Es gibt Menschen, die haben diesen Satz schon gehört.
Es gibt auch Menschen, die haben diesen Satz verinnerlicht und halten sich selbst nicht für lebenswert.
Je „normaler“ es wird, Behinderte abzutreiben und Alte zu euthanasieren, desto deutlicher wird dieser Satz gesagt, vielleicht nicht wörtlich, aber durch die Tat, zu Menschen, die mit einer Behinderung oder einem Gebrechen leben.
In Island werden Menschen mit Down-Syndrom fast immer abgetrieben. Auch in Deutschland wird die Abtreibung Behinderter von zahlreichen Menschen als normal oder gar wünschenswert gesehen. Das immer wieder gehörte Argument ist, daß es den Betroffenen Leid erspart. Bei der weit häufigeren Abtreibung gesunder Kinder wird auch so argumentiert, da behauptet wird, ein ungewünschtes Kind hätte wenig Chance, glücklich zu werden.
Sowohl Behinderten als auch Menschen aus schwierigen sozialen Verhältnissen – also den meisten Menschen überhaupt – wird damit gesagt: „Es wäre besser, wenn es dich nicht gäbe.“ Und jetzt komme mir keiner damit, daß Behinderte das ja eh nicht verstehen. Erstens ist „behindert“ ein schwammiger Begriff, der alles von einer leichten Beeinträchtigung bis zu ständiger Pflegebedürftigkeit umfasst, zweitens sind gerade Menschen mit Down-Syndrom – um die es bei diesbezüglichen Überlegungen häufig geht – oft äußerst feinfühlig.
Menschen, die gerade nicht so passen oder die mit ihrem Leben große Schwierigkeiten haben, umzubringen, sei es im Mutterleib oder durch Suizidbeihilfe, sendet an andere Menschen mit vergleichbaren Schwierigkeiten ein klares Signal: „Solche wie dich macht man besser weg.“
Die Behauptung, Abtreibung habe mit Frauen- und Menschenrecht zu tun (die in solchen Diskussionen übrigens gern getrennt aufgezählt werden, als seien Frauen irgendwie anders Mensch als Männer), führt dahin, daß das Menschenrecht Behinderter, Kranker, Alter und Armer grundsätzlich in Frage gestellt wird. Und das merken die Betroffenen.














