Maria hat Geburtstag!

Maria, Heil der Kranken
GL 742 (Das alte Jahr vergangen ist)

Maria, schöne Gottesmagd
Mit Sternenkrone, Sonnenkleid,
Du hilfst in Krankheit, Not und Leid.
Nimm fort, was Leib und Seele plagt.

Du bist geboren frei und heil,
Von Anfang an mit Gott versöhnt.
Er hat im Himmel dich gekrönt,
Du hast an Seiner Herrschaft teil.

Du, selbst Geschöpf in Gottes Plan,
Hast uns das Wort zur Welt gebracht,
Im Stall und unterm Kreuz gewacht,
Hast nie verlassen Seine Bahn.

Dir blieb nicht Schmerz und Angst erspart,
Doch eh du warst, warst du befreit
Und bliebst in deiner Erdenzeit
Von Drachenlist und Schuld bewahrt.

Du gabst dem Herrn dein frohes Ja,
Und wurdest Mutter Seiner Schar.
Du Heil der Kranken, schön und klar,
Sei uns in Schmerz und Leiden nah.

© Claudia Sperlich



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Wahlgedanken

Hinter mir liegt eine kleine Wahl – die zum Pfarrgemeinderat. Meine Vorstellung als Kandidatin wurde sehr wohlwollend begrüßt, aber gereicht hat es doch nicht. Ich werde nun im Grunde tun, was ich vorgeschlagen habe – nämlich versuchen, das gemeinsame Gebet außerhalb der Gottesdienste zu mehren. Es gibt so viele Möglichkeiten: den Rosenkranz, das Stundengebet, soweit man es wieder darf, Taizé-Gesänge, gemeinsame freie Fürbitten, die stille Anbetung, vielleicht mit meditativen Texten, vielleicht auch ganz still, aber nicht allein – es ist ein großer Unterschied, ob man allein oder zu mehreren betet. Und sicher gibt es noch weit mehr Möglichkeiten. Das alles werde ich nun in irgendeiner Form dem PGR vorschlagen und einfach mal sehen, was daraus wird. Daß ich dabei eben nicht Mitglied des PGR geworden bin, ist wahrscheinlich gar nicht so wichtig. Zumal ja gar nicht klar ist, ob es eine Gnade oder eine Zulassung gewesen wäre, hätte man mich gewählt.

Vor mir liegt eine größere säkulare Wahl, genauer gesagt mehrere davon. Ich habe bereits entschieden, was ich wählen werde. Ob ich damit irgendetwas zum Besseren ändern kann, weiß ich nicht. Ich hoffe einfach, den schlimmsten Banden in unserem Bundestag ein wenig Einfluss zu nehmen.

Was ich bestimmt nicht tun werde: Eine mir widerstrebende Partei wählen, nur damit eine mir noch stärker widerstrebende Partei schlechter abschneidet. Das habe ich mehrmals getan und mich jedesmal hinterher geärgert. Um meine Stimme zu bekommen, muss eine Partei mir gefallen, muss ein Programm haben, das mich überzeugt, und Leute, die hinter diesem Programm stehen. Ich weiß, daß Parteien sich ändern können, und gelobe keine Nibelungentreue. Jetzt aber scheint mir die ÖDP eine gute Wahl zu sein: Ökologisch, lebensbejahend, mit christlicher Grundhaltung und gegen ungebremstes Wirtschaftswachstum.

Aber wichtiger als der ganze Bund samt Bundestag und alle Länder ist mir die Kirche. Braut Christi, da kann kein Politiker mithalten.

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Geschmack ist nicht Glaube

Kürzlich gab es eine kleinere Schlacht in diesem Internet, in der es darum ging, ob der Mariendom von Neviges eine Kirche sei.

Wäre es darum gegangen, ob er eine schöne Kirche sei, hätte ich gesagt „Über Geschmack kann man nicht streiten“, und hätte mich zurückgezogen. Es ging aber darum, daß er überhaupt keine Kirche, vielmehr eine Gotteslästerung sei, daß man ihn abreißen solle und daß der Architekt Gottfried Böhm, der ihn und zahlreiche weitere Kirchen erbaute, der Bischof, der ihn weihte und jeder, der gerne dort bete und sich im Schutz dieses gebirgig anmutenden Bauwerks geborgen und andächtig fühle, in Wahrheit ein widerchristliches Monster sei. (Ich übertreibe nicht!)

Es ging also darum, ob der Geschmack eines Gläubigen das gleiche sei wie der rechte Glaube der katholischen Kirche. Derartige Diskussionen gibt es öfter mal.

Daß Gottfried Böhms Stil nicht allen gefällt, ist normal. Die Behauptung, seine Kirchen – insbesondere sein Meisterwerk, die Nevigeser Wallfahrtskirche Maria, Königin des Friedens – seien objektiv hässlich, ist bildungsfern und eitel, denn diese Behauptung erhebt das eigene ästhetische Empfinden zur absoluten Wahrheit.

Ästhetik hat mit dem Ausdruck von Glauben (oder Unglauben) zu tun. Das zeigt die religiöse Kunst der Jahrhunderte, das zeigt auch die Kunst im Sozialismus und im Nationalsozialismus. Es gibt ästhetische Formen, die einen falschen Heroismus propagieren (diktatorische Skulpturen der letzten hundert Jahre zeigen das deutlich, aber auch barocke Darstellungen von Herrschern sind nicht frei davon – auch wenn sie künstlerisch weit gelungener sind). Die christliche Kunst hat zu verschiedenen Zeiten verschiedene Schwerpunkte im Wortsinn „ins Bild gerückt“ (etwa den triumphierenden Christus, den leidenden Christus, die Nächstenliebe u.v.a.m.). Und neuartige Kunstformen eckten oft an. „Gotik“ war zunächst ein Spottwort, so bauen allenfalls Goten, also Heiden und Barbaren. „Barock“ war ebenfalls ein Spottwort – im damaligen Italienisch bedeutete „barocco“ schief, eigenartig.

Ästhetik hat gesellschaftliche, politische, religiöse Aussagen. Eine symmetrische Gründerzeitvilla mit Dienstboteneingang sagt schon mit der Hausfront etwas anderes als Hans Scharouns organisch anmutendes Einfamilienhaus in der Weißenhofsiedlung. Eine romanische Kirche sagt bereits mit ihrem weiten Portal: „Kommt her zu mir“, eine gotische Kirche mit ihren spitzen Türmen und Fenstern sagt etwas strenger: „Nimm dein Kreuz auf dich und folge mir nach“, und die Backsteingotik des 19. Jhs. fügt pikiert hinzu: „… und benimm dich“.

Es gibt zweifellos auch mißlungene Architektur und solche, die von vornherein ohne einen Gedanken an Schönheit in die Stadt gesetzt wurde – zahlreiche Behördengebäude der 70er und 80er Jahre geben davon Zeugnis. Auch ist die persönliche Aussage „Ich finde das hässlich“ immer legitim, auch wenn es sich um Gotik oder Barock handelt. Aber eine Kirche abreißen wollen und den Architekten postum mit Hass überschütten, allein weil das Bauwerk einem nicht gefällt, ist nicht nur ein Zeichen mangelnder Frömmigkeit und Liebe. Es ist auch ein Zeichen mangelnder Urteilskraft.

Aber der Erbitterte, der das tat, hat bei mir etwas Gutes bewirkt. Erstens habe ich mich mit dem Architekten Gottfried Böhm beschäftigt, und zweitens möchte ich, sobald ich kann, nach Neviges. Ich hoffe, im nächsten Sommer wird es gelingen. Ich möchte in diesem Mariendom beten und schauen und staunen, möchte dies Gebirge auf mich wirken lassen, mich in diesem riesigen Raum bergen lassen und die Rose auf der Fensterwand bewundern.

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Was wäre, wenn es kein Christentum gäbe?

Also nicht „nicht mehr“, sondern gar nicht? Wenn der Herr es sich anders überlegt hätte, wenn die Jünger aufgegeben hätten, wenn es nicht die geringste Überlieferung jener seltsamen jüdischen Gruppe gäbe?

Es gäbe also eine monotheistische Religion, das Judentum, und das hätte sich ohne die Konkurrenten Christentum und Islam vermutlich anders entwickelt. Aber da es keine Mission kennt und seit früher Zeit zahlreiche Feinde hat, hätte es wohl nicht viel mehr Mitglieder als unter den tatsächlichen Umständen.

Die Idee der Feindesliebe gäbe es – sie wohnt dem Judentum inne (aber außerhalb des Judentums, das weniger bekannt wäre als es heute tatsächlich ist, nur schwach ausgeprägt). Der Hinduismus würde, ebenso wie der Buddhismus, zur Nachsicht aufrufen, aber nicht so betont wie Gandhi es tat – denn Gandhi war stark geprägt durch die Lektüre von Tolstois Sachbuch „Das Himmelreich in euch“ und der Korrespondenz mit dem Autor, und ohne Christentum wäre dies Buch nicht geschrieben worden.

Judentum, Hinduisms und Buddhismus geben mindestens Hinweise, daß Rache schlecht und Vergebung gut ist. Aber die Radikalität, mit der Jesus Christus die Fendesliebe zum Gebot erhob, gäbe es ohne das Christentum nicht, und auch nicht besonders starke Missionsbestrebungen.

Europa hätte ein völlig anderes Aussehen ohne das Christentum. Vermutlich wäre es von einer ungeheuren römischen Großmacht in Provinzen aufgeteilt, die mehr oder weniger gut regiert würden. Stammesfehden wären an der Tagesordnung ebenso wie das blutige Eingreifen der römischen Besatzungsmacht. In Europa gäbe es kein Judentum, da außerhalb des Heiligen Landes ein radikaler Monotheismus nicht geduldet würde – Weihrauch für den Kaiser wäre überall Pflicht. Gegen das Verfüttern von Aufständischen an Löwen würde höchstens PETA demonstrieren, weil die Löwen vorher längere Zeit hungern und weil die Fahrt in Containern von Afrika nach Europa nicht artgerecht ist.

Wie die Kunst sich entwickelt hätte, kann man kaum ahnen – nur, daß es in Architektur, Literatur, Musik, Bildender Kunst und Volksbräuchen nichts gäbe, was christlichen Ursprungs ist. Führen Sie sich Ihre liebsten Werke vor Augen oder Ohren – wahrscheinlich gäbe es sie nicht.

Sklaverei wäre normal. Vermutlich gäbe es hie und da Stimmen, die zum menschlichen Umgang mit Sklaven aufrufen – aber strikte Gegner der Sklaverei wären seltene Käuze.

In meiner Heimat Berlin, einem nicht besonders nennenswerten Flecken des Mitteleuropäisch-Römischen Reiches, würden westslawische Stämme ihren kleinen Handel treiben und ihre kleinen Händel austragen. Das sumpfige Umland schüfe ein ungesundes Klima. Ich trüge wahrscheinlich in drei Vierteln des Jahres ein schlichtes Bärenpelzwams gegen die Kälte. Vor den gelegentlichen Menschenopfern meines Stammes würde ich mich ein bißchen ekeln, aber ich sähe ein, daß die Götter das fordern. Der fast vollständig männlich dominierte Götterhimmel der Slawen würde mir übrigens klarmachen, daß ich als Frau eigentlich nichts zu melden habe. Erlösung gäbe es nicht für mich, nur ewige Wiedergeburt.

Ich bin nicht nur deshalb froh, daß es das Christentum gibt.

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Was wäre, wenn es keine Religion mehr gäbe?

Die Idee begegnet mir in den sozialen Medien ständig, im dreidimensionalen Leben gelegentlich: Man kann ja glauben, was man will (zuweilen auch: Man muss natürlich an den Herrn Jesus Christus glauben), aber Religion ist ein überflüssiger Ballast / hat Er nie gewollt. Als Argument wird gerne sämtliche je im Namen der Religion verübte Gewalt zitiert, besonders die der Kirchen und hier besonders die der Katholischen Kirche, dies in der Regel mit Phantasiezahlen und ohne irgendeine Ahnung von Sachverhalten und Zusammenhängen. Josef Bordat widerlegt solche Aussagen mit wissenschaftlicher Genauigkeit und gut lesbar.

2010 gehörten 83,6% der Weltbevölkerung irgendeiner Religion an. Nach einer Prognose, deren Plausibilität ich allerdings nicht beurteilen kann, werden es 2050 86,8% sein, bei etwa gleichbleibendem Prozentsatz der Christen aller Konfessionen und einem etwas höheren Prozentsatz an Muslimen. (Quelle: statista). Diese Zahlen sagen nicht, wie ausgeprägt im Individuum der Glaube ist, wie hoch das Wissen über die eigene Religion, wie tief die Frömmigkeit – und auch nicht, ob die wenigen Konfessionslosen nur keine Religion oder auch keinen Glauben haben. Aber sie zeigen, daß ein religiöses Empfinden für die meisten Menschen normal ist.

Angenommen, der Glaube an Gott oder Götter oder irgendwelche übersinnlichen Mächte würde sich weltweit und konfessionsübergreifend so dramatisch ändern, daß kein religiöses System sich mehr halten könnte. Meiner Ansicht nach wäre die Folge zunächst ein Wildwuchs an verschiedenen religiösen Ideen, von denen keine sich in einer strukturierten Religion manifestieren könnte. Es gäbe unter allen, die früher einer bestimmten Richtung ihrer Religion gefolgt waren, dann schwindendes Wissen um die Grundsätze dieser Religion. Nach vier oder fünf Generationen der weltweiten Religionslosigkeit wüßten vielleicht noch einige Historiker, was die wichtigsten Grundsätze und prägenden Texte der verschiedenen Religionen waren. Kurze Grundgebete würden sich noch eine Weile halten, aber schon bald in verschiedenen, widersprüchlichen Versionen kursieren. Ohne den Rahmen der Religion wäre es ja zulässig, grundlegende religiöse Texte nach Gutdünken zu ändern.

„Es gab da mal einen Jesus, der war gut und war ein Heiler, und irgendwie lebt der auch immer noch, so in uns oder so ähnlich“ würde zu einer respektierten Überzeugung (und Ähnliches geschähe anderen Religionsgründern).

Die Folge davon wäre zunächst ein großer Wissens- und Kulturverlust. Sämtliche religiösen Bauwerke würden umgewidmet oder abgerissen; religiöse Kunst bliebe unverstanden. (Letzteres ist ja bereits vielfach der Fall.) Warum eine Woche sieben und nicht fünf oder zehn Tage hat, warum sehr viele Menschen unabhängig von ihren Überzeugungen im Dezember ein fröhliches Familienfest feiern, daß es überhaupt geprägte Zeiten und besondere Tage im Jahr gab, das würde ebenso vergessen wie die Bedeutung der meisten Literatur. (Auch Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ und Camus‘ „Pest“ lassen sich ohne ein gerüttelt Maß an Wissen über Religion nicht verstehen.) Von Musik ganz zu schweigen: Man könnte das meiste noch hören, aber nicht mehr lauschen. Der „Tatort“ würde eventuell besser, denn er müsste ohne Seitenhiebe auf die Religion auskommen. (Wie will man schlagen, was es gar nicht gibt?)

Aber, bah, Kultur. Gibt es nichts Wichtigeres? Wäre nicht in Afghanistan Frieden? – Nein. Denn eine Räuberbande, die Drogen und Kunstschätze verkauft, um ein Land unter der Fuchtel zu halten, fände auch ohne den Mißbrauch einer Religion Wege, genau das zu tun. Es gäbe auch weiter repressive Erziehung, Unterdrückung von Frauen, unmenschliche Arbeitsbedingungen – das alles gibt und gab es in allen ganz offiziell religionslosen Systemen. Man braucht keine Religion, um schlecht zu sein. Nur gäbe es weniger Organisationen, die sich für die Opfer von Diktaturen einsetzen. Denn solche Organisationen sind mehrheitlich religiös geprägt.

Danton, Robespierre, Mao Zedong, Hitler, Stalin, Pol Pot, Kim Jong Un und viele Vergleichbare standen bzw. stehen den Religionen feindlich gegenüber. Religiös motivierte Herrschaft kann schrecklich werden, muss aber nicht. Religionsfeindliche Herrschaft war und ist immer verheerend. Wenn es keine Religion mehr gäbe, bliebe auf der ganzen Welt nur noch die krasseste Tyrannei. Aber wahrscheinlich fände man das bald normal, denn man hätte ja nichts anderes.

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Dem Herrn Alipius zum Geburtstag

Der Herr barocker Kirchen und Prälaten,
Der Photograph der düster-hellen Stiegen,
Der Weisen webt, in denen Bilder fliegen,
Der gute Worte eint mit guten Taten,

Der seinen Glauben niemals hat verschwiegen
Und der mich mehr als einmal wohl beraten:
Er sei gefeiert! Torte, Wein und Braten
Mög heut in Überfülle vor ihm liegen!

Gott schenke ihm noch viele frohe Jahre,
Vielleicht auch einen Hut aus roter Seide
Und schnelles Internet zu jeder Stunde!

Gott, vor dem Unheil Deinen Knecht bewahre,
Und dann, nach Erdenlust und Erdenleide,
Schenk ihm Erfüllung Deiner frohen Kunde.

© Claudia Sperlich

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Jede Frau kann Priesterin werden!

Nur nicht in der Römisch-Katholischen Kirche, weil es da keine Priesterinnen gibt, und nicht in der protestantischen Kirche, weil es da keine Priester gibt. (Auch nicht im Judentum, weil es da keine Priester mehr gibt, und nicht im Islam, weil es da keine Priester gibt, und nicht in der Palmarianisch-Katholischen Kirche, aber die geht ohnehin ganz und gar nicht, und nicht bei den Moclanern, weil es da keine Frauen gibt. Wahrscheinlich habe ich noch einige Religionen übersehen, in denen das auch nicht geht.)

Aber eine Welt von anderen Religionen steht jenen offen, die unbedingt Priesterin werden möchten. Sie können sogar eine neue Religion gründen! Nur römisch-katholischTM können sie nicht sein, es sei denn, sie geben ihren Wunsch nach dem Priesteramt auf – sie können ihn sogar aufopfern als ein Leid, das sie tragen.

In der Alt-Katholischen Kirche könnten sie Priesterinnen werden. Dazu müssten sie allerdings erst einmal dieser Religionsgemeinschaft beitreten. Ich weiß nicht, warum sie das nicht tun – ist ja jedem gestattet!

Warum es keine Römisch-Katholischen Priesterinnen geben kann, habe ich auf Radio Horeb und anderswo erklärt. Warum es einen Zusammenschluss von alphabetisierten, zum großen Teil mit Arbeit und womöglich auch mit Gebet vertrauten Frauen gibt, die darauf bestehen, es müsse römisch-katholische Priesterinnen geben, obwohl das Gegenteil evident ist, verstehe ich nicht.

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Weltsonett

Die Welt ist eine zänkisch böse Schachtel.
Ich lieb sie nicht. Sie kann heut nichts als nerven.
Ich würd sie gerne in die Tonne werfen,
Doch in die Tonne passt nicht mal ein Achtel.

Sie macht nur Ärger, ist zu nass und kalt,
An manchen Orten auch zu heiß und trocken.
Sie schafft's, zu dummem Zeug mich zu verlocken,
Und dabei ist sie dreckig, bös und alt.

Nur im Beschwatzen ist sie ein Genie.
Sie zeigt mir vieles, und ich hätt es gerne.
"Gehorche mir, es ist auch nicht dein Schade!"

Durchschaubar und verlockend: das ist sie.
In manchem stehe ich ihr gar nicht ferne.
Für sie und mich bitt ich um Gottes Gnade.

© Claudia Sperlich
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Was kann ich tun?

Das Allermeiste muss ich Gott überlassen. Alle anderen beweisen immer wieder, daß sie keinen dauerhaften Frieden machen können. (Ich zähle mich zu allen anderen.) Weder kann ich beim Aufräumen und Aufbauen in den Hochwassergebieten helfen, noch kann ich die Taliban verjagen – so gern ich die Möglichkeit zu beidem hätte.

Die Dinge, die ich machen kann, haben weder auf Afghanistan noch auf die Hochwassergebiete in Europa einen Einfluss. Was ich tun kann, ist beten. Gebet ist keine Maschine, es ist etwas kategorisch anderes als praktische Arbeit. Deshalb ist es unsinnig, das eine gegen das andere auszuspielen. Es muss beides geben.

Was ich auch tun kann, ist wenigstens manchmal den gröbsten Klötzen als Keil dienen, wenn wieder einmal boshafte und höhnische Sätze über notleidende Menschen im Internet kursieren. Allerdings will ich in den sozialen Medien vorerst nicht Laut geben. Ich sagte heute in einer Mischung aus Zorn und Resignation, wenn die Taliban besiegt und Covid19 Geschichte ist, komme ich wieder auf facebook. Da ich vermute, daß zumindest ersteres erst mit der Parusie geschehen wird und ich ab Jesu Wiederkunft ganz sicher nicht mehr auf facebook zugange sein will, ist das kein sehr durchdachtes Vorhaben. Aber ich werde mich in der nächsten Zeit wohl weniger öffentlich über ungute Menschen echauffieren.

Ich will versuchen, mir den 131. Psalm anzueignen. Innere Emigration ist nicht meine Sache, aber eine innere Wallfahrt finde ich sinnvoll in diesen wüsten Zeiten.

Ein Wallfahrtslied. Von David.

HERR, mein Herz überhebt sich nicht, nicht hochmütig blicken meine Augen, ich gehe nicht um mit großen Dingen, mit Dingen, die mir nicht begreiflich sind. Vielmehr habe ich besänftigt, habe zur Ruhe gebracht meine Seele. Wie ein gestilltes Kind bei seiner Mutter, wie das gestillte Kind, so ist meine Seele in mir.

Israel, warte auf den HERRN von nun an bis in Ewigkeit!

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Die reine Bosheit

… begegnet mir in den sozialen Netzwerken, wenn es um Hilferufe von Frauen geht.

Eine junge Frau sagt, sie fühlt sich massiv bedroht, sie hat Angst vor Vergewaltigung, sie will lieber sterben als Vergewaltigern in die Hände fallen. Eine andere sagt aus, ihr eigenes Leben sei nichts mehr wert.

Angenommen, diese beiden Frauen wären Deutsche mit heller Hautfarbe: Sie könnten sich tausendfacher Solidaritätsbekundungen und Hilfsangebote sicher sein. (Ob es über Bekundung und Angebot im Ernstfall hinausginge, weiß ich allerdings nicht.) Sicher würden sie auch hören, daß sie unrecht haben, daß sie sich an Polizei und Justiz wenden können, daß für den schlimmsten Fall Frauenhäuser existieren. Aber eines würden sie gewiss nicht hören: „Wir wollen dich hier ohnehin nicht.“

Aber – die beiden sind Afghaninnen und sprechen aus ihrer Heimat. Folge davon sind Kommentare wie diese:

Jetzt kommen die Mitgefühl Videos. War nur eine Frage der Zeit.

Nun heißt es vernünftig wählen damit die deutschen Grenzen geschlossen und geschützt werden. Sonst haben wir bald das selbe hier.

Ich weine auch jeden Tag da man mir meine Freiheit nimmt und mich erpresst.

Wirklich schaurige Märchen.

Ist mir völlig Latte…

Solche Videos gehen mittlerweile spurlos an mir vorbei

Die misshandelten Tiere tun mir aber auch sehr leid!!!

mir tun die Tiere mehr leid, die Tiere sollten hier bei uns Asyl bekommen die sind wenigstens herzlich willkommen hier

Aha, man fängt schon an die Bevölkerung weich zu kochen. Aber, nach 20 Jahren Schutz und Ausbildung durch unbeliebte christliche Soldaten und dann, wenn es um die gegebene Freiheit geht, einfach alles passiv geschehen lassen?! Die Taliban sind nun im Besitz moderner Waffentechnik, allein 150 supermoderner Kampfhubschrauber…. da hält sich mein Bedauern in Grenzen.

Ende vom Lied wird sein, Deutschland holt sie alle her…so war’s von vornherein geplant…wir haben ja soooviel Platz

75.000 Taliban standen 300.000 afghanischen Soldaten und einer Zivilgesellschaft gegenüber, die hätte wissen müssen um was es geht… Es gibt Weggabelungen in der Geschichte von Ländern, wo man seine Freiheit mit seinem Blut verteidigen muss. Wenn die Afghanen es nicht getan haben, war es ihnen nicht wichtig genug. Sie soll ihre Brüder und Cousins verfluchen, nicht den Westen….

Die Mehrheit der dortigen Bevölkerung scheint dies zu goutieren, ansonsten wäre das in der Schnelligkeit nicht möglich. Insofern muss man sie wohl lassen.

Wenn eine kleine Armee binnen Tagen ein Land überrollen und die Macht übernehmen kann, muss Akzeptanz in der Bevölkerung vorhanden sein. Anders kann ich es mir nicht vorstellen.

Wer erzieht denn die Söhne seit vielen Generationen, die dann zu Taliban, Terroristen und männlichen Gräulwesen werden?

Das ist eine kleine Auswahl der Hasskommentare. Einige besonders widerliche habe ich nicht zitiert, weil ich die nicht einmal zu Dokumentationszwecken auf meinem Blog haben will. Das heißt, obige Zitate sind nicht einmal die schlimmsten.

Also: die verzweifelten Videobotschaften junger Afghaninnen sind nur mitleidheischend, außerdem sind die jungen Frauen ja selbst schuld, weil sie sich nicht gewehrt haben oder ihre Söhne nicht besser erzogen haben, und außerdem (gleichzeitig) sind das ja alles nur Märchen, wahr ist nur, daß nun ganz sicher echte Terroristen in einer Riesenwelle nach Deutschland strömen werden, und wenn die jungen Frauen Hundewelpen wären, wären sie willkommen…

Wenn der Herr mir sagt, ich solle meine Feinde lieben, dann muss ich Ihm heute entgegnen: Bei den Taliban ist das schwierig genug, aber ich versuchs. Aber, Herr, meinst Du im Ernst auch diese unterbelichteten, gefühlskalten, herzlosen Kommentatoren?

Ich weiß schon: Er wird Ja sagen. Daran merkt man, daß Christentum wirklich nichts für Weichlinge ist.

Ich werde für die einen wie die anderen um Hirn, Gewissen und Bekehrung beten. Zumindest werde ich es versuchen. Sie haben es gleich nötig, und in dieser Hinsicht gilt mein Mitgefühl den Taliban ebenso wie den besagten Kommentatoren. Und für alle Afghaninnen, die jetzt furchtbare Ängste ausstehen und gerne fliehen würden, aber nicht können, weil die Flugpreise schwindelerregend hoch sind, bete ich um großzügige und schnelle Hilfe und darum, daß sie bald in einer sicheren Umgebung frei leben können. Und für mich selbst, daß mein Zorn über die ekelhaften Kommentare nicht in zerstörerische Wut umschlägt. Im Augenblick bin ich recht froh, daß meine Faust von jedem dieser Kommentartoren naturgemäß weit entfernt ist – sonst könnte ich für nichts garantieren.

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