Allerheiligen

Heute feiert die katholische Kirche all jene Menschen, die in der ewigen Herrlichkeit bei Gott sind. Alle, die Bekannten und die Unbekannten – die von der Kirche offiziell als heilig Anerkannten sind nicht alle Heiligen, die es gibt. Alle, die im Erdenleben Gott sehr geliebt haben und sich nach Ihm gesehnt haben. Vielleicht auch erst spät im Leben, vielleicht erst im Alter, vielleicht erst im Sterbeprozess – denn Gottes Vergebung ist auch kurz vor dem Tod noch möglich, wenn man Ihn ehrlich darum bittet (und das kann vielleicht auch in Formen und auf Weisen geschehen, die kein anderer Mensch mitbekommt).

Von den vielen kirchlich anerkannten Heiligen sind viele schon vergessen, andere kaum bekannt, wieder andere hochberühmt. Es sind schwierige Charaktere darunter, Menschen, von denen man froh ist, sie nicht als Nachbar gehabt zu haben – und andere von so gewinnendem Wesen, dass man sie einfach liebhaben muss. Es sind einfache und komplizierte, schlichte und hochintelligente, freundliche und barsche, Pförtner und Professoren darunter. Aber allen ist gemeinsam, dass sie Jesus Christus über alles liebten. Viele haben ihr Leben genau deshalb verloren, weil sie Ihm nicht die Freundschaft kündigen wollten. Andere sind eines natürlichen Todes gestorben nach einem langen Leben, in dem Jesus Christus beständiger Mittelpunkt war.

Heilig werden ist die Aufgabe jedes Christen, und es erfordert nicht besondere Fähigkeiten, theologisches Wissen, Heilkräfte oder andere übernatürliche Gaben, sondern allein die drei göttlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung, Liebe – und vor allem Liebe. Am Ende ganz bei Gott sein heißt heilig sein. Heiligkeit ist das Beste, Schönste, Froheste was man überhaupt anstreben kann.

Das ist für die Kirche ein so großer Grund zum Feiern, dass dies Hochfest auch dann stattfindet, wenn es auf einen Sonntag fällt.

Melodie: Gott, der nach Seinem Bilde (GL 499);
alternativ: Den Herren will ich loben (GL 395)


Ihr seid in Gott geborgen,
gehüllt in Gottes Licht,
in ewgem Ostermorgen
schaut ihr des Herrn Gesicht.
In Liebe ohne Grenzen
lebt ihr in Ewigkeit,
und eure Seelen glänzen
von Gottes Heiligkeit.

Ihr weist auf Jesu Leben,
ihr seid der Kirche Licht.
Helft uns in Tun und Streben
zu Mut und klarer Sicht.
Helft uns in unsern Leiden,
in Irrtum, Krankheit, Not.
Seid bei uns, wenn wir scheiden,
und helft zu gutem Tod.

Ihr habt schon überschritten
die Schwelle in Sein Land;
ihr Heiligen, wir bitten,
nehmt ihr uns an der Hand.
Wenn dann in Gottes Klarheit
der ewge Tag anbricht,
sind wir in Seiner Wahrheit,
im goldnen Gotteslicht.

© Claudia Sperlich

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About Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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