Allerseelen

Melodie: Befiehl du deine Wege

Die Seelen, die voll Bangen,
den Sinn zu Dir gekehrt,
nach Dir, Herr Gott, verlangen,
doch noch von Schuld beschwert,
noch büßen alten Schaden,
noch leiden am Gericht –
nimm sie zu Dir in Gnaden,
heb sie hinauf ins Licht!

Geht unser Weg zu Ende
Mit unbeglichner Schuld,
So reich auch uns die Hände
In Güte und Geduld.
Mach unsre Schluchten eben,
Mach uns für Dich bereit!
Dann schreiten wir ins Leben,
Zum Leben ganz befreit.

© Claudia Sperlich

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Allerheiligen

Melodie: Gott, der nach Seinem Bilde (GL 499); alternativ: Den Herren will ich loben (GL 395)

Ihr seid in Gott geborgen,
Gehüllt in Gottes Licht,
In ewgem Ostermorgen
Schaut ihr des Herrn Gesicht.
In Liebe ohne Grenzen
Lebt ihr in Ewigkeit,
Und eure Seelen glänzen
Von Gottes Heiligkeit.

Ihr weist auf Jesu Leben,
Ihr seid der Kirche Licht.
Helft uns in Tun und Streben
Zu Mut und klarer Sicht.
Helft uns in unsern Leiden,
In Irrtum, Krankheit, Not.
Seid bei uns, wenn wir scheiden,
Und helft zu gutem Tod.

Ihr habt schon überschritten
Die Schwelle in Sein Land;
Ihr Heiligen, wir bitten,
Nehmt ihr uns an der Hand.
Wenn dann in Gottes Klarheit
Der ewge Tag anbricht,
Sind wir in Seiner Wahrheit,
Im goldnen Gotteslicht.

© Claudia Sperlich

 

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Wenn die Heiligen einmarschieren

Seit Wochen regen sich Anhänger aller möglichen christlichen Denominationen auf, weil heute Abend spukhaft verkleidete Kinder einem Heischebrauch huldigen.

Ich habe keinen Bedarf,  mich darüber aufzuregen. Kinder, die einmal im Jahr so tun, als wären sie gefährliche Geister,  die man mit Süßigkeiten beschwichtigen muss, machen mir keine Angst. Die Kleinen wissen in der Regel sehr gut, dass man nichts Böses tun soll. Heute nehmen sie sich heraus, Zahncreme auf Türklinken zu drücken oder ähnlich Entsetzliches zu vollbringen.

Nerviger finde ich im Zusammenhang mit Halloween,  All Hallows‘ Even, Vorabend zu Allerheiligen den Murks, der über die Entstehung von Gruselfest und Heischebrauch einerseits und vom kirchlichen Fest Allerheiligen andererseits erzählt wird.

Keltische Wurzeln! Samhain! Finsterer Aberglaube der Römlinge! Na und so weiter.

Über die kultischen Bräuche einer längst untergegangenen Kultur mit wenigen kurzen Schriftzeugnissen wissen wir so gut wie nichts aus erster Hand und wenig durch die Überlieferung griechischer und römischer Autoren, deren Haupinteresse nicht sachliche Information war. Im 19. Jahrhundert wurden die keltischen und germanischen Bräuche in der romantisch gefärbten Rezeption lateinischer Autoren modern, und zwar regelmäßig mit einem kirchenfeindlichen Unterton („Seht her, die Kirche hat heidnische Bräuche übernommen“). Dieser Kulturkampf überdauerte die Nazis (die solche unwissenschaftlichen Behauptungen begeistert aufnahmen) und dauert an. Die ungezählten „alten keltischen Bräuche“ zu Samhain sind Erfindungen der Romantik.

Die irische Sage von Jack o’Lantern, dem geizigen, trunksüchtigen Schmied, der den Teufel überlistete, ist wohl der wesentliche Bestandteil des säkularen Halloween. Die älteste Niederschrift stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert, der Kern der Sage möglicherweise aus dem 17. Jahrhundert. Die schaurige Ausschmückung entwickelte sich im 19. Jahrhundert in Amerika bei irischen Auswanderern.

Es gibt Möglichkeiten, mit bösen Mächten Kontakt aufzunehmen (und ich werde mich hüten, diese in Anspruch zu nehmen). Bettelnden Kindern Süßkram zu geben gehört nicht dazu.

Ich werde heute Abend beginnen,  Allerheiligen zu feiern (Hochfeste beginnen mit dem Vorabend). Alle Heiligen, bekannte und unbekannte, sind mir willkommen. Mit Gottes und der Heiligen Segen verschenke ich auch Süßigkeiten. Und wenn keine Kinder kommen, werden die Sachen auch nicht schlecht.

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Der Rassismus der Guten

Ein temporäres Denkmal in Berlin zeigt einen Bücherstapel mit berühmten Namen der deutschen Literatur. Fast nur Männer!

Hannah Arendt und Anna Seghers sind dabei.  Sonst keine Frau.  Goethe und Schiller,  aber keine Annette von Droste-Hülshoff (die dichterisch weit Größeres geleistet hat als der „Dichterfürst“).

Ich erwähnte den Namen Kaléko in der Diskussion, und darauf folgte ein bizarrer Schlagabtausch mit einer Frau aus Albanien.

Albanierin: Mascha Kaleko war eine jüdische-polnische Poet!
Wie können Sie als deutsche sie bezeichnen?

Ich: Kaléko schrieb auf deutsch.  Ihre Sprache war deutsch,  in einigen ihrer Gedichte Berliner Dialekt. Denn sie war zwar in Österreich-Ungarn (nicht Polen) geboren,  aber bereits als Kind nach Deutschland gezogen.
Daß sie Jüdin war, macht sie nicht weniger deutsch. Eine Religion ist etwas anderes als eine Sprache. 
Ich habe sie übrigens
nicht „als Deutsche bezeichnet“, ich habe nur erwähnt,  daß sie in einem Turm deutschsprachiger Dichter fehlt. Ob sie einen deutschen Pass hatte, ist dabei völlig egal.
Nur Rassisten und Antisemiten machen da Unterschiede.

Albanierin: ah ja!
Falsch!
Sie haben mich als Rassistin bezechnet?
Ja, wenn so wäre, wäre auch H.Heine nicht als deutsche Dichter!
Nun, war sie nicht eine deutsche und soll dann als mayar genannt werden, oder auch jüdisch, aber als deutsche viel weniger… obwohl sie eine tolle Dichterin war!
Schönen Tag!

Ich: ich habe Sie nicht als Rassisten bezeichnet, sondern darauf hingewiesen, dass nur Rassisten verbieten, deutschsprachige Dichter zu deutschsprachigen Dichtern zu zählen, weil sie woanders geboren wurden.
Tatsächlich ging es mir ausschließlich darum, dass Mascha Kaléko in einem Turm mit deutschsprachigen Dichtern fehlt. Das wollen Sie mir verbieten, mit dem Argument, daß sie nicht deutscher Herkunft und zudem Jüdin war. Aber natürlich sind Sie ganz und gar nicht Rassist oder Antisemit, woher denn, ganz bestimmt nicht.

Nach einigem Nachdenken sage ich hier: Doch, die Dame aus Albanien ist rassistisch, und sie ist antisemitisch. Sie will das nicht,  was für sie spricht,  aber sie ist es, ohne sich darüber klar zu sein.

In dem Augenblick,  wo ich über einen deutschsprachigen Dichter (generisches Maskulinum) sage, man dürfe ihn nicht einfach zu den deutschen Dichtern zählen,  da 1. Jude und 2. nicht in Deutschland geboren,  bin ich Antisemit und Rassist. Eine Religion ist kein Land,  eine Sprache kein Geburtsort.  So einfach ist das.

Ich gehe davon aus, daß es unter den „Guten“, die Kaléko lesen und gegen Ausgrenzung sind, massenhaft derartige Formen eines „positiven Antisemitismus“ und „positiven Rassismus“ gibt. Mir sind sie jedenfalls schon zum Überdruss begegnet.

Selbstverständlich ist Kalékos Biographie und Religion bedeutsam für ihr Werk. Das ist eine banale Aussage,  denn biographische und weltanschauliche bzw. religiöse Daten sind für jeden Menschen bedeutsam und schlagen sich im Werk jedes Künstlers nieder.

Ich „als Deutsche“, als Liebhaberin der deutschen Sprache und Literatur,  bin glücklich,  Mascha Kaléko im Original lesen zu können. Zitieren kann ich sie hier nicht, nur verlinken, da die Rechte an ihrem Werk noch nicht frei sind, ich empfehle aber allen,  sich wenigstens „Das himmelgraue Poesiealbum“ und „In meinen Träumen läutet es Sturm“ zuzulegen.

Und bitte, legt sie nicht nur auf einen Stapel.  Lest sie. Auf deutsch, denn das ist ihre Sprache.

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Ringeltaube

Die dicken Ringeltauben kommen ab und zu auf den Balkon. Ich mag sie gerne. Im Gegensatz zu den Stadttauben treten Ringeltauben nie massenhaft auf und halten sich lieber im Grünen auf.

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Verschwörungstheorien und Antisemitismus

Was immer der Inhalt einer Verschwörungstheorie ist – Impfen macht krank, Kondensstreifen sind in Wirklichkeit giftige Substanzen, die uns willfährig machen,  es gab nie eine Mondlandung, Amerika gibt es nicht, Amerika wird uns alle töten, die Erde ist flach usw. -, wenn man sich auf ein Gespräch mit dem Theoretiker einlässt, wird er irgendwann die Juden als Schuldige erwähnen. Je haarsträubender der verteidigte Unsinn ist,  desto schneller kommt der Antisemitismus hinzu. 

Manchmal werden auch die Freimaurer genannt oder die Katholiken. Aber die sind optional. Ohne das Feindbild „Jude“ kommt keine Verschwörungstheorie aus!

Allerdings wird in der Regel abgestritten,  daß es sich hierbei um Antisemitismus handelt. Dazu werden auch immer wieder die besten Freunde herausgekramt, die Juden sind. (Das muss nicht immer eine Lüge sein. Natürlich gibt es unter 14 bis 15 Millionen Juden auch ein paar mit nicht nachvollziehbaren Entscheidungen bezüglich ihrer Freunde.) Antisemitismus ist es aber trotzdem,  die Juden als Feind an sich darzustellen. Und genau das kommt, wie gesagt, meiner Erfahrung nach bei jeder einzelnen Verschwörungstheorie heraus.

Warum das so ist, weiß ich nicht. Ich habe auch nicht die Nerven,  einen wissenschaftlichen Beweis anzutreten.  Denn dazu müsste ich Feldforschung treiben,  das heißt,  mit einer großen Zahl Verschwörungstheoretiker verschiedener Art sprechen. Stattdessen gebe ich hier nur den Eindruck wieder, den ich in den vergangenen Jahrzehnten gewonnen habe. In meiner Jugend waren das tatsächlich Gespräche mit Anhängern solcher Gedankengebäude. Nun ist es mehr der Blick auf die sozialen Netzwerke, der meine Ansicht erhärtet.

Es mag Antisemiten geben,  deren einzige Verschwörungstheorie das Judentum zum Inhalt hat. Aber Verschwörungstheorien ganz ohne das „Feindbild Jude“ sind mir noch nie vorgekommen,  uns ich halte sie für unmöglich.

Aber eigentlich ist das ja ein hohes Lob an Gottes auserwähltes Volk: Wer dies verleumdet, hat auch sonst nicht alle Tassen im Schranke.

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Wenn es dunkel wird

Wenn ich einst nicht mehr logisch denken kann,
Nur fühlen,  und wenn die Erinnrung schwindet,
Wenn mich mit dieser Welt nur noch verbindet
Die Gier, die in mir flackert dann und wann,

Wenn sich kein klarer Satz mehr aus mir windet,
Wenn Lied und Wort und Tinte längst verrann,
Wenn ich statt denken nur noch grübeln kann,
Und wenn mein Geist nichts Neues mehr erfindet,

Wenn ich vergesse meiner Freunde Scharen,
Wenn ich voll Angst bin wie die kleinen Tiere,
Sei Du mein Trost, wenn ich die Welt verliere!

Du bist das Wort! Dies Wort will ich bewahren.
Dann lass mich sprechen Deinen lieben Namen,
Sprich Du an meinem Ende selbst das Amen.

© Claudia Sperlich

Anmerkung: Akute Gefahr besteht nicht.  Aber aus irgendeinem Grund war gestern Zeit,  eine bestimmte Zukunftsangst zum Sonett zu machen.

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Zum Tag der Einheit

Es begann mit Gebetsgrüppchen von fünf bis sieben Personen,  meist Frauen,  in verschiedenen Kirchen.

Es wuchs zu riesigen und vollkommen friedlichen Demonstrationen, immer im Anschluss an das gemeinsame Gebet um Einheit und Frieden.

Saboteure der Stasi mischten sich darunter und wollten Gewalt provozieren.  Sie wurden immer von friedlichen Demonstranten umringt und mit „Schschhhh, keine Gewalt“ zur Ruhe gebracht.

Die Angst vor der Stasi schwand, obwohl die Stasi weiter haarsträubende Untaten beging.

Trotzdem glaubte ich nicht an einen friedlichen Ausgang,  ich als Wessi. Bis ich eines Morgens beim Musikhören vom Telephon unterbrochen wurde. Meine Mutter sagte: „Die Mauer ist gefallen!“

Ich wartete auf die Pointe.  Aber Mutter versicherte mir, es sei kein Witz.  Ich schwang mich aufs Fahrrad und sah bald die Menschenmenge, die feierlich und fröhlich in den Westteil der Stadt zog.

Bis zu diesem Augenblick hatte ich geglaubt,  das Höchste, was man in dieser Beziehung erwarten könne, sei eine Entente zwischen beiden deutschen Staaten. So gern hatte ich noch nie einen Irrtum eingestanden.

Vertrauen wir doch weiter auf die Kraft des Gebetes,  auf Gottes Kraft!

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Hörnchen am Meisenring

Wenn die vogelsichere Futterstation mal leer ist, muss man eben beim Nachbarn essen gehen! Denn umgekehrt ist der Meisenring nicht hörnchensicher.

Merke: Auch ein Abszess an der Wange ist da kein Hinderungsgrund. Hunger ist stark!

Leider konnte ich die Aufnahmen nur bei geschlossener Balkontür machen.

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Engel an unserer Seite

Heute feiert die Kirche das Fest der Schutzengel. Jeder von uns kann also heute mit seinem persönlichen Schutzengel feiern, der ihm von der Zeugung bis zum Tod zur Seite steht, ohne dabei seine Freiheit zu beschneiden. Denn Engel sind keine Gouvernanten.

Dir begegnet kein Unheil, deinem Zelt naht keine Plage. Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Sie tragen dich auf Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.

Ps. 91

Auch Jesus hatte als Mensch Seinen Schutzengel. Möglicherweise war er es, der Ihn auf dem Ölberg stärkte.

Dann entfernte Er sich von ihnen ungefähr einen Steinwurf weit, kniete nieder und betete: Vater, wenn Du willst, nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht Mein, sondern Dein Wille soll geschehen. Da erschien Ihm ein Engel vom Himmel und stärkte Ihn.

Lukas 22,41-43

Über die Schutzengel jedes Menschen, besonders wohl jedes Kindes, sagt Jesus:

Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn Ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht Meines himmlischen Vaters.

Matthäus 18,10

Schutzengel
Melodie: Was Gott tut, das ist wohlgetan (GL 416)

Ein Engel ist uns beigesellt
seit frühen Kinderzeiten,
den Gott an unsre Seite stellt,
durchs Leben uns zu leiten.
Er führt uns sacht, er schützt und wacht
in Torheit und Gefahren,
will liebend uns bewahren.

Er schaut auf unsern Gott und Herrn
voll Liebe ohne Wirren.
Er zeigt uns Jesus, Gottes Stern,
und hält uns, wenn wir irren.
In dieser Zeit ist sein Geleit
ein wunderbarer Segen
auf unsern Erdenwegen.

Er führt uns aus der Welt hinaus
wenn dieses Leben endet,
zu Heimatlicht und Vaterhaus,
wo Schuld und Not sich wendet.
Von Angst und Leid sind wir befreit,
um ewig Gott zu preisen
in himmelschönen Weisen.

© Claudia Sperlich

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