Glauben ist Überfülle!

Gegen Bescheidenheit

Als Atheistin war ich so bescheiden.
Mit gut bezahlter Arbeit, Auto, Haus
und vielen Reisen wäre ich zufrieden
gewesen. Doch es sollte anders kommen.
Nun bin ich schlecht bezahlte Dichterin,
das Fahrrad ist kaputt, und meine Wohnung
muss ich im Frühjahr wirklich renovieren.

Doch seit ich Christin bin, muss ich gestehen:
Ich bin so maßlos anspruchsvoll geworden!
Ich will die goldne Lebensfülle, will sie ewig,
will in der Herrlichkeit des Einen Gottes
für immer wohnen, Heilige und Engel
zu meinen Nachbarn haben, und will ewig
vor meinem Heiland Jesus Christus knien,
will meinen Leib, der Raum und Zeit ist, haben,
doch ohne Leiden, und ich will zugleich
den Raum, die Zeit und das Gewohnte lassen
und selig leben in der Ewigkeit.

Dies alles möchte ich am liebsten heute,
will außerdem, daß alle sich bekehren
und daß der Herr in Seiner Herrlichkeit
mit Seinen Scharen wiederkommt zur Erde
und daß Sein Friedensreich noch heute anfängt.

Da sind doch Auto, Haus und fette Löhne
und was man sonst als Glück bezeichnen mag
bescheidener als Eremitenklausen,
und diese Welt wirbt ständig für Entsagung.

© Claudia Sperlich

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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Eine Antwort zu Glauben ist Überfülle!

  1. Gerd schreibt:

    Es ist doch ein tröstlicher Gedanke, dass uns der Herr eine Wohnung bereitet. Eine die nicht renoviert werden muss, sondern in Ewigkeit wohnlich bleibt.

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