Papyrus aus Jerusalem

Kürzlich wurde in Jerusalem eine antike Schatulle mit einem Papyrus gefunden. Er enthält die Stenographie eines Gespräches, vermutlich zwischen zwei Männern im Dienst des Herodes. Mein Gewährsmann meint, auf ihn macht das einen authentischen Eindruck, es muss aber noch wissenschaftlich untersucht werden. Wenn die Handschrift echt ist, dürfte sie das Zeugnis der größten Fehleinschätzung der Geschichte sein.

Es gibt da eine ganz kleine, gut vernetzte Gruppe von Männern und Frauen, die diesem „Neuen Weg”, wie sie sich ausdrücken, folgen. Sie behaupten steif und fest, der Delinquent Jeshua ben Joseph, der kürzlich hingerichtet wurde, sei wieder lebendig geworden. Nach Evidenz befragt, können sie allerdings nichts weiter angeben als den angeblichen Augenschein, oft nicht mal den eigenen, sondern Zeugenaussagen.

Aber die Gruppe ist wirklich klein. Das läuft sich doch von selber tot, warten wir es einfach ab.

Ich bin nicht der Ansicht, daß man die einfach laufen lassen kann. Ja, noch sind es nicht so viele, aber andererseits wirklich gut vernetzt…

Vom Netzeknüpfen verstehen sie ja was, diese Fischer…

[Gelächter]

Sie sind meiner Ansicht nach religions- und staatsgefährdende Fanatiker. Man sollte kurzen Prozess mit ihnen machen. Denken Sie an die Sikarier, das waren auch erst wenige und haben sich zu einem handfesten Problem ausgewachsen.

Ja, die! Aber diese Bewegung ist ja ganz gewaltlos. Die wehren sich nicht mal, wenn es ihnen an den Kragen geht. Angeblich bilden sie sich sogar was darauf ein, wenn sie ausgepeitscht werden.

Im Ernst? Na, das passt zu ihnen. Andererseits hat einer von ihnen bei der Festnahme ihres Anführers einen Menschen am Kopf verletzt. So harmlos war das nicht.

Ja, davon habe ich gehört. Aber der Anführer hat ihn dann ja zurechtgewiesen. Angeblich den Angegriffenen sogar geheilt, aber das dürfte ein Ammenmärchen sein.

Hmmm… ja, irgendwie seltsam. Dieser … Malchus oder so ähnlich – behauptet das nämlich auch, und tatsächlich ist er nicht verletzt.

Dann stimmt die Geschichte mit der Verletzung eben nicht. – Na, wie dem auch sei. Ich glaube, man sollte diese komische Bewegung einfach möglichst ignorieren. Ich meine, wem schaden die denn?

Ich habe da ein ganz ungutes Gefühl. Halten Sie mich meinetwegen für abergläubisch, aber diese Leute sind mir unheimlich. Sie sind so völlig anders als andere. Und die Frauen fahren ja vollkommen ab darauf! Laufen ihnen in Scharen hinterher.

Völlig verrückt. Aber Sie werden doch keine Angst haben vor einem Verein, der von Frauen am Leben gehalten wird?

[Gelächter]

Nicht zu vergessen diesen kleinen inneren Kreis aus Männern!

Einer von ihnen hat sich neulich umgebracht. Der Rest, alles Fischer und so, kleine Leute, spinnt jetzt ein bißchen herum, glauben Sie mir, das gibt sich. Am Ende verläuft sich die Sache. Nicht mal Frauen sind imstande, ohne Ende so unbedeutenden Typen hinterherzulaufen. Und wenn sie noch so gut vernetzt sind.

Ja, da haben Sie wohl Recht. Wissen Sie, meine Frau regt sich deshalb so auf. „Die werden noch bis Rom kommen”, meinte sie neulich. Und ich so, „Schatz, ich bitte dich, bis Rom?” Aber irgendwie wirkte sie da so überzeugend… hat mich wohl etwas angesteckt mit ihren Sorgen.

Ja, Frauen! Aber wirklich, machen Sie sich keine Sorgen. – Ich muss jetzt los. Grüßen Sie Ihre liebe Gattin von mir. Und sagen Sie ihr von einem erfahrenen Mann: Nach Rom kommen die niemals. Rom ist schon mit ganz anderen Leuten fertiggeworden.

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Palmarum, und warum es kein Happy End geben kann

Man stelle sich vor: Eine begeisterte Menge jubelt dem in Jerusalem einziehenden Herrn zu. Der Jubel ist eindeutig: Hoshanah, Herr, hilf doch – das ist der Ruf an den Herrscher. Der hier, der sanfte Wundertäter, der gegenüber der Upper Class oft strenge, nie unversöhnliche, der auf Einhaltung der Gebote pocht und zugleich barmherzig ist und vergibt – der soll König sein über Jerusalem, über das Heilige Land, über die Welt.

Aber da waren doch noch jene, die Ihn für gefährlich hielten: Pharisäer und auch Römer, wobei die Römer Ihn noch nicht so ernst nahmen, Ihn als wirkliche Bedrohung anzusehen. Sicher, da war auch Nikodemus, der Ihm so gerne gefolgt wäre und sich nicht traute und Ihm doch von Herzen nah war. Da war aber auch Kajaphas, der trockene Realist: Besser einer stirbt als alle – und dann konnte es ja dieser komische Wundertäter sein. Da war Herodes, der reiche Spießer, der sensationelle Geschichten hören wollte und Ihn, als Er die nicht erzählte, verspottete und auslieferte. Da war Pilatus, der von Jesu Unschuld überzeugt war, aber Angst vor der Menge hatte. Ein bißchen wie Kajaphas, mit umgekehrten Vorzeichen: Besser ich liefere diesen einen ans Messer, als daß es hier eine Revolution gibt mit jeder Menge Blutvergießen auf beiden Seiten.

Pilatus versucht es mit einem Kompromiss. Geißeln lassen, um den Blutdurst der Menge zu befriedigen, und dann freilassen.

Jesus, Sein Leib eine blutige Masse von der Geißelung, wird der Menge vorgeführt. Pilatus hält ein wenig Abstand, Blutflecken gehen aus Wollstoffen nie mehr raus, und diese Toga war wirklich teuer. Schlimm genug, daß auch auf der Marmortreppe Blutflecken zu sehen sind. Aus dem porösen Stein ist das auch nicht mehr zu entfernen.

Und dann die Wahl der Amnestie: den hier oder den Barabbas? Ein Terrorist soll er sein, vielleicht auch nur ein Straßenräuber, jedenfalls hat er gemordet. Aber Barabbas ist nicht so bekannt wie Jesus. Ein Sprechchor bildet sich: „Weg mit Jesus! Hoch Barabbas!“ … Plötzlich schieben sich einige Menschen, Männer und Frauen, vor die Gröler. „Nein!“ schreit eine Frau. „Jesus Messias! Jesus Messias!“ skandiert die Gruppe. Ein Beobachter fragt einige aus der Menge, wer diese Leute sind. Die Angaben sind widersprüchlich. Leute aus dem Umkreis dieses Wunderheilers. Verwandte von Opfern der Bande um Barabbas. Verwandte Jesu.

Aber die Menge lässt sich umstimmen. Das herzzerreißend schrille „Nein!“, der so lange erwartete Titel „Messias“, auch das Mitleid mit dem Geschundenen läßt immer mehr Menschen den ersten Chor überschreien: „Jesus Messias!“ Pilatus seufzt erleichtert auf. Jesus wird freigelassen. Seine Freunde tragen ihn – halb im Triumph, halb besorgt – in die Villa des Nikodemus. Der Hausherr wäscht seine Wunden, ruft einen Arzt, lässt den bewunderten Meister bei sich wohnen bis zur völligen Genesung.

Und dann?

Jesus lebt und lehrt weiter, bis Er im hohen Alter heimgerufen wird. Seine Jünger werden mit ihm alt, geben Seine Lehre an ihre Kinder weiter. Eine Zeitlang gibt es eine missionarische Strömung im Judentum. Der junge Saulus missbilligt das zwar, hält die Bewegung aber für nicht besonders wichtig. Nach hundert, zweihundert Jahren ist das Geschichte. Das Leben geht weiter. Rom bleibt heidnisch. Der Rest der Welt auch.

Zu unserem Heil war es anders.

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Palmarum

Melodie: GL499 (Gott, der nach Seinem Bilde / Wir weih'n, wie Du geboten)

Lasst uns mit frischen Zweigen
dem Herrn entgegengeh'n,
in Ehrfurcht uns verneigen,
voll Liebe auf Ihn seh'n.
Der Gutes tat und lehrte,
der Wasser macht zu Wein,
der selbst dem Satan wehrte,
zieht nun als König ein!

Verdorrt sind bald die Zweige
in dieser Leidenszeit.
Doch niemals geht zur Neige,
was uns im Herzen schreit:
Bleib in den dunklen Stunden
bei uns mit Deinem Licht,
die Sünder lass gesunden,
sei gnädig im Gericht!

Durch Nöte und Beschwerden
lass Du uns sicher geh'n.
Im Himmel und auf Erden
Dein Wille soll geschehn.
Wenn wir einst vor Dir stehen,
ob jung, ob lebenssatt,
dann lass mit Dir uns gehen
in Deine goldne Stadt.

Nun wollen wir Dir singen:
Hosanna Davidssohn!
Du endest unser Ringen,
Du bist der höchste Lohn,
Nur Du kannst Liebe geben
in Zeit und Ewigkeit!
Ich leg vor Dich mein Leben,
mein Herr, ich bin bereit.

© Claudia Sperlich

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„Beten kann ich auch im Wald!“

Den Satz hört man oft in dem Sinne, daß die Kirche nicht nötig ist. Das ist natürlich Unsinn. Daß und warum die Kirche nötig ist, habe ich bereits mehrmals erklärt.

Tatsächlich ist das, was der moderne Mensch „die Natur“ nennt – Wälder, Berge, Meer, Heide und so weiter – in der Regel nach unseren Maßstäben „schön“ und auch ehrfurchtgebietend, und da kommen bei vielen Menschen religiöse Gefühle auf, selbst wenn sie sonst nicht viel von Religion halten. Auch gibt es Bekehrungserlebnisse in „der Natur“ (bei mir waren es die Alpen). Aber gegen den Satz „Beten kann ich auch im Wald / in der Natur / in den Bergen“ habe ich dennoch Einwände.

Zunächst ist er banal. Wer beten kann, kann das natürlich auch in den Bergen oder am Meer oder im Düppeler Forst. Das ist genau so wahr wie „Beten kann ich auch beim Schlangestehen in einem Behördengebäude / beim Staubsaugen / auf dem Weg zur Arbeit“. Das mit dem Gebet in der Natur ist ein romantisch überhöhtes Denken an das nach dem Zeitgeschmack als wahr, gut und schön Akzeptierte. „Boah, Matterhorn. Groß, hoch, eindrucksvoll.“ Oder: „Wow, Schwarzwaldbäume. Groß, hoch, eindrucksvoll.“ Sehr oft ist es nur ein kleiner Schritt vom Beten in der Natur zum Beten zur Natur.

Nun ist zwar eine Bakterienkultur in einer Petrischale auch „Natur“, und bei einigen Arten empfiehlt es sich durchaus, vor der Arbeit damit Gottes Schutz und Segen zu erbitten. Dennoch geht der Biologe nicht „in die Natur“, wenn er zur Arbeit im Labor geht. Alles Essbare ist Natur, trotzdem sagt man nicht „Ich gehe in die Natur“, wenn man in ein Lebensmittelgeschäft geht, und betet dort in der Regel auch nicht (obwohl das Schlangestehen an der Kasse wieder eine Gelegenheit zum stillen Gebet ist). Der Ausdruck „die Natur“ ist im Zusammenhang mit „rausgehen“ oder „beten“ die Vorstellung der ehrfurchtgebietenden, aber im Großen und Ganzen dem Menschen freundlich gesonnenen Natur. Das ist natürlich romantischer Quatsch, die Natur hat gar kein Interesse am Menschen,wenn man von hungrigen Mücken und Bären mal absieht.

Bis weit in die Neuzeit hinein war die unkultivierte Natur etwas Feindliches, Gefährliches, was man besser mied. War man doch „in der Natur“, konnte sie selbstverständlich zu Gebeten inspirieren wie „Lieber Gott, lass mich diese Reise überleben“. Paul Gerhardts entzückendes Sommerlied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ ebenso wie Friedrich von Spees fröhliches katholisches Gegenstück „Lob Gottes aus Beschreibung der Sommerzeit“ beschreiben die kultivierte Natur, Bauernhöfe, Gärten, Felder. In Wäldern suchte man keine Freude und fand man kein Loblied. Natürlich wurde auch auf dem Meer, auf Almen und in Köhlerhütten, also „in der Natur“, gebetet – aber romantisch war da gar nichts.

Die Kultivierung der Wälder, das Anlegen von Wegen, die Arbeit der Alpenvereine, die Wandervogelbewegung haben dazu geführt, daß „Natur“ eine Chiffre für „Wohlgefühl, gepaart mit Ehrfurcht“ wurde und leider auch ein numinoses Etwas, das einen ahnen lässt, da muss irgendwas Göttliches sein. Die Kirche ist da sehr viel klarer.

Ich habe übrigens nichts dagegen, „in der Natur“ zu beten. Sehr eindringlich ist es mir mal gelungen während eines schweren alpinen Gewitters in großer Höhe – keine Erfahrung, die ich irgendjemandem wünsche. Aber als Berlinerin weiß ich, daß auch die 17 Kilometer Radweg zwischen Friedenau und Alt-Tegel – nicht im mindesten romantisch – gute Gelegenheiten zum Gebet geben: Dank (ich habe ein Fahrrad, meine Knie schaffen das, ich darf nachher liebe Freunde sehen), Bitte um Bewahrung (vor Glasscherben, vor Rasern, vor abbiegenden Lastwagen, vor eigener Unachtsamkeit), Bitte für die Männer in dem Gefängnis, an dem ich vorbeifahre, Dank für das Wetter oder das Regencape… Immer mal Bitte um Bewahrung vor Teilen der Natur, zum Beispiel vor Coronaviren. Und immer wieder Bitte um Frieden.

Beten kann ich auch in der Kirche. In der Messe, wo der Herr sich mir ausliefert, mich nährt und stärkt. In der Anbetung, wo ich vor Ihm knie und staune und danke, daß Er in Gestalt der Hostie leiblich da ist. Das sind die beiden wundervollen, stärkenden Gebetsformen, die ohne die Kirche gar nicht möglich wären.

#betenwirgemeinsam

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Programmhinweis: Musik für die Ukraine

Bei einem Benefizkonzert für die Ukraine habe ich die Ehre, mit zweien meiner Gedichte mitzuwirken.

Ukraine Benefizkonzert
Palmsonntag, 10. April um 17.00 Uhr in Heilig Kreuz
Hildegardstraße 3a, 10715 Berlin 

Mitwirkende:
Dirk Elsemann, Orgel | Markus Groh, Klavier
Michael Hoffmann, Bariton| Yoonji Kim, Klavier
Christian Miebach, Tenor| Ulf-Dieter Schaaff, Flöte
Claudia Sperlich, Rezitation

Werke von Beethoven, Liszt, Bizet, Fauré, Franck, Saint-Saëns,Brahms, Tchaikovsky
Phantasie über die Ukrainische Nationalhymne (Elsemann)
Zwei Gedichte (Sperlich)
 

Dann gibt es noch – ohne meine Beteiligung, aber mit meiner dringenden Empfehlung, denn die Zusammenstellung Kim-Miebach-Elsemann ist höchst bewährt:

Musikalische Ostervesper
Ostersonntag, 17. April um 17.00 Uhr in Heilig Kreuz
Hildegardstraße 3a, 10715 Berlin

Yoonji Kim, Klavier | Christian Miebach, Tenor| Dirk Elsemann, Orgel

u.a. Werke von Telemann und Loewe

Eintritt frei, Spenden erbeten
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Ich will Herrn Habeck gar nicht ärgern, aber…

… ich habe nun zum ersten Mal eine Online-Petition verfasst.

Menschen in Deutschland sind von russischem Gas und Öl abhängig. Ohne diese Rohstoffe gibt es für die meisten weder Heizung noch warmes Wasser und Kochmöglichkeit.

Damit finanzieren wir, ohne es zu wollen, den Krieg gegen die Ukraine, samt Massakern an Zivilisten.

Robert Habeck ist verantwortlich für das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und damit auch dafür, ob Deutschland weiter russisches Gas und Öl bezieht oder nicht. Bis jetzt gibt es keine Abkehr von russischen Energiequellen; nur Katar wird als Ersatzlieferant in Erwägung gezogen. Katar ist allerdings hinsichtlich der Menschenrechte auch nicht besser. Die dortige Rechtsprechung orientiert sich an der Scharia, es gibt extreme Körperstrafen, und vergewaltigte Frauen werden wegen Ehebruch eingesperrt.

Bestürmen wir Herrn Habeck. Wir wollen Gas und Öl – aber nicht um den Preis von Menschenleben und Frauenrechten!

Sehr geehrter Herr Habeck,

ich bin auf Gas und/oder Öl für Herd und Heizung angewiesen und muss nehmen, was ich bekomme. Mit Gewissensbissen, Schmerz und Trauer nehme ich wahr, dass ich seit fünf Wochen ein mörderisches Unrechtsregime unterstütze, wenn ich mir bloß einen Kaffee koche oder warmes Wasser nutze.

Sie haben die Möglichkeit, das zu ändern. Sie wissen, wie und wo Deutschland zu Gas kommen kann, ohne Massenmorde an Zivilisten zu unterstützen. (Katar ist übrigens keine besonders gute Option. Ich möchte auch nicht unterstützen, daß vergewaltigte Frauen wegen außerehelichen Geschlechtsverkehrs ins Gefängnis kommen und was sonst noch in der Justiz von Katar üblich ist.)

Ich gehe davon aus, dass Sie bei der Ausübung Ihres Amtes die Menschenrechte nicht ganz ausblenden wollen – auch nicht, wenn es um die Rechte von Bürgern anderer Länder als Deutschland geht.

Bitte sorgen Sie dafür, dass Deutschland nicht durch den Kauf von Gas und Öl zur Mitschuldigen an einem verbrecherischen Krieg wird.

Mit besten Grüßen

Claudia Sperlich

Wer sich anschließen möchte, kann hier unterschreiben. Ich habe keine Ahnung, ob das etwas bringt. Aber es nicht einmal versuchen bringt bestimmt nichts.

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Milchmädchenrechnung

In Berlin, im Pleasureground des Schlosses Glienicke, ganz nahe bei Potsdam, steht der Abguss einer Skulptur des russischen Künstlers Pawel Petrowitsch Sokolow. Die originale Bronzeplastik schuf er 1810 für den Katharinenpark in Zarskoje Selo (das heutige Puschkin nahe Sankt Petersburg). Ein Abguss wurde 1827 in Glienicke aufgestellt. Er ist laut Wikipedia „im Krieg verschollen“, leider vermutlich „eingeschmolzen, weil man beim Militär Metall brauchte“.

Wikipedia

Ein neuer Abguss wurde 1989 – im Sommer vor dem Mauerfall – aufgestellt. Möglich war das durch eine deutsch-russische Initiative. Ich weiß noch, was für ein bürokratisches Hickhack das war! Erst war es schwierig, sowjetische Bürokraten zu überzeugen, Kunst außer Landes zu führen (und sei es ein Abguss). Dann war es noch schwieriger, Westberliner Bürokraten zu überzeugen, daß etwas, was „aus dem Osten“ kam, gut und ungefährlich sein könnte. Mein Vater gebrauchte mehrmals Ausdrücke wie „diese bürrrokrrratischen Würrrstchen“ – zum Glück, soweit ich weiß, nicht vor den Betreffenden.

Das Milchmädchen kam an und wurde eingeweiht. Dazu wurde die Fabel des Dichters Jean de la Fontaine vorgelesen, von der auch unser Ausdruck „Milchmädchenrechnung“ stammt. Kurz gefasst: Ein junges Mädchen trägt einen großen Krug mit Milch zum Markt und malt sich im Kopf aus, was sie dafür einhandelt. Hundert Eier! Die lässt sie ausbrüten, die Küken verkauft sie, für das Geld bekommt sie ein junges Schweinchen, wenn das groß ist, bekommt sie dafür eine Kuh mit einem Kalb, und das Kalb wird fröhlich herumspringen… Hier macht sie selbst einen kleinen Luftsprung vor Freude, der Milchkrug fällt herunter und zerbricht.

Sokolovs Plastik zeigt das weinende Mädchen neben dem zerbrochenen Krug, aus dem Wasser fließt – eine Brunnenplastik. Mein Vater hatte vor der Einweihung in einem Laubbaum einen Weinschlauch verborgen, durch einen langen, mit Laub getarnten Schlauch (soweit ich weiß, hatte ein befreundeter Chirurg das geeignete Material beschafft) mit dem Milchmädchenkrug verbunden. Ich hatte die Aufgabe, auf sein Signal zum Anstellen des Brunnens einen heilen Krug unter den zerbrochenen zu halten. Eine gelungene Überraschung für die Gäste! (Als der Schlauch leer war, wurde dann doch das Wasser angestellt. Das Glienicker Weinwunder hat sich leider nie wiederholt.)

Putin und Kirill täten gut daran, mal gemeinsam den Katharinenpark zu besuchen und über diese schöne Plastik und die Fabel zu meditieren. Die Fabel findet man hier im Original und hier auf Deutsch. Ins Russische ist sie sicher auch übertragen. (Nachtrag: Ja, natürlich – ein Leser machte mich darauf aufmerksam. Hier.) Und von mir gibt es nun eine modernisierte Fassung der Fabel vom Milchmädchen.

Putin hat im Kopf sehr große Ideen
Von Reichtum und Macht. Er will sich schon sehen
Als Herrscher der Welt - zumindest der halben!
Kirill soll zum göttlichen Kaiser ihn salben!
Er greift nach dem Nachbarn, er schickt seine Meute:
"Erobert dies Land! Und möglichst noch heute!"
Die Kornkammer ist es, die Ukraine.
"Hab ich die erst", denkt er mit listiger Miene,
"Verkauf ich das Korn und erhalte zum Lohn
Weißrussland - nein halt, das hab ich ja schon -
Also Polen und Ungarn und Slowakei,
Rumänien, Moldawien so nebenbei,
Die Mittelmeerländer haben auch Reiz,
Mazedonien und Serbien! Nur keinen Geiz!
Und dann gehts nach Deutschland und Dänemark.
Europa gehört mir schon jetzt! Ich bin stark!"
Und wie er so denkt, da tut man ihm kund:
"Deine Männer sind tot, und dein Land geht zugrund!"

Ja, Putin, vor dir habens andre gedacht:
Ich habe die Macht, mir gebührt auch die Macht!
Ich habe schon viel und ich will noch viel mehr!
Gebt her, ihr Völker - ich schicke mein Heer!
Des Milchmädchens Krug und des Mächtigen Zügel -
Sie sind verloren. Am Ende gibts Prügel.

© Claudia Sperlich
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Kunst zum Lächeln

Sonett auf die Marchande d'Amours des Joseph-Marie Vien
für Alipius Müller

Kauft Putten! Putten, rosig, frisch und prall,
Mit bunten Flügeln und mit zarter Haut!
Sie sind stets munter, aber niemals laut
Und werden zahm und brauchen keinen Stall.

Sie sind gesellig, drollig, nie gereizt,
Sie mausern nicht und machen keinen Schmutz.
Sie sind der Zimmerdecke liebster Putz – 
Schaut her, wie niedlich der die Flügel spreizt!

Seid ihr verärgert, hebt nur eure Augen
Und seht die Kleinen flattern ihre Kreise – 
Das wird die trübste Stimmung sicher heben!

Nur Luft und Duft zu ihrer Nahrung taugen.
Wir Menschen aber brauchen andre Speise...
Drei Taler für das Stück. Ich muss ja leben.

© Claudia Sperlich

Hier das pompeianische Vorbild aus dem 1. Jahrhundert:

In der Kunst des Rokoko und bis in die Rokoko-Aufgüsse der Romantik war die Puttenhändlerin ein eigenes Genre.

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Weihe an Marien Herz – was bedeutet das?

Anlässlich der Weihe des Erzbistums Berlin an die Herzen Jesu und Mariä habe ich hier schon vor knapp zwei Jahren über den Sinn einer solchen Weihe gebloggt. Es sind die einzigen Herzen, die nie, unter keinen Umständen, „arglistig ohnegleichen und unverbesserlich“ (Jer. 17,9) sind.

Sich oder eine Gruppe oder ein Land (oder mehrere) in einem feierlichen Versprechen einem vollkommen liebevollen Herz anvertrauen ist sinnvoll. Zum „Herz“ – also zur mütterlich-fürsorglichen Liebe – der Gottesmutter können wir Zuflucht nehmen.

Heute wird der Heilige Vater und werden zahlreiche Bischöfe die Ukraine und Russland dem Unbefleckten Herzen Mariens weihen. Zum Weiheakt gehört dies betrachtende Gebet.

Für jeden, der mag, steuere ich einen Choral (mit drei Melodien zur Auswahl) und eine Andacht bei.

Unbeflecktes Herz Mariä
Melodie: GL 395 - Den Herren will ich loben 
418 – Befiehl Du Deine Wege
465 – Das Jahr steht auf der Höhe

Maria voller Gnaden, dein Herz in Gottes Licht
ist ohne jeden Schaden, die Sünde trübt es nicht.
Dein Herz ist voller Güte und ohne Dunkelheit,
wie eine Rosenblüte bewahrt in Ewigkeit.

Du hast dem Herrn gesungen als herzenstreue Magd.
Vom Leidensschwert durchdrungen blieb dein Herz unverzagt.
Als du den Sohn gefunden, hat dich Sein Wort berührt.
Sein Leid und Seine Wunden hat dein Herz auch gespürt.

Dein Herz voll Gottesliebe schlägt für die Christenheit.
Du bist wie Blütentriebe in kalter, dunkler Zeit,
du führst auf Blumenwegen uns ins gelobte Land:
Du Mutter voller Segen, zeig uns des Sohnes Hand.

* * *

V Das Herz Mariä ist von Anfang an Gott in besonderer Weise zugedacht und zugewandt. Der Ewige hat es von Ewigkeit her als das Herz gewollt, unter dem Er Mensch wurde.

L Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Heiliger Geist wird über dich kommen und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Siehe, auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar gilt, ist sie schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich. Da sagte Maria: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.

V Maria fragt nach, vertraut und gehorcht. In diesem klugen Gehorsam wollen auch wir uns üben und beten:
Maria, vertrauensvoll, demütig und gehorsam,
A bitte für uns.

V Maria muss unter widrigen Umständen gebären und später mit Mann und Kind fliehen. In allen Schwierigkeiten dürfen wir uns an sie als mütterlich mitfühlende Freundin wenden und beten:
Maria, dein Herz ist voll Ruhe im Sturm, 	
A bitte für uns.

V „Was Er euch sagt, das tut“, sagt sie, als die Weinkrüge der Festgesellschaft in Kana leer sind. Ohne zu wissen, was Jesus tun wird, ist sie sicher: es wird das Richtige sein. Auch wir wollen Ihm so vertrauen lernen und beten:
Maria, dein Herz ist vertrauensvoll,	
A bitte für uns.

V „Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und möchten dich sehen. Er erwiderte ihnen: Meine Mutter und Meine Brüder sind die, die das Wort Gottes hören und tun.“ – Jesus hat sich von der Familie getrennt – nicht im Zorn, aber Seine Aufgaben liegen woanders. Aber Maria verlor Ihn nie ganz aus den Augen. Auch wir wollen Ihn nie aus den Augen verlieren und beten:
Maria, dein Herz hat nie aufgegeben, 	
A bitte für uns.

V Sie sah mit an, wie man ihren Sohn zu Tode folterte.
Wenn wir selbst leiden müssen, wenn wir unsere Lieben leiden sehen, dürfen wir beten:
Maria, dein Herz ertrug furchtbares Leiden.  	
A bitte für uns.

V Maria traf sich nach der Auferstehung ihres Sohnes mit den Jüngern regelmäßig zum Gebet. Sie empfing hier mit den anderen, und selbst zum zweiten Mal, den Heiligen Geist. Wir gehören zur Kirche, die damals entstand, und beten:
Maria, dein Herz schlägt für die Kirche,  	
bitte für uns.

V Herz Mariä, bewahrt vor aller Sünde,	
A wir verehren dich.

V Herz Mariä, demütig und gehorsam, 	
A wir verehren dich.

V Herz Mariä, voll Jubel über den Heiland, 	
A wir verehren dich.

V Herz Mariä, nach Jesus suchend, 	
A wir verehren dich.

V Herz Mariä, voll Vertrauen in Jesu Macht, 	
A wir verehren dich.

V Herz Mariä, verwundet vom Kreuzestod deines Sohnes 	
A wir verehren dich.

V Herz Mariä, Mutterherz der Kirche, 	
A wir verehren dich.

V Herz Mariä, stärker als jeder Drache, 	
A wir verehren dich.

V Herz Mariä, voll Liebe für alle Menschen, 	
A wir verehren dich.

V Vater im Himmel, Du hast Marias Herz vor der Sünde bewahrt.
Herr Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, Du hast unter Marias Herz gewohnt.
Heiliger Geist, Du hast Marias Herz mit Jubel erfüllt.
Dreieiniger Gott, wir danken Dir. Sei gepriesen in Ewigkeit.

A Amen.

© Claudia Sperlich
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Friedensbitte

Herr Gott, willst Du nicht endlich Frieden bringen?
Und hast Du Frieden uns nicht längst gebracht?
Wir können nie und niemals ihn erringen,
Wir scheitern immer. Du nur hast die Macht.
Die kleine Macht, die uns verliehen ist,
Ist schnell missbraucht und dient des Feindes List.

Wir habens oft versucht. Ist nie gelungen,
Zu wahren ihn aus unsrer kleinen Kraft.
Bald ist er angelockt und bald erzwungen,
Der kurze Friede, den die Welt noch schafft.
Noch weiß kein Mensch, wie dieses Wagnis geht:
Ein Friede, der die Zeiten übersteht.

Man hilft wohl gern und kann sich auch vertragen,
Im Notfall handeln viele gut und klug.
Vor bösen Mächten müssen wir versagen,
Die eigne Macht ist lang nicht gut genug.
Nur Stückwerk ist, was wir an Gutem tun.
In Deinem Frieden kann die Welt nicht ruh'n.

Und doch will ich vertraun: Du bist der Friede,
Bist Wahrheit, Leben, Wort in Ewigkeit.
Schau auf die Welt, Herr, auf die Waffenschmiede,
Für Dich, den Friedensfürst, mach uns bereit,
Und schleife unsrer Herzen Diamant,
Bis jeder Dich vollkommen hat erkannt.

© Claudia Sperlich
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