Anbetung

Katholiken vertrauen darauf, daß Jesu Worte beim Abendmahl: Dies ist Mein Leib – dies ist Mein Blut wörtlich zu nehmen sind. Zumindest sollen sie darauf vertrauen – in Westeuropa sind es wohl immer noch etwa die Hälfte der Katholiken. Ich gehöre zu diesen.

Wie kann ich nun so etwas glauben? Ich wurde das schon mehrmals gefragt, auch mit dem Zusatz „Sie sind doch eine gebildete Frau“. (Wirklich, da merken Menschen, daß jemand ein bisschen Bildung hat, und stellen diese in Frage, sobald sie merken, daß er auch ein bisschen Glauben hat.)

Zunächst einmal sind Jesu Worte, so wie sie in den Evangelien stehen, grundsätzlich glaubwürdig. Ich habe ganz einfach keinen stichhaltigen Grund gefunden, sie abzulehnen. Aus dem Zusammenhang gerissen und ohne darüber nachgedacht zu haben, wirken einige von ihnen schockierend (zum Beispiel die im heute gehörten Evangelium, Mk. 9,41-50). Es ist kein Wunder, daß Jesus bei vielen aneckte – es zeigt nur, daß das genaue Überlegen, geduldige Nachfragen und stille Nachdenken im Gebet vor knapp zweitausend Jahren auch nicht viel beliebter war als heute.

Wer die Einsetzungsworte wörtlich nimmt, also die Realpräsenz Jesu annimmt, kommt nicht umhin, auch die Eucharistische Verehrung sinnvoll zu finden. Das ist eben kein Spektakel, dessen Gelingen von der Schönheit der Monstranz und der Priestergewänder abhängt. Natürlich sollen beide schön sein, so edel und schön wie nur möglich, denn sie sind zur Ehre Gottes und auch zur Freude der Menschen gemacht! Aber der Herr selbst ist in einer ärmlichen Monstranz nicht anders als in einer prunkvollen. Daß wir die Kirchen und heiligen Geräte so schön wie möglich machen sollen, hat mehr mit uns Menschen zu tun als mit Gott, denn unsere Fähigkeit zur Ehrfurcht wird durch sinnliche Wahrnehmung befördert oder gehemmt, je nachdem, ob die Umgebung dem Göttlichen angemessen scheint oder nicht. Außerdem sind alle Menschen aufgerufen, ihre Begabungen zur Ehre Gottes zu nutzen – und Künstler in ganz besonderer Weise. Die Pracht eines Gottesdienstes dient der Verherrlichung Gottes und ist daher richtig, aber nicht notwendig – weil sie nicht das einzige und nicht einmal das hauptsächliche Mittel der Verehrung ist.

Denn es ist der Herr. Jesus Christus selbst ist da, in der Gestalt von Brot. Er ist nicht „im“ Brot, wie ich zuweilen höre, sondern die Hostie ist Sein Fleisch, ist Sein schlagendes Herz, ist Er. Er, der überall ist, ist leiblich hier als ungesäuertes Brot, ist leiblich in den vielen Tabernakeln und Monstranzen. Zeichenhaft ist, daß es gerade Brot ist – das Nahrungsmittel schlechthin – und daß es in der Eucharistiefeier auch Wein ist, das festliche und edle Getränk. Aber die Präsenz Jesu ist real. Er hat gewählt, sich in dieser Gestalt zu zeigen und nicht anders. Er ist der Herr.

Ich kann an den Eucharistischen Herrn nicht ohne innere Bewegung denken. Ich bringe es nicht fertig, vor Ihm, der mir in der Monstranz gezeigt wird, zu sitzen oder zu stehen. Vor Ihm kann und will ich nur knien. Vor Ihm bin ich nur Geist, Herz, gefaltete Hände und gebeugte Knie – alles andere ist unwichtig.

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Komm, Heiliger Geist!

Stephen Langton (um 1150-1228) schrieb die Pfingstsequenz, zugleich mein Lieblingslied.

In meiner Übersetzung:

Komm, Du Heiliger Geist,
Send vom Himmel herab
Einen Strahl deines Lichtes.

Komm, Du Vater der Armen,
Komm, Du Geber der Gnaden,
Komm, Du Leuchte der Herzen.

Bester Tröster bist Du,
Süßer Gastfreund der Seele,
Du bist süße Erquickung.

Du bist Ruhe in Arbeit,
Du bist Lindrung in Hitze
Du bist Trost in Betrübnis.

O Du seligstes Licht,
Herzenstiefe erfülle
Derer, die Dir vertrauen.

Ohne Dein Wollen kann
Nichts im Menschen bestehn,
Nichts bestehn ohne Schaden.

Was befleckt ist, das wasche,
Was vertrocknet ist, tränke,
Was verwundet ist, heile.

Was verhärtet ist, biege,
Was erkaltet ist, wärme,
Was verirrt ist, das lenke.

Deinen Treuen gewähre,
Die auf Dich sich verlassen,
Sieben heilige Gaben.

Gib die Wohltat der Tugend,
Gib ein heiliges Sterben,
Gib die ewige Freude.

Hymnarium – lateinische Hymnen der Kirche neu übersetzt. Zweisprachige Ausgabe, tredition 2016

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Gesegnete Pfingsten!

Allen Lesern meiner Seiten wünsche ich geistvolle, frohe, segensreiche Pfingsttage!

Hrabanus Maurus: Veni Creator Spiritus

In meiner Übersetzung:

Komm, schöpfrischer Geist, besuche
Der Deinen Denken, erfülle
Mit himmlischer Gnade die Seelen
All jener, die Du geschaffen.

Der Du der Tröster genannt wirst,
Geschenk des Gottes, des höchsten,
Lebendger Quell, Feuer, Liebe
Und unsre geistliche Salbung.

Du siebengestaltge Gnade,
Du Finger der Rechten Gottes,
Du Heilsversprechen des Vaters,
Du schenkst der Kehle die Sprache.

Entzünde ein Licht den Sinnen,
Voll Liebe gieße die Herzen,
Die Schwäche unseres Leibes
Mach stark durch dauernde Tugend.

Vertreib den Feind in die Ferne,
Gib uns beständigen Frieden.
Wenn Du als Leiter vorangehst,
So meiden wir alles Übel.

Durch Dich lass den Vater uns kennen,
Und lass uns den Sohn verstehen,
An Dich, den Geist dieser beiden,
Lass Du uns alle Zeit glauben.

Hymnarium – lateinische Hymnen der Kirche neu übersetzt. Zweisprachige Ausgabe, tredition 2016

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Mittagessen à la kurde

Die Möglichkeit, richtig und aufwendig zu kochen, hat Seve besonders gefehlt. Nun, bei mir hat sie die – und machte heute so richtigen Aufwand.
Was für ein Gefühl – ich sitze am Schreibtisch, höre ferne die Töpfe klappern, es riecht immer lieblicher, und dann werde ich zu Tisch gerufen.

Köstlich! Und eigentlich nicht so ganz freitäglich wegen Hackfleischanteil. Aber um das zu erklären, hätte ich einen Übersetzer gebraucht.

kurdisches Essen

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Maiblüten

Man darf ja nicht vergessen, einfach mal zu gucken, wie es so aussieht im Mai:

Maiglöckchen
Maiglöckchen

Tulpen
Tulpe
Tulpe

Akelei
Akelei
Akelei

Rotdorn und Weißdorn
Rotdorn und Weißdorn

Flieder
Flieder

Ranunkeln
Ranunkeln

… um nur einige zu nennen.

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Sorgenvolles Frühstück

Heute ist so ein Tag, da will ich dies Land nicht ertragen, kann es nicht, aber ein anderes, was ich ertrüge, gibt es ja nicht.
Heute ist so ein Tag, da verfolgen mich der Zorn und seine dumme Schwester Angst noch während der morgendlichen Messe, da piesacken mich die beiden noch während Wandlung und Empfang der Eucharistie, da geh ich ungetröstet aus der Kirche, weil der Staat mir alles erschwert und nicht einmal ihre mütterlichen Arme mich das vergessen lassen.
Heute ist so ein Tag, da leiste ich mir das Frühstück beim Bäcker, obwohl ich es mir nicht leisten kann, und sitze mit Espresso (doppelt! zu wenig!) in der Sonne, und dann fällt mein Blick auf den blühenden Flieder, und ich fühle mich doch etwas getröstet, und all die üblen Wörter, die ich kenne, bleiben unausgesprochen, bis auf eines: Scheißstaat, aber den Flieder kriegt er nicht kaputt, und die Kirche kriegt er nicht kaputt, und Gott – Jesus, mein Jesus – Du wirst ja alles heilen.
Die Sonne wärmt mir die Haut, und der Flieder blüht und duftet – und auch wenn er zu weit weg steht und ich den Duft nicht wahrnehme, weiß ich, daß er länger und süßer duftet als der Kaffee.
Nebenan auf dem Friedhof liegen die Toten, hier sitzen die Lebendigen bei Kaffee und Flieder, und die Gespenster des Amtes sind schon halb in die Flucht geschlagen.
Nachher muss ich hin zu den Gespenstern, aber es wird schon werden. Ja, es klemmt in der Brust, das zu denken, aber es wird. Der Herr, der den Flieder erschaffen hat und die Sonne und den Kaffee, Er kommt ja mit. Auch wenn ich es vielleicht nicht merke.

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Gebet für eine Behörde

Behördengang

Auf dem Weg zu einem Stalle
voll der Esel und der Ochsen
die in deutsche Sessel furzen
müh ich mich um die Gewissheit
daß der Herr auch dort präsent.

Auf dem Weg durch ein Gebirge
aus Computern Akten Druckern
(nicht vergessen: Kaffeetassen)
fleh ich, Hoffnung zu behalten
seh ich auch kein Taborlicht.

Auf dem Weg durch eine Wüste –
Staub auf ignorierten Schreiben,
abgelegte Widersprüche –
bitt ich um den Geist der Weisheit
für der Angestellten Heer.

Geist des Rates und der Stärke,
steh mir bei in den Behörden!
Geist der Weisheit und Erkenntnis,
füll die armen Plunderköpfe
mit ein bisschen mehr Verstand.

© Claudia Sperlich

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Die Verhinderung der Subsidiarität

Ich hatte heute Mittag einen besonnenen, staatstreuen Artikel mit einem Loblied auf die Subsidiarität und einem gewissen Verständnis für staatliche Überforderung geschrieben. Eben habe ich ihn gelöscht. Stattdessen zitiere ich aus einem Brief an eine Behörde, den ich dort morgen abgeben werde (Post, auch Einschreiben, ist in diesem Zusammenhang nicht vertrauenswürdig).

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie gestern telephonisch mit Herrn *** besprochen, folgen hier noch einmal die Angaben zum Untermietvertrag mit Frau S. Aus Gründen halte ich auch noch einmal schriftlich den Gang der Dinge fest.

Am 2. Mai habe ich Frau S. aus der Notunterkunft abgeholt. Das war mit der Heimleitung in der Woche zuvor so besprochen worden. Frau S. hatte meine Wohnung bereits besichtigt und sich sehr erfreut gezeigt. Nun wartete sie auf ein Einverständnis des Heimleitung, worauf ihr ein Mitarbeiter der Heimleitung (oder der Heimleiter selbst, das weiß ich nicht) sagte, eine Einwilligung zu ihrem Auszug sei nicht nötig. Die Auskunft, Frau S. dürfe nicht ohne weiteres in eine Wohnung ziehen, kam für mich überraschend.

Von mir liegt dem Heim übrigens ein Schreiben vor, daß S. bei mir einzieht und daß ich mich um die polizeiliche Meldung kümmern werde. Das wurde gern und mit Dank angenommen. Widerspruch habe ich nicht gehört. Ich hoffe, hierzu von Ihnen bald grünes Licht zu bekommen.

Ich hatte den Mietvertrag sowie meinen Grundbuchauszug auf Anraten der Hilfsorganisation „Wohnungen für Flüchtlinge“ nebst Schreiben zur Klärung der Sachlage sowohl an das BAMF wie auch an Lageso geschickt. Telephonisch wurde mir kurz darauf mitgeteilt, daß das Zimmer mit zehn Quadratmetern zu klein für eine Kostenübernahme sei. (Der Brief wurde also durchaus zur Kenntnis genommen.) Hierauf habe ich Widerspruch eingelegt und per Einschreiben geschickt, der bisher unbeantwortet blieb. Was die geringe Größe angeht, weise ich darauf hin, daß die gemeinsame Nutzung von Küche, Bad und Balkon im Untermietvertrag festgelegt ist und daß Wohnungen vom gleichen Schnitt für wohlhabende Friedenauer Ehepaare ausreichen.

Die kürzlich spontan entstandene und schon jetzt äußerst effektive Freiwilligen-Organisation „MuKhi – Maria unter dem Kreuz hilft“ hat bereits für Möbel gesorgt und weitere Hilfe zugesagt.

Ich finde das Subsidiaritätsprinzip eine hervorragende Sache. Ich halte es aber für richtig, daß der Staat helfenden Bürgern seinerseits auch ein wenig unter die Arme greift, statt ihnen Knüppel zwischen die Beine zu werfen.

Mit freundlichen Grüßen
Claudia Sperlich

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Zum Muttertag

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Your daddy’s rich and your ma is good lookin‘
So hush, little baby, baby, don’t you cry.

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Das sommerlich warme Wetter rief mir dies Lied in Erinnerung.
Und ja – wir haben einen überreichen Vater im Himmel und eine schöne Gottesmutter.
Also – nicht weinen!

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Anbetung

Zu Dir, Herr, jeden Tag.
Denn ich bin Dein. Du Mein.
Nichts will ich Dir vorziehen.

Die Hostie, Du, Dein Leib im Tabernakel –
vor Dir, Herr, will ich jeden Tag
anbetend knien. Und scheint zu kostbar mir
mein bißchen Zeit, will ich es trotzdem tun.
Setz mir das Herz in Brand, zieh mich zu Dir!

Und dann, am Ende, werd ich vor Dir knien,
und keine kluge Rede wird mich retten,
nur Deine Liebe und mein Flehn: Verzeih!

Dann darf ich ohne Zweifel, ohne Angst
und ohne widerstrebende Dämonen
Vor Dir, dem Herrn, vor dem verklärten Leib,
und selbst verklärt, und so, wie Du mich wolltest,
nach meinem größten Wunsch für immer knien,
dann darf ich Dir, mein Herr, die Füße küssen
und keine bürgerliche Scham vor Kleinheit,
kein stolzer Anflug wird mich daran hindern.

© Claudia Sperlich

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