Was ich den Anbetungsschwestern verdanke

Als ich vor über fünf Jahren darüber nachdachte, Anbetung vor dem Allerheiligsten zu einer täglichen Routine zu machen, fuhr ich oft ins Kloster St Gabriel. Dort waren die „Rosa Schwestern“, dort war ständige Anbetung. Durch ein Gitter von den Schwestern getrennt, konnten Besucher tagsüber in dem kleinen öffentlichen Kirchenraum teilnehmen. Ich habe dort mehrmals die Messe und das Stundengebet mitgefeiert und oft lange Zeit angebetet – und erfahren, daß ich mir den Ruf zu meinem Privatgelübde nicht einbildete.

Als ich mit einem weisen Priester darüber sprach, hatte ich im ersten Überschwang die Idee, täglich zwei Stunden Anbetung zu geloben. Er meinte vorsichtig: „Das ist sehr viel.“ Bei unserem zweiten Treffen hatte ich lange genug darüber nachgedacht und sagte, eine halbe Stunde am Tag wolle ich anbeten. Er lächelte: „Letztes Mal sagten Sie, zwei Stunden.“ Ich erklärte: „Ich bin jetzt bei zwei Stunden. Aber ich kenne mich ja. Die erste Begeisterung wird nicht für immer halten, und dann werde ich vielleicht auch nicht immer so lange Zeit haben.“ Er fand das vernünftig. Ich weiß heute, daß die Entscheidung genau richtig war. Die halbe Stunde ist immer möglich und immer wunderbar. Mehr oft. Zwei Stunden eher selten.

Die Anbetungsschwestern haben nun zwar Berlin verlassen, aber sie beten weiter für Kirche und Welt und auch für mich. Ich habe nicht zuletzt durch sie gelernt, was ich kann und soll – und wie wunderbar Anbetung ist.

Eucharistische Anbetung ist oft besonders intensiv, und ich bin froh, daß sie in einer Kirche in meiner näheren Umgebung immerhin zweimal im Monat möglich ist. Aber die Anbetung vor dem Tabernakel ist gleichwertig. Es ist ja nur eine kleine Metalltür zwischen mir und dem Leib des Herrn – und Er kann Türen durchdringen.

Gebet trägt und bereichert Kirche und Welt. Die Wichtigkeit des Gebetes wird oft auch in der Kirche unterschätzt, aber Jesus hat nicht nur selbst viel gebetet, sondern Seinen Jüngern das Gebet ans Herz gelegt. Gebet schenkt Freude und Gelassenheit (und macht den Beter dadurch zu einem seinen Mitmenschen leichter erträglichen Menschen). Kein Gebet geht verloren.

Gottes Segen und Liebe begleite die Schwestern!

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Gut. Katholisch. Lesenswert!

gut. katholisch. Verlässliche Informationen über unseren katholischen Glauben. – so der Titel und Untertitel einer Internetseite erster Güte. Verantwortlich ist laut Impressum eine Gruppe katholischer Priester im Dienst der Diözesen, Autor ist der Priester Peter van Briel im westfälischen Dorf Halverde.

Die Seite ist übersichtlich und schön gestaltet. Man findet solide Information zu geistlichen Themen, zum katholischen Glauben, zu den Sakramenten, außerdem Kommentare zu Kirche und Welt und witzige Glossen.

Es ist eine Freude, in diesen Artikeln zu stöbern. Pfr. van Briel schreibt klar und anschaulich, und es ist für jeden etwas dabei – für Menschen, die einfach mal wissen wollen, was dies komische Ding „Kirche“ eigentlich ist, ebenso wie für altgediente Katholiken, die mehr über ihren Glauben erfahren oder eine katholische Sichtweise auf weltliche Themen kennenlernen wollen.

Kennengelernt habe ich die Seite, weil Pfr. van Briel mich um die Lizenz für einen meiner Blogartikel bat. Die habe ich gerne gegeben.

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Miriam Moißl, das hörende Herz und ein neuer Youtube-Kanal

Das katholische Blog „Das hörende Herz“ fristet völlig zu Unrecht ein Nischendasein. Artikel über alles, was katholisch ist, über einfaches Leben, Selbermachen, Nähen, Kochen, Literatur – alles in klarer Sprache, originell und persönlich geschrieben – und kaum einer guckt? Da entgeht Euch was, kann ich sagen!

Zumal dies Blog jetzt nicht nur in einem frischen Design daherkommt, übersichtlicher gestaltet bei gleich gehaltvollen Postings, sondern auch noch ein Youtube-Kanal gleichen Namens dazukommt.

Hier geht es zum Intro, und hier zu dem sehr hörenswerten Beitrag „5 Gründe, warum ich (immer noch) katholisch bin“ – klar und ruhig legt Miriam dar, warum das richtig ist.

Ungefähr alle zwei Wochen – zuweilen auch öfter – wird es einen neuen Videobeitrag geben. Ich freue mich sehr darauf und rate dringend zum Abonnement.

Am Ende des zweiten Videos macht Miriam auf die in Kürze geplante Novene der Initiative Neuer Anfang aufmerksam. Auch ich sage hier noch einmal: Bitte mitbeten – auch wer vielleicht nur ein oder zwei Tage dabei sein kann!

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Wie Gott will!

Die Katharinenschwestern, der älteste bis heute bestehende nicht kontemplative Frauenorden, feiern heute ihre Gründerin, liebevoll „Mutter Regina“ genannt.

Regina Protmann wurde 1552 in Braunsberg (heute Braniewo) im Fürstbistum Ermland (heute Woiwodschaft Ermland-Masuren) in einem reichen Patrizierhaus geboren. Ihre Familie war katholisch, sehr fromm und gebildet. In der von Religionskämpfen und Epidemien geschüttelten Zeit verlief ihr Leben zunächst recht normal für ein Kind „besserer Leute“: Regina war hübsch und modebewußt, als Teenager eine geltungssüchtige Partygängerin und dennoch auch eine innige Beterin, der die nicht nur konfessionelle Zerrissenheit ihrer Heimat keineswegs gleichgültig war.

Noch immer jugendlich, änderten sich ihre Träume. Sie nahm soziale Not wahr, vermied Feste und Großsprecherei, wollte ganz Jesus gehören. Mit zwei Freundinnen zog die 19jährige erst zu einer alten Witwe, um dort eine Art geistlicher Gemeinschaft zu bilden. Die Atmosphäre behagte ihnen aber nicht, und die jungen Frauen zogen weiter in ein baufälliges Häuschen, auf das Regina einen Erbanspruch hatte. Die drei wollten keine materielle Unterstützung; sie lebten sehr kärglich von Handarbeiten.

Die Gesellschaft sah das nicht vor. Eine junge Frau von Stand hatte entweder zu heiraten oder in ein Kloster zu gehen – aber als Wohngemeinschaft einfach so eine geistliche Gemeinschaft zu bilden, das war nicht statthaft. Regina und ihre Freundinnen gelobten Armut, Keuschheit und Gehorsam wie in einem Kloster, aber – in Frauenklöstern unerhört – sie waren nicht klausuriert, sondern verließen ihr Haus, um Kranken und Notleidenden beizustehen. Messe, Anbetung und Gebet waren ihnen ebenso wichtig und prägten ihren Tag. „Wie Gott will!“ war Reginas Motto.

Regina verfasste, etwas über 30jährig, eine Ordensregel und wählte die Heilige Katharina von Alexandrien zur Patronin. Bischof Martin Kromer, der Reginas kleine Kommunität wohlwollend sah, bestätigte die Regel, erlaubte die Öffnung des Noviziates und ernannte Regina zur Oberin. Der Orden bischöflichen Rechts wuchs schnell; 1602 bekam er die päpstliche Anerkennung. Regina wurde immer wieder als Superiorin gewählt und stand dem Orden vierzig Jahre lang vor als liebevolle und tüchtige Mutter ihrer Schwestern.

Arme, Geisteskranke und Epileptiker wurden nicht in Krankenhäuser aufgenommen. Auch waren Krankenhäuser (nicht anders als heute) ständig überlastet. Die Katharinenschwestern pflegten zunächst jene, die nicht ins Krankenhaus durften, und halfen dann auch in Krankenhäusern aus. Für Regina bedeutete diese Hilfe nicht nur kompetente Versorgung von Wunden und Krankheiten und liebevolle Zuneigung, sondern auch stärkende Suppen und finanzielle Hilfe. Die Schwestern verzichteten lieber selbst als daß sie einen armen Kranken verzichten sahen.

Mutter Regina starb am 18. Januar 1613. Die Gemeinschaft bestand aus 35 Schwestern in vier Konventen. 1999 wurde Regina Protmann seliggesprochen. Heute gibt es Katharinenschestern in Deutschland, Italien, Togo, Kamerun, Philippinen, Haiti, Brasilien, Russland, Weißrussland und Litauen.

Drei Schwestern leben heute im Konvent auf dem Klinikgelände des St-Gertrauden-Krankenhauses in Berlin, das 1930 von den Katharinenschwestern errichtet wurde. Die Krankenhauskapelle ist auch in Coronazeiten öffentlich zugänglich. Messen werden dort täglich gefeiert; Eucharistische Anbetung ist zweimal im Monat.

Selige Regina Protmann
Melodie: All Morgen ist ganz frisch und neu

Regina hört den Ruf des Herrn
Sie folgt ihm furchtlos, folgt ihm gern,
Verlässt das schöne Elternhaus,
Schlägt freudig ihren Reichtum aus.

Ihr Erbteil ist so arm und klein!
Zwei andre ziehen mit ihr ein.
Sie helfen fröhlich, beten still
Ertragen alles, wie Gott will. 

Sie pflegen Kranke, lindern Not,
Sie sparen an sich selbst das Brot.
Ein neuer Orden wird gesät
Mit Nächstenliebe und Gebet.

„Ein guter Vorsatz jeden Tag
Den Herzensfrieden wahren mag,
Und wenn uns Kreuz und Not umgibt,
Erkennen wir, daß Gott uns liebt.”

© Claudia Sperlich



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Dämonen, Löwen, Wölfe und Schweine

Mit all diesen bekam Antonius der Große zu tun, der Heilige, dessen die Kirche heute gedenkt.

Als radikaler Eremit erlebte er dämonische Versuchungen. Zuerst versuchte der Teufel es – und ihn – mit dem wohlfeilsten aller Mittel, mit Sex. Aber die Vorspiegelung von appetitlichen Frauen hatte keine Wirkung außer zeitweiliger Genervtheit auf den Asketen. Nun probierte der Teufel es mit der Angst und piesackte Antonius seelisch und körperlich mit erschreckenden Dämonen. Auch das war für Antonius sicher äußerst unangenehm, brachte ihn aber nur zu noch mehr Gebet. Der Feind musste aufgeben.

In seiner Einsiedelei empfing Antonius Ratsuchende, und seine direkte, auch schroffe, immer wahrhaftige Art wirkte anziehender als ihm lieb war. Aber obwohl er oft viel lieber über Gottes Wort meditiert als sich mit irrenden Menschen auseinandergesetzt hätte, wies er niemanden ab. Viele junge Männer wollten sich ihm anschließen, und so wurde er schließlich – wohl zunächst wider Willen – zum Begründer des christlichen Mönchtums.

Ein Wolf führte ihn zu einem anderen Einsiedler, Paulus von Theben. Als der starb, halfen Löwen Antonius, ihn zu begraben. Ob das wörtlich so stimmt, bezweifle ich zwar. Aber ich kann mir gut vorstellen, daß dieser fromme Asket, der so heftigen Versuchungen widerstanden hatte, keine Angst hatte – auch nicht vor gefährlichen Tieren.

Antonius lebte etwa von 250 bis 356 (das Eremiten- und Asketenleben scheint nicht ganz ungesund zu sein). 1095 wurde der Antoniter-Orden gegründet, der sich der Krankenpflege widmete (insbesondere an Mutterkornvergiftung oder „Antoniusfeuer“ Erkrankte, bei denen man wegen ihrer beängstigenden Halluzinationen den dämonengeplagten Heiligen als Schutzpatron anrief). Im 18. Jh. wurde der Orden den Maltesern inkorporiert. Im Mittelalter hielten die Antoniter Schweine, die frei liefen und durch ein umgehängtes Glöckchen kenntlich gemacht wurden. Die Schweine wurden von der Allgemeinheit bis zur Schlachtreife gefüttert; das Fleisch wurde an die Armen verteilt. (Die Redensart „Frech wie ein Antoniusschwein“ ist, heißt es, in Österreich noch heute bekannt.) Die Darstellung des Heiligen mit einem Schwein an seiner Seite bezieht sich auf diesen Brauch, wird aber auch mit den ihm so lästigen Dämonen in Verbindung gebracht (wohl durch die gedankliche Verbindung zu Schweinen und Dämonen in Mk. 5,11-13).

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Sternsinger-Abschied

Heute, am Sonntag nach Epiphanias, verabschiedeten sich die Sternsinger – das heißt natürlich, sie tun ihr gutes Werk weiter, sind aber vorerst nicht so sichtbar wie in den letzten Wochen.

Ich finde es immer wieder so reizend wie beeindruckend, wenn die Kinder mit so großer Freude und so tüchtigem Einsatz ihr gar nicht so unbedeutendes Hilfswerk vorstellen, tun und dann für diesmal fröhlich zum Abschied grüßen. Sie bestimmen selbst, wo sie Kindern aus welcher Not helfen wollen, informieren sich – und kein Cent geht an irgendeine Regierung oder regierungsnahe Organisation, organisatorische Arbeiten sind ehrenamtlich – jeder Cent kommt da an, wo er gebraucht wird.

Gottes Segen diesen Kindern und allen, denen sie helfen!

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Seid heilig!

„Fang selber an“, wird mancher Leser denken, und ich kann darauf nur verlegen sagen: Ich versuchs ja, aber besonders gut bin ich nicht im Heilig-Sein. Nur aufgeben mag ich nicht.

Nun stammt der Aufruf aber nicht von mir, sondern von Gott. „Erweist euch als heilig und seid heilig, weil ich heilig bin“ heißt es in Levitikus 11,44 – da ist allerdings die Rede von Speisevorschriften. Petrus aber zitiert diesen Satz in seinem Brief an die Heidenchristen in der Diaspora – und daß die den differenzierten Speisevorschriften der Juden nicht folgen müssen, haben die Apostel längst entschieden. Auch die Vision des Petrus kann als Befreiung von Speisevorschriften gedeutet werden, obwohl Petrus selbst sie zunächst metaphorisch deutet – die eine Deutung schließt die andere nicht aus, gerade weil ausdrücklich gesagt wird, daß er hungrig war und Essen machte, als diese Vision ihn überkam. (Das in Lev. 11,23 genannte Verbot, Fledermäuse zu essen, ist allerdings auch heute für alle sinnvoll.)

Über Heilige, was sie verbindet und was nicht, habe ich hier schon mal geschrieben. Das Wichtigste ist, Gott zu lieben. Ihn so lieben, daß man Ihm einfach nur gehorchen will, ist eine Gabe, die man erbeten kann. Der Empfang der Sakramente ist ein Ausdruck dieser Liebe.

Man wird kein Heiliger in vier Tagen.“ (Philipp Neri) Man wird auf dem Weg nicht besser als andere – aber besser als man vorher war.

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Novene in Sicht!

Die Initiative Neuer Anfang – ins Leben gerufen vom Arbeitskreis Christliche Anthropologie – ruft hier zu einer Novene auf.

Die Initiative bezeichnet sich als „klar. katholisch. unterwegs“ – und zeigt ein lebendiges, lebensfrohes Menschenbild in Lehramtstreue und Liebe zur Kirche. Hier steht Gottes Wort im Zentrum (statt dem für den Synodalen Irrweg typischen kleinkarierten Bestehen auf Gendersternchen und den synodalen Diskussionen, ob man überhaupt Priester braucht und wann es bittschön Priesterinnen gibt). Und in gut katholischer Art ruft die Initiative Neuer Anfang zu einer Novene auf, die vom 28. Januar bis zum 5. Februar dauern wird – also bis zu Abschlußtag der dritten Synodalversammlung. (Natürlich kann man diese wie jede Novene auch zu anderen Zeiten beten. Aber ein solcher gleichzeitiger Gebetssturm gilt als besonders segensreich.)

Die Initiative Neuer Anfang ist dabei keine „Gegenbewegung“ zu irgendwelchen synodalen oder anderen Bewegungen. Sie ist eine Bewegung für geistliche Erneuerung, für immer neue Umkehr, für Reformen, für Abkehr von modernen Ideologien und Irrtümern, für Lehramtstreue. Die Novene steht unter dem Motto „Neun Tage beten für die Erneuerung der Kirche„. Menschenfischer sein, sich mutig zu Gott bekennen, Evangelisation betreiben, das gehört zu Selbstverständnis der Initiative, und das scheint in den meditativen Texten der Novene durch.

Die Novene werde ich mitbeten. Gut möglich, daß ich mich auch in weiterer Hinsicht an diesem Neuen Anfang beteiligen werde.

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Vor 111 Jahren veröffentlicht

… und zwar in der Berliner Zeitschrift „Der Demokrat“:

Jakob van Hoddis
Weltende

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei.
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

Keine Sorge, ich will das Weltende (das sicher irgendwann kommt, vielleicht heute und vielleicht sehr viel später) weder datieren noch analysieren oder gar interpretieren. Alle Interpretationen des berühmten Gedichtes sind irrsinnig komisch, obwohl sie es nicht sein wollen.

Aber ich widme dies Blogpost all den spitz-, rund-, platt- und quadratköpfigen Bürgern, die mir in letzter Zeit so schrecklich auf die Nerven fallen. Alle anderen dürfen sich natürlich auch darüber freuen, ärgern, empören oder amüsieren, ganz nach Belieben.

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Man trägt wieder grün.

Die weihnachtliche Festzeit ist vorbei (auch im alten Ritus, obwohl oft behauptet wird, da sei es ganz anders). Die weißen Gewänder hängen im Schrank der Sakristei (oder sind in der Reinigung). Die liturigsche Farbe Grün herrscht vor: Farbe der Hoffnung und des Lebens. Die ersten Krokusblätter spitzen aus der Erde.

Die Kirche bekennt Farbe. Farbsymbolik hat mit Eigenschaften, Gefühlen und Erfahrungen zu tun. Die Bedeutung von Farben ist dabei kontext- und kulturabhängig; Grün dürfte allerdings in allen Kulturen eine überwiegend positiv konnotierte Farbe sein. Chlorophyll mögen schließlich alle. In der weltumspannenden Kirche ist die Farbsymbolik jedoch festgelegt. Wie genau, steht hier.

Der Wechsel der liturgischen Farben ist nicht nur ein ästhetisches Vergnügen. Er ist ein Hinweis, was jetzt „dran“ ist. Daß Gott als Mensch unter Menschen gelebt hat, Licht in der Finsternis, haben wir uns wieder einmal eindringlich klar gemacht. Jetzt heißt es, dies Bewußtsein zu bewahren und wachsen zu lassen. Hildegard von Bingen hat den Begriff Viriditas geprägt, meist wird das mit Grünkraft übersetzt. Sie meint damit eine positive Energie, die allem Sein innewohnt. Auch dieser Gedanke passt zu Hoffnung und neuem Wachstum.

Wir haben Jesu Christi Kommen in die Welt in aller Ausschweifigkeit gefeiert; ich bin am Ende immer recht froh, daß die „Normalzeit“ wieder einkehrt. Zugleich ist Christentum natürlich alles andere als „normal“: Wir leben auf Christus hin, in der Hoffnung, aus dem Glauben und liebevoll – zumindest idealiter, ich weiß ganz gut, daß realiter da noch einiges fehlt. Diese Haltung möchte ich im gemeinen Alltag mit Papierkram, Unordnung und einem Haufen Problemen bewahren, so gut ich kann.

Jesus vergleicht sich und uns mit einer grünen Pflanze: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“ (Joh. 15,5) Ihm grün sein über die Festzeiten hinaus, Ihn lieben sein an ganz normalen und grauen Tagen (Grau ist keine liturgische Farbe!), das ist christliche Alltagsaufgabe.

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