Mal wieder was Lateinisches

In Tempore Adventus

Iesu Christe, exoptate,
veni intra corda nostra.
Tu quem mundus non accepit,
cape mundum, cape mentes.

Jesus Christus, Du Ersehnter,
Komm in unsre Herzenstiefe.
Den die Welt nicht angenommen,
Nimm die Welt und unsre Herzen.

© Claudia Sperlich

Veröffentlicht unter KATHOLONIEN, LITERATUR | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentare deaktiviert für Mal wieder was Lateinisches

Er hat als Gott sich Menschenlos gebeugt

Advent
XII

Er hat Maria mit dem Geist betaut,
Hat sie beschirmt vor aller Menschenschuld,
Hat sie bedacht mit Freude und mit Huld,
Und Gottes Tochter wurde Gottes Braut.

Ein Traum ermahnte Joseph zur Geduld.
Der hat auf Gottes Wahrheit fest gebaut,
Hat auf das Unwahrscheinliche vertraut
War nicht von der Gewohnheit eingelullt.

Der Vater aller ist Marias Sohn,
Der Diener aller auf dem Himmelsthron,
Im Stall der Schöpfer, der die Welt erbaut.

Er hat im Geist zum Menschsein sich gezeugt,
Er hat als Gott sich Menschenlos gebeugt,
Er hat aus Kinderaugen uns geschaut.

aus: Advent. Sonettenkranz, Zyklische Sonette, tredition 2016

Veröffentlicht unter KATHOLONIEN, LITERATUR | Verschlagwortet mit , , , , , , | 1 Kommentar

Er kam wie jeder Mensch im Leib zum Leben

Advent
XI

Er wurde Mensch, um Menschen anzurühren,
Der Angst und Schmerzen so wie diese kannte.
Der für das Reich des Vaters lodernd brannte,
Half andern, ihre müde Glut zu schüren.

Er selbst ist Gott und ist der, den Er sandte.
Er ließ sich nie zu übler Macht verführen.
Er lehrt uns, Gottes Worte aufzuspüren,
Weist keinen ab, der je an Ihn sich wandte.

Er hat Sein Wort Maria anvertraut
Und sich in ihr in diese Welt gegeben,
Er kam wie jeder Mensch im Leib zum Leben.

Der Geist war über ihr als Lebenskraft
Und als der Schwung, der die Gemeinde schafft.
Er hat Maria mit dem Geist betaut.

aus: Advent. Sonettenkranz, Zyklische Sonette, tredition 2016

Veröffentlicht unter KATHOLONIEN, LITERATUR | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 2 Kommentare

Er wurde Mensch

Advent
X

Der alles weiß und voraus hat bedacht,
Kam ohne Wissen in die Weltenzeit,
Zunächst zum nackten Leben nur bereit,
Von Eltern aufgezogen und bewacht.

Er lernte schnell. Er blickte klar und weit,
Als Knabe glühte Er für Gottes Macht.
Er sah die Welt bedrückt von Schuldenfracht
Und aufgestört von Sklaverei und Streit.

Er lernte, wer Er war. Er wollte lehren,
Um alle Welt zum Vater zu bekehren,
Und zahlte diese Liebe mit dem Leben,

Hat sich uns ausgeliefert, hergegeben.
Er will, daß alle Seine Liebe spüren.
Er wurde Mensch, um Menschen anzurühren.

aus: Advent. Sonettenkranz, Zyklische Sonette, tredition 2016

Veröffentlicht unter KATHOLONIEN, LITERATUR | Verschlagwortet mit , , , , , , | 1 Kommentar

Er wird wiederkommen

Advent
IX

Der ewig große Gott in hoher Macht
Wird wiederkommen und wird Frieden schaffen,
Vernichten wird Er die Vernichtungswaffen,
Entlarven wird Er jede falsche Pracht.

Dann wird kein Mensch mehr Güter an sich raffen,
Auf Friedenswege leitet froh und sacht
Der Herr, der über unsre Schritte wacht;
Kein Stolz, kein Neid wird andre mehr begaffen.

Wieviel muß armen Menschen noch geschehen?
Wieviele Sünden müssen wir begehen,
Bis Er der Finsternis ein Ende macht?

Kein Ende der Gewalt ist abzusehen,
Und doch wird dessen Reich allein bestehen,
Der alles weiß und voraus hat bedacht.

aus: Advent. Sonettenkranz, Zyklische Sonette, tredition 2016

Veröffentlicht unter KATHOLONIEN, LITERATUR | Verschlagwortet mit , , , , , , | 1 Kommentar

Komm wieder, Jesus

Advent
VIII

Kein Wahrheitssucher, der dem Licht entrinnt!
Wer ehrlich sucht, dem wirst Du, Heilger Geist,
Auch wenn er jahrelang im Dunkel reist,
Den Weg erleuchten, der Dein Heil gewinnt.

Mein Gott, da Du um Menschenschwäche weißt,
Zerreiße doch das Netz, das uns umspinnt,
Und wo das Blut um Deinetwillen rinnt,
Gedenke, daß Du Friedensbringer heißt!

Komm wieder, Jesus, Friede aller Zeiten!
Beende Krieg und Folter und Schafott,
Führ Du die enge Welt in Deine Weiten.

Komm wieder, Jesus, komm in unsre Nacht,
Daß alle sehen: Einer nur ist Gott –
Der ewig große Gott in hoher Macht.

aus: Advent. Sonettenkranz, Zyklische Sonette, tredition 2016

Veröffentlicht unter KATHOLONIEN, LITERATUR | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 1 Kommentar

Dritter Adventsonntag

Gaudete, Freut euch, heißt dieser Sonntag auf Katholisch. Die liturgische Farbe ist Rosa – das Violett der adventlichen Bußzeit wird vom kommenden Weihnachtslicht aufgehellt.

In der Mitte der vorösterlichen Fastenzeit liegt übrigens ein Sonntag, der auch „Freut euch“ heißt – mit einem anderen Wort, nämlich Laetare, heißt aber das Gleiche. Und auch da trägt der Priester Rosa. Rosa ist sozusagen der katholische Farbcode für „Bald ist die Stille Zeit vorbei, und dann kommt ein großes Freudenfest“.

Männer, die lange rosa Gewänder tragen, hatten wir schon, als es noch nicht cool war.

Die dritte Kerze brennt, und auch sie sagt mir: Nicht mehr lange, dann kommt die große Freude!

Dritter Advent - Gaudete

Veröffentlicht unter KATHOLONIEN | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentare deaktiviert für Dritter Adventsonntag

Programmhinweis für Weihnachten

Am 25. Dezember bin ich um 16.30 Uhr in der Reihe „Katechismus“ auf Radio Horeb zu hören:

„O Tannenbaum!“ – Hintergründe eines christlichen Brauchs.

Wie immer ist die Sendung danach als Podcast zu haben.

Veröffentlicht unter KATHOLONIEN | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentare deaktiviert für Programmhinweis für Weihnachten

Ein Morgen im Advent

5.00 Uhr. Der Wecker läutet. Kurz darauf frisch gewaschen und angezogen, bete ich eine Ultra-Kurzfassung der Laudes, schwinge mich auf mein Fahrrad und fahre zur Roratemesse. Kerzenhell ist die Kirche, für Pessimisten: kerzendunkel. Wunderschön. Die Organistin, die heute vertretungsweise spielt, macht ihre Sache sehr gut – und sie singt wundervoll. (So ein Volumen, so früh am Morgen!) Die Messe ist schön und macht froh. Der Herr wird kommen – und Er kommt verhüllt schon jetzt.

5.50 Uhr. Frühstück ist liebevoll angerichtet. Es entstehen nette Gespräche. Ich gebe dem Pfarrer ein Exemplar des neuen X451, und er stürzt sich sofort auf meinen Beitrag und fragt mich kurz darauf, ob ich den nächstes Jahr in der Weihnachtsausgabe unseres Pfarrblatts veröffentlichen möchte. Ja, ich will.

7.50 Uhr. Ich helfe, die Tische abzuräumen. Dann habe ich noch Zeit für einen Rosenkranz in der Kirche – die Glasbecher mit den Kerzen stehen dort immer noch und geben ein schönes warmes Licht. Jesus, den du, o Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast. So große Freude steht bevor!

8.30 Uhr. Der Obdachlose, der hier „seinen“ Platz hat, ist wieder da. Ich sage ihm Guten Morgen und sehe, seine rechte Hand ist verbunden. Was ist passiert, frage ich. Vor drei Tagen, nachts, wurde er von sechs Jugendlichen überfallen und zusammengeschlagen und -getreten. Das rechte Bein ist arg lädiert, die Hand mehrfach gebrochen. Er ist in Behandlung, aber ambulant. Und sie verschreiben ihm immer nur so wenig Schmerzmittel, weil er Magenkrebs hat und sie fürchten, daß das seinem Magen schadet. Er lacht. „Als ob es mir darauf noch ankäme. Ich weiß, daß ich Krebs habe. Aber jetzt will ich ganz einfach keine Schmerzen haben.“ Mit dem Rat „Legen Sie sich ins Bett, gönnen Sie sich Ruhe und kühlen Sie die Hand gut“ (dem ihm ein ahnungsloser Arzt durchaus freundlich gegeben hat) kann er nichts anfangen.
Nacheinander kommen noch zwei andere Frauen. Jede gibt ihm fünf Euro, eine noch einen Beutel Clementinen, und sie will ihm Schmerzmittel kaufen. Als sie weg ist, strahlt er mich an. „Sie bringen mir Glück.“ Dann sagt er noch, es ist immer so schön, wenn ihm einfach jemand normal Guten Tag wünscht. Das rührt mich sehr. Ich nehme mir vor, noch mehr für diesen Obdachlosen zu beten als bisher. Und wenn ich wieder kann, ihm etwas zu geben.

9.30 Uhr. Vor meiner Tür hält ein Lieferwagen. Hinter ihm ein zorniger Autofahrer. Zunächst kann ich seinen Zorn verstehen, denn der Lieferwagen versperrt die Straße. Dann aber steigt er aus (verständlich), schaut nach dem Fahrer (auch verständlich) und schreit sofort los, so könne man vielleicht in Polen fahren, aber nicht in Deutschland, nicht in Deutschland! Der Fahrer des Lieferwagens geht in die Defensive. Zunächst verhältnismäßig ruhig: Er müsse hier abladen. Und man könne ja auch bitte sagen. Darauf brüllt der andere weiter, wird immer aggressiver. Der Lieferant reagiert nun bockig. Nein, er fährt da nicht weg. Der tapfere Deutsche macht nun Miene, handgreiflich zu werden. Jetzt bekomme ich genug, sage energisch „Auseinander!“ und stelle mich dazwischen. Samt Fahrrad. Na, es geht noch eine Weile weiter, das Gebrüll, nun von beiden – aber Brüllen tut niemand weh, denke ich, und da ich mal eine Ersthelferausbildung gemacht habe, müsste ich nach einer Schlägerei vermutlich ziemlich dreckige Arbeit leisten, also lieber jetzt dafür sorgen, daß es keine Schlägerei gibt. Kaum denke ich, jetzt sind sie soweit abreagiert, daß ich gehen kann, hat sich nun der Lieferant so hochgeputscht, daß er aggressiv auf den anderen zugeht. Also noch mal dazwischen, diesmal ohne Fahrrad, das passt nicht mehr dazwischen. Die Tochter des Autofahrers, eine junge Frau, sagt schon seit einiger Zeit immer wieder „Papa, lass doch, lass doch“, ich sage das Gleiche etwas anders: „SIE gehen jetzt DA LANG und SIE DA LANG“, und zeige dabei jedem der Streithähne seinen Wagen. Endlich kapieren sie es.

Noch kurze Zeit am Computer, dann muss ich wieder los. Zu Freunden, die sich nicht so aufführen, und auf die ich mich freue.

Advent. Heilige Zeit, Bußzeit, Stille Zeit, Zeit der Erwartung. Komm, Herr Jesus.

Veröffentlicht unter HÖLLISCHES, HIMMLISCHES, KATHOLONIEN, WELTLICHES | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Ein Morgen im Advent

Was am Katholizismus so klasse ist: Die Verbindlichkeit!

Stellen Sie sich vor, in einem Staat wird wöchentlich ein beliebiger Artikel der Verfassung irgendwie geändert oder gestrichen; Sie können einfach nicht wissen, ob Sie nächste Woche noch wahlberechtigt sind, an einen Ort ihrer Wahl ziehen, das Internet benutzen oder Auto fahren dürfen oder im Notfall Anspruch auf irgendwelche Sozialleistungen hätten. Ferner ist auch nicht klar, ob nächste Woche noch immer Körperverletzung und Diebstahl verboten sind.
Oder in einer Familie gibt es absolut keine gemeinsamen Regeln – weder Essenszeiten noch Abreden, keine Klarheit darüber, wer in welchem Zimmer wohnt und was das für die anderen bedeutet, kein Anklopfen, kein Bitten, kein Danken. Es ist auch nicht klar, wer welche Aufgaben übernimmt (und ob überhaupt jemand irgendwelche Aufgaben hat).

In einem solchen Staat oder einer solchen Familie wäre es kaum auszuhalten. Unsicherheit und Angst wären dort ständige Begleiter.

Sowohl in Staaten als auch in Familien werden Regeln hin und wieder geändert. Im günstigen Fall geschieht das aus guten, nachvollziehbaren Gründen, z.B. weil eine Regel sich als weniger gut herausgestellt hat oder weil der Grund für eine Regel nicht mehr besteht. Nur ist zu hoffen, daß weder Staat noch Familie solche Änderungen von einem Menschen ohne nähere Überlegung über den Kopf der anderen hinweg beschließen lassen. (Zuweilen geschieht es leider doch; entsprechend nennt man den Verantwortlichen dann Diktator oder Haustyrann.)

In der Kirche gibt es klare Regeln. Sie sind verbindlich für das ganze Kirchenvolk, und sie sind seit längerer Zeit bewährt, als irgendein Staat besteht. Wenn sie geändert werden, dann nur nach viel gemeinsamem Nachdenken und Gebet und immer mit dem Blick auf Gott. Jede noch so kleine Regel der Kirche muss nach menschlichem Ermessen mit Gottes Willen in Einklang stehen.

Es gibt Dinge, die kann die Kirche nicht ändern, könnte es nicht einmal, wenn der Papst es wollte (will er allerdings auch nicht). Das sind die Sakramente, das ist ihre Verbindlichkeit. Eine Taufe bleibt Taufe, und Eucharistie bleibt Eucharistie, auch wenn sich herausstellt, daß der Priester, der sie gespendet hat, ein lasterhafter Zyniker ist. Das Siegel der Firmung ist nicht weniger existent und kostbar, wenn der Firmling eigentlich noch gar nicht begriffen hat, was das Ganze soll (ich spreche hier aus eigener Erfahrung). Die Absolution nach der Beichte ist wirklich vollkommene Vergebung, auch wenn der Priester nicht begriffen hat, was das Beichtkind gesagt hat, und auch, wenn das Beichtkind zu kleingläubig ist, an die Vergebung wirklich zu glauben. Die Krankensalbung ist nicht weniger wertvoll, wenn der Kranke sie nicht mitbekommt oder der Priester nicht daran glaubt. Eine Ehe wird nicht davon ungültig, daß einer der Partner Gefallen an einem anderen findet. Eine Weihe wird nicht einmal ungültig, wenn der Geweihte den Glauben verliert.

Was immer um mich herum und mit mir und durch mich geschieht, kann ich vollkommen sicher sein, daß die Sakramente ihren Wert behalten. Jeder Katholik, der seinen Glauben auch nur halbwegs ernst nimmt, kann sich hier ganz sicher sein: Die Sakramente sind, was sie sind, und sie sind göttlich.

Es gibt kirchliche Vorschriften, die grundsätzlich geändert werden können – wie man am II. Vatikanischen Konzil gesehen hat -, und auch da war die Kirche gut beraten, keine unüberlegten, überstürzten Änderungen vorzunehmen und nichts Wertvolles über den Haufen zu werfen. (Disclaimer: sie war, nicht „wäre gewesen“.)

Man sagt von alten Ehepaaren, daß sie einander immer ähnlicher werden. Die Kirche ist Braut Christi, und Christus ändert sich nicht. Er hat gesagt, daß die Kirche bleibt. Ihm glaube ich.

Veröffentlicht unter KATHOLONIEN | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar