Gesegnete Pfingsten!

Komm, Heilger Geist
Melodie: Du lässt den Tag, o Gott, nun enden (GL 96)

Komm, Heilger Geist, mit Sabbatfrieden
erfüll mich, wenn ich zornig bin,
und hab ich mich von Dir geschieden,
dann leuchte mir zu klarem Sinn.

Wenn ich in meinem Groll verharre,
dann hilf mir auf der Sanftmut Steg,
wenn ich auf alte Sünden starre,
dann zeig mir Jesu neuen Weg.

Sei Du das Licht in meinem Leben,
wenn Irrlicht mich verleiten will.
Dann wird mein Zweifelherz sich geben
in Vaters Hand und wird dort still.

© Claudia Sperlich
Kapelle des St-Gertrauden-Krankenhauses
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Johanna von Orléans

Möge sie, das fromme Bauernmädchen aus Domrémy, strategisches Naturtalent, mutige Heerführerin und bis zuletzt standhafte Gefangene im Herrn, heute der Ukraine beistehen!

Jeanne d'Arc
Melodie: Herr, wir kommen schuldbeladen 

Bauernmädchen, fromm erzogen,
Ging zur Messe oft und gern,
War den Heiligen gewogen,
Liebte Jesus, unsern Herrn.
Schon als sie zur Welt gekommen,
War das Land vom Feind besetzt,
Der die Herrschaft übernommen,
Der das Gottesrecht verletzt.

Gott hat sie in Dienst genommen
Durch der heil'gen Frauen Wort:
„Zu dem König sollst du kommen!
Geh vom Elternhause fort.“
So verließ sie Heimatstätten,
War der Weg auch schwer und steil,
Vor dem Untergang zu retten
Frankreichs Krone, Frankreichs Heil.

Bauernmädchen setzt die Krone
Auf des jungen Königs Haupt,
Will nicht, daß er sie belohne,
Will nur, daß er Jesus glaubt.
Königshof und reiches Leben
Haben für sie keinen Wert, 
Bittet nur, man mög ihr geben
Eine Rüstung und ein Schwert.

„Und dann gebt mir eine Fahne,
Weiße Lilien seien drauf,
Daß sie uns zur Reinheit mahne
In des Krieges hartem Lauf.
Jesu und Marien Namen
Sollen auf der Fahne stehn,
Daß sie wie ein großes Amen
Über den Soldaten weh'n.“

Als sie wurde Feindes Beute,
Als ihr der Prozeß gemacht,
Hat sie vor der Richter Meute
Noch vertrauend vorgebracht:
„Lieber ist mir meine Fahne,
So viel lieber als mein Schwert!
Jesus einen Weg mir bahne – 
Herr, Du bist mir alles wert!“

Endlich, da in Henkers Flammen
Gottes Heilige verbrannt,
Sank wie Asche er zusammen
Und hat weinend laut bekannt:
„Als das Feuer sie berührte,
Schaute sie schon Gottes Licht!
Nie ich solche Reue spürte:
Seht – ihr Herz verbrannte nicht!“

© Claudia Sperlich

Aus den Prozessakten:

Vierte öffentliche Sitzung, Dienstag, 27. Februar 1431, in der Rüstkammer des Schlosses

Beaupère: Nun, Jeanne, wie geht es Euch seit Samstag?

Jeanne: Ihr seht es ja. Es geht, so gut es eben gehen kann.

Beaupère: Habt Ihr seit letztem Samstag die Stimme gehört?

Jeanne: Ja, sogar oftmals. Ich habe sie um Rat gefragt über einige Fragen, die Ihr mir gestellt habt.

Beaupère: War die Stimme die eines Engels? oder die eines Heiligen oder einer Heili­gen, oder auch die Stimme Gottes selbst, ohne einen Mittler?

Jeanne: Es waren die Stimmen der heiligen Katharina und der heiligen Margareta. Ihre Häupter waren gekrönt mit schönen, reichen und kostbaren Kronen. Gott hat mir erlaubt, das zu sagen.

Beaupère: Wieso wißt Ihr, daß es diese beiden Heiligen sind? Könnt Ihr sie unter­scheiden?

Jeanne: Durch die Art, wie sie mich grüßen. Es sind fast sieben Jahre her, seit sie sich meiner angenommen haben und mich führen. Ich erkenne sie auch, weil sie sich mir nennen. Und ich habe auch großen Trost vom heiligen Michael empfangen.

Beaupère: Welches war die erste der Stimmen, die zu Euch kam, als Ihr etwa drei­zehn Jahre alt wart?

Jeanne: Das war der Heilige Michael, den ich vor meinen Augen sah. Er war nicht al­lein, sondern von Engeln des Himmels begleitet.

Beaupère: Habt Ihr den Heiligen Michael und die Engel leibhaft und wirk­lich gese­hen?

Jeanne: Ich habe sie mit eigenen Augen gesehen, wie ich Euch alle sehe. Als sie mich verließen, weinte ich, denn ich wünschte, sie hätten mich mit sich fortgenommen.

Beaupère: Welches Zeichen habt Ihr erhalten, das beweist, daß Eure Offen­barung von Gott ist? Was beweist Euch, daß es die Heilige Katharina und die Heilige Margareta sind, die zu Euch sprechen?

Jeanne: Ich habe es Euch genug versichert, daß es die Heilige Katharina und die Hei­lige Margareta sind. So wollt es mir doch glauben!

Beaupère: Ist es Gott, der Euch geboten hat, Mannskleider anzulegen?

Jeanne: Das Gewand ist gleichgültig; es ist nebensächlich. Ich habe diese Kleider auf keines Menschen Rat angelegt. Ich habe weder diese Kleider angelegt noch irgend et­was sonst getan, was nicht auf Geheiß Gottes und Seiner Engel geschehen wäre.

Alles, was ich getan habe, ist auf Befehl Gottes. Wenn Er mir befehlen würde, mich anders zu kleiden, so täte ich es. Denn es wäre Sein Befehl.

Beaupère: Als ihr diese Stimme vernahmt, die zu Euch kam, war da ein Licht?

Jeanne: Sicher, es war viel Licht, überall. So ziemt es sich auch. Das ganze Licht ist nicht für Euch allein da!

Beaupère: Hattet Ihr ein Banner, als Ihr nach Orléans gingt? Und von wel­cher Farbe?

Jeanne: Ich hatte eine Fahne, deren Grund von Lilien übersät war; darauf war die Welt dargestellt, und zwei Engel zur Seite; sie war weiß, aus weißer Leinwand. Dar­über waren die Namen Jesus – Maria geschrieben, glaube ich. Sie hatte Seidenfran­sen.

Meine Fahne war mir viel lieber – hundertmal lieber als das Schwert. Ich trug meine Fahne selbst, wenn ich angriff; ich wollte vermeiden, einen Menschen zu töten. Nie­mals habe ich einen Menschen getötet.

Beaupère: Wieviel Soldaten gab Euch Euer König mit, als Ihr ins Feld rück­tet?

Jeanne: Zehntausend bis zwölftausend Mann. Ich zog zunächst nach Orléans zur Fes­te Saint-Loup, dann zur Brückenschanze.

Beaupère: Habt Ihr, als Ihr zum Kampf übergingt, Euren Leuten nicht zuge­rufen, daß Ihr die Pfeile, Bolzen und Steine der Schleudermaschinen auffangen wür­det?

Jeanne: Nein. Wir hatten mehr als hundert Verwundete. Aber ich habe meinen Leuten zugerufen, sie sollten nicht weichen, und sie würden die Belagerung aufheben. Bei dem Angriff auf die Brückenschanze wurde ich von einem Pfeil am Hals verwundet. Aber ich hatte großen Trost von der Heiligen Katharina, und ich war in vierzehn Ta­gen geheilt. Aber trotzdem saß ich auch zu Pferde und ordnete das Nötige.

Fünfte öffentliche Sitzung, Donnerstag, 1. März 1431, in der Rüstkammer.

Der Briefwech­sel zwischen dem Grafen Armagnac und Jeanne wird verlesen.

(Jeanne konnte nicht schreiben. Es gibt zwar eine Un­terschrift von ihr, aber dabei wurde ihr entweder die Hand geführt, oder sie hat genau diesen Schriftzug nach ei­ner Vorlage abgezeichnet. Die Briefe hat sie nach eigener Aussage Geistlichen dik­tiert oder sie nach Stichwor­ten schreiben lassen.)

Conte d’Armagnac an Jeanne:

Hochverehrte Herrin,

ich wende mich in aller Bescheidenheit an Euch und bitte Euch um Gottes Willen an­gesichts der gegenwärtigen Spaltung der heiligen allgemeinen Kirche in Sachen der Päpste um Rat: Denn es gibt drei, die einander das Papsttum streitig machen: Der eine, der sich Martin V. nennt, lebt in Rom, und ihm gehorchen alle christlichen Kö­nige; der zweite, der sich Papst Clemens VII. nennt, lebt in Peniscola im Königtum Valencia. Von dem dritten, der sich Papst Benedikt XIV. nennt, weiß niemand, wo er sich aufhält, außer dem Kardinal von Saint-Etienne und einigen wenigen seines Ge­folges.

Der erste, der sich Papst Martin nennt, wurde in Konstanz mit Zustimmung aller christlichen Nationen gewählt. Jener, der sich Clemens nennt, wurde in Peniscola durch drei seiner Kardinäle nach dem Tod von Papst Benedikt XIII. gewählt. Der dritte, der sich Papst Benedikt XIV. nennt, wurde vom Kardinal von Saint-Etienne in Peniscola im geheimen erkoren.

Ich bitte Euch nun inständig, unseren Herrn Jesus Christus anzuflehen, dass Er uns durch Euch zu wissen tue, welcher der drei genannten Päpste der wahre sei! und wel­chem man von nun an gehorchen solle: Martin oder Clemens oder Benedikt, und wel­chem wir glauben sollen, im geheimen oder offen, denn wir sind unbedingt bereit, nach dem Willen und Gefallen unseres Herrn Jesus Christus zu handeln.

Ganz der Eure, Conte d’Armagnac

Jeanne an Conte d’Armagnac:

Jesus + Maria

Conte d’Armagnac, teurer und guter Freund!

Jeanne die Jungfrau lässt Euch wissen, dass Euer Bote vor sie gekommen ist, der mir sagte, er sei geschickt, um von mir zu erfahren, welchem der drei von Euch genann­ten Päpste Ihr Glauben schenken sollt. Darüber kann ich Euch im Augenblick nicht die Wahrheit sagen, ehe ich nicht in Paris oder anderswo in Ruhe bin, denn im Au­genblick beschäftigt mich die Kriegführung zu sehr. Aber sobald Ihr wisst, daß ich in Paris bin, sendet mir einen Boten, und ich lasse Euch ehrlich und nach bestem Ver­mögen wissen, wem Ihr glauben sollt, so wie ich es durch den Rat meines allerhöchs­ten Herrn, des Königs der ganzen Welt, erfahre, und was Ihr zu tun habt.

Seid Gott befohlen! Der Herr behüte Euch!

Geschrieben in Compiègne am 22. August.

Im mittelalterlichen Denken sind Dämonen ebenso real wie Heilige und Engel. Da­her will man Genaueres wissen über die Erscheinungen von Margareta, Katharina und dem Erzengel Michael.

Richter: Welches Aussehen hatte der Heilige Michael, als er Euch erschien?

Jeanne: Ich habe ihn nicht mit der Krone gesehen. Von seinen Gewändern weiß ich nichts.

Richter: War er nackt?

Jeanne: Meint Ihr, Gott habe nichts, ihn zu kleiden?

Richter: Hatte er Haare?

Jeanne: Warum soll man sie ihm abgeschnitten haben?

Am 7. November 1455, zwei Jahre nach Kriegsende, findet in der Kathedrale Not­re-Dame de Paris der Rehabilitationsprozeß statt. Einige Aussagen:

Bauer Simonin Musnier: Ich bin mit Jeanne zusammen aufgewachsen. Ich wohnte in der Nähe ihres Vaterhauses. Wirklich, ich weiß, wie gut sie war, wie schlicht und fromm! Sie verehrte Gott und seine Heiligen. Sie ging oft und gern zur Kirche und zu den geweihten Orten, tröstete die Kranken und gab Almosen den Armen; das konnte ich selbst erfahren: Als ich klein war, ging es mir nicht gut, und Jeanne kam, um mich zu trösten.

Der königliche Oberhofmeister Jean d’Aulon: … alle Taten der Jungfrau erschienen mir göttlich und wunderbar. Und es ist doch unmöglich für eine solche Jungfrau, derartige Taten zu vollbringen ohne den Willen und die Fügung Gottes!

Während eines vollen Jahres war ich auf Befehl des Königs, unseres Herrn, in der Begleitung der Jungfrau, und während dieser Zeit habe ich nichts an ihr bemerkt, was nicht an einer guten Christin sein soll. Sie war ein junges Mädchen, schön und wohl­gestaltet, und manches Mal, wenn ich ihr in die Rüstung half und sonst, habe ich ihre Brüste gesehen und manchmal ihre nackten Beine, wenn ich ihre Wunden verband. Ich war ihr häufig nahe, und ich war jung und starkund in voller Manneskraft, und dennoch, gleichviel, wie ich die Jungfrau sah oder wie immer ich sie berührte, nie war ich von einer Begierde nach ihr bedrängt, und gleicherweise kein anderer von meinen Leuten und Knappen, nach allem, was ich sie manchmal habe reden und er­zählen hören.

Ritter Simon Beaucroix: Während der Kampagne duldete Jeanne nicht, daß ihre Leu­te je ein Dorf plünderten. Sie weigerte sich, Fleisch zu essen, von dem sie wußte, daß es gestohlen sei. Einmal gab ihr ein Schotte zu verstehen, daß sie gestohlenes Kalb­fleisch aß. Das empörte Jeanne derart, daß sie den Schotten beinah erschlug.

Sie duldete keine Dirnen, die mit den Soldaten ritten. Keine hätte sich in ihr Feldlager gewagt. Traf sie dennoch eine von ihnen an, so vertrieb Jeanne das Frauenzimmer, es sei denn, einer der Soldaten wollte sie ehelichen.

Ich glaube, sie war eine gute Katholikin; sie fürchtete Gott, hielt seine Gebote und gehorchte auch nach ihrem Vermögen der Kirche. Sie war mitleidigen Herzens, nicht nur den Franzosen, sondern selbst den Feinden gegenüber. Ich weiß das, weil ich lan­ge um sie war. Ich half ihr oft in die Rüstung. Sie litt darunter, und es mißfiel ihr, daß die Bürgerfrauen zu ihr kamen, um sie zu grüßen und sie mit Zeichen der Dankbar­keit zu überhäufen. Sie war unmutig darüber.

Jean Marcel, Bürger von Paris: Ich wohnte in Rouen, als Jeanne vor Compiègne ge­fangengenommen und nach Rouen gebracht wurde. Ich habe gehört, daß Lady Bed­ford Jeanne untersuchen ließ, ob sie keusch sei oder nicht, und daß man sie als jung­fräulich erkannte. Ein Schneider namens Jeannot Simon sagte, Lady Bedford habe ihn für Jeanne ein Weiberkleid anfertigen lassen. Während er es ihr anpaßte, strich er ihr über die Brüste. Jeanne war darüber heftig erzürnt und schlug besagtem Jeannot ins Gesicht.

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Drei Stilleben

In den letzten Tagen habe ich endlich mal wieder ein wenig photographiert.

Im Hof: Baumstumpf und Geld,

in einer öffentlichen Bedürfnisanstalt: Doppelt antibakteriell,

und in der Sakristei: Stilleben mit Spiegelbild der Photographin.

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Christi Himmelfahrt

Melodie: GL 465 „Das Jahr steht auf der Höhe“

Entzogen unserm Sehen, erhoben in das Licht,
Will Er nicht von uns gehen, der Herr verlässt uns nicht.
Wir sollen Seine Zeugen und Seine Freunde sein,
Und will die Welt uns beugen, wird Christus uns befrein.

Er kommt an Seinem Tage zur vorbestimmten Zeit,
Und Satans Zwang und Plage weicht Seiner Herrlichkeit.
Doch eh die Völker beben vor Christi Endgericht,
Sagt allen: Er ist Leben, Er ist der Liebe Licht!

Wir dürfen heut Ihn schauen verhüllt auf dem Altar,
Wir wagen zu vertrauen: Sein Wort ist ewig wahr.
Was unsre Sinne merken, erscheint wie Brot und Wein.
Mit Sich will Er uns stärken, Er lädt zum Glauben ein.

Nun richtet eure Augen nicht in den Himmel nur.
Zum Leben will uns taugen, der vor uns zieht die Spur.
Bringt Liebe und seid Segen, wo immer Er euch weist, 
In Worten, Taten, Wegen beschwingt vom Heilgen Geist.

© Claudia Sperlich
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Dämonen

Sie hängen sich an deine Angst,
Begehren das, wovor du bangst
Und können doch nicht wahrhaft lieben.
Sie rauben Kraft, besetzen Zeit,
Sind geil auf Macht und bringen Leid -
Doch Einer hat sie fortgetrieben!

Sie sagen dir: "Dein Herz ist schlecht,
Und Not und Schuld geschehn dir recht -
Wir haben Recht, bei dir zu wohnen!"
Der aber alle Welt bewegt
Und sich in deine Hände legt,
Ist Sieger über die Dämonen.

Wenn dich das wüste Heer bedroht,
Hilft Er dir aus der Seelennot,
Wird auf dein Bitten es vertreiben.
Er ist der Heiland. Er versteht,
Was dir Verstand und Sinn verweht.
Mit Jesus kann kein Unheil bleiben.

Er hört dich immer. Bitte Ihn,
Dann müssen die Dämonen fliehn,
Dann wird Er Frieden in dich gießen.
Die bösen Scharen bleiben nicht
Vor Seinem Namen, Seinem Licht,
Und Liebe wird dich ganz umfließen.

© Claudia Sperlich
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Männer! Hört auf, mich über meine Rechte zu belehren!

Nein, es ist nicht „mein Recht“ oder das Recht irgendeines Menschen, einen anderen Menschen umzubringen. Das gilt auch gegenüber Menschen im frühesten Stadium des Lebens. (Und ja, Leben beginnt mit der Zeugung. Fragt einen Biologielehrer, Grundschule langt.) Selbst das Umbringen eines Schuldigen ist nur in sehr, sehr engen Grenzen straffrei (Notwehr und Nothilfe, wenn sanftere Möglichkeiten versagen). Gut ist es auch dann nicht – nur vielleicht weniger schlecht als der Mord an einem Unschuldigen, der z.B. durch den „finalen Rettungsschuss“ verhindert wird. Aber bloßes Halbtotnerven meiner Person rechtfertigt keine finale Notwehrhandlung. Seid froh, Männer!

Es muss auch nicht „jeder Frau überlassen werden“, ob sie ein Kind abtreibt oder nicht. Tatsächlich ist es leider beinahe so: In den meisten Schwangerschaftskonflikten wird der Frau eingeredet, daß sie zu Ungunsten des Kindes entscheiden wollen muss. Weil sonst der Freund sie verlässt, der Ehemann sich scheiden lässt, die Eltern oder Schwiegereltern sie nie mehr sehen wollen, ihre Ausbildung oder Arbeitsstelle gefährdet ist usw. Sehr viele Frauen treiben ab, weil ihnen – und nur ihnen – diese Entscheidung „überlassen wird“, sprich: weil sie in existenzieller Not sitzengelassen werden. Die Behauptung, die Entscheidung für oder gegen Abtreibung müsse der Frau überlassen werden, ist rotzfrech und frauenfeindlich.

Jaaa, aber wenn es behindert ist! – Ach, ableistisch könnt Ihr auch, Ihr kirchenfernen Männer? Klasse, sag ich als Epileptikerin mit kaputten Knien, und wann darf man mich endlich entsorgen?

Ja, aber ich könne doch als Kinderlose gar nicht ermessen, wie existenziell die Sorgen einer ungewollt Schwangeren sind! (Solche und ähnliche Sätze hab ich schon von schwulen Männern gehört. Ernsthaft. Finde den Fehler.) Und es gehe doch auch nicht an, daß Frauen von einem alten Mann Vorschriften gemacht bekommen darüber, was sie mit ihrem Unterleib machen. – Zunächst mal hat mir das ein nicht mehr junger Mann (weiß, wohlhabend) in sehr autoritärer Weise gesagt (wieder: Finde den Fehler). Sodann habe ich keine Lust mehr, alphabetisierten Menschen mit Internet das gesamte Kirchenrecht (und das säkulare Recht meiner Heimat auch) zu erklären. Wer will, kann es selber lesen. Und schließlich geht es bei einer Abtreibung wesentlich um den Leib eines anderen Menschen als der Mutter. Und der ist dann hinüber.

Und „es“ ist ja auch noch kein Leben! Ja, das ist so ein Lieblingsargument. „Es“ ist zwar mit doppeltem Chromosomensatz ausgestattet und entwickelt sich rasant vom Menschen im Zellstadium bis zum geburtsreifen Menschen (und danach, wenn alles gut geht, noch achtzig, neunzig Jahre oder mehr). Aber erstmal ist „es“ über eine undefinierte Zeitspanne „kein Mensch“. Ab wann ist es denn dann ein Mensch? Ach ja, ich sagte es – undefiniert.

Nehmen wir an, zwei Frauen sind im zweiten Monat schwanger. Die eine will das Kind nicht, die andere freut sich darauf. Die eine lässt eine Abtreibung vornehmen, die andere erleidet eine Fehlgeburt. Die eine verliert keinen Menschen, die andere verliert ein ersehntes Kind. Und das ersehnte Kind sieht genau so aus wie „kein Mensch“.

Ich habe mich an Männer gewandt. Frauen dürfen sich mitgemeint fühlen. Ich muss allerdings gestehen, daß ich gegenüber Frauen, die auf ein „Recht auf Abtreibung“ pochen, außer Zorn und Trauer auch Mitleid empfinde. Männer, die mir armem, unwissendem, gehirngewaschenem Weiblein erklären wollen, was Frauenrechte sind, fördern mein Mitleid nicht. Obwohl sie’s wohl sollten.

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Choralmelodie gesucht!

Nachdem mir gestern beim Radfahren (für alle, die jetzt romantische Gedanken an schöne Natur haben: nahe der Föhrer Brücke in Berlin-Moabit, bei starkem Verkehr) ein Choral einfiel, brauche ich noch eine Melodie.

Das Problem ist: die einzige Melodie, die so ungefähr passt – auch nur, wenn man die zweite Strophe als Refrain wiederholt – ist „Von guten Mächten“, und die ist noch nicht frei. Ich brauche eine alte Melodie, eine deren Komponist deutlich über siebzig Jahre tot ist. Kann einer meiner Leser helfen?

In Deinen Wunden, Herr, bin ich geborgen,
all meine Wunden berge ich in Dir.
Du sorgst für mich und endest meine Sorgen.
Du bist der Weg und führst mich heim zu Dir.

Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben,
Du bist mein Heiland und mein Bräutigam.
Du hast mir durch Dein Blut das Heil gegeben,
Du, der für mich als Mensch zur Erde kam.

Du bist der Weinstock, und wir sind die Reben.
Du bist das Licht, wir stehn in Deinem Schein.
Du gibst mir alles. Nimm dafür mein Leben,
es ist ja schon seit Ewigkeiten Dein.

© Claudia Sperlich

edit: Es geht auf diese Melodie – die allerdings nicht ganz leicht ist. Vielleicht findet noch jemand etwas für die durchschnittliche Kirchengemeinde Geeigneteres.

edit 2: Heureka! Diese Melodie ist gut singbar und passt!

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Mauerblümchen

Ein sehr edles Mauerblümchen macht den Anfang – das Große Löwenmaul (Antirrhinum majus), hier in einer Zuchtform. Neben ihm ein Löwenzahn, schon abgeblüht und verweht. Fundort: Gleich neben dem Gertrauden-Krankenhaus.

Das Mauer-Zimbelkraut (Cymbalaria muralis) macht seinem Namen alle Ehre, es wächst an der Wand der katholischen Herz-Jesu-Kirche in Berlin-Wilmersdorf, ständig beobachtet von zwei Schraubenmuttern. Es ist leider kamerascheu. In all den Jahren, die ich hier wohne, ist mir heute das erste einigermaßen erkennbare Bild gelungen, aber von „gut“ ist es noch weit entfernt.

Hier ein blühender Gewöhnlicher Löwenzahn (Taraxacum officinale) an der Bundesallee, gegenüber einem Blumenladen. „Ätsch, ich werde photographiert und ihr nicht“, ruft er den edlen Schnitt- und Topfblumen zu.

An der evangelischen Kirche zum Guten Hirten in Berlin-Friedenau wächst das dem Löwenzahn ähnliche Gewöhnliche Ferkelkraut (Hypochaeris radicata), für dessen Namen ich allerdings nichts kann. Im Englischen heißt es weit charmanter Cat’s Ear, wegen der leicht pelzigen Blätter. die Gemüse-Gänsedistel (Sonchus oleraceus) – eine Biologin wies mich darauf hin, meine vorige Angabe stimmt nicht. Das ist mir sehr recht, „Ferkelkraut“ klingt so ökumenefeindlich.

Auf dem Grünstreifen mitten auf der Kreuzung vor der Kirche blüht ein rosiger Teppich, eine Art Storchschnabel – vielleicht eine der unzähligen ausgewilderten Sorten des Basken-Storchschnabels (Geranium endressii).

An der Einfriedung des Vorgartens meiner Nachbarn steht der Gundermann (Glechoma hederacea) in Reih und Glied.

Und vor „meinem“ Haus blüht, ebenfalls vor der Einfriedung des Vorgartens, der Gelbe Lerchensporn (Pseudofumaria lutea) – und dabei ist er, wie der wissenschaftliche Name zeigt, gar kein Lerchensporn, sondern tut nur so, wie die ganze Familie der Scheinlerchensporne. Ob Schein oder Echt – beide gehören der großen Familie der Mohngewächse an, und was sich da für Gestalten herumtreiben, weiß man ja.

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Bitte

Selbst wenn ich Dich nicht bemerke,
Bist Du, Vater, immer hier.
Voller Gnade, voller Stärke
Wache über meine Werke
Daß ich lebe nur aus Dir.

Gib, daß meines Geistes Bahnen
Niemals gehn von Dir getrennt.
Lass im Heil'gen und Profanen
Immer mich Dein Wesen ahnen,
Gib, daß Dich mein Herz erkennt.

© Claudia Sperlich
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Aus meiner Küche

Gestern und heute war ich mal wieder, wie mein Vater gesagt hätte, von der wilden Hausfrau gebissen. Gestern: etwa acht Liter Suppe aus Kichererbsen und Gemüse gekocht und eingeweckt, Brotteig angesetzt, Keksteig zubereitet. Beschlossen, heute nicht (wie sonst am Samstag) bei Freunden und bei der Essenrettung zu sein, sondern einen Tag für mich zu haben – eigentlich für Papierkram. Dachte ich.

Heute: Brot gebacken (und zwar noch vor den Laudes, ich war früh wach). Nach Kirche und Frühstück mal eben beim Edeka im Kiez geschaut, ob sie wieder billiges Obst und Gemüse haben – die haben meistens ein Regal mit Sachen, die nicht mehr taufrisch sind, für Beträge unter einem Euro (woran sich jeder Edeka-Laden ein Beispiel nehmen darf). Sie hatten etwas Gemüse und massenhaft Weintrauben. Ich beschloss, alles zu nehmen und Konfitüre und Linsensuppe zu kochen. Jetzt habe ich vier Kilogramm Konfitüre und noch knapp acht Liter Linsensuppe. Eine Portion gab es heute, war sehr gut, bei zwei Gläsern sind die Deckel hochgeploppt, die muss es in der kommenden Woche geben – und der Rest ist Konserve.

Traubenkonfitüre habe ich noch nie gemacht. Einige Gläser sind unten Gelee und oben Konfitüre, weil die Trauben viel Flüssigkeit haben und starken Auftrieb. Aber das kann ja nichts schaden.

Bei der Suppe habe ich zum ersten Mal den Rat einer Freundin befolgt und das Gemüse nur sehr gründlich gewaschen, aber nicht geschält. Also fast gar nichts weggeworfen.

Dann hatte ich noch die Idee, mal wieder Eier sauer einzulegen. Seit ich das gelernt habe, habe ich immer welche im Vorratsschrank – auch das ist eine sehr gute Konserve.

Irgendjemand (entweder ich oder die Untermieterin) hatte den Kühlschrank versehentlich zu kalt gestellt – man kommt allzuleicht an das Stellrädchen. Erfolg: der Keksteig, den ich heute vormittag verarbeiten wollte, war steinhart. Am Abend hatte er dann die richtige Konsistenz. Shortbread! Auch wenn das zweite Blech eine Spur zu dunkel geworden ist: sehr lecker.

Und hier meine Küchenerzeugnisse – in Wirklichkeit sind es natürlich viel größere Mengen.

Natürlich ist es nicht meine Schuld, daß ich etwas auch Wichtiges statt etwas noch Wichtigerem getan habe. Es ist erstens gut, daß ich wirklich mal einen Tag für mich hatte (nach sehr arbeitsreicher Woche). Zweitens denkt man ja in diesen Zeiten viel darüber nach, was man eigentlich macht, wenn man mal weder Strom noch Gas hat. Und da sind Konserven, die man auch kalt essen kann, gut zu haben. Also, wenn ich heute andere Dinge, die nun bis Montag warten müssen, nicht getan habe, ist allein Putin schuld.

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