So heißt es im Evangelium, als Jesus das Ährenraufen am Sabbat durch seine hungrigen Jünger verteidigt. Wer aber ist der Menschensohn?
Im Ersten Testament hat diese Bezeichnung verschiedene Bedeutungen. Bei Hiob 25,1-6 ist der Menschensohn einfach der hinfällige und sündhafte Mensch im Gegensatz zum reinen und machtvollen Gott.
In Psalm 80,16-18 weist der Ausdruck schon auf Jesus hin, auch wenn er allgemein als Bitte für einen gottgefälligen Menschen verstanden werden kann: Beschütze, was Deine Rechte gepflanzt hat, und den Sohn, den Du Dir stark gemacht! Die ihn im Feuer verbrannten wie Kehricht, sie sollen vergehen vor Deinem drohenden Angesicht. Deine Hand sei über dem Mann zu Deiner Rechten, über dem Menschensohn, den Du Dir stark gemacht.
Bei Hesekiel ist Menschensohn durchgehend die Anrede des Propheten durch Gott. Hier bedeutet das Wort einerseits, daß der Prophet eben ein Mensch ist, der nicht aus eigener Kraft, sondern durch Gottes Gnade die prophetische Gabe erhält. Andererseits wird der Menschensohn hier immer dem gefallenen Israel gegenübergestellt – durchaus schon ein Hinweis auf den Menschensohn Jesus.
Bei Daniel 7,13-14 lesen wir eine klare Ankündigung Jesu Christi: Immer noch hatte ich die nächtlichen Visionen: Da kam mit den Wolken des Himmels / einer wie ein Menschensohn. Er gelangte bis zu dem Hochbetagten / und wurde vor ihn geführt. Ihm wurden Herrschaft, / Würde und Königtum gegeben. Alle Völker, Nationen und Sprachen / dienten ihm. Seine Herrschaft ist eine ewige, / unvergängliche Herrschaft. / Sein Reich geht niemals unter.
Bei den Evangelisten ist Menschensohn immer die Selbstbezeichnung Jesu als Messias und Weltenrichter. Dem entspricht der Ausruf des Stephanus (Apostelgeschichte 7,56): Siehe, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen. Und schließlich ist Menschensohn in der Offenbarung des Johannes 1,13 und 14,14 die Bezeichnung des königlichen Weltenrichters.
Herr über den Sabbat (und über alles andere) ist also Jesus Christus. Aber Herren und Herrinnen über den Sabbat sind auch die Menschen, die Ihm folgen. Das bedeutet nicht, daß wir beliebig mit dem Feiertagsgebot umgehen dürfen. Vielmehr sind wir – durch unsere Taufe königlich und priesterlich – ermächtigt und verpflichtet, den Feiertag zu heiligen als einen Tag zur Ehre Gottes und zum Heil der Menschen – und dabei zu bedenken, was diesem Tag in diesem Augenblick, dieser Situation angemessen ist.















