Seiten sperren, Seiten entsperren

Ich hatte mich hier ziemlich heftig über eine Bibliothek geärgert. Nun aber hat mir ein Mitarbeiter der Bibliothek sehr genau erklärt, wie es zu einer solchen Sperrung kommen kann, nämlich durch die Unvollkommenheit des Algorithmus, und dadurch, daß eine Bibliothek leider auch zum Aufsuchen von Schmuddel-, Sekten- und Gewaltseiten mißbraucht wird, wenn sie sich nicht schützt.

Der Mitarbeiter hatte sich über den von mir überspitzt erhobenen Vorwurf der Diktatur zu Recht geärgert, und ich habe ihn (den Vorwurf, nicht den Mitarbeiter) gelöscht.

Ärgerlich bleibt es, daß offenbar der beste Algorithmus nicht imstande ist, die Homepage einer Römisch-katholischen Gemeinde von einer gefährlichen Sekte zu unterscheiden. Aber der Geist der Unterscheidung ist eben auch der Geist der Weisheit, und wenn ich selbst einen gar nicht weisen Vorwurf formuliere, kann ich von einem Algorithmus nicht mehr verlangen.

Liebe Ingeborg-Drewitz-Bibliothek, entschuldige bitte. Ich werde künftig bei gesperrten Seiten mal einfach tief durchatmen.

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„Katholisch“ und „Kulte“: Ganz, ganz böse!

Die Ingeborg-Drewitz-Bibliothek in Berlin-Steglitz ist ein angenehmer Ort. Der Bestand ist sehenswert für eine Bezirksbibliothek. Die Bibliothek ist kinderfreundlich mit einem feinen Kinderbuchbestand und gemütlichen Kinder-Sitzecken sowie gelegentlich Lesungen für Kinder. Sie ist jugendfreundlich mit einer großen Menge an Jugendbüchern und einem Computerbereich direkt daneben, bei dem sehr darauf geachtet wird, daß kein Jugendlicher länger als eine Stunde am PC sitzt. Sie ist auch Erwachsenenfreundlich mit vielen Büchern zu vielen Themen, mit guten Buch-Recherchemöglichkeiten und Sitzgelegenheiten mit und ohne Schreibtisch, zum Lümmeln und Schmökern ebenso wie zum konzentrierten Arbeiten, und mit PCs auch in dem Bereich für die „Großen“. Es gibt in einer Ecke der Bibliothek ein kleines, günstiges und nettes Café. Die Mitarbeiter sind freundlich, die ganze Bibliothek ist hell und gepflegt.

Eine überspitzt formulierte Bemerkung über die Ingeborg-Drewitz-Bibliothek habe ich gelöscht, nachdem ich eine erklärende Mail bekam mit der Zusicherung, die betreffenden Seiten wieder zuzulassen.

Mein Blog ist von den hiesigen PCs aus nicht aufrufbar. Argument: Hassrede und Gewalt.
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Die Homepage der katholischen Kirchengemeinde Maria unter dem Kreuz ist ebenfalls von hier nicht aufrufbar. Argument: Kulte.
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Beschwert habe ich mich bereits, das nützt aber nichts.

Liebe Ingeborg-Drewitz-Bibliothek, cultus heißt verehrt. cultura heißt das, was verehrt wird. Kult und Kultur haben miteinander zu tun. Die ursprüngliche Bedeutung des zugrundeliegenden Verbs colere ist übrigens anbauen. Dort, wo das Getreide für Brot angebaut wird, wird auch Gott verehrt und werden am Ende auch Universitäten und Bibliotheken gebaut. Essen, beten, bilden – das gehört zusammen.

Aber macht nur weiter so. Solltet Ihr irgendwann den Bestand an religiösen Büchern verramschen, nehm ich den Ratzinger / Benedikt XVI. und den Franziskus.

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Was am Katholizismus so klasse ist: Das Purgatorium!

Jetzt, wird mancher denken, ist sie völlig ausgetickt. Was ist daran schön?

Ich mag meine Dusche. Wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin, werde ich unweigerlich dreckig – Straßenstaub, Schweiß und was in der Stadt- oder Landluft so herumfliegt, pappt nach einer längeren Fahrt an meinem Körper. So schön die Fahrt war, das ist eklig, und zu Hause bin ich froh, wenn ich mich davon befreien kann.

In diesem Leben pappt so einiges an meiner Seele. Vieles davon geht in der Duschkabine ab, die man Beichtstuhl nennt. Aber anderes, wie die klammernden bösen Neigungen oder die Schäden, die ich anderen Menschen zugefügt habe, oder die hartnäckigen Reste von Übelnehmerei, schlimmstenfalls auch ungebeichtete Sünden, bringe ich beim letzten Atemzug nicht herunter. (Das Gebet um eine gute Sterbestunde schließt ein, das am Ende möglichst wenig Gruseliges an der Seele klebt.) Es ist jedenfalls damit zu rechnen, daß man mit nicht so ganz blütenweißer Seele stirbt.

Ich brauche aber nicht zu befürchten, daß ich mit meinen dreckigen Klamotten zwischen den strahlend weiß gekleideten Bewohnern des goldenen Himmlischen Jerusalem herumlaufen muß. Ich muß – und darf – vorher einen Reinigungsprozess durchlaufen, das Purgatorium (von lat. purgare, reinigen). Der deutsche Ausdruck Fegefeuer entstand durch die Vorstellung, daß die Seelen im Feuer geläutert werden, wie Edelmetalle.

Das Purgatorium hat übrigens, entgegen einem schier unausrottbaren Irrtum, rein gar nichts zu tun mit der Vorstellung eines Limbus, wo es kein Leid gibt, aber auch keine höchste Glückseligkeit in der Anschauung Gottes. Diese Vorstellung entstand, weil man glaubte, Ungetaufte könnten auf keinen Fall in den Himmel kommen, auch wenn sie unschuldig waren. (Genaueres zur Idee des Limbus – auch, daß es hierüber sehr positive Auffassungen gibt – steht bei Kathpedia.)

Ich nehme an, daß ich im Purgatorium sehr genau erfahre, in welchem Maße andere Menschen durch meine Schuld gelitten haben. Das ist, wenn man genau darüber nachdenkt, keine schöne Vorstellung – die Folgen seiner eigenen Sünden genau so empfinden, wie andere sie empfinden mußten. Aber dennoch ist das Purgatorium ein Zustand der Hoffnung, denn es ist klar, daß es ein notwendiger Durchgang ist und danach die ewige Seligkeit kommt.

Nein, schön ist das Purgatorium nicht. Aber klasse ist es, daß es das gibt – daß man befähigt wird, vollkommen rein in den Himmel zu kommen. (Übrigens auch, wenn man nicht glaubt, daß es ein Purgatorium gibt. Ob man etwas glaubt oder nicht ändert ja nichts an seiner Existenz.)

Purgatorium

Meine Sünden ziehen Bahnen,
weiter, als ich sehe,
Folgen kann ich kaum erahnen,
bis ich vor Dir stehe.

Jeden werd ich sehen, jeden,
den ich je verletzte,
den mein Gift geschliffner Reden
je ins Unrecht setzte,

Jeden auch, dem ich versagte
seinen Teil der Gaben,
jeden, über den ich klagte,
ohne Grund zu haben,

Jeden, den ich falsch gerichtet,
vorschnell ausgeschlossen,
den mein Leichtsinn hat vernichtet,
dessen Blut geflossen,

Jeden, den ich zwang zu dulden
Worte oder Taten,
Jeden, der durch mein Verschulden
selbst in Schuld geraten…

Herr, ich darf schon heute wissen:
Du wirst mir vergeben.
Doch erst wird mein Herz zerrissen –
und dann kann ich leben.

© Claudia Sperlich

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Immer noch: Gesegnete Pfingsten!

Heiliger Geist: Auch heute wird Er besonders gefeiert, erbeten, ersehnt. Zu rechnen ist mit Ihm immer.

Hrabanus Maurus (780-856) dichtete viel, meist in der klassischen Form des Hexameters.
In einer uns vertrauteren, für ihn noch recht modernen Liedform schrieb er den Pfingsthymnus Veni Creator Spiritus. In meiner Übersetzung:

Komm, schöpfrischer Geist, besuche
Der Deinen Denken, erfülle
Mit himmlischer Gnade die Seelen
All jener, die Du geschaffen.

Der Du der Tröster genannt wirst,
Geschenk des Gottes, des höchsten,
Lebendger Quell, Feuer, Liebe
Und unsre geistliche Salbung.

Du siebengestaltge Gnade,
Du Finger der Rechten Gottes,
Du Heilsversprechen des Vaters,
Du schenkst der Kehle die Sprache.

Entzünde ein Licht den Sinnen,
Voll Liebe gieße die Herzen,
Die Schwäche unseres Leibes
Mach stark durch dauernde Tugend.

Vertreib den Feind in die Ferne,
Gib uns beständigen Frieden.
Wenn Du als Leiter vorangehst,
So meiden wir alles Übel.

Durch Dich lass den Vater uns kennen,
Und lass uns den Sohn verstehen,
An Dich, den Geist dieser beiden,
Lass Du uns alle Zeit glauben.

aus: Hymnarium. Lateinische Hymnen der Kirche neu übersetzt

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Gesegnete Pfingsten!

Allen Lesern wünsche ich segensreiche, geistvolle, frohe Pfingsttage!

Pfingsten

Licht unter Schwingen der Taube
trägt und schwindet ganz sacht:
Geist senkt sich auf die Erde,
Einer hörts und gibt Acht.

Taubenschwingen im Lichte
schweben und steigen empor:
Geist hebt sich über die Erde,
Einer sagts anderen vor.

Einer schwingt sich im Lichte,
wie die Taube so hoch:
suchend, Ihn zu verstehen,
tasten die anderen noch.

aus: Lass mich bekennen Deine Mandelblüte

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Und wieder eine schicke Rezension!

Harald Stollmeier, der Eisvogel, war so freundlich, mein Büchlein „Die Befreierhervorragend zu rezensieren.

Dreizehn Geschichten reihen sich in Claudia Sperlichs neuem Büchlein scheinbar unschuldig aneinander und erinnern an Kafka („Das Amt“), Stanilaw Lem („Die Befreier“) und Edgar Allan Poe („Weihnachtsfeier mit Autorenlesung“). Alle Geschichten zeichnet eine aufmerksame Feinfühligkeit aus, verbunden mit dem Verzicht auf Verurteilungen. Um so kälter läuft es dem Leser den Rücken herunter, wenn ihm selber klar wird, womit er es zu tun hat, um so mehr, wenn der Sprecher sich nicht als böse versteht sondern als gut und beispielsweise aufrichtig hofft, dass man eines Tages keine behinderten Föten mehr entsorgen muss („Genetisch einwandfrei“).
Die Welt, in der Sperlichs Geschichten handeln, ist erkennbar unsere, leicht überzeichnet. Stellenweise nur sehr leicht: Wenn einer Arbeitslosen die Leistungen gestrichen werden, weil sie nicht als “Vollstreckerin” arbeiten will („Ein Job fürs Leben“), dann ist die Analogie zu Hebammen oder Ärzten, die ihren Arbeitsplatz verlieren, weil sie nicht an Abtreibungen mitwirken wollen, nur deshalb nicht sofort offensichtlich, weil Deutschland keine Todesstrafe hat.

Zwei nicht minder erfreuliche Rezensionen gab es schon neulich. In der von Josef Bordat heißt es:

Mit „Die Befreier“ hält man ein Stück unterhaltsam geschriebener Gegenwartsanalyse in Händen, die klar Position bezieht. Dadurch, dass entscheidende Themen angerissen werden, vor allem aber dadurch, dass ruhig und gelassen erzählt wird, wie es morgen werden könnte, wenn fortgesetzt wird, was heute mehrheitsfähig ist – oder auf direktem Weg dazu. Claudia Sperlich scheut nicht die unzeitgemäße Warnung vor den unguten Tendenzen unserer Tage: Biozentrismus, Transhumanismus, Sozialfaschismus. Ein wichtiges Buch.

Und Tobias Klein schreibt:

Einen Teil der Geschichten siedelt die Autorin in einer möglichen nahen Zukunft an – und die sieht nicht rosig aus: Da soll nach der Wiedereinführung der Todesstrafe eine arbeitslose Metzgerin zur Henkerin umgeschult werden; da wandeln sexuell gehemmte Wissenschaftler auf Frankensteins Spuren, um sich durch Genmanipulation die perfekte Partnerin zu „erschaffen“; da bringen militante Tierbefreier, ohne selbst die Konsequenzen ihres Handelns zu überschauen, die Zivilisation zu einem mindestens partiellen Zusammenbruch. In diesen Zukunftsvisionen, ebenso aber auch in einigen der anderen Texte der Sammlung artikuliert sich ein starkes Interesse der Autorin an ethischen Fragen – gepaart mit einem nicht geringen Maß an Skepsis gegenüber gewissen Erscheinungsformen des wissenschaftlich-technologischen und gesellschaftlichen „Fortschritts“. Nicht nur in diesem Zusammenhang spielt auch der katholische Glaube der Autorin immer wieder eine Rolle in ihren Geschichten – mal ganz offen, mal eher durch die Hintertür.

Ich finde, man sollte auf die Herren Stollmeier, Bordat und Klein hören.

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Was am Katholizismus so klasse ist: Das Frauenbild!

Ja, genau. Denn von keiner anderen Religion und keiner Weltanschauung werden Frauen so hoch geachtet.

Kürzlich sagte mir jemand, die katholische Kirche verbiete Frauen doch den Mund. Nein, tut sie nicht! Vielmehr lehrt der Katechismus der Katholischen Kirche:

Mann und Frau sind erschaffen, das heißt gottgewollt in vollkommener Gleichheit einerseits als menschliche Personen, andererseits in ihrem Mannsein und Frausein. „Mann sein“ und „Frau sein“ ist etwas Gutes und Gottgewolltes: beide, der Mann und die Frau, haben eine unverlierbare Würde, die ihnen unmittelbar von Gott, ihrem Schöpfer zukommt [Vgl. Gen 2,7.22.]. Beide, der Mann und die Frau, sind in gleicher Würde „nach Gottes Bild“. In ihrem Mannsein und ihrem Frausein spiegeln sie die Weisheit und Güte des Schöpfers wider.

Die Kirchenlehrerinnen Hildegard von Bingen, Katharina von Siena, Teresa von Avila und Thérèse de Lisieux werden gehört – und die „Kleine Thérèse“ ist Kirchenlehrerin, obwohl sie von staatlichen Stellen niemals zur „Lehrerin“ hätte ernannt werden können.

Und das Priesteramt? Ist es nicht absolut skandalös, daß es keine katholischen Priesterinnen gibt? Nein, ist es nicht.

Nicht zuletzt ist die Gottesmutter Maria mit so großen Ehren überhäuft wie kein anderer Heiliger. Ich sag nur: Himmelskönigin! Und Patronin Bayerns!

Frauen sind von Anfang an nicht nur geduldet, sondern ausdrücklich erwünscht als aktive Christinnen, die in Wort und Tat die Gemeinde unterstützen, für christliche Erziehung sorgen, seelsorgerliche, lehrende, missionarische und organisatorische Aufgaben wahrzunehmen. Es gibt mehr Frauen- als Männerorden.

Meine Erfahrung als katholische Autorin ist, daß so richtig erzkatholische Medien und Einrichtungen mich unbedingt hören wollen. Ich bin Mitarbeiterin bei Radio Horeb, kath.net und der Arche Potsdam – das heißt: ich werde dort gehört und gelesen. In meiner Heimatgemeinde gibt es ein gemeindeeigenes Gesangbuch; zehn Lieder und eine Nachdichtung habe ich beigetragen, und zwar nicht, weil ich mich darum gedrängt habe, sondern weil ich zu allen beauftragt wurde. Nicht zuletzt publiziere ich Bücher, deren Katholizität außer Zweifel steht. Und da soll ich mich unterdrückt fühlen?

Das weltliche Frauenbild, mit dem ich täglich konfrontiert werde, ist in der Tat abscheulich. Frauen müssen nach säkularer Ansicht ständig funktionieren, schön sein, Kinder und gut bezahlte Vollzeitarbeit vereinbaren, begehrenswert und verfügbar sein, aber trotz aller Verfügbarkeit natürlich selbstbewußt. Sie müssen, wenn man sich die omnipräsente Reklame anschaut, sexy Luder mit Habilitation sein, polyglotte Küchenfeen mit BMI 18, stolze, unabhängige Konsumentinnen und Konsumierte zugleich.

Die katholische Kirche gibt mir die Freiheit, ich zu sein. Keine andere Organisation tut das.

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Zu lesen und zu hören

Auf kath.net habe ich etwas über die katholische frühsommerliche Festserie veröffentlicht – denn die typisch katholische Feierlust ist in diesem Monat besonders ausgeprägt.

Radio Horeb sendet am Dienstag, 20. Juni, um 20.30 meinen Beitrag über Athanasius (Live-Mitschnitt aus der Arche Potsdam).

Nachtrag: Hier mein Horeb-Beitrag zum Pfingstereignis als Podcast.

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Jeanne d’Arc

Ich habe mir die Jungfrau von Orléans, deren Gedenktag die Kirche heute feiert, zur Taufpatronin erwählt – aber bis zum Mai dieses Jahres habe ich nicht fertiggebracht, ihr ein Gedicht zu schreiben (abgesehen von einem wirklich schwer mißlungenen Versuch in meiner Jugend). Nun wurde es aber wirklich Zeit!
Ich habe mich an den Prozess- und Rehabilitationsakten orientiert.

Jeanne d’Arc

jeanne_melodie

Bauernmädchen, fromm erzogen,
Ging zur Messe oft und gern,
War den Heiligen gewogen,
Liebte Jesus, unsern Herrn.
Schon als sie zur Welt gekommen,
War das Land vom Feind besetzt,
Der die Herrschaft übernommen,
Der das Gottesrecht verletzt.

Gott hat sie in Dienst genommen
Durch der heil’gen Frauen Wort:
„Zu dem König sollst du kommen!
Geh vom Elternhause fort.“
So verließ sie Heimatstätten,
War der Weg auch schwer und steil,
Vor dem Untergang zu retten
Frankreichs Krone, Frankreichs Heil.

Bauernmädchen setzt die Krone
Auf des jungen Königs Haupt,
Will nicht, daß er sie belohne,
Will nur, daß er Jesus glaubt.
Königshof und reiches Leben
Haben für sie keinen Wert,
Bittet nur, man mög ihr geben
Eine Rüstung und ein Schwert.

„Und dann gebt mir eine Fahne,
Weiße Lilien seien drauf,
Daß sie uns zur Reinheit mahne
In des Krieges hartem Lauf.
Jesu und Marien Namen
Sollen auf der Fahne stehn,
Daß sie wie ein großes Amen
Über den Soldaten weh’n.“

Als sie wurde Feindes Beute,
Als ihr der Prozeß gemacht,
Hat sie vor der Richter Meute
Noch vertrauend vorgebracht:
„Lieber ist mir meine Fahne,
So viel lieber als mein Schwert!
Jesus einen Weg mir bahne –
Herr, Du bist mir alles wert!“

Endlich, da in Henkers Flammen
Gottes Heilige verbrannt,
Sank wie Asche er zusammen
Und hat weinend laut bekannt:
„Als das Feuer sie berührte,
Schaute sie schon Gottes Licht!
Nie ich solche Reue spürte:
Seht – ihr Herz verbrannte nicht!“

© Claudia Sperlich

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Ist es jetzt mal gut mit dem Gendern?

Der Evangelische Kirchentag hat einiges Sonderbare vorgebracht. Dazu gehört, wie ich eben erfuhr, ein gegendertes Liederbuch, in dem Matthias ClaudiusAbendlied in selbstgerechter Sprache verdorben wurde. Die letzte Strophe lautet

So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott! mit Strafen,
Und laß uns ruhig schlafen!
Und unsern kranken Nachbar auch!

Und was machen diese nichtsnutzigen Sprachverderberinnen daraus?

So legt euch, Schwestern, Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott! mit Strafen,
Und laß uns ruhig schlafen!
Und alle kranken Menschen auch!

Das tut weh, schon beim Abschreiben. Der fromme protestantische Pfarrerssohn wird von Personen, die sich für evangelisch halten, in den Schmutz gezogen, und dabei glauben sie noch, ihm und uns etwas Gutes zu tun.

Lieber Dichterkollege Matthias Claudius, schauen Sie bitte wohlwollend auf meine Replik. Ich nehme zwar an, daß Sie, verehrter Herr Claudius, mittlerweile über alle Rancüne erhaben sind, ich aber noch nicht.

An die Genderinnen des EKT

Der Teig ist aufgegangen,
Die Fliegen, drin gefangen,
Man für Rosinen hält.
Den Dichtern müßt ihr zeigen –
Ach würdet ihr doch schweigen! –
Wie man verbessert diese Welt.

O hört doch auf zu gendern!
Müßt ihr denn alles ändern,
Was vormals kunstvoll klang?
Das Denken und das Dichten
Versteht ihr doch mitnichten,
Verderbt nur guten Kirchensang.

Hört auf, euch zu erfrechen,
Den Dichtern Hohn zu sprechen,
Dem reichen Liederschatz!
Wollt ihr sein Luthers Erben,
Lasst Claudius nicht sterben
Und macht gefälligst Gerhardt Platz!

© Claudia Sperlich

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