Frohe Weihnachten!

Melodie: Lob erschallt aus Hirtenmunde (GL 740)

Der Messias ist geboren –
Liebe,  die uns Gott geschworen!
Der Sein Volk nicht gibt verloren,
liegt im Stall in Bethlehem.

Er, den die Propheten künden,
der erlöst von allen Sünden,
der das Friedensreich wird gründen,
ist ein neugebornes Kind.

Er, zu dem die Hirten kommen,
die des Engels Wort vernommen,
hat als Hirt uns angenommen,
hütet uns und macht uns frei.

Er, zu dem die Weisen streben,
wird uns Seine Weisung geben,
und Sein Wort ist unser Leben,
Er ist unsres Lebens Ziel!

Er will sich als Mensch vereinen
mit den Schwachen und den Kleinen,
und Sein Licht wird uns bescheinen –
wahrer Mensch und wahrer Gott!

 © Claudia Sperlich

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Vierter Sonntag im Advent

Du Hirte Israels, höre! Der du auf den Cherubim thronst, erscheine!
Wecke deine gewaltige Kraft und komm zu unserer Rettung!

Gewaltige Kraft, nicht unsere popelige Menschenmacht, ist nötig, damit Frieden wird. Ich will trotz allem darauf vertrauen,  dass diese Kraft von Gott kommt – vom Kind in der Krippe,  vom Mann am Kreuz,  von Jesus,  der wiederkommen wird in Herrlichkeit.

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Magdeburg

Gestern Abend wurden auf einem Weihnachtsmarkt in Magdeburg über siebzig Menschen Opfer eines Terroristen,  der mit dem Auto ungebremst durch die Menge fuhr. Ein Erwachsener und ein Kleinkind starben.  Von den zahlreichen Verletzten sind fünfzehn schwerverletzt, es wird möglicherweise noch mehr Tote geben. [edit: Inzwischen ist von fünf Toten und etwa 200 Verletzten die Rede.]

Der Täter: 50 Jahre alt, stammt aus Saudi-Arabien,  lebt seit 2006 in Deutschland, hat unbefristete Aufenthaltsgenehmigung.

Aaaah, natürlich, so einer…

Nein,  eben nicht.

Der Täter: Facharzt der Psychiatrie,  extremer Islamkritiker, wirbt für die AfD, zitiert Alice Weidel affirmativ.

Es ist egal, welchem Extremismus man anhängt – am Ende müssen Unschuldige dran glauben.

Ich rief gestern Abend auf Facebook zum Gebet auf. Eine Frau kommentierte:

Hilft nicht. Hat nicht geholfen, den Anschlag zu verhindern. Wird auch nicht helfen, weitere zu verhindern.

Das ist eine Instinktlosigkeit, die nicht weit von der Geisteshaltung „Fremdes Leid geht mich nichts an“ entfernt ist. Natürlich kann ich nicht erwarten,  dass jeder Gebet für sinnvoll hält. Aber man muss nicht immer und überall seine Meinung kundtun. Man muss auf einem Begräbnis nicht sagen, dass man den Toten nicht mochte, und man muss einen Aufruf zum Gebet für Opfer und Angehörige nicht ins Lächerliche ziehen.

Stattdessen könnte man fragen, warum Christen überhaupt beten,  und warum sie es immer nach Katastrophen tun. Man könnte dann die Antwort bekommen: Weil Christen glauben,  dass Gott ihr Gebet hört. Weil sie glauben,  dass Trost nicht nur für sie selbst daraus entstehen kann. Weil sie auch an Wunder glauben,  aber das ist genau in diesem Fall nicht das Wichtigste.  Weil sie glauben,  dass die Bitte um Gottes Segen für die Opfer Sinn hat auch dann, wenn die Beter selbst den Sinn nicht sehen.

Wenn die Christen hier irren, ist es besser (medizinisch nachweisbar heilsamer und angenehmer), im Irrtum zu verharren. Wenn Atheismus auf der Wahrheit beruht,  ist die Wahrheit gesundheitsschädlich und ungenießbar. Dann irre ich mich lieber.

Und wenn das Christentum die Wahrheit kündet, dann ist die Wahrheit schön und gut und ewig und am Ende stärker als jeder Terror. Dann bleibe ich lieber bei der Wahrheit.

Ich bete für die Opfer jenes Terroristen, für ihre Freunde und Angehörigen,  für die verwaisten Eltern. Ich versuche auch, für den Terroristen zu beten, und hoffe, dass er sein Unrecht einsieht und bereut.

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Mein Herr und Heiland

Drei Sonette

Empfängnis

Mein Herr und Heiland,  in die Welt gekommen,
Noch in Marias Leib und nicht erkennbar,
Der Ungeschaffne vom Geschöpf nicht trennbar,
Ihr selbst bewusst,  doch noch nicht wahrgenommen!

Und Dir noch unbewusst das eigne Sein,
Ganz Mensch und doch sich selbst ganz unbekannt,
Ganz Gott und allen Menschen zugewandt,
Vollkommnes Menschenkind, noch zellenklein!

So winzig klein ist jeder Mensch gewesen,
So groß an Liebe nie ein Mensch geworden
Wie Du, der Herrscher aller Ewigkeit.

Du Menschenopfer, von Dir selbst erlesen,
Für dieser Menschheit Hochmut, Trug und Morden:
Zu diesem Opfer war nur Gott bereit.

Advent

Mein Herr und Heiland, noch vom Muttersegen
Behütet und genährt, in ihr geborgen,
Bewegt von ihrer Freude, ihren Sorgen,
Wächst Du der Ankunft in der Welt entgegen.

Noch lebst Du mühelos und ohne Zwänge.
Schon kannst Du Deiner Mutter Lieder hören,
Und nichts kann dieses tiefe Trauen stören –
Doch spürst Du schon des ersten Raumes Enge.

Ein kleiner Mensch wie andre Menschen sind,
Die vielen nichts und manchen alles gelten:
So machtlos hat der Herr sich selbst gemacht!

Unendlich großer Gott und kleines Kind,
Im Mutterleib und über allen Welten –
Dies Wunder wird zu unserm Heil vollbracht.

Weihnacht

Mein Herr und Heiland,  in dem Stall geboren,
In einem Futtertrog auf Stroh gebettet:
So arm der König, der die Welt errettet,
Die reiche Welt, die ohne Ihn verloren!

Die ersten Gäste: Hirten, die nicht schreiben
Und deren Zeugnis nichts gilt vor Gericht.
Ein Engel brachte ihnen Wort und Licht,
Nun werden Hirten immer Beter bleiben.

Maria wickelt Dich in Windeln, stillt
Und wiegt Dich in den Schlaf auf ihren Armen,
Und Joseph sorgt für Wasser und für Feuer.

Viel mehr als nur ein rührend schönes Bild:
Der starke Gott will schwach sein aus Erbarmen,
Ist Mensch und zahlt der Menschen Sünden teuer.

© Claudia Sperlich

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Advent

Wikipedia: Advent,
Unterpunkt: Gedicht,
Und der Heiland kommt nicht vor,
Auch Maria nicht.

Google mit „Advent Gedicht“
machte es noch schlimmer:
Ungelenk gereimter Kitsch,
Jesus fehlt noch immer.

Hilf mir,  Herr,  in dieser Zeit,
meinen Wust zu lichten!
Lass mich voll Erwartung sein,
und dann hilf mir dichten.

Kleines Kind im Mutterleib,
dann im Stall entbunden,
Herr, der endlich kommen wird,
Heiler aller Wunden:

Lass Konsum und Lichterglanz
nicht den Sinn verblenden!
Mach in uns die Sehnsucht groß,
Und die Gier lass enden.

Schenk uns Hunger mehr nach Dir
als nach Süßigkeiten,
lass in Taten und Gebet
uns den Weg bereiten.

© Claudia Sperlich

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Antisemitismus stinkt nach Schwefel!

Es ist nicht zu übersehen,  daß dieser Schwefelgestank zunimmt. Vor einiger Zeit habe ich bereits über Antisemitismus im Zusammenhang mit Verschwörungstheorien geschrieben – es sieht ganz danach aus, als ob keine Verschwörungstheorie ohne Antisemitismus auskommt, auch wenn sie vordergründig gar nichts damit zu tun hat. Zudem kommt auch keine Spielart des Antisemitismus ohne Verschwörungstheorie aus – weil er im Kern selbst eine solche ist.

In meiner Kindheit musste der Antisemitismus sich in der Regel verbergen. Heute wird er lauter und ungenierter. Er kommt als Täter-Opfer-Umkehr daher, „die Juden“ (alle 14 bis 15 Millionen gleich welcher politischen, religiösen oder weltanschaulichen Einstellung) sollen selber Schuld sein, dass die Hamas in Israel ein unfassbares Blutbad angerichtet hat, immer noch Geiseln festhält, immer wieder mordet und überdies seit vielen Jahren Bomben auf Israel schießt. Weil „die Juden“ (alle! Vom Säugling bis zum Greis!) seit Jahrzehnten vergeblich versuchen, Bildung und Fortschritt in die palästinensischen Gebiete zu schicken. Geld kommt an, aber daraus werden eben keine Schulen, Krankenhäuser, fruchtbaren Landstriche, Trinkwasseranlagen usw., sondern unterirdische Kommandozentralen der Hamas.

Schuld an dieser Misere ist, so lese ich es immer wieder, die israelische Regierung, die Orthodoxen, die Juden überhaupt, wie gesagt: die sind eh Schuld – ab und zu auch Freimaurer, Vatikan und in jüngster Zeit Selenskij. (Natürlich, der ist ja auch Jude.) Schuld ist niemals, auf gar keinen Fall, die Hamas! Oder die eigentlich wehrhaften jungen Palästinenser, die sich die Hamas immer noch gefallen lassen. Oder die linken Lackel in Deutschland, die „Free free Palestine“ grölen. Oder diejenigen unter den Muslimen, die für jede Untat irgendeines irgendwie muslimischen Menschen die Juden verantwortlich machen.

Ich sehe mich machtlos vor diesem geballten antisemitischen Irrsinn. Das einzige, was ich dagegen tun kann, ist, kein Antisemit zu sein und das gelegentlich kundzutun – und zu beten. Vielleicht ist letzteres ja das einzige wirksame Mittel. An die Möglichkeit, Hamas, linke Lackel und andere vom Unsinn des Antisemitismus zu überzeugen, glaube ich immer weniger. Aber an die Kraft des Gebetes glaube ich, weil ich an Gottes Kraft glaube. Beten wir auch für jene, die sich vernünftigen Argumenten verschließen und Hass verbreiten.

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Acht Jahre Gelübde

Vor acht Jahren legte ich ein Privatgelübde ab: Täglich zur Messe gehen, täglich vor dem Tabernakel oder dem Allerheiligsten anbeten, häufig beichten und in Armut, Keuschheit und Gehorsam leben. So will ich leben, von ganzem Herzen.

Ich hab den Ruf vernommen und erkannt,
Ich folg und diene Dir und bin beschenkt
Vom größten König, der die Welten lenkt
Und mir sich liebevoll hat zugewandt.

Ich wollte Großes tun, hab mich verrenkt,
Und viele Pläne schrieb ich in den Sand.
Du aber hast mich Deine Braut genannt
Und hast mein Herz in Deines eingesenkt.

Zum Beten riefst Du, nicht zu großen Taten,
Sonst hätt ich Dich vielleicht voll Stolz verraten
Und wär mir selber allzu groß erschienen.

Zu Ruf und Liebe sag ich Ja und Amen.
Ich liebe Dich und Deinen großen Namen.
Dein Wort gilt ewig, ewig will ich dienen.

© Claudia Sperlich

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Dritter Sonntag im Advent

Siehe, Gott ist mein Heil; ich vertraue und erschrecke nicht.
Denn meine Stärke und mein Lied ist Gott, der Herr, Er wurde mir zum Heil.

Gaudete, Freut euch, heißt dieser Sonntag. Die liturgische Farbe ist Rosa, denn in das Violett der adventlichen Bußzeit scheint schon das Licht von Weihnachten.

Ich habe heute sehr viel Freudiges vor und hoffe, auch Freude zu verbreiten.

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Katholisch, je länger je lieber

Manchmal werde ich gefragt, wieso ich Christin geworden bin. Die kurze Antwort ist: Weil das besser ist, als Atheistin zu bleiben. Die längere Antwort ist hier:

Erzogen wurde ich in einem religionsfernen, wenn auch vom Christentum selbstverständlich geprägten Weltbild, in dem Friede und Verzeihungsbereitschaft hohe Bedeutung hatten und abendländischer Kunst und Kultur höchste Bedeutung zukam. Mein Vater lehrte mich, daß ohne Bibelkenntnis weder die deutsche Sprache mit ihren zahlreichen biblischen Wendungen und ihrer bedeutenden religiösen Dichtung noch die europäische Kultur mit unzähligen Kirchen und religiösen Bildern verständlich seien. Dabei wurde vorausgesetzt, daß Religionen ein kulturstiftendes Hilfsmittel zum Weltverständnis vor der Aufklärung sind, und daß man nun Religionen nicht mehr braucht und es ohnehin keinen Gott gibt. Jesus wurde nur als beeindruckende historische Persönlichkeit verstanden.

Du musst die Lutherbibel lesen, das gehört zur Bildung – in Abwandlungen hörte ich diesen Satz oft. In einer Zeit, in der ich eine naiv romantisierende Vorstellung von Kommunismus hegte, wie inWilliam Morris Kunde von Nirgendwo, begann ich, das Neue Testament und die Psalmen zu lesen. Ich strich in den Psalmen die Wörter frei und Freiheit an und sah die Verse mit linksintellektuellem Hochmut als Vorstufe zum freiheitlichen Denken.

Im Sommer 1983 wanderte ich allein in den Schweizer Alpen. Es war nicht meine erste, aber meine bisher höchste Bergtour, riskant und herrlich. Eine Taschenausgabe des Neuen Testaments und der Psalmen trug ich bei mir. Die Evangelien las ich als eine schöne und spannende Geschichte, die Psalmen als eindrucksvolle antike Lyrik. Besonders sprach mich der 121. Psalm an, weil ich nachvollziehen konnte, daß ein Mensch beim Anblick der Berge religiöse Scheu empfindet.

Ich hatte in einer Herberge übernachtet und war sehr früh aufgebrochen, stand auf einem Plateau in etwa 1800 Meter Höhe, von dem in Nord-Süd-Richtung ein für alpine Verhältnisse bequemer Weg hinunterführte; nach Osten ging es senkrecht abwärts, schroff und eindrucksvoll, tief unter mir ebenes Weideland. Die Sonne ging gerade auf, es war vollkommen klar – und ich begriff schlagartig, daß die Evangelien und Psalmen die Wahrheit sagen.

Es hatte nicht aus heiterem Himmel geblitzt. Es war mir keine Gestalt im weißen Gewand erschienen. Keine Stimme vom Himmel hat gesprochen. Es war nur die Sonne aufgegangen, im Osten, wie immer, an einem besonders schönen Ort, und für mich gab es von nun an keinen Zweifel mehr daran, daß der Dreieine Gott existiert und daß der 121. Psalm wörtlich zu nehmen ist.

Die Erkenntnis verhinderte zwar einige Zeit später nicht das Gefühl der vollständigen Verlassenheit und auch nicht verschiedene teils selbstverschuldete, teils ohne Eigenleistung dazubekommene Katastrophen – wie bei den meisten Menschen. Aber Gottes Existenz habe ich seither nicht einen Augenblick lang bezweifelt.

Wieder zu Hause, wandte ich mich an eine Katholikin, die mit meinen Eltern und mir befreundet war. Ohne daß sie mich darin beeinflusst hatte, fühlte ich mich zur katholischen Kirche hingezogen. Sie fragte mich, warum gerade zur katholischen und nicht zur evangelischen Kirche – und ich sagte: „Ich finde, das ist irgendwie ernster.“

Sie lud mich gemeinsam mit einem Pfarrer ein. Während sie in der Küche werkelte, ließ er sich von mir berichten, was mir widerfahren war. Er fragte wenig, hörte genau zu, zog an seiner Pfeife und meinte mit freundlicher Sachlichkeit: „Dann können wir Sie ja Ostern taufen.“

Die Katechese bestand darin, daß er mir auf meine vielen Fragen zu Bibel und Kirche ausführlich antwortete. In der Osternacht 1984 wurde ich getauft.

Es hat seitdem Zeiten gegeben, in denen ich mit der Kirche meine Schwierigkeiten hatte, aber selbst als ich nur noch enttäuscht und zornig an sie dachte und ihr fernblieb, kam ein Austritt für mich nicht in Frage – auch wenn mir als Argument nur Joh. 6,68-69 blieb: Wohin sonst?

Mit der Zeit verstand ich immer besser, warum die Lehre der katholischen Kirche auch da richtig ist, wo sie unbequem ist – ja gerade da. Ich brauche keinen bequemen Gott und keine bequeme Kirche – sondern den Herrn und Seine Braut, verbindlich und wahr. Um es bequem zu haben, ist ein Sofa ausreichend. Um Wahrheit und ewiges Leben zu erlangen, braucht es den, der Weg, Wahrheit und Leben ist.

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Maria durch ein Dornwald ging: Ein Lied mit Tiefe.

Ein schönes, anrührendes Lied: die schwangere Maria geht durch einen seit Jahren vertrockneten Wald aus Rosenbüschen, von denen nur die kahlen Zweige und Dornen übrig sind. Aber weil Jesus anwesend ist, noch in ihrem Leib, aber unverkennbar da, blühen die Rosen auf.

Meine agnostische Mutter sang es gerne. Sie erklärte mir: Da geht eine Frau durch einen vertrockneten Wald und freut sich so sehr auf ihr Baby, dass davon die Rosen blühen. Selbst ohne Religion kann man dies Lied anrührend finden!

Ursprünglich ist es ein Wallfahrtslied und hat noch mehr Strophen in Form eines katechetischen Frage-und-Antwort-Spiels. Aber die ersten drei Strophen versteht jeder, der schon einmal eine fröhliche Schwangere gesehen hat.

Ich habe es lange als eine schöne Legende verstanden – was es auch ist. Aber es steckt mehr dahinter. Maria ist auf dem Weg zu Elisabeth (Lukas 1,39-56), und dieser Weg wird beschrieben als ein Weg durch die noch unerlöste, tote Welt. (Zum Adventslied wurde es später umgedeutet.) Die Natur selbst reagiert auf die Anwesenheit des Herrn. Ich kann es auch so lesen: Was in mir staubtrocken und leblos ist, kann wieder aufblühen, wenn der Herr gegenwärtig ist. Dabei muss mir Seine Gegenwart noch nicht einmal voll bewusst sein. Maria kann mir einen Fingerzeig geben. Ich kann mir klar machen, dass Jesus nicht erst durch die Geburt Mensch geworden ist, sondern es schon bei der wunderbaren Zeugung war.

Wenn ich mir trotz katastrophalen Nachrichten und grauem Wetter klar mache, dass Jesus Christus da ist, dann kann ich mit anderen Augen in die Welt sehen. Dann sehe ich vielleicht auch etwas unvermutet Rosiges. Diese Sicht kann man auch schulen. Sie macht nicht naiv, im Gegenteil: Es ist unrealistisch, nur das Bedrohliche und Graue zu sehen. Der Herr ist auf jeden Fall da, gleich wie verborgen. Das schärft den Blick in einer Weise, die die Katastrophen nicht verneint, aber zugleich vor allem das Leben bejaht.

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