Anbetung

Zu Dir, Herr, jeden Tag.
Denn ich bin Dein. Du Mein.
Nichts will ich Dir vorziehen.

Die Hostie, Du, Dein Leib im Tabernakel –
vor Dir, Herr, will ich jeden Tag
anbetend knien. Und scheint zu kostbar mir
mein bißchen Zeit, will ich es trotzdem tun.
Setz mir das Herz in Brand, zieh mich zu Dir!

Und dann, am Ende, werd ich vor Dir knien,
und keine kluge Rede wird mich retten,
nur Deine Liebe und mein Flehn: Verzeih!

Dann darf ich ohne Zweifel, ohne Angst
und ohne widerstrebende Dämonen
Vor Dir, dem Herrn, vor dem verklärten Leib,
und selbst verklärt, und so, wie Du mich wolltest,
nach meinem größten Wunsch für immer knien,
dann darf ich Dir, mein Herr, die Füße küssen
und keine bürgerliche Scham vor Kleinheit,
kein stolzer Anflug wird mich daran hindern.

© Claudia Sperlich

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Kann man eigentlich auch Schmähsonette verfassen?

Das fragte Peter Esser auf facebook, und ich fühlte mich zu einer Antwort herausgefordert.

Schmähsonett für die Herren E. und B.

Wer austeilt, muss imstand sein einzustecken –
Wer geistreich spotten will, muss geistreich sein!
Ist nun der Witz gering, das Können klein,
Doch groß das Maul, um Schweinkram auszuhecken,

So wird zwar nicht Satire draus, allein
Genug, um andre Narren aufzuschrecken,
Daß Narren gegen Narren Zähne blecken
Und jeder hält den andern für ein Schwein.

Der Weise spricht: Sie haben beide Recht!
Regieren kann der eine nicht, nicht schreiben
Der andre – ließen sie‘s doch beide bleiben!

Nun kreischen beide, trotzig wie die Kinder.
Sie sind so peinlich! Keiner ist es minder!
Hier sind die Taten, dort die Verse schlecht.

© Claudia Sperlich

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Widerspruch beim BAMF

… ist meist eine ziemlich dröge Angelegenheit. Ich habe auch in der Tat ohne jeden Lustgewinn kürzlich einen Widerpruch an BAMF und Lageso geschickt. Erst als die Briefe (auch noch per Einschreiben, also teuer) abgeschickt waren, schlug Bastian Volkamer mir vor, ich solle den Widerspruch doch in Form eines Sonetts schreiben.

Nun, wie gesagt: die Briefe sind weg. Und vielleicht ist es auch besser, daß ich den ersten Widerspruch möglichst sachlich gehalten habe. Wenn aber (wie ich befürchte) dieser erste Widerspruch noch keine Lösung bringt, dann bekommen sie dies – ach, vielleicht auch einfach zwischendurch, als Zückerli bei ihrer langweiligen Arbeit:

Zimmer frei – ein Sonett für BAMF und Lageso

Die Wohnung ist zwar gut genug für zwei:
Zwei Zimmer, Küche, Bad, Balkon. Das langt
Für manches Paar, das nicht in Armut bangt,
Für brave Bürger, wohlgenährt und frei.

Ich wohn allein, und nun zog bei mir ein
Aus einem Flüchtlingslager eine Frau.
Sie freut sich, findet schön den alten Bau,
Das kleine Zimmer ist ihr nicht zu klein.

Das Zimmer aber hat, genau vermessen,
Nicht mehr als nur zehn Meter im Quadrat –
Das seien zwei zu wenig, meint der Staat.

So zahlt der Staat ihr eines Lagers Enge,
Doch nicht ein Zimmer mit zwei fünfzig Länge
Samt Nutzungsrecht für Küche, Vorbau, Bad.

© Claudia Sperlich

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Willkommen, Seve!

MuKhi – Maria unter dem Kreuz hilft – heißt eine vor kurzem spontan gegründete Flüchtlingshilfe „meiner“ Gemeinde. Ich beschloss, meine eigentlich etwas zu große Eigentumswohnung mit einer Flüchtlingsfrau zu teilen.

Vor einigen Stunden ist Seve bei mir eingezogen – eine Jesidin aus dem Irak, deren Dorf von üblen Leuten ausgelöscht wurde und die in der Lageso-Turnhalle Angst und zu wenig Ruhe hatte. Und nun lebe ich in einer Wohngemeinschaft mit einer Frau, die sehr nett ist, fast kein Deutsch kann, erheblich hausfraulicher ist als ich und einen Alphabetisierungskurs für Frauen besucht.

Wir haben gemeinsam zu Abend gegessen, wir haben gelacht und sind an die Grenzen des Verstehens gekommen.

Du brauchst keine Angst mehr zu haben.
Was heißt Zuaben?

Und jetzt erklär mal den erweiterten Infinitiv, wenn die Sprache noch so sehr unbekannt ist. Lösung:

Keine Angst mehr. Nie mehr. Gut?
Ja!

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Verträgliche Hörnchen

Sie sind futterneidische, zänkische Einzelgänger, sobald sie nicht mehr ganz klein sind. In der Regel gönnen sie einander keinen Sonnenblumenkern, obwohl sie wissen, daß es reichlich gibt, und das Stärkere jagt das Schwächere von der Futterstelle – ja, nun, so sind sie eben.
Aber diese beiden versuchen wenigstens, ein bißchen netter miteinander umzugehen. Eines wartete mehrere Minuten lang ohne Zetern, und das andere fraß, ohne den Futternapf aggressiv zu verteidigen. Geht doch!

Eichhörnchen
Eichhörnchen

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Walburga: Für Bildung, gegen Tollwut

Die Walpurgisnacht, die von überkandidelten frauenbewegten Esoteriker_innen und von pseudowissenschaftlicher Mittelalterrezeption des 19. Jhs. angehauchten Neuheiden so bunt begangen wird, ist in Wahrheit die Vigil zum Fest der Heiligen Walburga, einer Benediktinerin des 8. Jhs.

Walburga war Tochter eines wohlhabenden, möglicherweise königlichen Paares, vermutlich Nichte des Heiligen Bonifatius (und ihm jedenfalls bekannt). Sie wurde im noch recht neuen Benediktinerinnenkloster Wimborne erzogen und früh in den Orden aufgenommen. Das Kloster war ein Hort der Gelehrsamkeit und bereitete sie gründlich auf die Mission vor. Nach etwa 26 Jahren in Wimborne – also ungefähr 36jährig – wurde sie von Bonifatius in das noch heidnisch geprägte Deutschland gerufen, wo ihre Brüder Wunibald und Willibald schon als Missionare tätig waren.

Das von ihrem Bruder gegründete Kloster Heidenheim erweiterte sie zu einem Doppelkloster und stand dem Frauenkloster als Äbtissin vor. Heidenheim war ein Zentrum der Missionsarbeit.

Deutsche Frauen, die schreiben und lesen können, verdanken diese Fähigkeiten mittelbar einer englischen Benediktinerin aus dem frühen Mittelalter. Sie ist übrigens auch Schutzpatronin gegen Tollwut – daran darf man heute und morgen denken, wenn es wieder rundgeht mit teils neopaganen, teils politischen Absonderlichkeiten im Harz, in Berlin und anderswo.

Heilige Walburga, bitte für uns.

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Katharina von Siena

Heute ist ihr Namenstag – und ich wünsche allen Katharinas, Kathis, Käthes, Cathys und wie sie immer heißen mögen alles Gute und Gottes reichen Segen!

Diese schöne Skulptur steht in Rom, zwischen Petersdom und Engelsburg.

Katharinas brutaler Umgang mit sich selbst ist mir teilweise befremdlich. Aber Heiligkeit heißt ja nicht Irrtumslosigkeit – sondern besteht in Hingabe an Gott. Und darin war sie groß – und nur darauf kommt es eigentlich an. Mehr als Gott lieben mit allen Konsequenzen, die sich daraus ergeben, ist schlichtweg überflüssig.

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Jugendliches Hörnchen

Vorhin fraß es mit wahrer Hingabe und ließ sich nicht einmal von meiner Knipserei stören.
Später wird es misstrauischer, und der Schädel wird etwas länglicher. Wenn es vollständig erwachsen wird! Die Chancen bei Eichhörnchen sind nicht übertrieben hoch, aber aus dem Gröbsten ist dieses hier heraus. Und hungern muss es jedenfalls nicht!

jugendliches Eichhörnchen
jugendliches Eichhörnchen
jugendliches Eichhörnchen

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Tutilo – Mönch und Künstler

Vor 1103 Jahren starb der Benediktinermönch Tutilo. Er wurde als Knabe im Kloster St. Gallen erzogen und trat dem Orden bei. 895 wurde er zum Priester geweiht. Urkundlich belegt sind neben der Weihe auch die Ämter, die Tutilo im Kloster innehatte und die alle eine hohe Charakterfestigkeit erfordern: Nacheinander war er Cellerarius (Wirtschaftsverwalter des Klosters), Sacratarius (das entspricht etwa dem heutigen Amt des Küsters) und Hospitarius (Betreuer der Klosterschüler, der Pilger und der Armen). Er diente Gott auch als Dichter, Musiker, Maler, Bildhauer, Goldschmied und Elfenbeinschnitzer und soll jungen Adligen Musikunterricht erteilt haben mit der Folge, daß sie ihr rabaukenhaftes Wesen wenigstens teilweise ablegten und das Lautenspiel dem Suff und der Jagd vorzogen.

Einige Dichtungen, Kompositionen und Schnitzereien – am berühmtesten der elfenbeinerne Schmuckeinband eines Evangeliars (Codex Sangallensis 53) – sind erhalten.

Tutilotafeln_StGallen_Cod_53

Ekkehard, der Chronist des Klosters, dem wir die meisten Nachrichten über Tutilo verdanken, wurde erst über sechzig Jahre nach dessen Tod geboren. Das bedeutet, er kannte Berichte über Tutilo wohl kaum aus erster Hand, andererseits war die Erinnerung an diesen vielseitigen Künstler noch frisch. Er beschreibt ihn als temperamentvollen Menschen, der, grundsätzlich von großer Freundlichkeit, einmal einen intriganten Mitbruder verprügelte (was ihm dann aber Leid tat).

Zwar wurde er nicht offiziell seliggesprochen, aber die Kapelle, in der er beigesetzt ist, hieß zeitweilig nach ihm, mehrere Bilder in Kirchen zeigen ihn mit Pinsel und Palette – und der derzeitige Erzabt von Beuron, Tutilo Burger, hat seinen Namen angenommen.

Auch eine Heiligenlegende gibt es über ihn. Er wurde nach Metz bestellt, um dort ein Bild der Gottesmutter zu schaffen. Dabei sahen zwei Fremde und der anwesende Geistliche, daß eine schöne und vornehme Dame dem Meister bei der Arbeit half – und erkannten sie als die Gottesmutter selbst. Darauf angesprochen, wollte Tutilo Metz verlassen, weil er nicht gefeiert werden wollte. Als er am anderen Morgen noch einen Blick auf das unvollendete Bild werfen wollte, fand er es meisterhaft vollendet – Maria selbst hatte zum Pinsel gegriffen.

Ordenspriester, Armenpfleger, Künstler und Schützling der Gottesmutter – der Mann gefällt mir.

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Frisches Brot

… am besten selbstgemacht.

Ich weiß schon nicht mehr, vor wievielen Jahren ich das letzte Mal Brot gekauft habe (Ausnahme: Knäckebrot und Pumpernickel – ersteres kann ich zwar backen, tu es aber selten, letzteres erfordert einen Spezialofen). Brot backen ist nicht nur eine angenehme Arbeit, das Produkt ist auch erheblich billiger und besser als gekauftes Brot.

Der Moment des Anschneidens ist immer wieder besonders. Zuerst ritze ich mit dem Brotmesser ein Kreuz auf die Unterseite – ohne Gottes Segen will ich kein Brot haben. Dann schneide ich die ersten Scheiben ab, und die ganze Küche duftet nach frischem Brot.

So gut!

Brot
Brot

Heinrich Gassert
Eigen Brot

Hatten wir auf unserm Pachtfeld
Einen reichen Sichelhieb,
Daß von den verkauften Garben
Auch für uns was übrig blieb.

Ließ die Mutter von den Körnern
Just so wie ein reicher Mann
Hinten in der Mühle mahlen
Wohl ein Säcklein dann und wann.

Nach acht Tagen wir drei Buben
Holten dann das Stümplein Mehl.
Heimwegs meint‘ ich unverhohlen,
Daß daran ein Mäßlein fehl‘.

Alsdann holten wir die Mulde,
Von der Patin schnell gelieh’n.
Einer von uns schob den Karren,
Wir zwei andre mußten zieh’n.

Das Stück Arbeit, bis die Mulde
Droben auf der Ofenbank
Feststand auf zwei alten Stühlen,
O wir schwitzten uns halb krank!

Drein ward dann das Mehl geschüttet,
Und dann kam der Sauerteig.
Salz und Wasser waren nötig,
Auf daß drin sich Leben zeig‘.

Und der heiße Kachelofen
Hat dann wirklich in der Nacht,
Während wir wie Bären schliefen,
Leben in den Teig gebracht.

Dann am Morgen war die Mulde
Schwer und voll bis an den Rand.
Und nun ging es an das Kneten,
Doch das machte Mutters Hand.

Draußen heizten unterdessen
Wir den Ofen, daß er kracht‘,
Während drin die gute Mutter
Aus dem Teig die Laibe macht‘.

Und in jeden Laibes Rücken
Hat ein Kreuzlein sie gedrückt,
Weil ja ohne Gottes Segen
Nie uns etwas Rechtes glückt.

Alsdann schob sie auf der Schaufel,
Die ich dick mit Mehl bestreut,
Laib um Laiblein in den Ofen.
O ich mein‘, ich seh’s noch heut!

Bis wir aus der Schule kamen
War gebacken dann das Brot.
Warm und duftend auf dem Bänklein
Lag’s, das sonst mir Ruhe bot.

Doch das Beste und das Schönste
An der ganzen Bäckerei
War ein großer Zwiebelkuchen:
Ich begrüßt‘ ihn mit Juchhei.

Zwiebelkuchen darf nicht fehlen,
Wenn daheim man Schwarzbrot bäckt.
Doch ein Kind nur kennt die Freude.
Die in solchem Kuchen steckt.

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