Glauben ist Überfülle!

Gegen Bescheidenheit

Als Atheistin war ich so bescheiden.
Mit gut bezahlter Arbeit, Auto, Haus
und vielen Reisen wäre ich zufrieden
gewesen. Doch es sollte anders kommen.
Nun bin ich schlecht bezahlte Dichterin,
das Fahrrad ist kaputt, und meine Wohnung
muss ich im Frühjahr wirklich renovieren.

Doch seit ich Christin bin, muss ich gestehen:
Ich bin so maßlos anspruchsvoll geworden!
Ich will die goldne Lebensfülle, will sie ewig,
will in der Herrlichkeit des Einen Gottes
für immer wohnen, Heilige und Engel
zu meinen Nachbarn haben, und will ewig
vor meinem Heiland Jesus Christus knien,
will meinen Leib, der Raum und Zeit ist, haben,
doch ohne Leiden, und ich will zugleich
den Raum, die Zeit und das Gewohnte lassen
und selig leben in der Ewigkeit.

Dies alles möchte ich am liebsten heute,
will außerdem, daß alle sich bekehren
und daß der Herr in Seiner Herrlichkeit
mit Seinen Scharen wiederkommt zur Erde
und daß Sein Friedensreich noch heute anfängt.

Da sind doch Auto, Haus und fette Löhne
und was man sonst als Glück bezeichnen mag
bescheidener als Eremitenklausen,
und diese Welt wirbt ständig für Entsagung.

© Claudia Sperlich

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Frohe und gesegnete Weihnachten allen meinen Lesern!

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Caravaggio, Christi Geburt

Der Engel zeigt mit einem Finger nach oben, mit dem anderen auf den Jesusknaben; zwischen den Händen ausgespannt hält er das Spruchband GLORIA IN EXCELSIS DEO – Ehre sei Gott in der Höhe! Der Gott in der Höhe und das Kind in der Krippe sind eins – das deuten die Hände des Engels an.
Josef schaut den älteren Hirten an und deutet auf das Kind – in einer wie unbewußten Handhaltung mit drei Fingern auf den Dreieinen. Der Hirte schaut gesammelt und aufmerksam; die leicht gerunzelte Stirn deutet an, daß er sich müht, diese unfassbare Nachricht zu verarbeiten.
Maria hält die rechte Hand auf ihrem Leib, die Linke hängt entspannnt herunter – und der Zeigefinger weist wie zufällig auf das Kind. Sie ist die Gottesgebärerin.
Der zweite Hirte hat die Hände gefaltet und den Blick auf das Kind gerichtet; er ist ganz versunken in Anbetung.
Der Weise, auf seinen Wanderstab gestützt, schaut ebenfalls auf das Kind, genau wie der Ochse neben ihm. Der kluge, weitgereiste Mensch hat dem Rindvieh in dieser Situation nur so viel voraus, daß er bewußt anbetet.

***

Weihnachtswahrheit

Ist denn die Wahrheit unbedingt
historisch-kritisch nur verkündbar?
Kann es nicht sein, daß Gott gelingt,
was unsrer Forschung unergründbar?

Der Wahrheit macht den Weg bereit,
dem wahren Gott, dem Weg für alle.
Das ist die Wahrheit, die befreit:
Die Jungfrau Mutter! Kind im Stalle!

Und alle Jahre wieder hält
sich mancher gern für kirchenkritisch,
der altklug aus dem Spiegel bellt –
der Christenhass ist monolithisch.

Und alle Jahre wieder frisst
sich mancher im Advent zugrunde –
daß jetzt die Zeit der Buße ist,
das geht im Glühwein vor die Hunde.

Doch Hirten, Engel, Sternenglut
und Stall stehn für mich außer Frage –
denn viel zu wahr ist dieses Gut,
und viel zu gut für eine Sage.

aus: Lass mich bekennen Deine Mandelblüte, tredition 2015

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Weihnachtstisch

Nach der letzten Messe im Advent und dem Krippenspiel (ganz hervorragend war es, gut ausgewogen zwischen Witz und Theologie, Frömmigkeit und Spaß) und einer stillen Zeit des Gebetes wurde es Zeit, sich über einige Leckereien herzumachen. Und einfach mal dankbar und froh hinzuschauen, wie viele wunderbare Menschen mir ihre Grüße geschickt haben und wie schön ich es hier habe.

Nachher geht es zur Weihnacht in die Kirche. Auch dafür bin ich dankbar – die Kirche ist nah, und ich kann nicht nur ohne Mühe, sondern auch ohne Lebensgefahr hingehen. Das ist alles nicht selbstverständlich.

Weihnachtstisch
Weihnachtstisch
Weihnachtstisch
Weihnachtstisch

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Joseph schreibt an seinen besten Freund

Lieber Samuel,

sicher erinnerst Du Dich an unser Gespräch, als Maria von Elisabeth zurückkam und man ihre Schwangerschaft schon sah. Du hast mich damals für ziemlich verschroben gehalten, weil ich Dir von meinem Traum erzählt hatte.

Zuerst war ich so traurig und so gekränkt gewesen. Da sagt meine Maria, sie muss auf drei Monate zu ihren Verwandten, weil Elisabeth auf wunderbare Weise schwanger geworden ist. Das konnte ich verstehen, auch wenn ich Maria lieber in meiner Nähe gehabt hätte. Es wurden damals ja auch ziemlich blöde Witze über Elisabeth gerissen, und sie hatte sich ganz zurückgezogen, um nicht angestarrt zu werden wie ein Wundertier, schwanger mit über sechzig Jahren! Maria war ihr nicht nur eine Verwandte, sondern auch eine gute Freundin, und ich sah ein, daß sie Elisabeth helfen wollte.

Und dann kam sie zurück, meine Maria, und war selber sichtbar schwanger! Das war ein Schock, und ich fand keine Erklärung. Hätte sie mir ein Kind unterschieben wollen, wäre sie ja geblieben und hätte auf baldige Hochzeit gedrängt. Hätte sie die Verlobung lösen wollen, hätte sie es einfach tun können – sie kannte mich gut genug, um zu wissen, daß ich ihre Entscheidung geachtet hätte (auch wenn es furchtbar für mich gewesen wäre). Hätte ihr jemand Gewalt angetan, wäre sie kaum so ruhig, so heiter und gelassen gewesen. Es gab keinen Nebenbuhler. Es passte nichts zusammen! Und als ich sie beschwor, mir zu sagen, was eigentlich geschehen sei, schaute sie mich nur groß an und sagte sehr bestimmt, sie werde es mir sagen, aber nicht jetzt.

Du hast mich damals bestärkt, als ich ihr im Stillen einen Scheidungsbrief überreichen wollte, und als ich dann diesen Traum hatte und Dir davon erzählte, hast Du gedacht, ich sei durchgedreht.

Ich hätte auch nie gedacht, daß ausgerechnet zu mir der Ewige einen Seiner Boten schickt! Aber so war es. Es war ganz hell in diesem Traum, und ich war auf einmal ganz voll Vertrauen: Wenn dieser Bote mir sagt, Marias Kind ist von Gott, dann ist das eben so. Zugleich war ich unendlich erleichtert. Samuel, stell Dir einfach vor, alles weist darauf hin, daß Deine Verlobte Dich betrügt, und dann kommt jemand und beweist mit einem Satz ganz klar ihre Unschuld. „Fürchte dich nicht, sie zu dir zu nehmen“, hatte der Bote gesagt. Nicht: „Sei nicht böse auf sie“ oder „Freu dich, ihr könnt zusammenbleiben“ – nein, „Fürchte dich nicht“. Mir war schnell klar, was das hieß: Fürchte nicht, daß Maria lügen könnte, fürchte dich nicht vor deiner eigenen Liebe – und fürchte dich nicht vor den blöden Kommentaren der Nachbarn. Natürlich haben sie mich für einen Schlaffi gehalten, der die Zügel nicht in der Hand hat. Ohne den Engel hätte ich das Geschwätz schwer ertragen. Aber nach diesem Traum dachte ich nur: „Ihr wisst es halt nicht besser.“

Dann mussten wir wegen dieser Volkszählung nach Bethlehem. Ich sage Dir nichts Besonderes damit, auch Du musstest damals mit den Deinen in Deine Geburtsstadt, und auch für Dich war es lästig, nur war Deine Sarah zu der Zeit wenigstens nicht schwanger. Der Weg ist nicht besonders weit, ein Tagesmarsch, wenn ich allein wäre – aber Maria konnte nicht mehr so lange Wege gehen. In der ersten Nacht fanden wir Unterkunft, aber Bethlehem war gesteckt voll. Daß wir doch noch einen Platz fanden, war der Findigkeit eines Mannes geschuldet, der schon mehr Gäste in seinem Haus untergebracht hatte, als eigentlich hineinpassten. Es war ihm sichtlich peinlich, daß er keinen Platz mehr hatte, obwohl Maria wirklich nicht mehr konnte und kurz vor der Niederkunft stand. Aber er schickte dann seine Tochter los, um uns den Weg zum Stall zu zeigen. Die Tiere waren auf der Weide, bis auf einen schlachtreifen Ochsen. Unser Esel hatte auch noch Platz. Die Wirtstochter hatte noch Wasser und Decken mitgenommen. Die Unterkunft war damit zwar nicht schön, aber warm und trocken.

Und dann, in dieser Nacht, bekam Maria ihr Kind. Ich legte den Tieren das Heu auf den Boden, richtete den Futtertrog mit Stroh und einer Decke zu einem Bettchen her, und als ich den Kleinen sah und sah, wie Maria ihn anschaute – da dachte ich zum ersten Mal: Es ist nicht einmal wichtig, ob er direkt von Gott stammt. Meine Maria ist glücklich. Der Ewige hat gegeben, daß das Kind gesund ist und schön.

Aber dann kamen Hirten zu uns und sagten, ein Engel habe sie hergeschickt, und die Himmlischen Heerscharen haben Gott verherrlicht, dort auf der Weide. Sie sagten noch mehr – bestätigten meinen Traum. Sie sagten, unser Junge sei der Erwartete! Es sind nur Hirten – aber sie widersprechen sich nicht, und ich glaube ihnen, daß sie Engel gesehen und gehört haben. Und dann, bei allem, was man heutzutage gegen Hirten vorbringt, mein Stammvater David war ja auch ein Hirte, oder?

Ich als Vater – also, Adoptivvater – des Messias. Ich fühle mich eigentlich viel zu klein dafür. Aber Maria meinte, als ich das kurz vor der Geburt sagte, ich solle mich nicht so haben, und wenn der Ewige das so bestimmt hat, dann kann ich das.

Lieber Samuel, ich würde mich freuen, wenn Du uns demnächst besuchst. Ich sehe den Kleinen als meinen Sohn an, für den Gott mir die Verantwortung übertragen hat und den ich liebe, auch wenn alles ganz anders ist als es scheint. Ob er wirklich der Messias ist? Ich glaube schon, Maria ist sich ganz sicher. Aber zunächst einmal ist er unser süßes geliebtes Kind, unser Erstgeborener. Ich bin glücklich über meine kleine Familie.

Dein Joseph

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4. Adventssonntag – Rorate

Vierter Advent

Parusie

Und wenn Du nun kämst
plötzlich und unerwartet
auf leuchtenden Wolken
von Engeln verherrlicht
mitten in kitschige Buntheit
der Weihnachtsmärkte,
zwischen Bratwurst und Glühwein
und quengelnde Wohlstandskinder,
die Santa Claus verehren?
Und wenn dann der Bratwurstfritze
nur dächte: Der scheucht mir die Kunden?

Und wenn Du nun kämst
in Hoheit und freudiger Würde
in festlich glänzende Häuser
und in die Küchen,
mitten beim Plätzchenbacken,
während die Dielen
noch letztes Putzwasser brauchen?
Und wenn dann die Eltern
nur sagten: Können Sie Neujahr…?

Und wenn Du nun kämst
voll jubelnder Liebe
zur Mitternachtsmesse,
wenn die Gemeinde vermeintlich
sich ganz auf Dein Wort konzentriert,
und stündest in Herrlichkeit
vorm Tabernakel?
Und wenn dann der Lektor
nur dächte: Wer ist dieser Priester?

Herr, Du wirst kommen
in strahlender Freude.
Lass strahlende Freude
die Menschen ergreifen,
und wenn Du uns richtest,
so richte zuerst
das Sinnen der Menschen,
mein Herr, auf Dich.

© Claudia Sperlich

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Einen Weihnachtsbaum habe ich auch!

Weihnachtsbaum

Da hängt er, zwischen Kunst und Weihnachtsschmuck, unter Maria mit dem Kind, und nicht weit vom Kreuz. Und er nadelt nicht.

Weihnachtsschmuck

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Samstag der dritten Adventswoche

Laudes im Advent III

Durch Dich, Herr, geht die Sonne auf,
In Dir beginnt der Tageslauf.
Gib, daß das Tagewerk gelingt,
Durch Deinen Heilgen Geist beschwingt.

Du Herr, der unsre Seelen kennt,
Der alle Welt beim Namen nennt,
Der auf sich hin die Menschen schuf:
Hilf uns, zu folgen Deinem Ruf.

Mach Du uns zum Verzicht bereit,
Wenn durch das Land die Habgier schreit.
Wo Aberglauben um sich greift,
Gib, daß in uns der Glaube reift.

Komm wieder in die Welt voll Streit!
Komm wieder, Herr, in Herrlichkeit!
Gib uns, daß alle Waffen ruhn,
Laß alle Deinen Willen tun.

Du bist das Leben, bist der Weg.
Sei Du zur Wahrheit unser Steg,
Bis überall Dein Wort erklingt,
Bis jeder Mund von Liebe singt.

© Claudia Sperlich

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Freitag der dritten Adventswoche

Choral für die Ungeborenen
nach der Melodie „Aus tiefer Not“

Die Kinder, die vom Mutterschoß
Aus dieser Welt genommen,
Betrogen um ihr Menschenlos –
Herr, lass sie zu Dir kommen!
Neig ihnen zu Dein Angesicht,
Lass leben sie in Deinem Licht,
Gib ihren Seelen Frieden.

Die Menschenknospen, wehrlos klein,
Zerrissen, ungeboren,
Sie lebten durch Dein Wort allein –
Herr, gib sie nicht verloren!
Wo Menschenschuld den Tod gebracht,
Erweise Deine Lebensmacht,
Führ sie zur ewgen Freude.

Führ auch an Deiner Vaterhand
Auf Deine guten Wege,
Die diesen Kleinen aberkannt
Die Liebe und die Pflege.
Geh nicht an ihrer Not vorbei,
Lass sie bekennen und verzeih,
Gib ihren Seelen Frieden.

© Claudia Sperlich

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Donnerstag der dritten Adventswoche

Laudes im Advent II

Wir stehn vor Dir, Du Morgenlicht,
Du Herr, der unsre Fesseln bricht.
Behüte unsern Tageslauf,
Und wo wir fallen, hilf uns auf.

Komm wieder, Herr! Die Welt ist kalt,
Ist voller Trauer und Gewalt.
Gib, daß in allem Lärm der Zeit
Wir hören noch das stumme Leid.

Da Du um unsre Schwachheit weißt,
Hilf glauben uns, was Du verheißt.
Laß unsre Hoffnung nicht vergehn,
Laß liebend uns den Nächsten sehn.

Gib, daß ein jeder, der Dich liebt,
Dein Wort mit Freude weitergibt,
Daß sich die Welt zu Dir bekehrt
Und daß Dich jedes Herz verehrt.

Du hast den Frieden uns gezeigt,
Der unser Denken übersteigt.
Wir glauben, Du machst alles neu.
Dein Wort ist Wahrheit. Du bist treu.

© Claudia Sperlich

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Mittwoch der dritten Adventswoche

Laudes im Advent

Herr, mach in dieser dunklen Zeit
Zu froher Umkehr uns bereit,
Hilf, daß die grelle laute Welt
Uns nicht in ihren Fängen hält.

Laß uns den Weg verfehlen nicht,
Es blendet so viel falsches Licht!
Wo unsre Seele dunkel ist,
Erleuchte uns, Herr Jesus Christ.

Sei unsre Ruhe in der Hast,
Befrei uns von der Habgier Last,
Daß wir des Nächsten Nöte sehn
Und hilfreich ihm zur Seite stehn.

Laß uns ein Licht für andre sein
Als Deiner Liebe Widerschein,
Daß wir Dich, Jesus, unsern Hort,
Bezeugen frei in Tat und Wort.

Herr Jesus Christus, komm doch bald
In diese Welt, so hart und kalt;
Sei Du uns gnädig im Gericht,
Du, aller Menschen Lebenslicht.

© Claudia Sperlich

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