Die Würde des Fieslings ist unantastbar

Gleich ob Menschen Polizisten in einen Hinterhalt locken, um sie mit Steinen zu bewerfen, oder ob Menschen Christen zu Tode bringen, oder ob Menschen jede auch nur ansatzweise christliche Äußerung verbieten und Verstöße gegen dieses Verbot lebensgefährlich sind – gleich ob Menschen noch andere mehr oder weniger scheußliche Verhaltensweisen an den Tag legen: Sie sind und bleiben Menschen.

Selbstverständlich gilt meine Sympathie zuerst den Opfern, ob das nun Berliner Polizisten oder ägyptische Christen oder deutsche Caritasmitarbeiter in Nordkorea sind (oder irgendwelche anderen körperlich und seelisch mißbrauchten Menschen). Ich pflege mich bei Gewalttaten nicht als erstes hinzusetzen und die armen Täter ob ihrer schweren Kindheit zu bejammern. Ich stelle aber im öffentlichen Diskurs, in sozialen Medien, aber auch in analogen Gesprächen, fest, daß Tätern gerne das Menschsein abgesprochen wird. Mehr noch, wer Gewalttätern der höheren Kategorie (also mit einer mindestens zweistelligen Opferbilanz) Grundrechte und die dem Menschen immanente Würde nicht absprechen will, wird als Sympathisant angesehen, zumindest aber als Dummkopf.

Der Satz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ stimmt aber immer, sowohl aus rechtlicher Sicht in demokratischen Staaten als auch aus philosophischer und aus christlicher Sicht. Sobald sich die Annahme durchsetzt, daß „die Würde der meisten Menschen unantastbar“ sei, sind wir auf dem besten Weg zur Überzeugung, daß „die Würde der wenigsten Menschen unantastbar“ zu sein hat. Auf diesem schlechtesten aller Wege sind wir, und leider gehen auf diesem Weg auch Menschen, die sich für besonders fromme Christen oder für besonders rechtschaffene Staatsbürger halten. Menschen, die das Christentum für verabscheuungswürdig halten, haben diesen Weg schon längst vom Trampelpfad zur mehrspurigen Straße ausgetreten.

Ich bin es leid, mich in Debatten darüber einzubringen, ob die Menschenwürde nicht doch ein bißchen antastbar sei, in diesem oder jenem besonderen Fall, ob man nicht vielleicht doch hie und da ein wenig foltern oder ein klitzekleines bißchen Selbstjustiz üben solle.

Ich bin es immer noch nicht leid, für Menschen, die vermutlich erheblich schlechter sind Schlechteres tun als ich selbst, zu beten. Das ist übrigens sehr empfehlenswert. Glauben Sie, dieser oder jener Mensch sei eigentlich kein richtiger Mensch, sondern ein *beliebiges grobes Schimpfwort einsetzen*, bitten Sie Gott, diesen Menschen zu segnen. Und dann stellen Sie sich vor, ein vom Herrn Gesegneter wird unmenschlich behandelt.

Selbstverständlich brauchen wir, solange die Welt nun einmal so ist, wie sie ist, Strafjustiz. Es ist leider notwendig, Menschen einzusperren oder mit anderen Strafen zu belegen, die ihre Freiheit zum groben Schaden anderer mißbrauchen. Aber das bedeutet eben nicht, ihnen das Menschsein und die Menschenwürde abzusprechen – es darf dies nicht bedeuten, sonst ist jedes Strafrecht absurd.

Wer die Menschenwürde nicht absolut setzt, kann sie in keinem Fall verteidigen.

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900 Jahre Kloster Riechenberg

Anno Domini 1117 wurde das Kloster Riechenberg gegründet. Seine wechselvolle Geschichte ist in dem verlinkten Wikipedia-Artikel gut beschrieben.

In der ersten Zeit lebten die Mönche von Riechenberg nach der Benediktsregel, bald aber wurde es als Stift der Augustiner-Chorherren geführt. Das Kloster gewann an kultureller und wirtschaftlicher Bedeutung. In der Frühzeit der Reformation war es 74 Jahre lang evangelisch und wurde 1673 rekatholisiert. Im 18. Jh. wurde Wilhelm de la Tour Propst und bewirkte durch seinen aufwendigen Lebensstil den moralischen und wirtschaftlichen Niedergang des Klosters. 1794 wurde das Kloster aufgelöst.

Im 19. Jh. wurde das säkularisierte Kloster erst preußischer und dann hannoverscher Besitz. Die Klosterkammer Hannover verwaltete den Bestand gut, richtete das Kloster nach einem Brand wieder her und überließ es 1980 einer evangelischen Bruderschaft.

Das Evangelische Gethsemane-Kloster trat die Nachfolge der Augustiner-Chorherren an, und wenn man sich den Internetauftritt der Bruderschaft anschaut, fragt man sich, warum die Brüder nicht einfach wieder katholisch werden. Denn sie leben dort als Mönche, äußerlich durch den weißen Habit erkennbar, mit Stundengebet und Stille, zölibatär und kompromisslos. Fehlt nur die gültige Messe. Wer weiß – Riechenbergs wechselvolle Geschichte läßt mich auf eine Rückkehr hoffen!

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Sechs Monate unter Gelübde

… und keinen Augenblick bereut.

Am ersten Adventssonntag vergangenen Jahres habe ich feierlich gelobt, drei Jahre lang in Armut, Keuschheit und Gehorsam gegenüber Gott und der Kirche zu leben, täglich zur Messe zu gehen, täglich mindestens eine halbe Stunde lang vorm Tabernakel oder vor dem ausgesetzten Allerheiligsten anzubeten und mindestens einmal im Monat das Sakrament der Versöhnung zu empfangen.

Immer noch und immer mehr fühle ich mich beschenkt viel mehr als verpflichtet, befreit viel mehr als gebunden. Ich sehne mich danach, dies Gelübde nach Ablauf der drei Jahre zu wiederholen – und dann für immer.

Du riefst mich

Du riefst mich, Herr, und ich diene Dir gern,
viel lieber dien ich auf Knien Dir,
als fordernd vor einem andern zu stehn.

Ich hab Dir gelobt – hätt ichs eher getan,
doch eitel ist Klage um frühere Zeit –,
Dir betend zu dienen, Tag für Tag,
in Anbetung und in Heiliger Messe,
drei Jahre lang, und ein halbes ist um.

Schon sehne ich mich nach dem letzten Tag –
nicht überdrüssig, ich diene Dir gern –,
denn dann will ich dies noch einmal geloben,
und dann für ewig. Wenn Du es willst
und wenn ich dann lebe, nimm mich in Dienst
zur Messe, zur Anbetung, Tag für Tag,
bis ewig ich schauen und beten darf.

*

Nur Ihm

Ich bin beschenkt und getragen,
Mit Gold meine Zeit überstäubt.
Die Welt versucht mich zu jagen
Und nennt mich dumm und betäubt –
Die Welt hat ihr Spielchen verloren
An den, der für mich ist geboren.

Ich will von Neuem geloben,
Was ich meinem Herrn versprach,
Der mich gewollt und gewoben,
Den einst diese Welt zerbrach.
Denn Er, der für mich ist gestorben,
Hat mich voller Liebe umworben.

Ihm will ich für immer gehören –
Gelübde, das niemals verfällt.
Und will sich die Welt daran stören,
Verstöre ich gerne die Welt:
Ich geh durch ihr Stürmen und Branden
Mit Ihm, der für mich ist erstanden.

© Claudia Sperlich

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Der Diözesanrat und das Lebensrecht

Der Diözesanrat von Berlin hat beschlossen, den Marsch für das Leben nicht zu unterstützen. Josef Bordat berichtete bereits darüber.

Ich habe an den Diözesanrat gemailt und gefragt, wie es zu dieser sonderbaren Entscheidung kommen konnte. Heute bekam ich Antwort. Darin heißt es:

Der Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin hat auf seiner Vollversammlung am 13. Mai 2017 das Thema: „In welcher Gesellschaft wollen wir leben?“ ausführlich beraten und dazu einen Beschluss befasst. … Von Mitgliedern der Vollversammlung des Diözesanrates wurden Anträge eingebracht zu den Themen:
• „Katholische Theologie in Berlin stärken“
• „Unterstützung Marsch für das Leben“.
… Der Antrag „Unterstützung Marsch für das Leben“ wurde von der Vollversammlung des Diözesanrates klar abgelehnt.

Der Antrag „Unterstützung Marsch für das Leben“ hat folgenden Wortlaut:

„Die Vollversammlung des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum Berlin setzt sich für den Schutz des menschlichen Lebens vom Anfang bis zum Ende ein. Euthanasie, genetische Selektion, das Töten von Menschen lehnen wir ab. Die Vollversammlung unterstützt daher ausdrücklich den überkonfessionellen und überparteilichen Marsch für das Leben am 16. September 2017 in Berlin und ruft die Gläubigen des Erzbistums Berlin zur Teilnahme daran auf. Die Priester des Erzbistums bitten wir in Vermeldungen auf den Marsch für das Leben hinzuweisen und die Gläubigen im Gebet für die Anliegen des Marsches zu unterstützen.“

In der Diskussion dazu gab es eine Gegenrede mit folgendem Inhalt:

„Das hier zur Rede stehende Anliegen hat einen ernsten Hintergrund. Es lässt niemand kalt, dass in Deutschland knapp 100.000 Kinder abgetrieben werden. Und auch wenn aktuell ein leichter Rückgang zu verzeichnen ist, so kann und darf diese Situation nicht kommentarlos hingenommen werden, sondern bedarf, wie etwa der Umgang mit der immer ausgefeilteren Pränataldiagnostik, einer kritischen und öffentlichen Diskussion. Dabei sind ethische, gesellschaftliche und wissenschaftliche Aspekte des Themas zu beleuchten und auch die Beweggründe der Frauen und Männer zu verstehen, die sich gegen ihr Kind entscheiden.
Ein erheblicher Teil der Befürworter des Marsches für das Leben lassen meines Erachtens diese differenzierte Auseinandersetzung mit einem komplexen Thema vermissen. So wird bspw. weder die Not von Frauen nach Vergewaltigung und bei lebensgefährdenden Schwangerschaften in den Blick genommen noch die schwierige Debatte zur Sterbehilfe bzw. die Abwägung zwischen dem freien Willen eines Menschen und dem Schutzanliegen der Gesellschaft. Aus gutem Grund gilt Suizid in Deutschland nicht mehr als Straftatbestand!
Lebensrecht und Würde sind allen Menschen gegeben, dem ungeborenen Kind genauso wie der werdenden Mutter, dem werdenden Vater. Eine gegenseitige Aufrechnung verbietet sich genauso wie ein Ignorieren des Leidens der Betroffenen. Es sei auch darauf hingewiesen, dass es engagierte Katholikinnen und Katholiken nicht zuletzt aus dem Erzbistum Berlin waren, die mit der Gründung von donum vitae dafür kämpften, dass die betroffenen Menschen in ihrer Not nicht allein gelassen werden.
Eine Stigmatisierung der Frauen kann genauso wenig im Ansinnen des Diözesanrates sein wie eine Verkürzung oder gar Radikalisierung in der sicherlich immer wieder neu notwendigen Auseinandersetzung mit diesen Fragen. Der Marsch für das Leben versammelt aber leider nicht wenige Menschen, die genau dies tun.
Ich beantrage deshalb, den Antrag in der vorliegenden Form abzulehnen und das Thema in unsere Sachausschüsse zur weiteren Bearbeitung zu überweisen.“
Nach der Aussprache erfolgte die Abstimmung über den Antrag. Bei zwei Ja-Stimmen und neun Enthaltungen stimmte die große Mehrheit der Mitglieder der Vollversammlung gegen den vorliegenden Antrag und lehnte ihn somit ab.

Man muß es sich auch wirklich auf der Zunge zergehen lassen: Der Heilige Vater sendet den Organisatoren eine Grußadresse, erklärt sich solidarisch und betet für alle Teilnehmer sowie natürlich für die, um deretwillen der Marsch für das Leben stattfindet – Schwangere in Not und Ungeborene. Erzbischof Koch schließt sich an, ja, er geht in vollem Ornat mit – und noch mehrere Bischöfe und zahlreiche Priester nehmen am Marsch für das Leben 2016 in Berlin teil.

2017 fällt die große Mehrheit des Berliner Diözesanrates ihrem Bischof und dem Heiligen Vater in den Rücken mit einer verschwurbelt-sentimentalen Begründung, die die Argumente der neben jedem MfdL zu hörenden linken Protestgröler übernehmen. „Zahlreiche“ Leute, die auf dem Marsch für das Leben gegen Abtreibung und Euthanasie eintreten, sind dem Diözesanrat nicht recht, weil sie (angeblich) nicht deutlich genug auf die Not vergewaltigter Frauen eingehen. Oder auf das Selbstbestimmungsrecht Depressiver. Wohlgemerkt: beides sind höchst wichtige Themen. Allerdings sind Abtreibungen wegen Vergewaltigung ein verschwindend geringer Anteil aller Abtreibungen. Und die Selbstbestimmungsfähigkeit Depressiver ist stark eingeschränkt (als geheilte ehemals Depressive weiß ich das sehr genau). Vor allem aber sagt die Mehrheit des Diözesanrates: „Da sind aber viele Leute bei, die wir irgendwie gar nicht mögen, die sind pfui, da machen wir nicht mit.“

Tatsache ist: Auf jedem Marsch für das Leben sind Vertreter von Hilfsorganisationen, die Schwangeren in Not und auch Frauen, die nach einer Abtreibung den Boden unter den Füßen verlieren, wirkliche Hilfe leisten. Bei der Kundgebung wird immer mit großer Empathie auf die Not der betroffenen Mütter eingegangen. Vom „Ignorieren von Leid“ kann wahrlich keine Rede sein! Mütter, die abgetrieben haben, kommen zu Wort – und auch Menschen, die ohne Schwierigkeiten hätten abgetrieben werden können, weil sie ein Chromosom mehr haben als die meisten Leute. Auf jedem Marsch für das Leben sehe ich friedvolle Menschen, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, einige mit mehr oder weniger ausgeprägten Behinderungen. Auf jedem Marsch für das Leben sehe ich auch Leute, die mir nicht besonders sympathisch sind – mit ihnen verbindet mich dann das Ziel, dem Lebensrecht eine Stimme zu geben. Ich habe über den ein oder anderen Teilnehmer auch ziemlich unfreundliche Gedanken gehabt – bei über sechstausend Menschen kann das schon mal passieren. Trotzdem habe ich meinen Ordnerdienst gemacht und werde ihn, so Gott will und ich lebe, auch heuer tun.

Wer seine Hausaufgaben leider nicht gemacht hat, ist der Diözesanrat von Berlin (minus zwei seiner Mitglieder). Alsdann, liebe Diözesanräte und -rätinnen:

Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält. (Eph. 4,2-3) Damit ist nicht gemeint, daß der Diözesanrat im eigenen Saft schmoren soll, sondern daß er sich mit dem katholischen Teil der katholischen Kirche irgendwie zusammenraufen muß. (Soviel zur Stärkung der Theologie.)
Und gehorcht gefälligst dem Heiligen Vater und Seiner Exzellenz dem Erzbischof von Berlin. Andernfalls besteht der Verdacht auf Häresie. Ist das jetzt mal klar?

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Was am Katholizismus so klasse ist: Die Feste!

Katholiken feiern eigentlich immer. Natürlich wird in der katholischen Kirche jeden Tag die Messe gefeiert – nicht in jeder Gemeindekirche täglich, aber insgesamt in der Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen. Jeden Augenblick wird irgendwo auf der Welt Messe gefeiert. In Berlin kann ich ohne Schwierigkeit täglich an einer Messe teilnehmen. Und was feiert man da? Die Auferstehung des Herrn. Ostern. Wir feiern täglich Ostern – nur am Karfreitag und am Karsamstag (Jesu Tod und Grabesruhe) gibt es keine Messe, was wiederum logisch ist. Am Karfreitag wird aber dennoch gefeiert – nämlich der Tod Christi zur Erlösung der Welt. Am Karsamstag hält man inne, aber schon am Abend geht es wieder los mit der gewaltigen Feier der Osternacht. Denn was wir in jeder Messe feiern, wird zum Ostertermin natürlich noch einmal ganz besonders schön und ausgiebig und fröhlich gefeiert.

Außerdem feiern wir an bestimmten Tagen Seine Geburt, Sein Auftreten in der Welt, die Einsetzung des Abendmahls, Seine Himmelfahrt, die Herabsendung des Heiligen Geistes. Nicht zu vergessen Fronleichnam, das große Fest, an dem wir Seinen Leib durch die Straßen tragen. Aber damit ist noch nicht Schluß mit den Feiern.

Wir feiern auch für Maria, die Mutter des Herrn, und mit ihr – und das gar nicht so selten. Wir feiern jeden einzelnen Tag das Gedenken mehrerer Heiliger, feiern bestimmte Heilige (Johannes den Täufer, Petrus, Paulus, Josef, Thomas von Aquin und viele andere) mit besonderer Festlichkeit und besonderem Brauchtum, feiern unsere Namenspatrone, die Patrone von Kirchen, Schulen und Krankenhäusern. Die Gedenktage der meisten Heiligen sind zwar keine Feste oder gar Hochfeste, also liturgisch nicht mit besonderem Aufwand, aber auch das Gedenken darf feierlich sein! Namenstag haben heute zahlreiche Menschen, z.B. die mit Namen Rita oder Felix, aber auch solche, die Bobo oder Fulgentius heißen.

Wir feiern nicht nur Taufen, Firmungen, Priester- und Ordensweihen, sondern auch deren Jubiläen. Hinzu kommt, daß Katholiken auch weltliche Feiern gerne mitnehmen. Wir feiern mit besonders schönen Gottesdiensten alles vom Mauerfall bis zum Geburtstag des Gemeindepfarrers. Wir feiern sogar, wenn wir trauern – Tod und Begräbnis und das Gedenken an die Toten, einzelne und alle, werden feierlich begangen.

Wir kommen eigentlich aus dem Feiern gar nicht mehr heraus. Ja, wir beginnen die Woche mit einem Feiertag! Denn der Sonntag ist der erste Tag der Woche; zum „Wochenende“ wurde er durch die protestantische Arbeitsethik, die „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ haben will. Aber Jesus lag am letzten Tag der Woche, am Sabbat, im Grab – und erstand am ersten Tag der folgenden Woche. Deshalb gilt für Christen die Sonntagspflicht – also die Vorschrift, am Sonntag jede nicht absolut notwendige Arbeit ruhen zu lassen und den Sonntagsgottesdienst zu besuchen, wenn es irgend möglich ist. Man könnte sagen: Christen sind einmal in der Woche zum Feiern verpflichtet. Weltliche Pflichten sind in der Regel weit öder.

Erst die jauchzende, überschwengliche, himmlische Freude – dann die Arbeit, und während der Arbeitswoche so oft wie möglich eine kleine Feierlichkeit einbauen, und wenn es hart wird, an den Wochenanfang denken: Das ist katholische Lebensauffassung.

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Was am Katholizismus so klasse ist: Die Anbetung!

Die katholische Kirche nimmt die Einsetzungsworte Jesu beim Abendmahl wörtlich. Wenn der Herr gesagt hat „Das ist Mein Leib … das ist Mein Blut“ und „Tut dies zu Meinem Gedächtnis“, dann ist das so. (Über die Eucharistie ist hier ein guter Artikel.)

Aber nicht nur der Empfang der Eucharistie ist groß und heilbringend, sondern auch die Anbetung des Herrn, der in der Gestalt von Brot im Tabernakel anwesend ist. In jeder katholischen Kirche ist der Herr leiblich anwesend. Er ist in der Gestalt von Brot im Tabernakel. Er läßt zu, daß man Seinen Leib in das Tabernakel sperrt, und doch ist Er ganz und ungeteilt und ewig da – hier aber auch leiblich und in der Erscheinungsweise zeitlich. Vor diesem Wunder knie ich täglich. Er ist da, wenige Meter von mir entfernt, und obwohl das Tabernakel verschlossen ist, weiß ich, daß Er dort ist. Das ist schon größer, als ich es ohne Seine Hilfe ertragen kann, und zugleich schöner als ich es mir vorstellen kann.

Und dann gibt es noch die Eucharistische Anbetung.

Behutsam und ehrfürchtig nimmt der Priester die Hostie aus dem Tabernakel und setzt sie in die Monstranz ein, hält die Monstranz hoch, stellt sie auf den Altar, kniet nieder. Alle knien nun vor dem Herrn und sehen Ihn an. Die Monstranz ist schön, sie umgibt den Leib des Herrn mit goldenen Strahlen – aber das ist mir gar nicht so wichtig. Denn ich sehe sie nicht, ich sehe nur den weißen Herrenleib, der viel heller strahlt als die kunstvollste Monstranz. Zuletzt erteilt der Priester den Eucharistischen Segen, zeichnet mit der Monstranz – mit dem Herrenleib! – ein Kreuz in die Luft, und ich spüre das Kreuz auf meinem Herzen. Mit gleicher Ehrfurcht verwahrt er die Hostie dann im Tabernakel.

Ich habe den Herrn gesehen. Zwar verhüllt, in Gestalt von Brot, aber doch ganz und vollständig Er. Ungeteilt, auch wenn in tausend Kirchen gleichzeitig der Eucharistische Herr angebetet wird.

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Sommerwetter im Mai

In Berlin brach heute der Sommer aus.
Auf meinem Balkon sieht das so aus:

Senfrauke (für Snobs: Rucola)
Rauke

Oregano, nach dem Winter trotz mangelhafter Pflege wiedergekommen und bereits etwas geplündert
Oregano

Basilikum und Salbei
Basilikum, Salbei

Estragon
Estragon

Sonnenblume, Rosmarin und Schnittlauch
Sonnenblume, Rosmarin, Schnittlauch

ein Röslein
Rose
Rose

Minze, ebenfalls tapfer nach dem Winter wiedergekommen
Minze

und Petersilie, für die Gleiches gilt – jetzt dürfte sie nur bitte noch mehr werden.
Petersilie

Da ich fleißig gedichtet hatte, durfte ich nachmittags ein wenig Pause machen und fand mich plötzlich am Lietzensee und daselbst einen Lieblingsplatz.
Am Lietzensee
Platane im Mai
Platane im Mai
Platane im Mai

Am Lietzensee

So fürstliches Maienwetter,
Die Parkbank vom Ufer nicht weit,
Durch junge Platanenblätter
Scheint blaue Unendlichkeit.

An diese Bank aller Bänke
Steht lässig mein Fahrrad gelehnt;
Ich führ meine Träume zur Tränke,
Hab lang mich danach gesehnt.

Nur kurz die traumtiefe Ruhe,
Dann fahre ich wieder fort.
In meiner Erinnerung Truhe
Zuoberst liegt dieser Ort.

© Claudia Sperlich

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Die Bücher sind da!

Die Paperback-Exemplare meines neuen Buches Die Befreier sind heute angekommen, und der nette Bote von DHL hat auch sofort meine Anschrift gefunden und auf den richtigen Klingelknopf gedrückt und gewartet, bis ich den Summer gedrückt habe und es bis in den ersten Stock geschafft (ist alles nicht selbstverständlich).

Das Cover ist auch genau so dunkelblau geworden, wie ich es wollte, der Druck ist einwandfrei, die richtige Anzahl wurde geliefert. Alles ist gut!

Die Befreier

Auf die Hardcover muß ich noch ein bißchen warten, da die Produktion länger dauert. Wer ein Buch haben will, kann es bei tredition oder bei mir (auf Wunsch signiert) oder beim Buchhändler oder bei amazon bestellen.

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Dichterin oder Dichter? Zum generischen Maskulinum.

Eine Bekannte beschwerte sich über den Gebrauch des generischen Maskulinums. Siebzehn Frauen und ein Mann hatten im Rahmen eines Wettbewerbs Torten gebacken, und es war von achtzehn Tortenbäckern die Rede.

Ich äußerte, daß ich das vollkommen richtig finde, und verließ damit den Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, der guten Sitten und so weiter.

Ich bin Dichterin, und ich benutze das generische Maskulinum. Das bedeutet: Der Satz „Ich bin Dichterin“ kommt mir problemlos über die Lippen, denn ich bin eine Frau, die dichtet. Wenn ich aber mit einem männlichen Kollegen zusammen bin, so bin ich einer von zwei Dichtern. Andernfalls müßte ich sagen, wir sind eine Dichterin und ein Dichter – und mit dieser Ausdrucksweise würde ich bereits einen Unterschied implizieren, der über das Geschlecht hinausgeht. Ich würde andeuten, daß mein Beruf ein anderer ist als seiner, und gerade das würde die patriarchalen Instinkte wecken: Aha, eine Dichterin und ein Dichter – also eine, die es versucht, und einer, der es kann. (Ich denke mir das nicht aus, ich habe meine Erfahrungen. Komplimente wie „Ich hätte niemals gedacht, daß Sie so gut dichten können“ habe ich schon öfter gehört – dichtenden Männern gegenüber werden weit weniger Menschen glauben, ein solcher Satz sei ein Kompliment.)

Wenn ich von Annette von Droste-Hülshoff sage: „Sie ist die bedeutendste deutschsprachige Dichterin“, so impliziere ich damit, daß es unter ihren männlichen Kollegen noch bedeutendere geben kann. Deshalb sage ich: „Sie ist unter den deutschsprachigen Dichtern die Bedeutendste.“ Den Dichtern, nicht den Dichterinnen – die im generischen Maskulinum eingeschlossen sind.

Als ich in der Diskussion fragte, ob man denn auch sagen wolle, Nationalsozialistinnen und Nationalsozialisten haben die Vernichtung der Juden beschlossen, oder Raserinnen und Raser sind für hunderte Tote auf unseren Straßen verantwortlich, wurde mir die Antwort, ich benutze Nazivergleiche, und das sei ja wohl krass. Diese Antwort kam von einer Frau, die sich in hohem Maße für die Verbesserung der deutschen Sprache durch Berücksichtigung der weiblichen Form einsetzte. Zu einem weiteren Gespräch mit mir war sie nicht bereit, was ich durchaus verschmerzen kann.
Tatsächlich wird auf die weibliche Form bei negativ konnotierten Bezeichnungen weit seltener bestanden als bei positiv oder neutral konnotierten. So weit geht der Wille zur sprachlichen Gerechtigkeit nicht.

Gefragt wurde ich auch, warum man nicht ein generisches Femininum einrichten könne, also beschließen, daß in der femininen Form die Männer auch enthalten sind. Tortenbäckerinnen implizieren dann Tortenbäcker.

Wenn wir das so machen (es gibt ja mit dem Binnen-I schon den Versuch), dann gehen wir beim Hören automatisch davon aus, daß nur Frauen anwesend sind. Sollten wir je lernen, das nicht mehr zu tun, und bei „Achtzehn Tortenbäckerinnen“ automatisch davon ausgehen, daß männliche Tortenbäcker dabei sein können, haben wir ein neues Problem – nämlich in dem Fall, wo es wirklich nur Frauen sind. Eine rein weibliche Gruppe von Dichterinnen, Bäckerinnen, Installateurinnen etc. kann sich dann durch die weibliche Endung nicht mehr als rein weibliche Gruppe zu erkennen geben. Das finde ich wirklich frauenfeindlich!

Nehmen wir den Satz „Drei Freundinnen trinken gemeinsam Kaffee und sprechen über ihre Arbeit als Dichterinnen.“ Wären Sie bereit anzunehmen, daß zwei der Kaffeetrinkerinnen Josef und Harald heißen?
Wenn wir umgekehrt sagen „Drei Freunde trinken gemeinsam Kaffee und sprechen über ihre Arbeit als Dichter.“, so ist die erste Assoziation vielleicht die von drei Männern, aber jeder, der leidlich Deutsch spricht, wird begreifen, daß auch ein oder zwei Frauen dabei sein können – vielleicht sogar drei, sofern die drei sich als Mitglieder der großen Gemeinschaft männlicher und weiblicher Dichter sehen. Sollten die drei nicht als Dichter, sondern als Bauarbeiter oder Klempner arbeiten, werden die meisten Menschen annehmen, daß es sich nur um Männer handelt, weil es wahrscheinlicher ist. Sprechen sie aber über ihre Arbeit als Schreibkräfte, so werden die meisten Hörer höchstens einen Mann in der Runde annehmen – weil es weit mehr weibliche als männliche Schreibkräfte gibt. In diesen Fällen könnte eine Gruppe mit Mitgliedern beiderlei Geschlechts sich aber selbständig äußern – Bauarbeiter, Klempner und Schreibkräfte können ja einfach sagen, was sie meinen, und Unklarheiten beseitigen.

Argumentiert wurde auch, daß man sich eben an neue Sprachregelungen gewöhnen müsse.

In der Tat gibt es Sprachregelungen, die zu Recht geändert wurden. So wird die Ehefrau eines Professors meist nicht mehr als „Frau Professor“ angeredet, es sei denn, sie hat selbst habilitiert. Das halte ich für sinnvoll; die in meiner Kindheit noch übliche Anrede „Frau Professor“ für die titellose Ehefrau eines Professors fand ich schon damals ebenso frauen- wie professorenfeindlich. (Übrigens wurde in der Geschichte der deutschen Sprache niemals die Anrede „Herr Professorin“ oder auch „Herr Professor“ für den Ehegatten einer solchen erwogen; man erkennt spätestens hier eine wirklich patriarchalische Denkungsart, und nein, das ist keine Ironie.) Die moderne Sprachregelung, auf Titel in der Anrede ohne Unhöflichkeit ganz zu verzichten, finde ich gut; sie ist für mich Ausdruck von Gleichberechtigung und ein gutes Mittel gegen intellektuellen Hochmut.

Aber der Verzicht auf das generische Maskulinum oder die Einführung eines generischen Femininums ist in meinen Augen eine Vergewaltigung der Sprache. Ich bin als Dichterin selbstbewußt genug, in einem Kreis von Kollegen (zehn Kolleginnen und einem Kollegen, um umständlich-übergenau zu sein) zum Dichter zu werden. Als Individuum bleibe ich Dichterin.

Siegerin des obengenannten Wettstreites ist übrigens eine Tortenbäckerin. Eine von achtzehn Tortenbäckern, so grammatisch ungewöhnlich kann man es sagen. Jede andere vorgeschlagene Sprachregelung ist am Ende nicht gerechter und nicht verständlicher, sondern bei genauer Betrachtung ungerechter und sprachlich häßlicher.

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Die Apokalyptische Madonna

Wenn wir Maria „Himmelskönigin“ nennen, so bedeutet das, dass sie von Gott mit königlicher Würde ausgestattet ist, nicht aber, dass sie eine Göttin wäre (wie Katholiken zu Unrecht gern vorgeworfen wird).
Mehr darüber in meiner kath.net-Kolumne.

Edit: Jetzt funktioniert auch der Link.

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