt man hier und hier, über religiöse ukrainische Malerei und Kleinkunst hier.

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Gedanken beim Aufräumen

Wenn man alles aus seiner Brieftasche herausnimmt, was überflüssig ist, wird sie sehr handlich.

Kundenkarten für Geschäfte, die es nicht mehr gibt. Bons für Dinge, deren Kauf man schon vergessen hat (z.B. Lebensmittel vor drei Monaten). Visitenkarten von Geschäften, die man ganz sicher nicht mehr aufsucht. Visitenkarten von Geschäften, die man so häufig aufsucht, daß man die Geschäftszeiten nun wirklich kennt. Telephonnummern von Leuten, die man nicht kennt. Kärtchen mit Terminen für Lobpreisgottesdienste und Eucharistische Anbetung 2019. Brillenpass 2017 (einen überfälligen Termin zum Sehtest habe ich gerade für nächste Woche vereinbart). Gutscheinbons, die seit Jahren abgelaufen sind. Und ein Notfallpass mit nicht aktuellen Kontaktdaten.

Neuen Notfallpass geschrieben. Einen Haufen Kärtchen und Papierchen weggeworfen. Jetzt ist der Inhalt der Brieftasche leicht und übersichtlich. Das erspart neben dem Gewicht auch umständliche Sucherei. (Umständlich genug wird es bleiben.)

Jetzt guck ich noch, was für Müll den Boden der Handtasche verunziert. Die Situation ist ähnlich, nur chaotischer, die überflüssigen Bons, Bonbonpapierchen, Bonobohaare und was man sonst in die Handtasche gepackt hat, sind nicht säuberlich in kleine Fächer gesteckt (hat diese Tasche nicht), sondern liegen durcheinander. Raus damit! Alles in den Müll!

Und dabei denke ich: So etwa ist auch die heilige Beichte. Dabei wirft man den überflüssigen, belastenden Krempel in Gottes Mülleimer. Danach ist man sauber und aufgeräumt.

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Nippes an die Wand!

Natürlich kann man Nippes auf Kommoden, in Vitrinen oder auf das Schubladenkästchen auf dem Schreibtisch stellen. Aber es gibt ja auch Patafix. Das ist ein Zeug, das sieht aus wie weichgekauter Kaugummi und klebt auch so gut, lässt sich aber problemlos wieder ablösen, wann immer man will. (In meiner Kindheit gab es Hafties, die waren rosa und hinterließen Flecken auf Wand und Papier. Dies ist ein echter Fortschritt.)

Also habe ich nun einen Teil Nippes (den maritimen Teil) sowie eine hübsche Postkarte an die Wand geklebt,

Die Eule kann als Griff für das Bonbonglas dienen. Maria Selbdritt, ein Engelein und ein Briefbeschwerer mit fliegenden Gänsen bleiben auf dem Schubladenkästchen.

Und schon ist es ein bisschen ordentlicher und hübscher auf meinem unordentlichen Schreibtisch.

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Auf dem Friedhof Stubenrauchstraße

Spontan entschloss ich mich zu einem Spaziergang auf dem Friedhof Stubenrauchstraße, teils als Phototour, teils um Ruhe zu finden und schließlich auch, um für die Armen Seelen zu beten.

Das Grab einer Freundin aus Kindertagen.

Die Ziergitter und Grabsteine sind durchaus vergänglich.

Die Pflanzen sind es zwar auch, aber derzeit wirken sie, als seien sie die Stärkeren – vor allem der Giersch, der hier sehr hübsch aussieht.

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Sechs güldene Mitren

… aus Bonbonpapier.

Vielleicht kommt ja mal ein Bischof vorbei, der eine braucht.

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Pfingstmontag

Pfingsten
Melodie: Alles meinem Gott zu Ehren (GL 455)

Geist, der auf der Urflut schwebte,
als die Erde noch war jung,
der sie füllte und belebte,
Schöpfergeist und Lebensschwung,
durch Ihn rufen die Propheten,
in Ihm lehrt der Herr uns beten,
Er gibt Liebe, Mut und Kraft,
Dichtersinn und Wissenschaft.

Wie der Dornbusch lodernd brannte,
doch vom Feuer nicht verzehrt,
war die Schar, die Gott bekannte,
flammengleich vom Geist genährt.
Gottes Geist erfüllte jeden,
ließ in fremden Sprachen reden,
und es hielt sie nicht im Haus,
Jubel trugen sie hinaus.

Petrus, erster unter Gleichen,
wies auf die Verheißung hin,
sprach von Wundern und von Zeichen,
traf der Menschen Herz und Sinn.
Fischer, der die Lämmer weidet
und für Jesus Christus leidet,
ihn hat Gottes Geist gelenkt,
ihm Beredsamkeit geschenkt.

Komm mit Deines Geistes Klarheit,
Gott, Du Herr der Ewigkeit!
Send uns Deinen Geist der Wahrheit
in die wirr gewordne Zeit.
Gib den Hirten Du aufs Neue
Glaube, Hoffnung, Liebe, Treue,
daß Dein Wort bleibt unvermischt
und die Lehre nie erlischt.

© Claudia Sperlich
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Gesegnete Pfingsten!

Komm, Heilger Geist
Melodie: Du lässt den Tag, o Gott, nun enden (GL 96)

Komm, Heilger Geist, mit Sabbatfrieden
erfüll mich, wenn ich zornig bin,
und hab ich mich von Dir geschieden,
dann leuchte mir zu klarem Sinn.

Wenn ich in meinem Groll verharre,
dann hilf mir auf der Sanftmut Steg,
wenn ich auf alte Sünden starre,
dann zeig mir Jesu neuen Weg.

Sei Du das Licht in meinem Leben,
wenn Irrlicht mich verleiten will.
Dann wird mein Zweifelherz sich geben
in Vaters Hand und wird dort still.

© Claudia Sperlich
Kapelle des St-Gertrauden-Krankenhauses
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Johanna von Orléans

Möge sie, das fromme Bauernmädchen aus Domrémy, strategisches Naturtalent, mutige Heerführerin und bis zuletzt standhafte Gefangene im Herrn, heute der Ukraine beistehen!

Jeanne d'Arc
Melodie: Herr, wir kommen schuldbeladen 

Bauernmädchen, fromm erzogen,
Ging zur Messe oft und gern,
War den Heiligen gewogen,
Liebte Jesus, unsern Herrn.
Schon als sie zur Welt gekommen,
War das Land vom Feind besetzt,
Der die Herrschaft übernommen,
Der das Gottesrecht verletzt.

Gott hat sie in Dienst genommen
Durch der heil'gen Frauen Wort:
„Zu dem König sollst du kommen!
Geh vom Elternhause fort.“
So verließ sie Heimatstätten,
War der Weg auch schwer und steil,
Vor dem Untergang zu retten
Frankreichs Krone, Frankreichs Heil.

Bauernmädchen setzt die Krone
Auf des jungen Königs Haupt,
Will nicht, daß er sie belohne,
Will nur, daß er Jesus glaubt.
Königshof und reiches Leben
Haben für sie keinen Wert, 
Bittet nur, man mög ihr geben
Eine Rüstung und ein Schwert.

„Und dann gebt mir eine Fahne,
Weiße Lilien seien drauf,
Daß sie uns zur Reinheit mahne
In des Krieges hartem Lauf.
Jesu und Marien Namen
Sollen auf der Fahne stehn,
Daß sie wie ein großes Amen
Über den Soldaten weh'n.“

Als sie wurde Feindes Beute,
Als ihr der Prozeß gemacht,
Hat sie vor der Richter Meute
Noch vertrauend vorgebracht:
„Lieber ist mir meine Fahne,
So viel lieber als mein Schwert!
Jesus einen Weg mir bahne – 
Herr, Du bist mir alles wert!“

Endlich, da in Henkers Flammen
Gottes Heilige verbrannt,
Sank wie Asche er zusammen
Und hat weinend laut bekannt:
„Als das Feuer sie berührte,
Schaute sie schon Gottes Licht!
Nie ich solche Reue spürte:
Seht – ihr Herz verbrannte nicht!“

© Claudia Sperlich

Aus den Prozessakten:

Vierte öffentliche Sitzung, Dienstag, 27. Februar 1431, in der Rüstkammer des Schlosses

Beaupère: Nun, Jeanne, wie geht es Euch seit Samstag?

Jeanne: Ihr seht es ja. Es geht, so gut es eben gehen kann.

Beaupère: Habt Ihr seit letztem Samstag die Stimme gehört?

Jeanne: Ja, sogar oftmals. Ich habe sie um Rat gefragt über einige Fragen, die Ihr mir gestellt habt.

Beaupère: War die Stimme die eines Engels? oder die eines Heiligen oder einer Heili­gen, oder auch die Stimme Gottes selbst, ohne einen Mittler?

Jeanne: Es waren die Stimmen der heiligen Katharina und der heiligen Margareta. Ihre Häupter waren gekrönt mit schönen, reichen und kostbaren Kronen. Gott hat mir erlaubt, das zu sagen.

Beaupère: Wieso wißt Ihr, daß es diese beiden Heiligen sind? Könnt Ihr sie unter­scheiden?

Jeanne: Durch die Art, wie sie mich grüßen. Es sind fast sieben Jahre her, seit sie sich meiner angenommen haben und mich führen. Ich erkenne sie auch, weil sie sich mir nennen. Und ich habe auch großen Trost vom heiligen Michael empfangen.

Beaupère: Welches war die erste der Stimmen, die zu Euch kam, als Ihr etwa drei­zehn Jahre alt wart?

Jeanne: Das war der Heilige Michael, den ich vor meinen Augen sah. Er war nicht al­lein, sondern von Engeln des Himmels begleitet.

Beaupère: Habt Ihr den Heiligen Michael und die Engel leibhaft und wirk­lich gese­hen?

Jeanne: Ich habe sie mit eigenen Augen gesehen, wie ich Euch alle sehe. Als sie mich verließen, weinte ich, denn ich wünschte, sie hätten mich mit sich fortgenommen.

Beaupère: Welches Zeichen habt Ihr erhalten, das beweist, daß Eure Offen­barung von Gott ist? Was beweist Euch, daß es die Heilige Katharina und die Heilige Margareta sind, die zu Euch sprechen?

Jeanne: Ich habe es Euch genug versichert, daß es die Heilige Katharina und die Hei­lige Margareta sind. So wollt es mir doch glauben!

Beaupère: Ist es Gott, der Euch geboten hat, Mannskleider anzulegen?

Jeanne: Das Gewand ist gleichgültig; es ist nebensächlich. Ich habe diese Kleider auf keines Menschen Rat angelegt. Ich habe weder diese Kleider angelegt noch irgend et­was sonst getan, was nicht auf Geheiß Gottes und Seiner Engel geschehen wäre.

Alles, was ich getan habe, ist auf Befehl Gottes. Wenn Er mir befehlen würde, mich anders zu kleiden, so täte ich es. Denn es wäre Sein Befehl.

Beaupère: Als ihr diese Stimme vernahmt, die zu Euch kam, war da ein Licht?

Jeanne: Sicher, es war viel Licht, überall. So ziemt es sich auch. Das ganze Licht ist nicht für Euch allein da!

Beaupère: Hattet Ihr ein Banner, als Ihr nach Orléans gingt? Und von wel­cher Farbe?

Jeanne: Ich hatte eine Fahne, deren Grund von Lilien übersät war; darauf war die Welt dargestellt, und zwei Engel zur Seite; sie war weiß, aus weißer Leinwand. Dar­über waren die Namen Jesus – Maria geschrieben, glaube ich. Sie hatte Seidenfran­sen.

Meine Fahne war mir viel lieber – hundertmal lieber als das Schwert. Ich trug meine Fahne selbst, wenn ich angriff; ich wollte vermeiden, einen Menschen zu töten. Nie­mals habe ich einen Menschen getötet.

Beaupère: Wieviel Soldaten gab Euch Euer König mit, als Ihr ins Feld rück­tet?

Jeanne: Zehntausend bis zwölftausend Mann. Ich zog zunächst nach Orléans zur Fes­te Saint-Loup, dann zur Brückenschanze.

Beaupère: Habt Ihr, als Ihr zum Kampf übergingt, Euren Leuten nicht zuge­rufen, daß Ihr die Pfeile, Bolzen und Steine der Schleudermaschinen auffangen wür­det?

Jeanne: Nein. Wir hatten mehr als hundert Verwundete. Aber ich habe meinen Leuten zugerufen, sie sollten nicht weichen, und sie würden die Belagerung aufheben. Bei dem Angriff auf die Brückenschanze wurde ich von einem Pfeil am Hals verwundet. Aber ich hatte großen Trost von der Heiligen Katharina, und ich war in vierzehn Ta­gen geheilt. Aber trotzdem saß ich auch zu Pferde und ordnete das Nötige.

Fünfte öffentliche Sitzung, Donnerstag, 1. März 1431, in der Rüstkammer.

Der Briefwech­sel zwischen dem Grafen Armagnac und Jeanne wird verlesen.

(Jeanne konnte nicht schreiben. Es gibt zwar eine Un­terschrift von ihr, aber dabei wurde ihr entweder die Hand geführt, oder sie hat genau diesen Schriftzug nach ei­ner Vorlage abgezeichnet. Die Briefe hat sie nach eigener Aussage Geistlichen dik­tiert oder sie nach Stichwor­ten schreiben lassen.)

Conte d’Armagnac an Jeanne:

Hochverehrte Herrin,

ich wende mich in aller Bescheidenheit an Euch und bitte Euch um Gottes Willen an­gesichts der gegenwärtigen Spaltung der heiligen allgemeinen Kirche in Sachen der Päpste um Rat: Denn es gibt drei, die einander das Papsttum streitig machen: Der eine, der sich Martin V. nennt, lebt in Rom, und ihm gehorchen alle christlichen Kö­nige; der zweite, der sich Papst Clemens VII. nennt, lebt in Peniscola im Königtum Valencia. Von dem dritten, der sich Papst Benedikt XIV. nennt, weiß niemand, wo er sich aufhält, außer dem Kardinal von Saint-Etienne und einigen wenigen seines Ge­folges.

Der erste, der sich Papst Martin nennt, wurde in Konstanz mit Zustimmung aller christlichen Nationen gewählt. Jener, der sich Clemens nennt, wurde in Peniscola durch drei seiner Kardinäle nach dem Tod von Papst Benedikt XIII. gewählt. Der dritte, der sich Papst Benedikt XIV. nennt, wurde vom Kardinal von Saint-Etienne in Peniscola im geheimen erkoren.

Ich bitte Euch nun inständig, unseren Herrn Jesus Christus anzuflehen, dass Er uns durch Euch zu wissen tue, welcher der drei genannten Päpste der wahre sei! und wel­chem man von nun an gehorchen solle: Martin oder Clemens oder Benedikt, und wel­chem wir glauben sollen, im geheimen oder offen, denn wir sind unbedingt bereit, nach dem Willen und Gefallen unseres Herrn Jesus Christus zu handeln.

Ganz der Eure, Conte d’Armagnac

Jeanne an Conte d’Armagnac:

Jesus + Maria

Conte d’Armagnac, teurer und guter Freund!

Jeanne die Jungfrau lässt Euch wissen, dass Euer Bote vor sie gekommen ist, der mir sagte, er sei geschickt, um von mir zu erfahren, welchem der drei von Euch genann­ten Päpste Ihr Glauben schenken sollt. Darüber kann ich Euch im Augenblick nicht die Wahrheit sagen, ehe ich nicht in Paris oder anderswo in Ruhe bin, denn im Au­genblick beschäftigt mich die Kriegführung zu sehr. Aber sobald Ihr wisst, daß ich in Paris bin, sendet mir einen Boten, und ich lasse Euch ehrlich und nach bestem Ver­mögen wissen, wem Ihr glauben sollt, so wie ich es durch den Rat meines allerhöchs­ten Herrn, des Königs der ganzen Welt, erfahre, und was Ihr zu tun habt.

Seid Gott befohlen! Der Herr behüte Euch!

Geschrieben in Compiègne am 22. August.

Im mittelalterlichen Denken sind Dämonen ebenso real wie Heilige und Engel. Da­her will man Genaueres wissen über die Erscheinungen von Margareta, Katharina und dem Erzengel Michael.

Richter: Welches Aussehen hatte der Heilige Michael, als er Euch erschien?

Jeanne: Ich habe ihn nicht mit der Krone gesehen. Von seinen Gewändern weiß ich nichts.

Richter: War er nackt?

Jeanne: Meint Ihr, Gott habe nichts, ihn zu kleiden?

Richter: Hatte er Haare?

Jeanne: Warum soll man sie ihm abgeschnitten haben?

Am 7. November 1455, zwei Jahre nach Kriegsende, findet in der Kathedrale Not­re-Dame de Paris der Rehabilitationsprozeß statt. Einige Aussagen:

Bauer Simonin Musnier: Ich bin mit Jeanne zusammen aufgewachsen. Ich wohnte in der Nähe ihres Vaterhauses. Wirklich, ich weiß, wie gut sie war, wie schlicht und fromm! Sie verehrte Gott und seine Heiligen. Sie ging oft und gern zur Kirche und zu den geweihten Orten, tröstete die Kranken und gab Almosen den Armen; das konnte ich selbst erfahren: Als ich klein war, ging es mir nicht gut, und Jeanne kam, um mich zu trösten.

Der königliche Oberhofmeister Jean d’Aulon: … alle Taten der Jungfrau erschienen mir göttlich und wunderbar. Und es ist doch unmöglich für eine solche Jungfrau, derartige Taten zu vollbringen ohne den Willen und die Fügung Gottes!

Während eines vollen Jahres war ich auf Befehl des Königs, unseres Herrn, in der Begleitung der Jungfrau, und während dieser Zeit habe ich nichts an ihr bemerkt, was nicht an einer guten Christin sein soll. Sie war ein junges Mädchen, schön und wohl­gestaltet, und manches Mal, wenn ich ihr in die Rüstung half und sonst, habe ich ihre Brüste gesehen und manchmal ihre nackten Beine, wenn ich ihre Wunden verband. Ich war ihr häufig nahe, und ich war jung und starkund in voller Manneskraft, und dennoch, gleichviel, wie ich die Jungfrau sah oder wie immer ich sie berührte, nie war ich von einer Begierde nach ihr bedrängt, und gleicherweise kein anderer von meinen Leuten und Knappen, nach allem, was ich sie manchmal habe reden und er­zählen hören.

Ritter Simon Beaucroix: Während der Kampagne duldete Jeanne nicht, daß ihre Leu­te je ein Dorf plünderten. Sie weigerte sich, Fleisch zu essen, von dem sie wußte, daß es gestohlen sei. Einmal gab ihr ein Schotte zu verstehen, daß sie gestohlenes Kalb­fleisch aß. Das empörte Jeanne derart, daß sie den Schotten beinah erschlug.

Sie duldete keine Dirnen, die mit den Soldaten ritten. Keine hätte sich in ihr Feldlager gewagt. Traf sie dennoch eine von ihnen an, so vertrieb Jeanne das Frauenzimmer, es sei denn, einer der Soldaten wollte sie ehelichen.

Ich glaube, sie war eine gute Katholikin; sie fürchtete Gott, hielt seine Gebote und gehorchte auch nach ihrem Vermögen der Kirche. Sie war mitleidigen Herzens, nicht nur den Franzosen, sondern selbst den Feinden gegenüber. Ich weiß das, weil ich lan­ge um sie war. Ich half ihr oft in die Rüstung. Sie litt darunter, und es mißfiel ihr, daß die Bürgerfrauen zu ihr kamen, um sie zu grüßen und sie mit Zeichen der Dankbar­keit zu überhäufen. Sie war unmutig darüber.

Jean Marcel, Bürger von Paris: Ich wohnte in Rouen, als Jeanne vor Compiègne ge­fangengenommen und nach Rouen gebracht wurde. Ich habe gehört, daß Lady Bed­ford Jeanne untersuchen ließ, ob sie keusch sei oder nicht, und daß man sie als jung­fräulich erkannte. Ein Schneider namens Jeannot Simon sagte, Lady Bedford habe ihn für Jeanne ein Weiberkleid anfertigen lassen. Während er es ihr anpaßte, strich er ihr über die Brüste. Jeanne war darüber heftig erzürnt und schlug besagtem Jeannot ins Gesicht.

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Drei Stilleben

In den letzten Tagen habe ich endlich mal wieder ein wenig photographiert.

Im Hof: Baumstumpf und Geld,

in einer öffentlichen Bedürfnisanstalt: Doppelt antibakteriell,

und in der Sakristei: Stilleben mit Spiegelbild der Photographin.

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Christi Himmelfahrt

Melodie: GL 465 „Das Jahr steht auf der Höhe“

Entzogen unserm Sehen, erhoben in das Licht,
Will Er nicht von uns gehen, der Herr verlässt uns nicht.
Wir sollen Seine Zeugen und Seine Freunde sein,
Und will die Welt uns beugen, wird Christus uns befrein.

Er kommt an Seinem Tage zur vorbestimmten Zeit,
Und Satans Zwang und Plage weicht Seiner Herrlichkeit.
Doch eh die Völker beben vor Christi Endgericht,
Sagt allen: Er ist Leben, Er ist der Liebe Licht!

Wir dürfen heut Ihn schauen verhüllt auf dem Altar,
Wir wagen zu vertrauen: Sein Wort ist ewig wahr.
Was unsre Sinne merken, erscheint wie Brot und Wein.
Mit Sich will Er uns stärken, Er lädt zum Glauben ein.

Nun richtet eure Augen nicht in den Himmel nur.
Zum Leben will uns taugen, der vor uns zieht die Spur.
Bringt Liebe und seid Segen, wo immer Er euch weist, 
In Worten, Taten, Wegen beschwingt vom Heilgen Geist.

© Claudia Sperlich
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